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HarryW

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  • »HarryW« ist der Autor dieses Themas

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1

Samstag, 5. August 2006, 10:30

'Dionysos tanzt' - von Boris Koch

Auf Anraten einiger Leute im Thread zu 'Der adressierte Junge' (ebenfalls von Koch) habe ich mir endlich 'Dionysos tanzt' zugelegt und damit unbewusst die wohl beste Kurzgeschichtensammlung der letzten Jahre erstanden. Obwohl das Büchlein aus dem Jahr 2003 stammt finde ich es wichtig, dass es im Forum erwähnt wird.

Zu den Geschichten:

Ich war dabei erzählt die Geschichte eines zornigen jungen Mannes, der auf die Spuren des Cthulhu-Mythos stösst und dabei immer weltfremder wird.
Diese erste Geschichte halte ich für die einzige Story im Band, die mich nicht so ganz befriedigen konnte, weil sie halt bloss eine von vielen Hymnen an Lovecraft ist und ich diese einfach nicht mehr lesen mag. Handwerklich aber ebenfalls top. Mit Bissigkeit und Ironie hätte Koch auch hier einen kleinen Meilenstein erstellen können.

Monoleben ist schwer zu beschreiben. Nur 2 Seiten kurz wird darin ein Mann angeklagt, ein Monoleben zu führen. Er macht alles in seinem leben genau einmal.
Ist amüsant und regt zum nachdenken an.

Lesen bildet ist Wahnsinn pur. Und dazu noch verdammt komisch und böse. Klaus Weber geht des öfteren an Flohmärkte und ersteht alte Büchlein, da diese oft unfreiwillig komisch sind. Sein neuester Kauf jedoch liefert ihm nicht das, was er sich ersehnt hat. Er gleitet in eine etwas andere Welt, die eben ziemlich wahnsinnig, düster und komisch ist.
Ein Auszug: Eine ältere Dame zieht an ihm vorbei, ebenfalls einen solchen Gnom auf den Schultern. Er steht barfuss, die haltenden Hände an den Ohren, den Stechbeitel wie ein Gewehr über den Rücken gehängt, Turnhose in den Kniekehlen, den Jägerhut in den Nacken geschoben. "Anal ist für Kinder", steht auf seinem T-Shirt, und er fickt sie unter ihrem Dutt in den Hinterkopf, spritzt seinen Samen auf ihre Gedanken.

Manneskraft ... Ein junger Mann geht einen Pakt mit dem Teufel ein und bekommt dafür den ewigen Ständer. Nur kann er nicht mehr abspritzen, worauf sein Leben immer härter wird.
Ebenfalls wieder herrlich ironisch.

Jo schlägt etwas ernstere Töne an. Tom lernt darin Jo kennen, eine Art Urwesen in Menschengestalt, dem die Legenden um Vampire und Werwölfe entsammen.
Blutige und melancholische Geschichte über Freundschaft. Liest sich sehr gut.

Die Knochenfrau. Ihr begegnet der Erzähler einmal im Traum, dann verschwindet sie jedoch und lässt Sehnsucht in ihm zurück. Er bleibt im Traum stecken und beschliesst, die Knochenfrau wieder zu finden.
Die Geschichte schlägt ähnlich verrückte Töne wie 'Lesen bildet' an, ohne jedoch die Bissigkeit und Intensität dieser anderen Geschichte zu erreichen. Trotzdem herrlich unkonventionell.

Spiegel gibt Antwort auf die Frage, was auf der anderen Seite - der des Spiegelbildes - wohl ist.
Gut geschrieben, gut zu lesen - leider ist das Thema an sich halt schon oft durchgekaut worden und bietet damit nicht allzuviel neues.

Spiegel II ist ein Epilog zu 'Spiegel'. Ein wechsel der Perspektiven.

Martina ist das absolute Highlight des Bandes. Schwermütig und melancholisch erzählt Koch darin die Geschichte einer platonischen Liebe zwischen dem Protagonisten und einer Freundin, die wohl als Folge eines harten Lebens immer mehr in den Wahnsinn abgleitet.
Eine wahre Perle, mehr kann ich dazu nicht sagen. Muss man einfach gelesen haben.

