So, ich habe das Buch nun im Original gelesen und es ist wirklich nicht schlecht. Sehr beachtlich finde ich auch die Illustrationen des Autors, die formal allerdings sehr stark an die von Carrolls "Alice im Wunderland" erinnern. Überhaupt ist Un Lun Dun ein (bewusster) Mix aus Carrolls Alice- Abenteuern, Baums "Zauberer von Oz" und natürlich Gaimans "Neverwhere" - verknüpft mit modernen Bezügen zu unserer Überflussgesellschaft und Umweltverschmutzung. Das Buch ist also eine Art "Öko- Alice" - ohne allerdings den pädagogischen Zeigefinger zu erheben.
Sehr positiv ist auch der Umgang mit der Sprache - die Art, in der Miéville durch kleine Umstellungen neue Inhalte in Worte zaubert, ist schon bemerkenswert. Ich wollte das Buch nicht übersetzen müssen. Allein daher würde es mich interessieren, was in der deutschen Ausgabe für Pendants gefunden wurden ( z. B. für 'umbrella' - 'unbrella' und 'rebrella', oder bei der Wortspielerei zwischen der arachniden Black Widow und den Black Windows - [spinnartigen Fenstern mit geheimem Innenleben]).
Der Roman ist trotz seines Umfangs von über 500 Seiten ein kurzweiliges Lesevergnügen, das allerdings zu sehr auf ein sehr junges Publikum zugeschnitten wurde.
____________________________
http://www.arthur-gordon-wolf.de
_____________________________
"Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen, mitkaufen könnte."
Arthur Schopenhauer