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ANUBIS

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Sonntag, 4. Juni 2006, 16:07

DIE TIEFE von Martin Hoyer

uuund die Acht....

Greetz
“Strange, is it not? that of the myriads who
Before us pass'd the door of Darkness through,
Not one returns to tell us of the Road,
Which to discover we must travel too.”

kaigrimm

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Samstag, 10. Juni 2006, 12:25

RE: DIE TIEFE von Martin Hoyer

Tja, ich habe ein echtes Problem mit Moralpredigten im Horrorgenre. Stammen diese von einer lovecraftoiden Mythosgestalt, dann erst recht.

Eine coole Story wäre gewesen: Nazi-Spion soll mit wichtigen Infos (z.B. über den D-Day) vor der Küste Arkhams von einem U-Boot aufgelesen werden, gerät aber in die Hände eines Dagon-Kultes, der zufällig gerade einen Fremden zum Opfern braucht.

Aber dieser politisch korrekt einem Nazi-Spion die Augen öffnende Dagon, der ist wirklich reichlich uncool und alles andere als gruselig. Eine gute Grundidee leider verschenkt.
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MartinHoyer

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Montag, 19. Juni 2006, 13:08

RE: DIE TIEFE von Martin Hoyer

Hallo Kai,

ich bin nicht der Ansicht, daß Dagon moralisiert - zumindest habe ich es nicht so darstellen wollen. Vielmehr spricht er der Menschheit das Recht ab, über sein Handeln moralisch zu urteilen.
Eigentlich ist es ihm ziemlich gleich, was Menschen einander antun, und gemäß seines Habitus' benutzt er die Schuldgefühle eines Menschen, um ihn auf seine Seite zu ziehen.

Nun gut, es mag sein, daß es mir in Deinem Fall (Oder im Allgemeinen?) nicht gelungen ist, das über den Text zu vermitteln. Vielleicht äußern sich hier noch Andere zu der Geschichte und dann werden wir schon herausbekommen, ob das Problem bei meiner Beschreibung oder bei Deiner Auffassung des Ganzen liegt.

Was Deine Idee ...

Zitat

Original von kaigrimm
Eine coole Story wäre gewesen: Nazi-Spion soll mit wichtigen Infos (z.B. über den D-Day) vor der Küste Arkhams von einem U-Boot aufgelesen werden, gerät aber in die Hände eines Dagon-Kultes, der zufällig gerade einen Fremden zum Opfern braucht.

... angeht, muß ich Dir ganz ehrlich sagen, daß "cool" das letzte Attribut ist, daß mir dazu einfällt.
Ein Plot der Marke "das Böse trifft auf etwas noch Böseres", kombiniert mit "der Fremde ist ein willkommenes Opfer für Sektierer" ist schon dermaßen ausgelutscht, der hatte schon 'nen Bart, als die Großen Alten noch klein und jung waren.
:D

MfG
Martin

p.s.:
Übrigens wird im Horrorgenre ständig moralisiert. Es erwischt überwiegend die Dämlichen, die Klugscheißer, die Unsympathischen und diejenigen, die außerehelichen Sex haben. - Wie kommst Du überhaupt noch mit dem Genre klar? *g*

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »MartinHoyer« (19. Juni 2006, 13:12)


kaigrimm

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Montag, 19. Juni 2006, 13:53

RE: DIE TIEFE von Martin Hoyer

Zitat

Original von MartinHoyer
Hallo Kai,

ich bin nicht der Ansicht, daß Dagon moralisiert - zumindest habe ich es nicht so darstellen wollen. Vielmehr spricht er der Menschheit das Recht ab, über sein Handeln moralisch zu urteilen.
Eigentlich ist es ihm ziemlich gleich, was Menschen einander antun, und gemäß seines Habitus' benutzt er die Schuldgefühle eines Menschen, um ihn auf seine Seite zu ziehen.

Nun gut, es mag sein, daß es mir in Deinem Fall (Oder im Allgemeinen?) nicht gelungen ist, das über den Text zu vermitteln. Vielleicht äußern sich hier noch Andere zu der Geschichte und dann werden wir schon herausbekommen, ob das Problem bei meiner Beschreibung oder bei Deiner Auffassung des Ganzen liegt.