Meine Wertung: 9 von 10. Wären die Themen Cthulhu und Spiegel nicht so ausgelutscht und abgegriffen, wärs eine glatte 10 geworden.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »HarryW« (5. August 2006, 10:32)


Running Wild

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2

Samstag, 5. August 2006, 12:35

RE: 'Dionysos tanzt' - von Boris Koch

Mir gefiel diese Antho von Boris Koch auch sehr gut ,
ist aber schon wieder 1 Jahr her ,
so das meine Erinnerungen an das Buch nicht mehr so
frisch sind !
Aber stimme Harry W. zu !!
Reality is lost - IKON

Mammut

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3

Samstag, 5. August 2006, 13:27

Wo erschien das Buch?

4

Samstag, 5. August 2006, 13:32

Bei Boris' Medusenblut-Verlag. (siehe auch die Kategorie, in der dieses Posting ist).

Die Belastbarkeit meines Nachttisches wird ermittelt mit freundlicher Unterstützung von:

-


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Mammut

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Samstag, 5. August 2006, 14:52

Was mir in den Verlagsforen hier fehlt ist der Link zur HP. Oder finde ich den nur nicht?

Bachi

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6

Samstag, 5. August 2006, 15:24

www.medusenblut.de

...einfach vom logischsten ausgehen :e

Mammut

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7

Samstag, 5. August 2006, 16:45

Ich finde es auch, aber es wäre ein netter Service.

rungholt

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8

Samstag, 5. August 2006, 18:37

Muss das Buch wohl erstmal lesen ...

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »rungholt« (5. August 2006, 18:39)


Mammut

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9

Samstag, 26. August 2006, 15:31

Habe die ersten Geschichten gelesen, das Buch macht einen guten Eindruck. Sehr freche Geschichten. Dabei war es eher Glück, das ich mir das Buch zugelegt habe. Nach der Kochchen Geschichte in dem Magazin phantastisch! hatte ich eher wenig Interesse. Die dortige Geschichte war von ganz anderer Art.

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Mammut

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10

Freitag, 15. September 2006, 18:36

Ich habe das Buch durch und muss sagen, ich bin echt begeistert. Frech, geistreich, ungewöhnlich.
Sind "Der adressierte Junge" und "Der Mann ohne Gesicht" ähnlich oder die dortigen Geschichten von ganz anderer Art?

Running Wild

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11

Freitag, 15. September 2006, 19:21

@Mammut
Sind ähnlich !
Mir gefielen die Geschichten dieser zwei Bände auch
sehr gut , vor allem das Eloy E. Buch !
Empfehlenswert auch sein Band "Der Tote im Maisfeld" !
Aber "Der Mann ohne Gesicht" sind moderne Mythen,
sehr witzig und gut ! Wie etwa vom Einbrecher ,
der Alles klaut , nur Fotokamera und Zahnbürste
nicht , was seinen Grund hat , er hat ein Foto gemacht
von der Zahnbürste in seinem A.....
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Mammut

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12

Freitag, 15. September 2006, 19:25

Na, dann nehme ich mir nach meinem Urlaub mal eines der beiden Bücher vor. Und vielleicht fällt mir auf dem Bucon ja "Der Tote im Maisfeld" in die Hände.

DarkDreamer

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13

Freitag, 11. Juli 2008, 20:53

Meine Erwartungen an diese KG-Sammlung waren hoch. Sehr hoch. Enttäuscht worden bin ich aber nicht im geringsten!

Ich war dabei
erzählt eine der unzähligen Geschichten, die man dem Cthulhu-Mythos zurechnen kann. Ironisch und ausdrucksstark schildert Boris Koch das Leben eines Mannes, der mehr oder weniger zufällig an die Kultisten gerät, als er aber aussteigen will, ist es schon zu spät. Eine Lovocraft-Hommage, die mich sofort in den Bann gezogen hat und mir wirklich sehr gut gefallen hat. Sowohl vom technischen, als auch von der Eindringlichkeit, mit der Boris hier zu Werke geht. Sehr guter Einstieg!

