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21

Sonntag, 30. September 2007, 00:38

Zitat

Original von ANUBIS
Aber gerade dieses Buch reizt doch zu kontroversen Diskussion :D

Nutzt doch den Spoilertag D^1

Greetz


Okay, okay. Aber nur weil der große Schakalgott so nett darum bittet!:D
Marc, du kannst ja gerne etwas ergänzen, wenn ich was vergessen haben sollte.
Eigentlich hatte ich mit meinem letzten Thread ja schon einen Wink mit dem Zaunpfahl gegeben.
Nun denn: Das Folgende AUF KEINEN FALL LESEN!!!

Spoiler Spoiler

Der Leser erfährt die eigentliche Handlung rund um das Haus ja auf mehrfach indirekte - d.h. gefilterte Weise: Zuerst wird ein Phänomen gefilmt. (Trick?) Dann werden diese Filme analysiert. (tatsächlich?) - Dann sammelt ein alter blinder (!) Mann alles, was es über den Navidson Record gibt, und fügt eigene Kommentare an. (Nur das Hirngespinst eines verrückten Blinden?) - Schlussendlich findet ein junger Mann - Johnny Truant - Zampanos Sammlung und fügt seinerseits Kommentare und abgedrehte Gedankenassoziationen hinzu. Gleichzeitig versucht er, den Film zu finden. (es scheint ihn nie gegeben zu haben!) und Kontakt mit den zahllos zitierten Interpreten/Analysten/Kommentatoren (darunter auch Autoren wie Anne Rice oder Stephen King) aufzunehmen (entweder wollen sie noch niemals etwas von dem Navidson Film gehört haben oder sie reagieren überhaupt nicht). Hat Truant also aufgedeckt, dass alles nur eine wahnhafte Phantasie Zampanos war? NEIN! Ganz zum Schluss, wenn der Briefwechsel mit seiner Mutter beginnt, erkennt man merkwürdige Parallelen. Ähnlich wie Zampano verwendet auch die Mutter permanent verschiedenste Sprachen; sie wechselt zu dadaistischen Wiederholungen, und collagehaften Versatzstücken. Und nun wird auch etwas anderes klar: Die seltsame Sprache Truants. Eigentlich jobbt dieser Looser nur in einem Tattoo- Laden, sein Slang mit seinen Idiomen wie "so'm", "nix", "nichma" "ismir" usw. passt dazu. Doch dann tauchen in diesen Texten unvermittelt Begriffe wie "Flashback", "Oszillation", "Kollusuion" oder "camera lucida" auf. Beide - Mutter wie Sohn - scheinen in irgendeiner Form gespaltene Persönlichkeiten zu sein. Das Haus mit seinen unzähligen labyrinthischen aber anonymen fast antiseptischen Gängen spiegeln Truants Kindheits- und Jugendtrauma wieder - seine unrettbar in Mitleidenschaft gezogenen Hirnwindungen - die Gefühlskälte (s. Kälte im Haus), die ihm widerfuhr. Die wirren Collage- Fragmente stellen den anderen Teil seiner Persönlichkeit dar, den intelligenten Verstand, der versucht zu begreifen, aber unfähig ist, eine klärende Ordnung zu schaffen. Seine Aufzeichnungen belegen, dass er dabei ist, sich selbst - seiner Selbsttäuschung - auf die Schliche zu kommen, doch ganz will ihm dies eben nicht gelingen. Möglicherweise finden sich in den herausgenommenen 86 Seiten der "The Whalestoe Letters" ja weitere Indizien für unsere Vermutung.


________________________________

Die Gipfel meines MUST-READ- Gebirges haben momentan erobert:

Cleave: Der siebte Tod
Schmitz: Haschisch
Preston: Canyon
Meyer: Giebelschatten
Butcher: Sturmnacht
_______________________________
"Wer keine guten Bücher liest, hat keinen Vorteil gegenüber jemandem, der sie nicht lesen kann." (Mark Twain)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »arthur gordon« (30. September 2007, 00:39)


Wiswedaemon

Schüler

Beiträge: 163

Registrierungsdatum: 23. Mai 2007

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Beruf: Sonderschullehrer

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22

Sonntag, 30. September 2007, 11:49

Fast nichts hinzu zu fügen.
Interessant fand ich die Zeitangabe der Verabschiedung von Johnny und dessen Mutter. (S. 615)

Grüße

Solitaire

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23

Sonntag, 30. September 2007, 18:21

Ich finde Eure Ausführungen sehr interessant.
Bin auch der Meinung, dass Jonny der eigentliche Angelpunkt der Geschichte ist. Mir sind zu Jonny aber noch ein paar andere Sachen eingefallen
(Hoffe, dass ich das mit dem Spoilertag jetzt hinkriege, will vielleicht nicht jeder meine Ergüsse lesen)