<Erstmal hallo Martin,

so leid es mir tut, bei mir ist es wirklich so angekommen nach dem Motto "Du bist ein böser Nazi, Du kriegst deshalb jetzt was auf die Mütze". Vereinfacht gesagt. Eine Sichtweise, die übrigens perfekt mit dem schlechten Gewissen des Spions wegen des Holocaustes korrespondiert. Letzteres übrigens one dass es das Geschehen irgendwie fördert. Warum muss denn hier dem Nazispion vor seinem unweigerlichen Ende noch beigebracht werden, dass er auf dem Holzweg ist? Ganz im Ernst, ich finde das politisch korrekt/Überflüssig.
Kai>

Was Deine Idee ...

Zitat

Original von kaigrimm
Eine coole Story wäre gewesen: Nazi-Spion soll mit wichtigen Infos (z.B. über den D-Day) vor der Küste Arkhams von einem U-Boot aufgelesen werden, gerät aber in die Hände eines Dagon-Kultes, der zufällig gerade einen Fremden zum Opfern braucht.

... angeht, muß ich Dir ganz ehrlich sagen, daß "cool" das letzte Attribut ist, daß mir dazu einfällt.
Ein Plot der Marke "das Böse trifft auf etwas noch Böseres", kombiniert mit "der Fremde ist ein willkommenes Opfer für Sektierer" ist schon dermaßen ausgelutscht, der hatte schon 'nen Bart, als die Großen Alten noch klein und jung waren.
:D

MfG
Martin

<Dass diese mir aus dem Bauch heraus nach dem Lesen der Tiefe eingefallene Idee nicht die Alleroriginellste sein mag, dem widerspreche ich gar nicht. Nun dennoch, für meinen Geschmack funktioniert Horror so deutlich besser. Das Opfer nach dem Zufallsprinzip, nicht nach dem Schuldprinzip. Das "Übersinnliches bestraft menschlichen Bösewicht"-Schema" halte ich jedenfalls spätestens seit Basteis Gespenstergeschichten für ausgelutscht mit dem besagten Bart. Ich lese gerade Horror, weil Horror eben nicht nur den Bösen widerfährt... Und: Wieviel Horror bleibt einer Horrorgestalt, die ihre Opfer sauber nach allgemeingültigen moralischen Maßstäben aussucht? Meiner Meinung nach wenig. Kai>


p.s.:
Übrigens wird im Horrorgenre ständig moralisiert. Es erwischt überwiegend die Dämlichen, die Klugscheißer, die Unsympathischen und diejenigen, die außerehelichen Sex haben. - Wie kommst Du überhaupt noch mit dem Genre klar? *g*


Dies ist richtig, betrifft aber hauptsächlich den filmischen Bereich, insbesondere den Schlitzer-Film. Und ja, es nervt mich auch dort, selbst in ansonsten wirklich guten Filmen. Wobei es in Filmen selten so geballt auftritt wie es im Printmedium nun mal schnell der Fall ist.

Nun nichts für ungut, Du hast Deine Geschichte so geschrieben wie Du sie geschrieben hat, weil Du so hinter ihr stehst, wie sie ist. Meinen Geschmack hast Du (zumindestens mit dem Ende) damit nicht getroffen, aber das ist sicher kein Beinbruch. Gottlob sind Geschmäcker unterschiedlich und andere Leser können das ja ganz anders sehen (und vielleicht Geschichten aus Arkham, die ich toll fand, gar nicht mögen). Kai
Lese zur Zeit:
Christoph Marzi - Somnia

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MartinHoyer

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Montag, 19. Juni 2006, 17:29

RE: DIE TIEFE von Martin Hoyer

Hallo Kai,

erst einmal vorweg: Leid muß Dir gar nichts tun, denn ich muß Deine Ansicht natürlich so hinnehmen, wie sie ist. Wenn dabei noch ein paar Ideen für eine etwaige Überarbeitung der Geschichte herausspringen - um so besser.

Zitat

Original von kaigrimmso leid es mir tut, bei mir ist es wirklich so angekommen nach dem Motto "Du bist ein böser Nazi, Du kriegst deshalb jetzt was auf die Mütze".

Das verstehe ich nun ganz und gar nicht, weil er ja nun überhaupt nicht auf die Mütze kriegt. Dagon droht dem Protagonisten ja nicht einmal direkt, und die U-Boot-Besatzung geht nur deshalb drauf, weil das U-Boot benötigt wird.
Das ist ja eben das Schöne an Gestalten wie Dagon: Sie stehen über den menschlichen Konflikten.