Monoleben
Kurzweilig, aber nachdenklich machend.

Lesen bildet
Ich hab mich ja gefragt, was nach diesem doch eher normalen Anfang wohl für eine Idee kommen mag, konnte ich mir doch absolut wenig drunter vorstellen. Auch der Titl half nicht wirklich weiter. Wie sich die Geschichte dann aber letztendlich entwickelt ist Wahnsinn pur! Das kann man wirklich aus dem Alltag heraus gerissen nennen! Surreal, eindringlich und ... anders.

Manneskraft
Ich denke wohl einfach nicht schmutzig genug, ist mir der Sinn des Titels doch erst aufgegangen, als ich die Geschichte las. Ein Pakt mit dem Teufel ist schön und gut, aber DAS will sich nun wirklich kein Mann wünschen! Abgedreht und, nein, will ich mir nicht vorstellen!

Jo
Die Geschichte liest sich zwar sehr gut, wie die vorherigen auch, aber es war die erste, die mich nicht vollkommen überzeugt. Vielleicht weil Boris versucht Vampir und Werwolf zu mischen, auch wenn er die Erklärung gleich mitliefert. Eher ruhiger, aber mit z.T. blutigen Szenen. Schön, aber nicht perfekt.

Die Knochenfrau
Auch diese Geschichte hat mich nicht ganz so in den Bann gezogen, wenn auch die Idee nahezu genial und abstrus ist un gegen Ende noch einmal richtig "verdreht" wird. Skurril, verrückt und gut.

Spiegel
Die Faszination Spiegel und deren Bewandnis ist nicht neu, so habe ich mir so eine Auflösung schon fast gedacht. Daher leider keine Überraschung, aber dennoch packend erzählt.

Spiegel II - Epilog
Bietet ebenfalls nichts Neues, ist nur von der anderen Spiegelseite erzählt. Interessant, aber auch nicht mehr.

Martina
Eine scheinbar ganz normale Geschichte eines ganz normalen Lebens, in das sich nach und nach das Grauen und der Wahnsinn schleicht und am Ende noch einmal einen kleinen Höhepunkt findet, nachdem ich schon mit der Erzählung abgeschlossen hatte. Wie HarryW schon schrieb: Muss man einfach gelesen haben, denn lebensechter kann man so etwas einfach nicht erzählen!


Fazit
Wunderbare KG-Sammlung mit einigen wirklich sehr abgedrehten, skurrilen, surrealen Geschichten, die abolut TOP sind, packend und das handwerkliche Geschick des Autors Schwarz auf Weiß vor dem Leser ausbreiten. Mit kleinen Abstrichen eine Antho, auf die man ruhigen Gewissens stoz sein kann, sie im eigenen Buchregal wider zu finden.

14

Freitag, 12. September 2008, 18:37

Zu Boris seiner Kurzgeschicht Monoleben hat der Musiker Cy Ghul eine musikalische Interpretation erstellt.

Ist zu finden auf seiner Homepage im Bereich Downloads im Abschnitt Experiments. Ich finde es sehr passend.

Erinnert mich an alte EBM-Zeiten wie Ministry, Front 242 oder The Neon Judgement. :D
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15

Montag, 20. September 2010, 21:46

Ich habe mal eine Frage an alle Besitzer des Buches "Dionysos tanzt". Bei Amazon und Booklooker z.B. ist das Format mit Paperback angegeben, passt das?
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Siwa

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16

Montag, 20. September 2010, 21:49

Jo, ist 'nen Paperback.

Mammut

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17

Montag, 20. September 2010, 21:52

Oder ein Taschenbuch, je nachdem wie man das sieht.

18

Montag, 20. September 2010, 21:56

Danke für die schnellen Antworten.

Komisch, meines ist gebunden und mit Leseband!? :P
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Spooky

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19

Dienstag, 21. September 2010, 08:11

Komisch, meines ist gebunden und mit Leseband!?


UNd wohl auch noch nummeriert und signiert… :P

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Martin Cell

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20

Dienstag, 21. September 2010, 09:30

Also ich hab auch nur das PB, von einem HC weiß ich nichts!??
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