Dabei ist der Doppelroman “Mythgarthr”, bestehend aus dem vorliegenden Band Der Ritter und dem im Herbst 2006 erscheinenden Der Zauberer, das erste Werk Wolfes, das im eigentlichen Sinne der epischen Fantasy zugerechnet werden kann. Hauptfigur ist der junge Art, den es bei einem Spaziergang im Wald urplötzlich in eine völlig andere, von Rittern und Fabelwesen bevölkerte Welt verschlägt, und der in einem langen Brief an seinen Bruder Ben von seinen Abenteuern dort berichtet. Und eben dieser Brief macht die beiden “Mythgarthr”-Bände aus.
Was Art in der fremden Welt -- Mythgarthr -- erlebt, ist ebenso atemberaubend wie anrührend. Von einer schönen Fee in einer einzigen Liebesnacht zum starken Mann gemacht, richtet er fürderhin sein ganzes Sinnen und Streben darauf, ein Ritter zu werden. Dabei muss er gegen Riesen und Drachen kämpfen, um die Liebe einer Königin ringen und sich immer wieder im Kampf mit Schwert und Lanze bewähren. Doch wo andere Autoren nur Klischees bemühen und sattsam bekannte Figuren über ausgetretene Pfade stolpern lassen, gelingt es Gene Wolfe tatsächlich, eine glaubhafte mittelalterliche und magische Welt heraufzubeschwören. Oder, um es in den Worten von Tad Williams auszudrücken: “Die meisten Fantasyautoren bemühen sich redlich, ein Zauberreich zu erschaffen. Gene Wolfe dagegen weiß tatsächlich, wie man dorthin gelangt.”
Aber nicht vergessen: Der Ritter ist ebenso subtil wie gefährlich, und wer polternde Breitwand-Fantasy erwartet, die in dicken Lettern auch noch das Offensichtlichste erklärt, wird sich an Gene Wolfe die Zähne ausbeißen. Wer jedoch herausfinden möchte, wie sich ein Schriftsteller liest, der wirklich zaubern kann, sollte sich dieses Meisterwerk auf keinen Fall entgehen lassen
Greetz