Will hier auch mal kurz eine Kritik zum Sammelband abgeben. Ist schon etwas länger her, dass ich es das erste Mal gelesen hab (bin gerade beim zweiten Durchlauf) und denke, Postkarten hat es verdient, dass ich mal ein Feeback gebe.
Zunächst kommt das Buch nicht so druchweg positiv bei mir weg, wie in vielen Rezensionen. Am meisten gestört hat mich der fast durchgängig (einzige Ausnahme INSPIRATION glaube ich) lustige Unterton. Klar es geht auch um Blut und Verzweiflung aber alles mit einem Augenzwinkern. Das ist der Punkt, den die meisten (was ich bisher so gelesen habe) an den Geschichten schätzen und für grandios halten. Mir wars aber entschieden zuviel. Durch diese Flappsigkeit kam bei mir nur an seltenen Stellen Spannung auf.
Das größte Plus der 11 Geschichten sind für mich die innovativen Ideen und die skurilen Persönlichkeiten wie den Süssigkeitenauffüller oder Gevatter Tod himself. Wirklich interessant zu lesen. Auch die Wendungen (wie in Volerie, als er plötzlich im Krankenhausbett erwacht, dann aber doch...) sind geglückt, überraschen aber passen ins Gesamtbild und wirken nie aufgesetzt.
Meine Nr.1 unter den Geschichten ist INSPIRATION. Stilistisch fällt sie wie gesagt etwas heraus (liegt sicher auch daran, dass sie in einer anderen Zeit spielt), und das Szenario in der Irrenanstalt, die Gespräche mti dem Kindermörder – da kam wirklcih Gänsehaut auf, Kompliment. Entgültig fasziniert hat mich dann die Schlusspointe – grandios.
Mit etwas Abstand folgt STRANGERS IN THE NIGHT, weil sie so eine ruhige, entspannte Atmosphäre ausstrahlt (hört sich komisch an, für einen Horrorsammelband oder?). Der Wagen, der allein durch die Abenddämmerung fährt, dazu Sinatra-Songs. Ich kenn Sinatra leider nicht besonders, vielleicht hätte die Geschichte noch stärker gewirkt, hätten mir die genannten Songs was gesagt, wer weiß?
Stimmige Atmosphäre und toll gelöst ist auch, als der Mitfahrer begreift, was wirklich hier abgeht: So unaufgeregt, toll gelöst.
Platz Drei belegt KOPFSACHE. Neben der interessanten Idee und dem bedrückenden Szenario muss ich noch das offene Ende hervorheben.
Die Vier geht an die Titelgebende Geschichte. Hier wird sich viel Platz gelassen und auch die Atmosphäre baut sichlangsam bedrohlich auf um dann in einem Feuerwerk der abstrusen Ideen zu münden, wo der Autor seine ganze Phantasie entfalten kann – ein wahrer Spaß!
Gar nicht gefallen hat mir dein HEILIGER KRIEG. Fand die Idee hinter dem Ganzen nicht besonders dolle oder originell und auch das Verhalten der Soldaten (ihre Ängste und so) fand ich jetzt nicht wirklich gut beschrieben. Das große Gemetzel auf das alles hinausläuft... naja irgendwie billig.
Noch einen Tiefpunkt gabs für mich: ABWÄRTS. Die Charaktäre konnten mich überhaupt nicht reizen und auch hier fand ich die Idee einfallslos (schwarze Löcher tuen sich auf und verschlucken die Welt).
Überflüssig und nicht ins Gesamtkonzept passend fand ich die Gastgeschichte. War irgendwie fehl am Platz.
Als Fazit bleibt mir zu sagen, dass ich toll unterhalten wurde, die Geschichten aber keine Offenbarungen waren. Gut. Auf jedenfall lesenswert, aber nichts, das nach dem Lesen noch beschäftigt. Ich weiß nicht, ob dir das als Anspruch genügt, Torsten.
Ich hab gelesen, dass du vieles vonKing kennst. Dann vielleicht auch den Ausspruch, seine Geschichten wären das literarische Adiquat zu einem BigMac mit Pommes (seh ich übrigens anders, aber andere Thema), bei Postkarten hat sich mir immer der vergleich mit Al Bundy aufgeträngt. Ist nicht negativ gemeint, ich mag die Serie: Sie ist gelungene Unterhaltung für Zwischendurch, schafft Entspannung vom Alltag, ist aber eben auch eher beiläufig.
So das wars, meine ehrliche Meinung.
Übrigens: Die Aufmachung des Buchs ist wirklich hervorragend. Sowohl Titelbild als auch Druck – Lob hierfür!
...scheiß auf die Hoffnung und die Anderen, hilfst du dir nicht, dann hilft dir keiner raus. Sagt das Leben dir denn nie, mein Freund: Verlierer sehen anders aus...