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101

Samstag, 8. Mai 2010, 13:39

Habe nun die ersten Geschichten durch und gebe mal kurz meinen Senf dazu:

Christian Weis - Im Abgrund
Ich hasse auch Drängler. Und wie ich sie hasse. Ich fahre nämlich einen Seat Ibiza. Ist also in der Fiatklasse einzuordnen. Nachvollziehbare Reaktion. :) Mal im Ernst: Geschichte war gut zu lesen, kam aber m. E. ohne große Überraschung aus. Als Start des Buches aber auf jeden Fall gelungen.

Bernard Craw - Erwachen

Irgendwie hatte ich das Gefühl, das letzte Kapitel eines Romans oder einer Novelle zu lesen. Düster und beklemmend, vor allem mal ohne auf den aktuellen Zombie-Hype aufzuspringen. Hab auf jeden Fall mal wieder Lust drauf bekommen, Angel Heart in den DVD-Player zu schieben. Btw. würde ich auch gerne mal einen guten Voodoo-Roman ohne Darmrausziehen und Eingeweidefressen lesen. :) Gibts da Tips?

Jakob Schmidt - Eine andere Wildnis
Mein bisheriger Favorit. Sehr schönes Setting und Atmosphäre. Hat mir sehr gut gefallen. Da brauchts keine weiteren Kommentare mehr von mir.

Rainer Innreiter - Sieben Katzenleben
Beim lesen hat mich eine von unseren beiden Katzen beobachtet. Hatte zumindest den Eindruck. Die stierte mich so seltsam an... :) Auch hier finde ich, dass die Story ein Ausbau zum Roman oder Novelle wert wäre. Da könnte man sowas schönes draus machen. Vor allem mit Hinblick auf die 7 Leben einer Katze. Die Story an sich: Kurz und gut.

Achim Hildebrand - Margit

Ich mag keine Navis. Und mit der Geschichte bin ich auch nicht so richtig warm geworden. Sorry, war wohl wirklich nicht mein Fall.
Lese gerade: Thomas Emson - Zombie Brittanica

vincentvoss

Schüler

Beiträge: 71

Registrierungsdatum: 28. Februar 2010

Wohnort: Nähe Hamburg im Moor

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102

Samstag, 8. Mai 2010, 16:14

@Royston: Nicht wirklich ein Roman, aber ich fand trotzdem sehr spannend zu lesen zu diesem Thema:


Die Augen meiner Ziege von Eric de Rosny: Ein französischer (sehr aufgeschlossener) Jesuit geht bei einem westafrikanischen Hexer/Heiler in die Lehre.

Die Ökonomie der Hexerei von David Signer: Schon akademischer aber immer noch gut zu lesen. Signer hat in Westafrika über zwei Jahre Feldforschung betrieben und dabei die "Zauberei" untersucht. Er stellt die "soziale" Wirkungsmacht der Zauberei heraus und präsentiert aber auch Fälle, die wissenschaftlich nicht erklärt werden können.

Und als Film fand ich "Die Schlange im Regenbogen" auch sehr gut.

Lieber Gruß

103

Sonntag, 9. Mai 2010, 12:25

Und weiter gehts:

Peter Nahtschläger - Die Wölfe von Nebraska

Hat mir ebensowenig gefallen wie Margit. Hatte das Gefühl, dass es nur darum ging, möglichst brutal zu sein. Allerdings völlig ohne Sinn. Brutalität zum Selbstzweck finde ich in Storys und Romanen einfach zur stumpfsinnig. Sorry. Nicht mein Fall.

David Grashoff - Der Autobahn-Heiland
Wirklich gut geschrieben. Mir hat die Geschichte gefallen, auch wenn ich sie jetzt nicht gruselig o. ä. fand. Das Ende war jedoch schön böse.

Marcus Richter - Meer der Halme
Das ist ja das schöne an einer Wundertüte voller Kurzgeschichten. Neben Kieselsteinen findet man auch echte Perlen. Diese Story ist mein bisheriges Highlight. Hier stimmte einfach alles. Perfekt.

Markus Niebios - Warten
Kurz und knackig, was für zwischendurch. Nett.

