Nach etwas mehr als der Hälfte muss ich sagen, dass die Sammlung nicht ganz so toll ist, wie ich mir das erhofft
habe. Klar, es sind einige hervorragende Stories dabei, aber leider auch sehr viel Mittelmass und (bisher) zwei solch
grottenschlechte Gurken, dass ich sie nicht fertig lesen konnte - und das geschieht nur alle hundert Jahre einmal

.
Bob Leman - Das Fenster
Gleich zu Beginn eines der Highlights der Sammlung. Eine Story über ein schief gelaufenes Psi-Experiment, das
als Folge ein 'Fenster' in die Zeit reisst, durch welches die Protagonisten scheinbar in die Vergangenheit blicken
können. Und das hat Folgen. Eine toll geschriebene Geschichte, lebendige Charaktere, ein Schuss Ironie und ein
phantastischer Schluss. Eine Geschichte, die auch von King hätte stammen können.
Tom Reamy - Insekten in Bernstein
Die längste Geschichte im Band beginnt als Spunkhausgeschichte, wird plötzlich zu einer Story über ein paranormales
Phänomen, gleitet dann über in eine Mörder-Hatz. Obwohl gut geschrieben werden viel zu viele Themen zusammengepackt,
was leider als Ganzes nicht so toll funktioniert. Einmal mehr bewahrheitet sich das Sprichwort: Weniger ist manchmal
mehr.
Charles Beaumont - Gratis-Erde
Eine so ironische Story habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Sie handelt von einem Mann, der alles und jeden
eiskalt ausnutzt und sich mit Gratis-Angeboten und dauerhaft ausgeliehenen Dingen über Wasser hält. Dass die Rechnung
für sein Verhalten irgendwann kommen muss, versteht sich von selbst. Grandios!
Patricia Ferrara - Steigende Wasser
Eine Jugendgeschichte, die zwar sehr stimmungsvoll ist, der aber etwas der Drive fehlt. Auch das Ende wirkt nicht
befriedigend. Ein Knabe geht im Sommer immer am Fluss baden. Generationen vorher (wie ihm seine Grossmutter nicht
müde wird, zu erzählen) war der Fluss schmaler und an seinem Ufer stand ihr Haus. Dieses ist mitlerweile überspült, und
nur selten, wenn der Flussstand tief ist, kann man sein Dach sehen. Klar, dass der Knabe hinschwimmt.
Stephen King - Die Nacht des Tigers
Natürlich darf in einer Sammlung auch King nicht fehlen. Sein Beitrag ist enorm stimmungsvoll und punktet mit starken
Charakteren, wie man es von ihm kennt. Nur thematisch wirkt die Story, als wäre sich King nie sicher gewesen, auf was er
eigentlich hinauswill. Es geht um einen jungen Mann, der beim Zirkus arbeitet, einen Tiger, einen Tigerbändiger und dessen
Rivalen. Diese Rivalität eskaliert schlussendlich, aber der Grund dafür ist praktisch nicht vorhanden und wirkt daher nicht
so dramatisch, wie es hätte sein können. Macht Spass zum Lesen, aber Erinnerungen bleiben wohl keine hängen.
Brian W. Aldiss - Armes Drachentöterlein
Die erste Gurke, die ich nicht zu Ende lesen konnte. Obwohl grandios geschrieben, hat sich Aldiss hier zu sehr auf sein
aussergewöhnliches sprachliches Taltent verlassen. Es liest sich, als ober lediglich seine Skills zeigen wollte, aber
vergessen hat, eine wirklich interessante Story zu erzählen. Wens interessiert: Ein Jäger aus der Zukunft reist in der
Zeit zurück, um sich einem Dino/Drachen zu stellen. Der Kampf erweist sich natürlich schwieriger, als der Jäger gedacht
hätte. Na ja ...
Demnächst mehr.