Habe die Novelle jetzt mehr oder weniger in einem Rutsch durchgelesen. Aufgrund der geringen Seitenzahl ging das ja recht zügig. Gerade zu Anfang hatte ich meine Probleme, in die Geschichte zu finden. Der Beginn war recht sperrig und holperig geschrieben. Schöne Sätze, aber doch den Lesefluß bremsend, schmälerten schon das Lesevergnügen. Dann kam der Graf ins Spiel. M. E. der bemitleidenswerteste Charakter in diesem Buch. Okay - die Vergewaltigungszene hat ihn dann nochmal in einem anderen Licht erscheinen lassen, diese spielte jedoch in der Vergangenheit. In der Gegenwart der Geschichte war der Graf ein gebrochener Mann. Und das ohne großartiges eigenes Zutun. Die Dialoge waren klasse. Die permanenten unterschwelligen Verhöre ebenfalls. Das Manko an der Story war jedoch, dass mir eigentlich keine der auftretenden Personen sonderlich sympathisch war. (Den Zimmerpagen mal außen vor gelassen.

) So hat man eine nette Geschichte vorgesetzt bekommen, in welcher man nicht sonderlich mitfieberte. Da hatte man zum einen den gefrusteten Grafen, der ja "der Böse" war, zum anderen dessen nervige (und fast genauso sexbesessene) Tochter, welche den Protagonisten immer wieder in Bedrängniss brachte und dann noch Chiron selber, welcher mit seiner religiösen Besessenheit ohne Probleme bei Scientology oder den Zeugen Jehovas zum großen Wortführer getaugt hätte.
Schulnote für die Story: 3
Eine Extrabewertung gibt es für die Aufmachung. Da der Autor sowohl das Cover, als auch die Illustrationen selber angefertigt hat, muss da eine Extranote her. Das Cover ist ganz großes Kino. Es vermittelt ein märchenhaftes Feeling (welches der Geschichte leider abging). Die Innenillus sind sehr düster gehalten. Und ich bin mir gar nicht mal so sicher, alle Illus richtig erkannt zu haben. Aber diese sind ebenfalls sehr schön.
Schulnote fürs Cover und die Illus: 1
Das Nachwort von Uwe Voehl war eine Klasse für sich. Das wird jedoch nicht extra benotet, hat mir beim lesen aber großen Spaß bereitet. Eine Frage muss ich an dieser Stelle jedoch noch anbringen: Lars, was zum Geier war in der Aktentasche?

Da ich bestechlich bin, biete ich Dir eine bessere Benotung an, wenn Du dieses Rätsel endlich löst!