Ich nehme mal eine weitere Antho, über die schon viele Worte verloren wurden, zur Hand ... wird auch langsam mal
Zeit

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Thomas Wagner - <Die gelbe Zeit>
Die Auftaktstory des Bandes ist schon ein Meisterwerk - aber das trifft wohl auf jede Wagner-Geschichte zu. Ein Greis
kämpft mit der viel zu heissen Sonne, ihrem grellen Licht, der Hitze und dem Wahnsinn, der scheinbar über sämtliche
Bewohner eines Wohnhauses gekommen ist. Bedrückend schwül und bedrohlich. Wagner versteht es, nicht zuviel und
nicht zuwenig zu schreiben, er findet genau den richtigen Tonfall für seine Geschichte.
Kathleen Weise - <Die Geschichte der Äonenwürmer>
Leider kommt nach dem grandiosen Auftakt ein Schlag in die Nieren - zumindest für mich. Da stimmt meiner Meinung
nach gar nichts. Die sehr knappe, unschöne Sprache passt nicht zum Inhalt, die Charaktere wirken leer - viel eher wie
leblose Pappmachefiguren auf einer Bühne. Eine Dramaturgie habe ich nicht entdeckt - die Geschichte um eine Maske
und eine Frau, die bei Berührung aus Gegenständen und Menschen 'lesen', bzw. deren Ängste sehen kann, plätschert
einfach so vor sich hin. Nicht mein Fall.
John B. Ford - <Hinter dem bemalten Gesicht>
Ford ist angeblich bekennender Ligotti-Jünger, und scheinbar treffen auch einige seiner Geschichten den selben Tonfall.
Ich mag Ligotti mit seinem prätentiös-wahnsinnigen Geschreibsel nicht, aber die Story von Ford hat mir sehr gut gefallen.
Wie er durch seinen paranoiden Protagonisten von den wahren Intentionen der (bösartigen, ja geradezu dämonischen)
Clowns erzählt hat schon etwas beklemmendes, aber auch absurdes. Dieses Gemisch und eine schöne Sprache, die
zum Inhalt passt, haben wunderbar für mich funktioniert.
Michael Siefener - <Die steinernen Träume>
Ich muss es zugeben: auch Siefener steht nicht sehr weit oben auf meiner Liste der Lieblingsautoren. Eigentlich gefällt
mir nur der 'Edition Metzengerstein'-Band von ihm. Zu meiner Überraschung ist die Story vom Ehemann, dessen Frau und
Vater gestorben sind und der ins Haus seines alten Herren aufs Land zieht enorm stimmungsvoll. Gut, sehr innovativ ist
die Geschichte nicht ... ein altes Haus, ein trauriger Protagonist, eine Kirche mit einer bizarren Geschichte, ect. Trotzdem
... bei dieser Geschichte hat's wunderbar funktioniert und gepasst. Lediglich der Schluss enttäuschte mich und liess mich
unbefriedigt zurück.
(Bald mehr zum Rest.)