Spoiler Spoiler

J scheint auf den ersten Blick ein durchgeknallter Looser zu sein, der schon morgens seinen Koks braucht und gleich noch mit Alk. nachspült.Die Frage ist, wie schafft er es ein so kompliziertes Machwerk wie den Navidson Record, der auch noch von Zampano extrem verwirrend aufgeschrieben wurde mit einer Menge kluger Kommentare zu verfassen und das obwohl er selbst immer weiter abdriftet. Antwort - J kennt die Ereignisse von damals, hat sie miterlebt, deswegen fühlt er sich auch so sehr von der Geschichte, die er erzählt betroffen und geängstigt, weil es im Grunde auch seine eigene Geschichte ist. Deshalb fühlt er sich auch von der Kiste geängstigt und angezogen zugleich, weil er im Grunde weiß, dass sie auch seine Lebensgeschichte enthält. Wenn wir davon ausgehen, dass das Geschehen im Haus - wie schon oben gesagt wurde- kein physikalisches sondern ein psychisches ist, könnte es sich um den Totalzusammenbruch einer Familie handeln. Von J wissen wir eigentlich nur etwas aus dem Briefwechsel mit seiner (angeblichen) Mutter, dass er in vielen Pflegefamilien war und dem traumatischen Unfalltod seines Vaters.
Von Navidsons Kindern erfahren wir, dass sie weder von der Mutter noch vom Vater viel Zuwendung erfahren, sondern nur von ihrem Onkel Tom, der dann auch Daisy unter Opferung seines Lebens aus dem Haus rettet. Der Sohn Chad rettet sich -allerdings unter sehr seltsamen Umständen- selbst und setzt sich neben seine MUTTER ins Auto und WARTET BIS SIE AUFWACHT.
Was später mit Navidsons Kindern passiert erfahren wir nicht. Zwar sehen wir eine scheinbare Idylle, die aber doch gefährdet ist. Karin hat Krebs und auch Navidson ist körperlich nicht heil aus dem Haus herausgekommen.
Was mag wohl passiert sein als die Beteiligten bemerkt haben, dass man dem Haus nicht entkommen kann, da sie ja diese Gefühlskälte, die die Ereignisse hervorgerufen hat in sich selbst tragen und sie jederzeit wieder ausbrechen kann. Was, wenn auch in dem neuen Haus wieder seltsame Flure entstehen? Vielleicht kommt es zu einer vernichtenden Katastrophe...
Vielleicht ist das die Erkenntnis der Jonny mit Alkohol und Drogen zu entgehen versucht - vielleicht ist Jonny Chad. Vielleicht ist Zampano Navidson, der es vorzieht lieber NICHTS zu sehen, als sich dieser Erkenntnis stellen zu müssen und der nach wie vor lieber einen wirren distanzierten Bericht abliefert, als seine leeren Flure endlich einmal mit Leben zu füllen.
Eigentlich ist ja auch Navidson der Einzige, der soviel wissen kann - woher hätte Zampano das ganze insiderwissen haben sollen. Dabei gehe ich davon aus, das dem Navidsonrecord eine irgendwie geartete Wahrheit zugrunge liegt und Zampano sich nicht nur eine guteGeschichte ausgedacht hat.


Sorry, das ist jetzt ziemlich lang und verwirrend geworden. Waren nur so ein paar Gedanken, die mir beim Lesen gekommen sind und die ich spontan mal aufgeschrieben habe.

Noch einen schönen Abend, Solitaire

24

Montag, 1. Oktober 2007, 19:32

@ wiswedaemon & arthur gordon
Großen Dank für Eure Worte! (ich durfte die Spoiler ja lesen, bin mit dem Buch ja durch...)
Aber so 100%ig überzeugt mich das Ganze noch nicht. Warum "versteckt" der Autor seine Geschichte, die er erzählt, so - zugegebener Maßen - gekonnt hinter anderen Geschichten? Läuft er nicht Gefahr, dass sein erzähteschnisch codierter Text am Ende missverstanden wird?
Phantastische Grüße
Thomas

Meine Grafiken im Netz:
www.fksfl.de/phantastische-ansichten/index.html

...und auf xarto.de

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25

Montag, 1. Oktober 2007, 20:01

Zitat

Original von T.H.
@ wiswedaemon & arthur gordon
Großen Dank für Eure Worte! (ich durfte die Spoiler ja lesen, bin mit dem Buch ja durch...)
Aber so 100%ig überzeugt mich das Ganze noch nicht. Warum "versteckt" der Autor seine Geschichte, die er erzählt, so - zugegebener Maßen - gekonnt hinter anderen Geschichten? Läuft er nicht Gefahr, dass sein erzähteschnisch codierter Text am Ende missverstanden wird?


Tja, ich schätze Danielewski hat das Buch halt als interaktives Ratespiel, als semiotisches Labyrinth konzipiert. Ist halt eine etwas komplexere Variante von SUDOKU. :)

Um Näheres zu erfahren, müsste man ihn schon selbst fragen.


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