N. T. Neumann - Das unterste Fundbüro

Ebenfalls eine sehr gute Geschichte. Gut geschrieben und wirklich gelungenes Ende.

Markus Saxer - Das weiße Gesicht
Diese Story läßt mich ratlos zurück. Ist nicht schlecht, hat mich dennoch nicht ganz überzeugt. Auch das Ende fand ich sehr seltsam.

Walter Diociaiuti - Sexy Sadie
Erinnerte mich irgendwie an diese 70er Filme von Dario Argento. Sehr surrealistisch. Hat mir gut gefallen. Auch das Ende fand ich hier wieder sehr gelungen.

Michael Schmidt - Volldampf voraus!
Eine nette kurze Geschichte mit krachigem Ende. Wieder was für zwischendurch.
Lese gerade: Thomas Emson - Zombie Brittanica

104

Sonntag, 9. Mai 2010, 17:45

Und nun der Rest:

Tobias Bachmann - Kaleidoskop der Seele
Mein Gott! Was für ein Trip! :) Eindeutig die schrägste Geschichte der Anthologie. Hat mir gut gefallen. Sehr strange.

Torsten Scheib - Götterdämmerung

Womit beendet man ein Buch am Besten? Mit dem Ende der Welt. Klaro. Eine gute Geschichte, welche aber an meine Favoriten leider nicht ganz heranreicht.

Daniel Neugebauer - M. R. James und die Gespenstergeschichte

Interessanter Artikel, wobei der Artikel eher zweitrangig ist. Ich hätte lieber noch 1 - 2 Geschichten mehr gehabt. Trotzdem frage ich mich, warum bisher noch kein Verlag auf die Idee kam James Geschichten komplett herauszubringen.

Michael Schmidt - Vincent Preis 2007
Okay, die Nominierungen habe ich mir jetzt nicht wirklich durchgelesen. Eine Liste durchzulesen macht halt nicht so viel Spaß, vor allem wenn es um eine alte Preisverleihung geht. Die Gewinnerliste habe ich aber von oben bis unten durchgelesen und registriert. :)

Fazit: Ein nettes Buch mit vielen unterschiedlichen Geschichten. Das da nicht jede jedermanns Geschmack trifft ist ja wohl klar. Bis auf 2 Ausreißer (Margit & Die Wölfe von Nebraska) gabs für mich auch nichts zu bemängeln. Meine Tops des Buches lauten wie folgt:
1. Meer der Halme
2. Eine andere Wildnis
3. Das unterste Fundbüro


Also: Band 2 werde ich mit Sicherheit lesen. :D
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Mammut

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105

Sonntag, 9. Mai 2010, 21:08

Also: Band 2 werde ich mit Sicherheit lesen. :D
Das hört man doch gerne!

Mammut

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106

Donnerstag, 10. Juni 2010, 20:55

Und hier findet sich jetzt auch die Geschichte:
http://vincent-preis.blogspot.com/2010/0…re-wildnis.html

und ein Interview:
http://vincent-preis.blogspot.com/2010/0…ob-schmidt.html

Hier ist übrigens auch ein Interview mit Lothar Bauer:
http://vincent-preis.blogspot.com/2010/0…thar-bauer.html

Mammut

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107

Montag, 14. Juni 2010, 20:21

Die Geschichte von Torsten Scheib ist online zu lesen:
http://www.fantasyguide.de/10588.0.html

Ebenso ein Interview mit Susanne Jaja, die das Titelbild zu Zwielicht erstellte:
http://vincent-preis.blogspot.com/2010/0…sanne-jaja.html

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Zauberlehrling

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Freitag, 18. Juni 2010, 21:47

Hier nun meine Wertung der ersten Ausgabe. :e Hat ja lang genug gedauert...

ZWIELICHT Band 1
Herausgeber Michael Schmidt hat sich vorgenommen, mit seiner Anthologie einen wichtigen Beitrag für die deutsche Horrorliteratur zu leisten, denn er will „den besten Autoren der Szene eine Plattform bieten.“ Es lässt sich vielleicht darüber streiten, ob ein weiteres Magazin mit deutschen Veröffentlichungen Sinn ergibt; doch dem, der das Buch bis mindestens zur Hälfte liest, sollte klar werden, dass Zwielicht alles andere als überflüssig ist.

