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1

Sonntag, 6. Dezember 2009, 16:55

Michael Tietz: Rattentanz

Nachdem ich schon ziemlich beeindruckt von seiner Lesung war und ich mir da auch gleich das Buch geholt habe, bin ich jetzt fast zur Hälfte vorgedrungen. Das mit dem "Beeindruckt sein" hat noch zugenommen. Selten dass mir das passiert: Aber jetzt träume ich schon von den Figuren und der Handlung...
Das soll ein Erstlings-Werk sein? - kann ich mich nur immer wieder fragen.
Das Buch ist sehr realistisch, die Figuren, das was sie erleben - all das könnte tatsächlich so sein ... leider...
Der Ausgangspunkt ist sicher nicht realistisch - ein Computervirus beendet mit einem Schlag weltweit jede Energieversorgung, alle Kommunikationsmittel. Ob so was so passiert, ist eher unwahrscheinlich, aber für den Roman auch unwichtig. Die Welt ohne elektrischen Strom, mitten im Schwarzwald, in Deutschland. Das Untergangsszenario kommt ohne totale Vernichtung, ohne Zombies oder Ähnliches aus. Der Autor schreibt so, als hätte er es tatsächlich erlebt.
»T.H.« hat folgende Datei angehängt:
  • tietz.jpg (63,54 kB - 19 mal heruntergeladen - zuletzt: 24. April 2011, 00:50)
Phantastische Grüße
Thomas

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Kai Grimm

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2

Montag, 7. Dezember 2009, 21:14

Hallo T.H., Du machst mir gerade mächtig Appetit auf dieses Buch. Ich habe deswegen einen eigenen Thread aus dem Beitrag gemacht. Berichte mal, wenn Du es durch hast, ob die Qualität bis zum Schluss gehalten wird.
Lese zur Zeit:
Christoph Marzi - Somnia

3

Freitag, 11. Dezember 2009, 17:07

Eine Rezi....

....aber noch nicht von mir. So schnell bin ich halt nicht. Aber die Phantasik-News-Rezi zum Buch ist mal gerade online, da kann man ja mal drauf aufmerksam machen...
http://www.phantastik-news.de/....
Ja, werde mich gerne noch mal äußern, wenn ich durch bin.
Phantastische Grüße
Thomas

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4

Freitag, 11. Dezember 2009, 17:19

Ich werde immer ärmer und ärmer und ärmer und ärmer. Habe dieses Buch schon bestellt. So langsam läppert es sich. Ich glaube, ich melde mich hier im Forum lieber ab, sonst darf ich bald zum Zwegat gehen! :)
Lese gerade: Seth Grahame-Smith - Abraham Lincoln: Vampire Hunter
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5

Dienstag, 22. Dezember 2009, 09:02

Schade, es ist vorbei...

Jetzt liegen satten 830 Seiten hinter mir, wobei man erwähnen muss, dass der Schriftgrad relativ klein ist, die Seiten also mehr beinhalten als z.B. ein genauso dicker Band aus Kings Dunkler Turm- Serie. - Rein subjektiv neige ich natürlich dazu, dieses Werk mit King zu vergleichen. Das liegt zum einen daran, dass ich vor kurzem King gelesen habe, aber auch daran, dass der Autor bei seiner Lesung kürzlich King als einen von ihm geschätzten Autor angibt. Ich wage auch zu behaupten, das das hier Erzählte King'sche Dimensionen erreicht.
Ausgangspunkt ist eine üble Katastrophe. Durch einen Computervirus fallen weltweit alle PCs aus, sämtliche Energieversorgung bricht zusammen, alles was mit Mikrochips arbeitet, gibt seinen Geist auf. Was passiert nun?
Der Autor bringt in kleinen Kapiteln Eindrücke aus der ganzen Welt. Amüsant ist hierbei eine Szene aus dem Amazonas-Gebiet: Da merken die Eingeborenen gar nichts von der Katastrophe, denn ihr Leben ändert sich nicht – in Perspektive schon, denn sie werden so bald nicht mehr von urwaldfressenden Maschinen und deren Lenker bedroht.
Die Zivilisation bricht in wenigen Tagen vollständig zusammen. - So weit der Rahmen.
Der Autor konzentriert sich – in King'scher Manier – auf die Bewohner eines Dorfes im Schwarzwald. Ein Dorfbewohner ist aber gerade in Schweden; ihn verfolgen wir auch auf seinem abenteuerlichen Weg nach Hause.
Nun, ich kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal so einen exakten Roman gelesen habe, was die Zeichnung menschlicher Charaktere anbelangt. Der Autor schreibt, als hätte er das Alles miterlebt, was man ihm und uns nicht wünschen mag. Selten dass mich das Schicksal von Roman-Personen so fesselte und in ihren Bann zog. Das Buch zeigt, was unsere zivilisatorischen und menschlichen Werte wert sind, wie sie sich bewähren und wie schnell sie uns verlustig werden können, wenn es keine Gesetzeshüter mehr gibt, keine von außen aufgestülpte Regeln, wenn der Hunger regiert.
Der Autor entwirft anhand dieser kleinen Dorfgemeinschaft eine neue mögliche Weltordnung. Die Menschen finden zusammen, auch unter enormen Verlusten und Widerständen.
Zu welchem Genre gehört der Schmöker? Der Autor war ja nach eigener Aussage überrascht, dass sich SF-Fans für den Roman interessierten, aber natürlich ist das SF – klassischer Stoff – Postdoomsday-Story par excllenence. Dann enthält es natürlich auch Thriller- und Horror-Elemente, ist ein Abenteuer-Roman. Wesentlich ist aber der Realismus, mit dem die Geschichte erzählt wird. Realistisch auch, was die Zeichnung der Menschen und ihrer Handlungen anbelangt, denn sie sind keineswegs vorausschaubar. Es besteht keine Garantie dafür, dass eingeführte Personen auch das Ende des Romans erreichen, auch nicht welche, von denen man es hofft und irgendwie erwartet.
Ich will hier keinesfalls in die verwickelten und spannenden Einzelheiten des Erzählten eindringen. Für mich war dieser Roman DIE Entdeckung des Jahres 2009 und kann nur JEDEM dringend raten, das Buch zu lesen. Wem die Hardcoverausgabe zu teuer ist, kann ja noch warten, Ende 2010 soll eine TB-Ausgabe bei Ullstein erscheinen.