Zitat

Warum muss denn hier dem Nazispion vor seinem unweigerlichen Ende noch beigebracht werden, dass er auf dem Holzweg ist? Ganz im Ernst, ich finde das politisch korrekt/Überflüssig.

Wieso "unweigerliches Ende"? Es bleibt doch vollkommen offen, ob Dagon den Spion rettet oder nicht. Damit hat der Gott sozusagen den Schwarzen Peter zugeschoben bekommen.

Zitat

Dass diese mir aus dem Bauch heraus nach dem Lesen der Tiefe eingefallene Idee nicht die Alleroriginellste sein mag, dem widerspreche ich gar nicht. Nun dennoch, für meinen Geschmack funktioniert Horror so deutlich besser. Das Opfer nach dem Zufallsprinzip, nicht nach dem Schuldprinzip. Das "Übersinnliches bestraft menschlichen Bösewicht"-Schema" halte ich jedenfalls spätestens seit Basteis Gespenstergeschichten für ausgelutscht mit dem besagten Bart. Ich lese gerade Horror, weil Horror eben nicht nur den Bösen widerfährt... Und: Wieviel Horror bleibt einer Horrorgestalt, die ihre Opfer sauber nach allgemeingültigen moralischen Maßstäben aussucht? Meiner Meinung nach wenig.

Jetzt muß ich Dir aber unterstellen, daß Du die Geschichte nur quergelesen hast. *g*
Denn es wird in jedem Fall klar, daß die einzigen Opfer der Geschichte nach keinen moralischen Gesichtspunkten ausgesucht werden. Es hätte ebenso gut ein U-Boot der Allierten oder eines der Heilsarmee sein können; für Dagon macht das keinen Unterschied, wenn er eins haben will.

Schuld wird natürlich thematisiert, das streite ich auch gar nicht ab. Eventuell verletzte ich eine Regel des Horror-Genres, wenn es es kein Opfer gibt, das eine zentrale Rolle einnimmt.
Das Opfer ist hier eher innerer Natur, da sich jemand, der schwere Gewissenbisse hat, eher damit abfindet, Dagon zu dienen. Und wenn dieser Jemand dann auch noch unsicher ist, was den Charakter seines neuen Herrn angeht, läßt er es natürlich auf eine Probe ankommen, sofern er nichts zu verlieren hat.

Diese Verinnerlichung schien mir eher dem Lovecraft'schen Stil zu entsprechen als eine banale "Monster gieren nach Opfer"-Story.
Der einzige Twist, den ich mir dabei erlaubt habe war der, daß der Mensch den Großen Alten genau in dem Moment überlegen ist, wo diese keine Macht mehr über ihn haben. Denn machen wir uns nichts vor: So intensiv auch die Bedrohung durch die Großen Alten geschildert sein mag, sie hängt letztlich immer daran, daß das eigene Leben auf dem Spiel steht. Für jemanden, dem alles gleich ist, sind selbst diese Wesen kein Schrecken.

MfG
Martin

kaigrimm

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Dienstag, 20. Juni 2006, 11:39

RE: DIE TIEFE von Martin Hoyer

Also, das mit dem Querlesen muss ich dann doch abstreiten. Ich verstehe aber den entstandenen Eindruck, da ich mich mit dem letzten Absatz des letzten Postings mal wieder dazu habe hinreissen lassen, von der Geschichte abzuschweifen und allgemein zu werden.

Eins muss ich Dir aber auf jeden Fall zugestehen:

Nämlich dass die Intention der Geschichte mit Deinen Postings mir langsam aber sicher klar wird und dass ich hier vielleicht "zu stark in eine bestimmte Richtung gelesen" habe.

Nur: Woran liegt es?

Am Leser oder am Autor? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Einerseits ist mir schon bewusst, dass es einfach gewisse Dinge gibt, auf die ich im Horror-Genre sehr schnell ablehnend reagiere (siehe erstes Posting) und dann auch schon mal in Gefahr gerate, schnell auf ein falsches Gleis zu kommen. Andererseits muss ich aber erstmal auf dieses stoßen. Mir ist jedenfalls ganz offensichtlich beim Lesen nicht klar gewesen, worauf die Sache abzielt und war sehr schnell auf der Schiene "Oh nein, bloß keine Mythosfiguren vs. Nazis."