Der Band beginnt zunächst verhalten. Christian Weis hat seinen Stil gefunden, man wird auch nie etwas Schlechtes von ihm zu lesen bekommen, doch „Im Abgrund“ ist von der Story her nicht wirklich packend. Zu lang wird gezetert, ob bzw. was der Bösewicht mit seinem Opfer anstellt. „Erwachen“ von Bernard Craw legt da gleich mit einem spannenden Szenario los, greift dabei ein interessantes stilistisches Vorgehen auf: Aus der Ich-Perspektive wird beschrieben, wie sich der Protagonist in einen Zombie verwandelt. Die Sicht in die Person gestaltet Craw sehr intensiv und auf den Punkt gebracht, wenngleich sein Schreibstil etwas zu adjektivschwanger ausfällt.
Bei „Eine andere Wildnis“ lesen sich die ersten Zeilen interessant, danach wird die Geschichte heruntergerattert wie eine Märchenerzählung. Schade, hier hätte man mehr draus machen können. Dafür ist die Illustration zu Jakob Schmidt's Geschichte die gelungenste. Typisch Rainer Innreiter geht es weiter: eine kurze, schwarz-humorische Story, jenseits von Gut und Böse. „Sieben Katzenleben“ lebt vom Makaberen, und ist deswegen lesenswert.

Makaber und witzig geht es mit „Margit“ weiter, wo ein Navi seinen Fahrer bewusst ins Nirgendwo lotst. Achim Hildebrandt gelingt eine kurze, knackige Geschichte für zwischendurch. In „Die Wölfe von Nebraska“ wird klar, warum Peter Nahtschläger sich mehr als „Erzähler denn als Literat“ sieht, wie er in seiner Vita schreibt. Zu oft finden sich in seiner Story Unstimmigkeiten; Charakterbeschreibungen, wo keine nötig sind (auch wenn, zugegebenermaßen, gelungene), zu lange Sätze, die sich im Unwesentlichen verlieren. Die Story ist zu strukturlos, um zu fesseln; hier kommen die Leser auf ihre Kosten, die auf blutrünstige Unterhaltungslektüre stehen.

David Grashoffs „Der Autobahnheiland“ beginnt augenzwinkernd, steigert sich von Zeile zu Zeile in eine (zumindest angedeutete) tiefsinnige Story, die geradezu inspirierend wirkt. Sehr schön. Von Tiefgang muss man ganz besonders bei Marcus Richters Story reden, denn diese vermag durch ihren psychologischen Horror zu begeistern. Traumsequenzen mögen zwar ausgelutscht wirken, doch wenn man sie derart verschlüsselt, für die Erzählung notwendig und beängstigend darstellt, haben sie ihren Nutzen erfüllt. „Meer der Halme“ ist eine Wahnsinnsgeschichte, definitiv eines der Highlights aus diesem Buch und des deutschen Horrorjahrs 2009.
Marcus Niebios' Geschichte erweist sich anschließend als gut platziert, denn nach dem vorherigen Hammer benötigt der Leser eine Story der etwas anderen Gangart; „Warten“ ist kurz und kein Wort zu lang, die Idee von einer Verstorbenen, die am Bett ihres kranken Ehemannes weilt, ist nett.

Von aller Ernsthaftigkeit gelangt man nun zum „Untersten Fundbüro“, einer sehr witzigen und zugleich gesellschaftskritischen Geschichte, die den Bürokratiewahn der Deutschen auf die Spitze treibt. N.T. Neumanns Story hätte genauso gut in ein „normales“ Literaturmagazin gepasst, denn sie ist für jedermann, der es satirisch mag, ein Leckerbissen. Durch vorangegangenen Witz wird es etwas schwer, wieder in den Grusel mit Gänsehautatmosphäre hineinzukommen, welche Markus Saxer mit „Das weiße Gesicht“ zu beschwören versucht. Zwar merkt man Saxer an, dass er mit Sprache umgehen kann, doch zeigt sich sein Text verschlossen, liest sich wie ein stream-of-consciousness aus der Außensicht. Die Ich-Perspektive hätte hier wohl mehr Schauder verursacht.