@ Royston Vasey: Nun ja, da kann ich Dich in dieser Beziehung nicht bemitleiden, nur gratulieren. Ich hoffe und denke, du bereust diese Anschaffung nicht.
Phantastische Grüße
Thomas

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6

Sonntag, 14. März 2010, 14:34

Markus Tietz: RATTENTANZ

Ich habe leider etwas länger als geplant für die Lektüre des Buches benötigt (840 Seiten sind halt kein Pappenstiel.), doch nun sehe ich mich genötigt, einen eigenen Thread zu eröffnen. Nochmals thanx an Thomas, der mich hier im Forum erst auf das Buch aufmerksam gemacht hat!

Eigentlich beginnt alles ganz harmlos. Ein kleiner Virus wird von einem Schüler ins Netz geschleust, doch leider programmiert er die falsche Jahreszahl; so hat das unscheinbare Programm ausreichend Zeit weltweit überallhin zu gelangen und zu mutieren. Als es aktiv wird, löst es eine globale Katastrophe aus.
Michael Tietz erzählt in seinem Debüt- Roman "Rattentanz" minutiös, was geschieht, wenn plötzlich jegliche Kommunikation, Elektrizität und Wasserversorgung zusammen brechen. Am Beispiel des ihm sehr vertrauten Ortes Wellendingen im Südschwarzwald, das eine Art Mikro- Kosmos darstellt, zeigt der Autor, wie sich die Menschheit des 21. Jhd. über Nacht wieder in eine mittelalterliche Gesellschaft zurück entwickelt.Plötzlich steht das Überleben an erster Stelle, doch was ist mit "Gesetz" und "Ordnung", haben moralische Werte überhaupt noch eine Bedeutung?
Wenn man den Roman liest, kann man nicht glauben, dass dies das Werk eines Debütanten sein soll, so routiniert und packend komponiert Tietz die Handlung, so lebensecht zeichnet er seine Charaktere. "Rattentanz" ist eine Mischung aus Kings "The Stand" und "Die Arena" und McCormacs "Die Straße" und doch besitzt es einen ganz eigenen Charme (wenn man dies angesichts des sehr düsteren Szenarios überhaupt sagen darf); das Buch kommt nämlich ohne jegliche phantastischen Elemente aus. Die Regionalität und tiefe Humanität des Buches heben es weit über die Menge normaler reißerischer Apokalypse- Thriller hinaus.
Für mich zählt "Rattentanz" zum Besten, was ich seit vielen Jahren im Bereich deutscher Phantastik gelesen habe. Ein kleiner Geniestreich.

_____________________________

http://www.arthur-gordon-wolf.de
_____________________________

"Es wäre gut, Bücher zu kaufen, wenn man die Zeit, sie zu lesen,
mitkaufen könnte."
Arthur Schopenhauer

7

Sonntag, 14. März 2010, 16:08

Hallo arthur gordon, hatten wir nicht schon was zum Thema ... :D

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Phantastische Grüße
Thomas

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »T.H.« (14. März 2010, 18:16)


8

Sonntag, 14. März 2010, 16:16

Na, dafür gibt es doch uns. :D

Habe die beiden Themen mal vereinigt.
.
.



