Ich habe es im Urlaub nun
ENDLICH geschafft, den Band 4 (Nomaden von Gor), das nun schon so lange bei mir liegt, mal zu lesen.
Da der Inhalt ja vielen bereits geläufig ist, geht es im Grunde ja "nur" noch
um die Qualität der Neuübersetzung von Dirk van den Boom, der damit also erstmalig in die Fußstapfen von Wolfgang Gluch - "Phil" von
der Gegenerde - getreten ist, der leider viel zu früh verstorben ist.
Insgesamt fand ich die Übersetzung von Dirk van den Boom einen sehr gelungenen Einstand, auf jeden Fall Klassen besser als die der (ja eh gekürzten) alten Heyne-Auflage von 1974.
Da es selbst mir als Gelegenheitslegastheniker, der gerade im Urlaub sicher noch weniger Wert auf so etwas legt, aufgefallen ist, scheint das scheint aber manchmal ein wenig geschlafen zu haben, was Trennungen und Rechtschreibung angeht - ich vermute mal wegen des nicht unerheblichen Zeitdrucks, der der Veröffentlichung vorrausging.
Nur in
einem Punkt hat mich die Wahl eines deutschen Wortes für bestimmte englische geärgert. Das auch gleich mehrfach, da Norman die englischen seinen Protagonisten nicht soo selten in den Mund legt.
Diese englischen Worte sind ohne daß ich´s im Einzelnen nachgelesen habe mir an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit "slut", "brat" oder "tart" (mit und ohne "slave-" oder "little" davor).
Wenn man in Übersetzungslisten oder Dictionaries guckt ist die Übersetzung mit "Hure" zwar nicht falsch, es gibt aber in meinen Augen
in keiner Weise das wieder, was da gemeint ist, und hätte daher aus meiner besser hier keine Verwendung gefunden.
Im Zusammenhang ist eigentlich in allen Fällen eine warm und freundlich, oft sogar augenzwinkernd verwendete Kose-Bezeichnung für eine (seine!) kajira gemeint. Da ist das mit dem Begriff "Hure" transportierte Bild sowohl von der emotionalen Ebene her, als auch - da sie sich nicht ohne Gefühl "verkauft" - vom sachlichlichen Zusammenhang her
einfach falsch gestellt.
Von den z.B. auf leo.org angebotenen Möglichkeiten trifft´s meiner Überzeugung nach am ehesten noch der Begriff "(kleine sklaven)-Schlampe" oder "Flittchen" wenn man es schafft, auch den Zusammenhang eben nicht abwertend, sondern eher anerkennend und begehrenswert - im dem Sinne z.B. wie es "girl with bright eyes and uncontrolible emotions, that drives her wild" beschreibt ...
Hier lässt der Übersetzer im Gegensatz zu Phil in meinen Augen erkennen, daß er selbst nicht "im Thema" lebt, fühlt und empfindet. Täte er das, könnte ihm das m.E. nicht passieren, weil er dann klar sähe, wüsste und fühlte, daß
eine kajira eben einfach keine "Hure" ist.
Nun ja - vielleicht wäre das ja mal ´ne Überlegung wert, beim nächsten (oder übernächsten) Buch ...
Abgesehen davon aber ist die Übersetzung besonders für jemanden, der eben nicht "Phils" emotionalen Zugang zum Thema Gor hat, für mein Empfinden wirklich
sehr gut gelungen und macht Lust auf mehr. Weiter so!
LG
Markus
Nachtrag:
@ Starlord (Dein "knäckebrotartiges" Keilschrift-Bild im Profil kenn ich doch von irgendwo her *schmunzelt*):
Der gesellschaftliche Zündstoff greift m.E. heute noch ebenso wie damals und was geschehen kann, wenn die Emanzen- und Feminist
Innen- oder "political correctnes"-Liga aus der "Emma" und Co.-Klasse sich getroffen fühlt, kann man ja gut am Beispiel Eva Herman ablesen.
Grund für die Indizierung war damals - und wäre auch heute unverändert - nicht die Frage einer übertriebenen Gewaltdarstellung oder Pornographie (beides trifft ja auch in keiner der mir bekannten Bände zu!), sondern liegt daran, daß es ein Grund zur Indizierung ist, wenn Szenen dargestellt werden, in denen Frauen unfreiwillig sexuelle Handlungen ausüben müssen und es so dargestellt wird, daß sie das - untertrieben formuliert - nicht schlimm finden. Das allein ist - und ist bis heute - Grund und Gesetzesgrundlage für die Indizierung mancher Gor-Bücher des Heyne-Verlags gewesen. Diese Gefahr besteht daher für diese Texte m.E. leider auch weiterhin.