...und noch eine positive Meinung!
Nachdem ich vom Autor Creatures am Samstag erworben habe, war es auch seine Geschichte, die ich als erste gelesen habe.
Am besten gelungen finde ich die Beschreibung des schwierigen Verhältnis zwischen Maria und dem Prot. Also den Moment, in dem sie ihn beim Ausrasten erwischt und so etwas wie Abscheu zeigt, und das Versinken des Prots in die Liebe (mit allen Vor - und Nachteilen).
Auch die blutige Schilderung am Anfang ist schön geschildert und
nachempfindbar. Nur glaube ich, dass die Szene nicht jeder Leser so prickelnd finden wird. Ich hab in den vergangenen Jahren auf der Landkarte der Phantastik einen weiten Bogen um bekanntesten Geschöpfe der Gattung wie Vampire und Werwölfe gemacht. Somit erwischte mich die nächtliche Jagdszene sehr jungfräulich und zeigte Wirkung. Ich denke, dass das nicht bei allen Lesern so hinhauen wird.
Schlechter fand ich das Endszenario. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Einführung in Rituale und Zusammensetzung des Klans usw. gewünscht. Das Ganze wirkte ein bisschen knapp, hätte ich lieber ausführlicher gehabt.
Die Sache mit dem Spannungsaufbau: Für mich bestand die eigentliche Spannung der Geschichte in der Entwicklung der Beziehung zwischen dem Prot und seiner Auserwählten. Deswegen empfand ich den 'zweiten Teil' der Story auch eher als Spannungshöhepunkt.
Und Actionsequenzen wären da wirklich fehl am Platze gewesen, da muss ich meinen Vorkritikern zustimmen.
Der Stil war flüssig zu lesen, da hab ich nichts zu bemängeln.
Negativ ist mir aufgefallen, dass unklar bleibt, in welcher Zeit die Geschichte spielt. Je nach Passage war ich am Zweifeln, ob sie nun in der Jetztzeit spielt oder um die letzte Jahrhundertwende.
Um ein kleines Fazit zu ziehen: Die Gedanken des Prots und sein innerlicher Kampf sind plausibel geschildert, den Reiz macht die plötzlich eintretende Liebe aus, die den Prot aufwühlt. Gut geschrieben, nur an manchen Stellen für mich persönlich zu wenig Erklärungen (z.B. warum Maria unbedingt raus aus ihrem Dorf will. Fernfeh klar, aber das ist mir zu wenig ausgeführt).
Auch hätte das Entwickeln der Liebe einen größeren Umfang verdient. Das geht mir zu schnell.
Alles in allem eine gute Geschichte, die mir wirklich gefallen hat, aber bis zu sehr gut fehlt da doch noch was.
PS. Besonderes Lob an den Autor für den Anfang, in dem er die Leere des Prots beschreibt, wenn er in seiner Menschengestalt steckt. Und auch dafür, dass die Geschichte ein positives Ende hat. Ich steh nicht generell auf positive Enden, aber dieses hier kam unerwartet, war einleuchtend und einfach schön (da spricht der Romantiker in mir

).