9

Sonntag, 14. März 2010, 16:18

Danke Dir, Shadowman!

Im Übrigen teile ich den positiven Eindruck von arthur gordon voll und ganz!
Phantastische Grüße
Thomas

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10

Sonntag, 14. März 2010, 16:28

Na, dafür gibt es doch uns. :D

Habe die beiden Themen mal vereinigt.

Hallo arthur gordon, hatte wir nicht schon was zum Thema ... :D

Link

Sorry. Aber genau DEN Link habe ich gesucht - die Such- Funktion lieferte mir jedoch nur deine Posts in "Zuletzt gelesen". Na, dank Dirk ist ja jetzt wieder alles im Lot! :D

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11

Dienstag, 16. März 2010, 00:16

Ein Depüt-Roman von über 800 Seiten? Das ist allein schon beeindruckend und spricht wohl für ne auserordentliche Qualität.

HarryW

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12

Dienstag, 16. März 2010, 09:14

Muss ich mir kaufen. Danke für den Tip.

13

Donnerstag, 15. April 2010, 19:51

So, hab das Buch jetzt auch durch. Die Idee ist klasse und es war flüssig zu lesen, auch wenn ich ca. 100 Seiten brauchte um richtig reinzukommen. Aber was sind schon 100 Seiten bei einem Wälzer von 830?

Die Begeisterung kann ich jedoch nicht ganz teilen. Irgendetwas fehlte mir hierbei. Ich kann noch nicht mal sagen was genau mich gestört hat. Vielleicht noch am ehesten die absolut klischeehaften Figuren. War ja alles vertreten, worüber man ansonsten hauptsächlich in der Bild-Zeitung ließt: der faule Arbeitslose, der geldgierige Sozialhilfeempfänger, der bonzige Anwalt, der gewaltgeile türkische Jugendliche, der böse Exmann, der selbstlose Vater, der unverstandene Sohn mit Minderwertigkeitskomplexen, etc. Hier wäre weniger mehr gewesen.

Es gab immer wieder grandiose Passagen. Genauso viele Passagen waren aber auch langweilig. Immer wieder wurden diverse Kleinigkeiten wiederholt und wiederholt und wiederholt. Wirkliche Spannung kam so leider auch nicht auf, zumal man sich das Ende schon fast denken konnte.

Ein Schwachpunkt war m. E. dass immer wieder von Dörfern die Rede war, die ausgeraubt, überfallen, einfach nur geplättet wurden. Im Dorf, in welchem ein Großteil der Geschichte spielt, passiert bis auf einen "kleinen" Überfall nix wildes, außer dass sich die Bewohner gegenseitig das Leben schwer machen. Im Dorf ging es mir im Vergleich halt zu friedlich zu. 2 Spaltpilze waren halt vorhanden, aber der Rest dümpelte friedlich vor sich hin.

Auch hätte ich mir einen Blick zu den beiden PC-Freaks gewünscht, welche für die ganze Kiste verantwortlich waren. Haben die beiden gemerkt, dass gerade ihr Meisterwerk aufgeht?

Kings Arena ist ein ganz anderes Buch. Auch wenn Ähnlichkeiten vorhanden sind. Jedoch war die Arena spannender. Man wollte ständig wissen, wie es weitergeht. Die Personen standen einem näher. Bei Rattentanz waren sie einem teilweise sogar völlig egal. Und das ist es auch, warum ein Vergleich King nicht gerecht wird. Er hat es dank seiner Erfahrung einfach drauf, Charaktere zu beschreiben, überraschend handeln zu lassen und das Konfliktpotenzial eines jeden zu nutzen. Da ist bei Tietz noch Platz nach oben.

Dennoch: Für einen Erstling wirklich beachtenswert, so eine Schwarte auf den Markt zu bringen.

Schulnote: 3
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14

Freitag, 14. Mai 2010, 15:06

...ist gerade (am 12. Mai) bei Ullstein erschienen...
Phantastische Grüße
Thomas

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »T.H.« (21. April 2011, 07:05)


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Kai Grimm

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15

Mittwoch, 20. April 2011, 21:56


Für mich zählt "Rattentanz" zum Besten, was ich seit vielen Jahren im Bereich deutscher Phantastik gelesen habe. Ein kleiner Geniestreich.