Wie gewohnt stark gibt sich Walter Diociaiuti mit „Sexy Sadie“. Die Handlung erinnert im Mittelteil an „Eyes Wide Shut“ bzw. „Traumnovelle“, erreicht auch deren Grad an Surrealität. Umso heftiger wirkt das Ende, das den Leser durch Diociaiutis eindringlichen Schreibstil schockiert zurücklässt. Michael Schmidt gibt sich anschließend selbst die Ehre, und das mit einem hervorstechenden Text, der durch seinen lyrischen Akzent zu bannen vermag. Man könnte sich den Text durch seine Dynamik als Song zu einem abgedrehten Musikvideo vorstellen – ernsthaft!

Die beiden Abschlussstorys setzen dem Ganzen die Krone auf: Bachmann schreibt eine psychisch-beklemmende Geschichte, die dem Leser volle Aufmerksamkeit abverlangt. Er entwirft ein spannendes, wenn auch riskantes Konzept, in der Bachmann die reale Welt der eines Geisteskranken gegenüberstellt, lässt die Grenzen verwischen. „Kaleidoskop der Seele“ beweist, warum Bachmann zu den Großen gehört – allein des Titels wegen (nach dem der Autor zurecht einen Storyband benannte). Und was eignet sich am besten für das Grande Finale? Richtig, der Weltuntergang. In Torsten Scheibs „Götterdämmerung“ sucht eine Frau während der Apokalypse ihren Sohn. Der Mikrokosmos im Makrokosmos, sozusagen. Klasse geschrieben, knackig und spannend. Literatur wie Kino.

Der Sekundärliteraturteil markiert das Ende, und fällt durch seine geringe Seitenzahl etwas arg aus. Dennoch gefällt Neugebauers Artikel über M.R. James' Geschichten und deren Einfluss auf den heutigen Horror – z.B. die Parallele zu The Sixth Sense. Vor allem ist hier positiv anzumerken, dass Neugebauer sich auf James' Einfluss auf die heutige deutsche Literatur konzentriert, was die Wichtigkeit des Autors unterstreicht. Neugebauer hätte gern ausführlicher über das Werk James' referieren können, aber so ist bekanntlich immer mit gelungenen Artikeln – sie wirken zu kurz. Der Beitrag imponiert, vor allem, da er mit Zitaten namhafter Größen bestickt ist.

Abgerundet wird der erste Zwielichtband mit der Nennung der Vincent-Preis-Sieger, und einer Auflistung aller erschienenen Publikationen im Genre aus dem Jahr 2007. Eine wichtige Arbeit, die Schmidt hier geleistet hat.

Insgesamt beeindruckt Zwielicht 1 mit einer hohen Dichte an hochwertigen Storys – besonders ab der Mitte wird ein Niveau angeschlagen, dass die Anthologie im Folgenden halten kann. Hier könnte der Name des Bandes auch „Die Besten Horror-Storys 2009“ lauten. Ein gelungener Mix von witzigen, spannenden und beklemmenden Geschichten – wobei es hauptsächlich letztere sind, die einen psychologischen Tiefgang aufweisen und somit im Gedächtnis des Lesers bleiben. Die Artikel wissen ebenso zu gefallen, nur müssten diese, um ihre Wichtigkeit zu rechtfertigen, in folgenden Ausgaben weiter in den Mittelpunkt rücken. Heißt: Bitte mehr davon. Vor allem wenn sie sich so gut lesen lassen wie der von Neugebauer.

Wenn Ausgabe Zwei ebenso stark werden sollte, hat Zwielicht seine Rolle als Must-Have für jeden Fan des deutschen Horrors verdient.
"Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk und der rationale Verstand sein treuer Diener. Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, die den Diener verehrt und das Geschenk vergessen hat." - Albert Einstein

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Mammut

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109

Montag, 21. Juni 2010, 21:35

Hier noch eine Rezi von Wolfgang Brandt:
http://www.geisterspiegel.de/background/…elicht_001.html

Mammut

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110

Donnerstag, 15. Juli 2010, 20:47

Und hier noch das Interview mit Torsten Scheib anläßlich der Nominierung zum Vincent Preis:
http://vincent-preis.blogspot.com/2010/0…ten-scheib.html