Sowohl Beutezeit wie auch Beutegier sind ja sehr ähnlich gestrickt und ich möchte mich Roystons Urteil anschließen, dass sich Ketchum den zweiten Teil hätte schenken können. Zumindest hätte er sich ein Szenario für die Kannibalen erdenken müssen, das sich von dem aus Teil 1 unterscheidet. Mh, man hat weitere Angehörige des Clans aufgespürt, sie in die Geschlossene verfrachtet und dort gelingt ihnen die Revolte

?
Die erste Hälfte von Beutezeit hat mich mit der Figureneinführung - und beschreibung sehr stark an King erinnert. Auch, dass die Geschichte in Gottes gefährlichsten aller Bundesstaaten spielt, hat mich schmunzeln lassen

Kommt Ketchum auch aus Maine oder ist das ne Art Hommage?
Die Sexszenen und das Gemetzel fand ich zwar auch heftig, aber nicht so übertrieben geschildert, dass es ins Lächerliche abgerutscht wäre. Vor allem ist mir hier auch der Schmerz angemessen beschrieben worden, anders als in so manchem Laymon-Werk, wo die schwersten Verletzungen manchmal die Auswirkungen von Kratzern haben.
Überhaupt stellt Ketchum für mich mit den beiden Beute-Roman Laymon weit in den Schatten. Ich hatte das Gefühl, das Ketchum als Auswärtsmannschaft in Laymons Stadion kommt und den Hausherren 5:0 schlägt
Obwohl, ist vielleicht unfair Ketchum gegenüber, ist Beutezeit doch zeitgleich mit dem ersten Laymon-Werk erschienen, oder?
Zurück zu Beutezeit. Ich mochte die Charaktere, fand sie glaubhaft geschildert. Kein Schwarz-Weiß, jeder hatte auch seine Schwächen, mal mehr mal weniger. Teilweise wurde Margie sogar als richtiges Miststück beschrieben, wenn sie das in Schockstarre verfallene Mädchen zurücklässt, beispielsweise. Aber alles ist nachvollziehbar, auch ihr Zorn auf das Mädchen und ihre Schuldgefühle deswegen.
Ich weiß nicht, ob es von Ketchum so schlau war, die Bücher auch aus Sicht der Kannibalen zu erzählen. Das nimmt vielleicht einiges an Schrecken. Das Unbekannte ist häufig halt doch angsteinflößender. Aber auch das hat er glaubwürdig gelöst.
Roystons Meinung, dass Ketchum in Beutezeit plump schreibt, kann ich mich nicht anschließen. Im Gegenteil, ich fand seine Schreibe sehr reif und habe auch keinen Unterschied in Beutegier feststellen können.
Für mich zwei unterhaltsame Romane, nicht mehr, nicht weniger. Teil 3 wird ein anderes Setting bieten (hat ihn einer eigentlich schon im Original gelesen?) und wohl mehr die psychologische Schiene fahren, als Teile 1 und 2, von daher hat er für mich durchaus seine Berichtigung. 7,5 v. 10 Punkten.