Ich denke, hier wird einfach nicht klar genug, dass Dagon eben gerade ein U-Boot braucht und er sich halt das nächstbeste sucht oder die Tatsache geht in dem Moment unter, wo einfach zu viel die Rede von der moralischen Verwerflichkeit des zum Untergang bestimmten Dritten Reiches ist. Mir war beim Lesen jedenfalls nicht unbedingt klar, dass es sich hier nicht um moralische Vorwürfe sondern um eine Motivationsspritze handeln sollte.

Denn: Auf die Mütze kriegt er doch, der Spion. Was bleibt ihm denn? Dagon fortan dienen oder das Schicksal der U-Boot-Besatzung teilen. So hat er sich das doch bestimmt nicht vorgestellt...
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Christoph Marzi - Somnia

MartinHoyer

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Dienstag, 20. Juni 2006, 15:25

Ich gehe vorsichtshalber davon aus, daß es an meiner Beschreibung liegt. An dieser Veröffentlichung läßt sich damit natürlich nichts ändern, aber das soll ja kein Hindernis sein, die Story an sich noch rundzufeilen.

Cool

Hunger-Gus

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Dienstag, 20. Juni 2006, 15:49

RE: DIE TIEFE von Martin Hoyer

Zitat

Original von kaigrimm
Das Opfer nach dem Zufallsprinzip, nicht nach dem Schuldprinzip. Das "Übersinnliches bestraft menschlichen Bösewicht"-Schema" halte ich jedenfalls spätestens seit Basteis Gespenstergeschichten für ausgelutscht mit dem besagten Bart. Ich lese gerade Horror, weil Horror eben nicht nur den Bösen widerfährt... Und: Wieviel Horror bleibt einer Horrorgestalt, die ihre Opfer sauber nach allgemeingültigen moralischen Maßstäben aussucht? Meiner Meinung nach wenig.


Na ja, zum einen kann es wirklich jeden Treffen, aber befriedigt es nicht ungemein, wenn es den Bösen erwischt? Als Leser stehe ich schon auf ausgleichende Gerechtigkeit (die in der Literatur viel häufiger auftritt, als im realen Leben).

Andererseits zieht sich das Böse an. Wenn jemand durch und durch verdorben ist, wird er sich in Gesellschaft sehr wohlfühlen, oder warum gibt es Verbrecherbanden? Oder Menschen, die gemeinsam morden.
Natürlich traut man dem anderen dann auch alles Schlechte zu: Er ist schnell dabei, einen zu verraten, wenn es um den eigenen Vorteil geht - wie man es umgekehrt auch jederzeit tun würden.
Diese Hassliebe zwischen den Bösen ist ein starkes Motiv. Zusammengehörigkeit vs. Knokurrenz.

In der Geschichte kam sie nicht zum tragen. Ich kam mir ein bisschen vor wie bei Das Boot, und später wie bei Der Hexer. Von Lovecraft hatte das wenig. Dagon braucht das U-Boot, und einen, der es bedienen kann - und ich frage mich (was man sich in Star Trek schon fragte) Warum braucht Gott ein Raumschiff?

Gut hingegen fand ich, dass der Spion bereits über eigene Visionen verfügte, deren Lücken von Dagon gefüllt wurden. Nur, was gibt sich eiN Gott wie Dagon mit einer kurzen Episode in der Entwicklungsgeschichte der Menschen ab? Er sollte eher in kosmischen Dimensionen denken!
Sie sind da: Zombies! Sie werden Dich fressen! Das ist keine Urban-Fantasy, das ist HORROR!
http://backus.blogg.de, http://phantastisches.blogspot.com & http://www.die-apokalyptischen-schreiber.de

MartinHoyer

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9

Mittwoch, 21. Juni 2006, 15:12

RE: DIE TIEFE von Martin Hoyer

Zitat

Original von Hunger-Gus
Dagon braucht das U-Boot, und einen, der es bedienen kann - und ich frage mich (was man sich in Star Trek schon fragte) Warum braucht Gott ein Raumschiff?

Gott braucht kein Raumschiff. Seine Jünger möglicherweise schon, denn im Gegensatz zu Gott (hier: Dagon) pflegen sie zu ertrinken, wenn sie sich länger unter Wasser aufhalten, als ihr Luftvorrat reicht.

Das wird in der Geschichte allerdings auch explizit erwähnt.