Dies ist ein Fazit, dem ich mich bedenkenlos anschließen kann. "Rattentanz" ist ein Endzeit-Thriller-Drama, das in seiner ganzen beklemmenden Wucht und seiner wortgewaltigen Sprache einfach nur begeistert. Hier kommt die Apokalypse auf leisen Sohlen, ganz ohne Atomkrieg, Seuche, Zombies und religiösen Firlefanz. Es wird einfach nur der Saft abgedreht. So legt das Buch sein Hauptaugenmerk auf Charaktere, deren Entwicklung, die Schicksale der handelnden Personen und immer wieder die Gewissensfrage: Wie würdest Du handeln, wenn....
Die durchaus vorhandenen Gewaltszenen sind immer handlungsfördernd, nie Selbstzweck, immer hart, aber realistisch und nicht plakativ überzogen. Was die negativen Charaktere angeht, so konnte Michael Tietz zugegebenermaßen nicht jedes Klischee umschiffen. Umso faszinierender hingegen ist das Schicksal vieler "guter" Menschen, die gezwungen sind, teils wirklich grausame Dinge zu tun. So sind beispielsweise die Szenen mit Assauer und seinem toten Enkel, das gemeinsame Sterben der Glücks oder die Geschichte mit Nina und dem kleinen Kind ganz großes Drama, das mich noch lange verfolgen wird. Hinzu kommen durchaus ausreichend horrorrelevante Szenen, beispielsweise die Überquerung des verunglückten Busses oder der völlig durchgeknallte "Glücklichste Mann der Welt". Das Buch ist ein mächtig dicker Brocken und mir zu keinem Zeitpunkt langweilig geworden. Und das auch nicht in langen Passagen ohne Action und Gewalt. Hinzu kommt, dass der Leser sich hier zu keinem Zeitpunkt sicher sein kann, was der Autor mit seinem Personal vorhat: Manche werden ganz nebenbei zu wichtigen Hauptpersonen, manche (Gute wie Böse) lässt er früh sterben oder verliert sie einfach aus den Augen....
Ich gebe 9,5 von 10 Punkten für einen wirklich faszinierenden Roman, damit die beste Wertung seit Beginn meiner Leseliste!
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Christoph Marzi - Somnia

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16

Dienstag, 27. September 2011, 13:46

Habe jetzt gerade angefangen, hatte heute viel auf dem Zettel und sag jetzt mal einfach, ich mach frei, weil das Buch so sch.... spannend ist. Ich brauchte keine 30 Seiten, um rein zu kommen.

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Freitag, 7. Oktober 2011, 08:50

Rattentanz ist ein gutes Buch mit leider einigen Mängeln. Der Plot lässt sich schnell zusammenfassen: Durch einen Computervirus verursachten globalen Sytemabsturz bricht die Technik und kurz darauf auch die gesellschaftliche Ordnung zusammen. Die Krankenschwester Eva versucht ins 30km entfernte Wellendingen nachhause zu ihrer Tochter zu gelangen. Ihr Mann Hans, geschäftlich in Malmö unterwegs, begibt sich ebenfalls auf eine Odyssee. In Wellendingen selbst organisiert sich die Dorfbevölkerung mit der Katastrophe, schafft Ordnung, und wird immer wieder durch Einzelinteressen zurück geworfen.

Der Roman hat mich sehr stark an verschiedene SK-Romane erinnert (oder darin vorkommende Figuren): der verrückte Thomas mit seinen Stimmen, der besessene Kiefer, das Setting selbst und vor allem der glücklichste Mann der Welt. In fast allen Fällen hat es mir sehr gut gefallen, nur der glücklichste Mann der Welt... die komplette Szene fand ich mau.

Toll umgesetzt fand ich Thomas. Der Beginn im Fahrstuhl, seine Sicht der Dinge auf Geschehnisse, die Dialoge seiner Stimmen, das hat Spaß gemacht.

Ebenso stark, wie auch einfach, fand ich Fuchs. Die vermeindlichen Attribute dieses Tieres in diesen Protagonisten gebündelt. Wow. Obwohl er ein "Böser" war, habe ich viel Sympathie für ihn entwickelt.

Und Frieder Faust kam als Dorfvorsteher sehr charismatisch daher. Wie Tietz im Nachwort erklärt, sollte er erst der Bösewicht werden und hat sich während des Schreibens gewehrt. Mit Händen und Füßen würde ich meinen.

Eine weitere Stärke des Buches war die geschilderte Brutalität. Unübertrieben war es meistens fesselnd.

Gestört hat mich die starke Polarisierung. Gut, die Krankenschwester, der Priester, der Handwerker; böse: der Bodybuilder, der türkische Heranwachsende, der Anwalt. Und in ihnen versammelten sich jeweils alle bösen oder guten Eigenschaften. Der Bodybuilder Ritter knallt ein paar Stunden nach dem Stromausfall Polizisten ab (fand ich total unrealistisch) und die gute Krankenschwester Eva hat ein so ausgeprägtes Helfersyndrom, dass sie ihre Patienten bis zum Tod pflegt. Außerdem ist sie auch noch eine gläubige Christin, teilt, obwohl sie selbst nix hat... Zum Glück findet der böse Kiefer einen goldenen Vibrator bei ihr, über diese Szene war ich dann doch überrascht.

Alles in allem, ein tolles Debut, für das ich 8 von 10 Punkten vergebe.