Die Chroniken der Anderwelten (abgekürzt CA) sind fünf Romane, die zusammen ein großes Ganzes bilden. Eigentlich könnte man sie auch als einen Roman sehen, der in 5 Teile zerlegt wurde, immerhin tauchen immer wieder dieselben Charaktere auf.
Wie auch immer.
Der Zyklus ist verlagseitig belabelt als Fantasy. Doch diese Einordnung ist nicht unproblematisch, denn es handelt sich nicht um das, was man sich beim Hören des Wortes "Fantasy" gemeinhin vorstellt (Sword and Sorcery, Gut-gegen-Böse, etc.)
Gut, was dann?
Es handelt sich ganz genau genommen um Phantastik mit deutlichen Horror- und Science-Fiction-Elementen. Elemente klassischer Fantasy kommen auch darin vor, jedoch in einer Art und Weise, wie man sie eher nicht vermuten würde. Die Anderwelt ist eine Parallelwelt, die mit der uns bekannten Welt über verborgene Portale in Verbindung steht. Stargate läßt grüßen. Die Anderwelt ist erdähnlich und ihre Flora, Fauna und Bewohner sind der Usprung zahlreicher irdischer Sagen und Sagengestalten. Dieser Background entfaltet sich allerdings nur langsam.
Ein Großteil der Geschichte spielt im Deutschland des späten 20. Jahrhunderts. Schwerpunktsmäßig in den 80er Jahren. Die Hauptfigur ist Eva, die zu Beginn ein etwas nerviger Teenager ist, abenteuerlustig und durchtrieben, aber auch mit einer geerbten Neigung zu Wutausbrüchen und Depressionen. Sie macht mehrere Charakterentwicklungen durch, von Punk und Goth über Kämpferin und Überlebenskünstlerin zu einem tödlichen Racheengel.
Ich habe versucht, nicht zuviel zu verraten, aber wer vorhat, die Bücher zu lesen und keine Spoiler mag, der soll jetzt aufhören, zu lesen. Wenn ich einen Überblick über die Geschichte geben will, komme ich nämlich nicht umhin, etwas von ihr zu verraten. Hehe.
Band 1, Das blaue Portal
1981 begegnet der Ex-Professor Friedrich im Weinkeller von Burg Grauenfels merkwürdigen pferdeartigen Wesen. Er ist Evas Onkel, die reichlich verschrobene Familie lebt zusammen im historischen Gemäuer, und man geht sich gegenseitig auf die Nerven.
Die hundegroßen Pferde, welche sich als intelligente, sprechende Wesen erweisen, sind durch ein solches oben beschriebenes Portal aus der Anderwelt gekommen, der Zugang ist jetzt offen. Sowohl Eva als auch Friedrich wollen die neue Welt erforschen; Friedrich als Entdecker und Wissenschaftler, während es Eva mehr um den Spaß und das Abenteuer geht. Otto, Evas Vater, sieht der Entwicklung mit Besorgnis entgegen, kann sie aber nicht aufhalten. Bis die Expedition starten kann, vergehen allerdings einige Jahre, in denen einiges passiert. Wirklich einiges.
Es gibt in diesem Roman einen Subplot, der für sich genommen ein Roman-im-Roman ist, und zwar ein historischer Roman; er spielt im 15. Jahrhundert und schildert, wie Wilhelm von Grauenfels, ein Urahn von Evas Familie, das Portal entdeckte, und was er damit anstellte. Die beiden Plots sind ineinander verzahnt, das Vorbild für diese Vorgehensweise war - warum soll ich es nicht sagen? - Highlander mit seinen wunderschön Rückblenden.
Zum Cover: Es stammt von Ugurcan Yüce; er war früher Illustrator für Gesellschaftsspiele und Rollenspiele (Das schwarze Auge). Es zeigt Eva vor dem Portal, wie sie eine Hand durchstreckt. War eine Auftragsarbeit, ich bin nicht ganz zufrieden damit, deswegen gab es keine Folgeaufträge. Will hier nicht ins Detail gehen, aber wenn es euch interessiert, fragt nach.
Ein paar Rezensionen gefällig?
http://www.media-mania.de/index.php?action=rezi&p=1&id=427
http://www.hysterika.de/html/db_lancester__peter_0.html
http://www.fantasyguide.de/taverne/rezens/blaue-portal.htm
http://www.bibliotheka-phantastika.de/anderwelten1.htm
http://www.corona-magazine.de/archiv/cor…tml#kunterbunt3
http://www.r-i-b.net/xzine_rezi.id_5646.htm
http://www.sonnensturm-media.de/rezensio…laue_portal.htm
Band 2, Unterm Doppelmond
Es hat geklappt, die Expedition auf die Beine zu stellen. Eva, Otto und Friedrich sind auf dem Weg nach Unterhessen, der ersten Stadt jenseits des Portals. Ihr Fremdenführer ist Ander, ein Einheimischer, ehemals Armeeoffizier.
Unterhessen (der merkwürdige Name hat einen sehr fundierten Grund) liegt unterirdisch, es ist Bergwerk und Bergarbeitersiedlung in einem. Um in die Anderwelt zu gelangen, muß man da durch. Bereits der Weg dorthin ist nicht zwischenfallfrei.
