Wolfhearth, ich habe überhaupt kein Problem mit einer schlechten Kritik. Ich gebe es auch zu, dass das Buch nicht eins der Besten von Eloy ist. Aber findest du nicht, dass sie ein bisschen zu übertrieben ist? Hast du nicht den Eindruck gehabt, dass es sich um eine destruktive mehr als konstruktive Kritik handelt?
Na ja... natürlich kannst du es nicht wissen, was dahinter steckt... Frag doch mal Alisha, bin mir ziemlich sicher, dass du sie gut kennst.
Irrtum, ich kenne weder Alisha, noch irgendwelche Seifenopern aus der Kleinverlagsszene.
So vernichtend finde ich die Rezension gar nicht.
"Noch nie war ich so ambivalent beim Verfassen einer Rezension, gehen doch die Leistungen des Autors und des Verlages weit auseinander. Fangen wir mit dem einzigen Lichtblick an: der Autorenleistung. Christian von Aster erzählt in gewohnt "munterer" Manier einen Mystik-Krimi, der die Brücke zwischen dem modernen Berlin und dem mystischen Afrika baut. Wie immer wird man sofort von dem umtriebigen Autor und Multitalent in die Handlung gezogen und von der ersten Seite an unterhalten; mit dem typischen "von asterischen" Augenzwinkern-Zynismus, der lebendiger nicht sein könnte."
Großes Lob für das Wichtigste: den Inhalt.
"Das Buch handelt von einer mysteriösen Mordserie in Berlin, die den ermittelnden Hauptkommissar Jochen Mathesdorf und seine Kollegen vor Rätsel stellt. Auch Simon Grauerts ehemaliger Freund, Floyd Wittgenstein - in dessen Villa eingebrochen wurde und es ebenfalls Todesopfer gab, und dessen Reichtum auf dem ominösen Schiffsfund Neruda beruht, die er vor der Küste Afrikas geborgen hat -, gehört zu den Dreh-und Angelpunkten, um die sich die Todesfälle ranken. Mit der Neruda hat Wittgenstein auch eine goldene Schatulle mit Edelsteinen geborgen. In ihr ruht M’tu Yayee, der Schattenschläfer und Gott des Stammes Wasania. Wittgenstein, von Habgier ergriffen, bricht die Steine aus ihren Fassungen und verkauft sie. Darunter auch einen in Gold gefassten, der den Schattenschläfer bannt - oder sollte man sagen bannte? Grauert begegnet einer schönen Farbigen, die eine zentrale Rolle in dem Geschehen innezuhalten scheint und Grauert in ihren Bann zieht. Immer deutlicher kristallisiert sich heraus, dass die afrikanische Schattengottheit, der Schattenschläfer, als Mordinstrument agiert!"
Mich würde ja eher diese verspoilerte Inhaltsangabe stören.
"So weit, so gut. Doch kommen wir zum Verlag. Und da kann man wirklich nur sagen: es ist wirklich unglaublich was Eloy Edictions hier für satte zwölf €uro abliefert. Über das nichtssagende Cover, das dem Inhalt in keiner Weise den würdigen Rahmen verleiht, lässt sich ja noch streiten."
Der Leser macht auch seine eigenen Gedanken; so schlecht finde ich das Cover gar nicht. Ohnehin: gute Cover sind für mich, wie gute Kleidung - unauffällig.
"Aber über die fehlerhaft gesetzten Seitenränder, Hammellücken, Hurenkinder (Anm. d. Ed.: Einzelzeilen eines Absatzes, die durch einen Seitenwechsel abgetrennt wurden) u. v. m. nicht. Das Lektorat jedoch setzt dem Ganzen die Krone auf. Es ist eine Meisterleistung der Fehlerhaftigkeit! So etwas habe ich wirklich noch nie erlebt!"
Wie gesagt, ich habe das Buch selbst nicht in der Hand gehabt. Das Wichtigste ist für mich ohnehin die Geschichte. Aber 12 Euro für so'ne (hier beschriebene) Hobbydruck-Qualität darf man ankreiden.
"Es gibt keine einwandfreien Bücher, das erwartet auch (so gut wie) keiner, aber hier wird ein Buch auf den Markt geworfen, in dem es vor Fehlern nur so wimmelt. Wer die neue Rechtschreibung nicht beherrscht, sollte sich weiterhin der alten bedienen oder sich einen Lektor verdingen, der sein Metier zumindest halbwegs versteht. Wenigstens rein orthographisch. Aber auch stilistisch wurde hier wohl gedruckt, was der Autor abgeliefert hat. Und das ist eine Schande, denn ein gutes Lektorat sollte die Leistung des Autors immer unterstützen und abrunden. Hier wurde über jeden Fehler hinweggelesen."
"Es sollte in Anlehnung an die Goldene Himbeere im Filmgeschäft ein Zerbrochener Federkiel in der Literatur vergeben werden - und der gehörte 2005 Eloy Edictions, als erschreckendes Beispiel dafür, welche Art von Titeln oftmals angeboten werden und den Markt für ernsthaft herausgebrachte Bücher verstopfen. Was aber viel schlimmer ist: So wird bei den Lesern der Ruf der Kleinverlagsszene ruiniert, die sich redlich müht, Autoren, die keine Heimat in der Großverlagslandschaft erhalten, eine gute und vor allem professionelle Möglichkeit der Veröffentlichung zu bieten.
Aufgrund der eklatanten Verlagsfehler und gemessen an dem saftigen Preis bekommt dieses "Werk" keine Kaufempfehlung. Umso bedauerlicher, weil der Autor Besseres verdient hätte! So bleibt mein Tipp an ihn, vorsichtiger in der Wahl seiner künftigen Verlage zu sein."
Tja... Das geht sehr weit, aber dem Leser wird schon bewusst sein, dass eine Rezension letztendlich nichts weiter ist, als eine Meinung. Man sitzt da nicht und denkt sich: "Oh Herr von der Buchbesprechung, lehret mich, was gut und böse.". Wenn was übertrieben ist, dann fällt es dem Leser auch auf und der Rezensent macht sich damit unglaubwürdig.
Wer bei den Verlagen und hier im Forum mit wem verfeindet oder befreundet ist/sein will, weiss ich nicht und juckt mich auch nicht unbedingt. So ungewöhnlich ist dieser Hau-drauf-Stil in Rezensionen aber nicht. Im Gegenteil, hin und wieder mal 'ne Sau durch's Dorf treiben gehört da fast schon zum guten Ton. "Sachlich, konstruktiv" - das sind doch nichts weiter als Synonyme für "vage, schwammig, ausweichend, unklar". Da muss man sich eben ein dickes Fell zulegen und darauf achten, weniger Angriffsfläche zu liefern.