Einer alten Tradition folgend, allerdings nicht dieses Forum betreffend, möchte ich – falls mir so ist – immer wieder einmal über die Veranstaltungen berichten, die ich besucht habe und die hier in diesem Thread angekündigt wurden. Diese Tradition stammt aus dem Fanzine SOLAR-X, vielleicht kennt es ja der eine oder die andere aus diesem Forum?
Am 23. Januar hatte also Frank Hebben den Freundeskreis Science Fiction Leipzig im Haus des Buchs besucht (diesmal anders als sonst im Café des HdB). Die Moderation übernahm der Journalist Uwe Schimunek. Der hat seinen Job sehr gut gemacht, das Ganze etwas aufgelockert durch biografische u.a. Audio-Einspielungen. Die beiden waren gut aufeinander abgestimmt, das Gespräch war locker und angenehm. Frank Hebben ist auch einer von den Autoren, die nicht nur gerne schreiben, sondern auch gerne sprechen und ihre Texte vortragen; zumindest hat er diesen Eindruck vermittelt.
Was ist bei mir hängen geblieben von der Autorenvorstellung?
Frank hat so um die 50 Stories geschrieben, einige längere Texte waren auch darunter, was den Moderator nach einem möglicher Weise geplanten Roman fragen ließ. Da musste der Autor passen. Er schreibt zu „präzise“, was einfach zu zeitintensiv ist; für einen Roman würde er 2 Jahre brauchen...
Deshalb ist er auch bei großen Verlagen abgeblitzt bisher, denn dort rät man einem Debütanten, einen Roman einzureichen. Laut Uwe Schimunek sind Kurzgeschichten schlicht unverkäuflich, die kommen gleich nach Gedichten...
Der Erzählungsband, dessen Titel dem Abend den Namen gab - „Prothesengötter“ - wollte der Autor zunächst in Eigenproduktion herstellen, um mal eine Auswahl der besten Stories in der Hand zu habe, auch für Lesungen etc. Nun hatte er aber schon einen guten Draht zu Ernst Wurdack, den er immer mal nach technischen Einzelheiten der Buchproduktion fragte. Irgendwann hat Ernst dann wohl die Sache übernommen und so kam es zu dem Buch. Über Ernst hat er sich nur lobend geäußert.
Gelesen hat Frank zwei Stories, eine recht neue, lustige, über religiös fanatisierte Küchengeräte und eine Cyberpunk-Story aus dem Erzählungsband. Na ja, es ging nicht gerade kuschelig zu in dieser finsteren Zukunftswelt. Danach wurde es aber genau deshalb doch lustig. Es hatten sich unter den knapp 20 Zuschauern 2 seriös-bürgerlich wirkende Leutchen gesellt. Ich habe keine Ahnung, ob sie sich verirrt hatten oder ob sie sich sich unter dem Motto des Abends eine Art medizinische Grundsatzdiskussion im literarischen Gewand versprachen. Als Veranstalter ist man sicher froh, auch mal gerneübergreifendes Publikum anzusprechen. Wie auch immer: Die Dame fühlte sich nach dem härteren Text bemüßigt zu fragen, ob dies Literatur sei...
Sofort tat mir der Auto Leid. Jetzt muss er sich rechtfertigen für Regeln eines Genres, das er liebt und für seine Zwecke nutzt und die offensichtlich diese Dame nicht akzeptiert. Allerdings kam es dann doch besser, denn es zeigte sich, dass sie zum einen die Story inhaltlich gar nicht richtig verstanden hatte und zum anderen, dass sie die Regeln des Genres – hier: Cyberlunk – nicht kennt. Sie wollte die Diskussion in eine grundsätzlich moralische Richtung lenken. Vielleicht hätten sich Autor und Moderator darauf mehr einlassen sollen; interessant wäre es schon geworden. Sie konnten aber beide souverän kontern und die Diskussion wieder in ihre eigene, gewollte Richtung lenken. Nun ja, so was hat natürlich auch einen gewissen Unterhaltungswert, muss ich voyeuristischer Weise zugeben.
@ Ernst:
Karsten Kruschel war tatsächlich da.