Gleich nach der Ankunft gibt es eine Audienz beim Großadministrator, bei der Friedrich sich verplappert und prompt inhaftiert wird. Otto und Eva wird ein Quartier zugewiesen, sie dürfen Unterhessen nicht verlassen, Ander wird aus dem Verkehr gezogen.
Während Friedrich im Gefängnis zumindest verköstigt wird, haben Otto und Eva enorme Schwierigkeiten, sich über Wasser zu halten, sie sprechen die Sprache nur unzureichend, kommen mit Sitten und Gebräuchen nicht zurecht und geraten mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt. Schließlich tritt Eva in die Garde ein (=Armee); ein Job, der neben Geld zum Leben auch Respekt und gewisse Privilegien verspricht. Doch neben der unmenschlich brutalen Grundausbildung sind auch die Kameraden nicht sehr nett, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Zugleich wird Friedrich Bestandteil einer großangelegten politischen Intrige und soll hingerichtet werden.
Otto, Eva und Friedrich gelingt im letzten Drittel des Buches die Flucht aus Unterhessen; allerdings nicht nach Hause, sondern in die Anderwelt, schlecht ausgerüstet und völlig unwissend, was die örtliche Flora und Fauna angeht. Und damit fangen die Probleme erst so richtig an.
Zum Cover: Eine Lagerfeuerszene. Wir sehen Friedrich, Otto und Eva in der Anderwelt; die beiden alten Herren mitgenommen und abgehalftert, Eva noch ganz ansehnlich in ihrer "Soldatenuniform". Eine rotbraune Hand ragt ins Bild. Etwas hat Evas Aufmerksamkeit erregt, sie zieht ihr Schwert ...
Rezensionen, Rezensionen:
http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=1571
http://www.media-mania.de/index.php?action=rezi&p=&id=440
http://www.fantasyguide.de/taverne/rezen…-doppelmond.htm
Band 3, Dämonentränen (erscheint Dezember 2005)
Band 2 war die direkte Fortsetzung von Band 1, aber Band 3 setzt neu an. Eva kommt in diesem Roman gar nicht vor. Ein neue Hauptfigur tritt auf: Mona.
Mona ist eine Art Findelkind, sie wird als 17-jährige verletzt bei Burg Grauenfels aufgegriffen. Jedenfalls schätzt der Doc sie auf 17, denn sprechen kann sie nicht, und sie hat auch keine Papiere bei sich. Sie ist nackt, um genau zu sein. Sie verbringt viele Jahre in der Psychiatrie und an noch weniger erfreulichen Orten.
Auch Band 3 arbeitet mit verschachtelten Zeitebenen. In der "Gegenwartsebene" lebt Mona zusammen mit Frank, ihrem ehemaligen Krankenpfleger. Sie kann sprechen und findet sich im Alltag einigermaßen zurecht. Bis ein Trupp undurchsichtiger Gestalten sie in ihrer Wohnung überfällt und entführt.
Ein kleines Mädchen, Silvana, erzählt ihr, daß sie in Wirklichkeit gar kein Mensch ist sondern ein Monster. Der Grund, warum Mona entführt wurde, ist der, daß Silvana und ihr Auftraggeber, ein unheimlicher Greis in einem Rollstuhl, nach einem noch funktionierenden Portal in die Anderwelt suchen. Und Wesen wie Mona stammen aus der Anderwelt.
Mona will davon nichts hören, sie will ein Mensch sein und hat die Erinnerungen an ihre Vergangenheit verdrängt. Eine Hypnosesitzung soll ihre Erinnerungen reaktivieren. Dies gelingt auch, doch mit den Erinnerungen erwacht auch das Monster in Mona, und es hat einen verheerenden Appetit auf Frischfleisch ...
Dieser Band würde anstelle von Fantasy auch als Horror-Roman durchgehen. Er ist düster und blutig. Es ist eine sehr traurige Geschichte über jemanden, der sich nichts sehlicher wünscht als ein beschauliches Leben, aber aufgrund seiner Veranlagung alles um sich herum zerstört, einschließlich geliebter Personen und schließlich sich selbst. Mona ist eine zerrissene Persönlichkeit, die menschliche Moralvorstellungen adaptiert hat und dennoch mit dem Töten nicht aufhören kann. Der Leser wird Sympathien für sie empfinden. Sehr viele Menschen, denen sie im Buch begegnet, sind dagegen wirklich böse. Sei es der Wisschenschaftler, der sie als Versuchskaninchen hält, weil sich in ihrem Blut Substanzen befinden, von denen er sich das Mittel zur Heilung von Hirmtumoren verspricht, oder der Zuhälter, für den sie anschaffen gehen muß. Oder ...
Zum Cover: Es zeigt Mona vor dem Spiegel. Keine konkrete Szene aus dem Buch, eher symbolisch. Muß wohl nicht weiter erklärt werden. Erwähnenswert ist, daß ihr menschliches Ich auf diesem Bild weint. Doch es ist eigentlich ein Charakteristikum jener Wesen, deren Spezies sie angehört, daß sie nicht weinen können.
FORTSETZUNG IM FOLGEPOSTING