Zitat

Gut hingegen fand ich, dass der Spion bereits über eigene Visionen verfügte, deren Lücken von Dagon gefüllt wurden. Nur, was gibt sich eiN Gott wie Dagon mit einer kurzen Episode in der Entwicklungsgeschichte der Menschen ab? Er sollte eher in kosmischen Dimensionen denken!

Kosmische Dimensionen haben zwei entscheidende Nachteile:

1.) Sie helfen wenig bis gar nicht bei der Lösung augenblicklicher Problemstellungen.
2.) Sie passen besser auf ein philosophisches Thesenpapier als in eine Kurzgeschichte.

:D

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Hunger-Gus

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Mittwoch, 21. Juni 2006, 15:31

RE: DIE TIEFE von Martin Hoyer

Zitat

Original von MartinHoyer
Gott braucht kein Raumschiff. Seine Jünger möglicherweise schon, denn im Gegensatz zu Gott (hier: Dagon) pflegen sie zu ertrinken, wenn sie sich länger unter Wasser aufhalten, als ihr Luftvorrat reicht.

Das wird in der Geschichte allerdings auch explizit erwähnt.


Gelesen habe ich es schon. Dagon braucht also das U-Boot für seine Anhänger, damit die ihm nahe sein können - aber was machen die dann da in der Tiefe? Hocken sie in dem U-Boot und gucken ihren meister ständig an. Oder werden stolz betrachtet, wie Fische in einem Aquarium? Sie können ja nicht raus. Und was ist, wenn die Luft knapp wird?

Ziemlich blöde Fragen, gelle?

Und mein wichtigstes Argument gegen das U-Boot ist: Die langsame Verwandlung der Bewohner von Insmouth in froschartige Wesen ist einfach viel, viel gruseliger!
Sie sind da: Zombies! Sie werden Dich fressen! Das ist keine Urban-Fantasy, das ist HORROR!
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MartinHoyer

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11

Mittwoch, 21. Juni 2006, 16:49

RE: DIE TIEFE von Martin Hoyer

Zitat

Original von Hunger-Gus
Gelesen habe ich es schon. Dagon braucht also das U-Boot für seine Anhänger, damit die ihm nahe sein können - aber was machen die dann da in der Tiefe? Hocken sie in dem U-Boot und gucken ihren meister ständig an. Oder werden stolz betrachtet, wie Fische in einem Aquarium? Sie können ja nicht raus. Und was ist, wenn die Luft knapp wird?
Ziemlich blöde Fragen, gelle?


Allerdings!

Ich möchte jetzt nicht die alte Phrase "Wer lesen kann, ist klar im Vorteil." hervorkramen, aber mir fällt immer wieder auf, wie gering die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Leser ist. Da kann etwas im Klartext stehen, und es wird trotzdem überlesen - oder doch zumindest nicht memoriert.

Auf Seite 18, vorletzter Absatz, steht:
"Ich will einige meiner Jünger abholen. Allein dafür brauche ich euer Boot, denn sie sind noch nicht soweit, den Weg in mein Reich aus eigener Kraft zu gehen. Die Besatzung musste sterben, denn niemand soll über das hier berichten. [...]"

Diese Passage klärt eigentlich für den bewußten Leser eine ganze Reihe von Fragen, die hier überflüssigerweise aufkamen, nicht wahr?
1.) Es geht hervor, daß das U-Boot ein Transportmittel ist, keine neue Heimat.
2.) Es klärt, daß es Dagon gänzlich wurscht ist, ob das U-Boot nun den Nazis, den Allierten oder dem Abwasserzweckverband von Kuddelmuddelsdorf gehört. Die Besatzung muß sterben, damit die Ereignisse nicht an die große Glocke gehängt werden - Dagon wird im Mythos einhellig als ein Wesen beschrieben, das lieber im Verborgenen wirkt.
3.) Es klärt auch den Punkt, den Du im Folgenden ansprichst:

Zitat

Und mein wichtigstes Argument gegen das U-Boot ist: Die langsame Verwandlung der Bewohner von Insmouth in froschartige Wesen ist einfach viel, viel gruseliger!


Die Jünger "sind noch nicht soweit", sagt Dagon. Das impliziert, daß es normalerweise so laufen würde wie in SHADOW OVER INNSMOUTH, aber diesmal hat Dagon keine Zeit. Aber warum?

Das hat zum einen konzeptionelle Gründe. Den meisten Lesern und auch mir als Autor wäre es zuwider, den erneuten Aufguß einer bereits existierenden Geschichte zu lesen bzw. zu schreiben.

