Der Roman hat‘s einfach verdient, dass der Thread ein paar Antworten mehr bekommt
Ich hab ihn sehr gerne gelesen, da er für mich neue Facetten bereithielt, die mir bislang in Krimis/Thrillers noch nicht begegnet sind. Bei vielen anderen skandinavischen Thrillern habe ich meistens das Problem, dass ich nicht richtig mit den Protagonisten warm werde. Alles ist recht unterkühlt beschrieben. Ausgerechnet bei der Soziopathin Salander ging es mir komplett anders (was hoffentlich nichts über mich aussagt

).
Aber auch Blomqvist ist verdammt sympathisch und strahlt etwas aus, was man bei anderen Ermittlern häufig vermisst: Lebensfreude. Außerdem besitzt er Ziele. Man kann mitleiden, da er was zu verlieren hat.
Auch, dass es im Buch nicht nur die klassische Serienkiller-Geschichte gibt, sondern auch ein halber Wirtschaftsthriller mit eingewebt wurde, ist mir positiv aufgefallen. Aber an diesem Punkt fängt auch meine Kritik an: Über einen Großteil des Romans spielt die Wennerström-Affäre eine untergeordnete Rolle. Zum Schluss scheint es so, als wäre der Psychopathen-Plot nicht wirklich wichtig und die Aufdeckung von Wennerströms Machenschaften stünden im Vordergrund, was das Mysterium um Harriet Vanger irgendwo relativiert. Auch wird mir am Ende zu dick aufgetragen: Wennerström, als eine zentrale Figur des internationalen Schwerverbrechens - Da hätte es auch weniger getan.
Mikaels Ermittlungen sind spannend geschildert und zumindest mir ging es so, dass ich unbedingt weiterlesen musste, um die Antworten der Rätsel zu erhalten. Davon lebt das Buch für mich neben den beiden sympathischen Hauptfiguren.
Weniger gelungen dagegen die Auflösung. Dass ein (beziehungsweise zwei) einfache(r) Serienkiller hinter der Sache stecken, ist mir nach der verschachtelten, interessanten Familiengeschichte zu unbefriedigend. Auch bleibt die Action ein wenig zu kurz und bis weit über die Hälfte des Romans befinden sich Blomqvist und Salander nicht wirklich in Gefahr. Das hätte man besser lösen können.
Positiv muss ich noch die Beziehung der beiden erwähnen. Da wirkt nichts aufgesetzt. Die Entwicklung kommt ganz natürlich daher, ist voller Missverständnisse, Enttäuschungen aber auch Hoffnung.
7,5 von 10 Punkten.
Übrigens habe ich noch nie erlebt, dass ein Autor das Prinzip
Show don‘t tell derart strikt ignoriert