Zum anderen war es Lovecrafts große Stärke - und die seiner schriftstellerischen Nachfolger - das Grauen mit der realen Welt zu verbinden. Warum wird Arkham wohl kein zweites Innsmouth? Darauf kann man kommen, wenn man die Geschichte räumlich-zeitlich verortet und ein bißchen nachdenkt.

Antwort: Weil Krieg ist, und Arkham an der Ostküste liegt. Alle paar Tage gurkt da das US-Militär lang, welches aufgrund der Bedrohung recht aufmerksam ist, und dem es auffallen würde, wenn die Einwohnerschaft Arkhams plötzlich Flossen, Tentakel und Kiemen hat. Und man kann die Patrouillen noch nicht einmal verschwinden lassen, weil dann erst recht weitere Fremde kommen, die nachschauen, warum die Meldekette unterbrochen wurde. Deshalb tagt der Dagon-Fanclub außerhalb der Stadt, und deshalb will Dagon seine Schäfchen ins Trockene, äh, ins Nasse bringen, bevor er sie verwandelt.
Das hätte ich natürlich hinschreiben können, aber dann wäre es keine Geschichte im Stile Lovecrafts mehr gewesen. Der hat das Offensichtliche nie erklärt, sondern eher das Hintergründige ausgebreitet.

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Donnerstag, 22. Juni 2006, 21:27

Ich hab die Tiefe jetzt auch durch und ich bin froh, das ich - vor dem posten hier - mir die Beiträge nochmals durchgelesen hab.

Sonst hätte ich nämlich ähnliche Fragen gestellt; wie z. Bsp.

F: Was zum Geier will Dagon mit einem U-Boot?
A: Ok, seine nicht bereiten Anhänger transportieren.
F: Aber was will Dagon mit Anhängern, die nicht bereit sind? Was nutzen die ihm?
A: Dagon will aufgrund des Krieges seine Schäfchen ins Trockene bringen

Das alles war mir im ersten Augenblick nicht sofort klar. Soweit hatte ich nicht wirklich gedacht.

Das es egal war, ob das Nazi-U-boot oder eins ausm Amiland ist kann ich wohl noch nachvollziehen. Wobei es meines Erachtens schon eher ein nicht-amerkanisches U-Boot sein muss.
Und zwar aus genau dem Grund den Martin Hoyer auch schon selbst aufgeführt hat:

Zitat

Weil Krieg ist, und Arkham an der Ostküste liegt. Alle paar Tage gurkt da das US-Militär lang, welches aufgrund der Bedrohung recht aufmerksam ist, und dem es auffallen würde, wenn die Einwohnerschaft Arkhams plötzlich Flossen, Tentakel und Kiemen hat. Und man kann die Patrouillen noch nicht einmal verschwinden lassen, weil dann erst recht weitere Fremde kommen, die nachschauen, warum die Meldekette unterbrochen wurde.

Wenn vor der eigenen Ostküste ein amerikanisches U-boot verschwindet, würde ich da auf jeden Fall Präsenz zeigen.

Fragen die mir noch durch den Kopf gegangen sind, waren:
Warum musste die Besatzung sofort draufgehen? Wer steuert jetzt das Boot?
Aber das ist wohl auch eher nebensächlich.
Lese gerade: Carlos Ruiz Zafon - Der Schatten des Windes
Danach: t.b.a.

MartinHoyer

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13

Freitag, 23. Juni 2006, 08:48

Zitat

Original von winternam
F: Aber was will Dagon mit Anhängern, die nicht bereit sind? Was nutzen die ihm?
A: Dagon will aufgrund des Krieges seine Schäfchen ins Trockene bringen


Exakt. Die Situation gibt es einfach nicht her, daß man gemütlich abwarten könnte, daß sie sich in Kreaturen des Meeres verwandeln.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »MartinHoyer« (23. Juni 2006, 10:14)


Nanoc

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14

Freitag, 23. Juni 2006, 13:46

Zitat

Original von MartinHoyer

Zitat

Original von winternam
F: Aber was will Dagon mit Anhängern, die nicht bereit sind? Was nutzen die ihm?
A: Dagon will aufgrund des Krieges seine Schäfchen ins Trockene bringen


Exakt. Die Situation gibt es einfach nicht her, daß man gemütlich abwarten könnte, daß sie sich in Kreaturen des Meeres verwandeln.


Hallo Martin,

ich frage trotzdem noch mal dumm nach: Dann hat er nicht tauchfähige Menschen in einem U-Boot unter Wasser. Und dann? Was machen die da unten? Die Frage finde ich noch nicht beantwortet. Oder gibt es da unten Orte, an denen diese Menschen atmen können?

Wie finde ich die Story insgesamt? Da muss ich noch weiter drüber nachdenken. Zu lesen war sie gut, die Lokalisierung im WK ist gelungen.

Aber einige Postings hier verwirren mich, muss wohl noch mal nachlesen. Z.b. das hier:

"Ich denke, hier wird einfach nicht klar genug, dass Dagon eben gerade ein U-Boot braucht und er sich halt das nächstbeste sucht oder die Tatsache geht in dem Moment unter, wo einfach zu viel die Rede von der moralischen Verwerflichkeit des zum Untergang bestimmten Dritten Reiches ist. Mir war beim Lesen jedenfalls nicht unbedingt klar, dass es sich hier nicht um moralische Vorwürfe sondern um eine Motivationsspritze handeln sollte."?

Wie ist das gemeint? Motto: Du dienst eh dem Bösen, dass kannst Du auch bei mir?
Wobei ich sagen muss, mich irritierte das Gerede vom Untergang des III Reiches auch beim lesen.

Gruß
Bernd Wachsmann

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kaigrimm

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Freitag, 23. Juni 2006, 16:50

Aber einige Postings hier verwirren mich, muss wohl noch mal nachlesen. Z.b. das hier:

"Ich denke, hier wird einfach nicht klar genug, dass Dagon eben gerade ein U-Boot braucht und er sich halt das nächstbeste sucht oder die Tatsache geht in dem Moment unter, wo einfach zu viel die Rede von der moralischen Verwerflichkeit des zum Untergang bestimmten Dritten Reiches ist. Mir war beim Lesen jedenfalls nicht unbedingt klar, dass es sich hier nicht um moralische Vorwürfe sondern um eine Motivationsspritze handeln sollte."?

Wie ist das gemeint? Motto: Du dienst eh dem Bösen, dass kannst Du auch bei mir?
Wobei ich sagen muss, mich irritierte das Gerede vom Untergang des III Reiches auch beim lesen.

Gruß
Bernd Wachsmann[/quote]

Was genau verwirrt Dich an meinem Posting, Bernd?

Wobei ich sagen muss, mich irritierte das Gerede vom Untergang des III. Reiches nicht nur, mich führte es offenbar auf eine falsche Fährte. Was beschäftigt sich eine Gottheit der Großen Alten mit menschlichen Auseinandersetzungen oder gar menschlicher Ethik? Eben dies gefiel mir persönlich nicht.
Lese zur Zeit:
Christoph Marzi - Somnia

Nanoc

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16

Freitag, 23. Juni 2006, 18:21

Hi Kaigrimm.

Das mit der Motivationsspritze. WIe ist das gemeint?

Gruß
Bernd

kaigrimm

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17

Samstag, 24. Juni 2006, 14:58

Ich meinte damit den Versuch Dagons, den Spion in seine Dienste zu locken. So nach dem Motto "Schau her, Dein Reich ist sowieso dem Untergang geweiht, so kannst Du auch gleich mir dienen".
Lese zur Zeit:
Christoph Marzi - Somnia

Nanoc

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18

Sonntag, 25. Juni 2006, 01:22

o.k. habs jetzt kapiert, was Du meintest

MartinHoyer

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19

Dienstag, 27. Juni 2006, 20:19

Zitat

Original von Nanoc
ich frage trotzdem noch mal dumm nach: Dann hat er nicht tauchfähige Menschen in einem U-Boot unter Wasser. Und dann? Was machen die da unten? Die Frage finde ich noch nicht beantwortet. Oder gibt es da unten Orte, an denen diese Menschen atmen können?


Das impliziert die Geschichte, aber sie thematisiert es nicht. Das wäre irgendwie zu weit gegangen, was den Rahmen einer Kurzgeschichte angeht.

Aber vielleicht mache ich ja irgendwann einen Roman daraus ...

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Nanoc

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20

Mittwoch, 28. Juni 2006, 09:04

Hi Martin,

gute Antwort. Aber solange der Roman / die Erklärung nicht da ist, musst Du glaube ich akzeptieren, wenn manche Leser das als Fehler ansehen.

Gruß
Bernd