Ich habe mir den Roman kürzlich vorgenommen. Eine gute Lektüre, aber der erste Band hat mir besser gefallen! Hier aber meine kleine bescheidene Meinung:
Doctor Nikola ist wieder da! Intrigen und „ehrenhafte“ Verbrechen sind sein Markenzeichen. Die Suche nach dem Geheimnis der Unsterblichkeit sein Ansporn. Mehr Abenteurer denn Schurke, bereist er die exotischsten Ecken dieser Welt und windet sich aus jedweder Gefahr mit meisterlichem Geschick und endloser Ruhe und Gelassenheit heraus. Nichts scheint diesen Mann aufhalten zu können, mag so manche Situation noch so brenzlig sein, sein Leben in tödlicher Gefahr schweben. Nikola ist ein Charakter, der den Leser an den Sessel (oder wo immer Sie gerade Platz genommen haben) fesselt. Guy Newell Boothy ist der Mann, der eine unerschütterliche Ordnung im Handlungsverlauf und den Charakterzeichnungen aufrecht erhält. Spannung entsteht eben nicht bedingt durch Rasanz.
Die düster-unheimliche Gestalt des Doctor Nikola ist bereits aus „Die Rache des Doctor Nikola“ vertraut. Es wird also Zeit diesen mysteriösen Gentleman-Schurken näher kennen zu lernen. Boothby stellt ihm Wilfred Bruce als Gehilfen zur Seite und mit ihm spinnt Doctor Nikola einmal mehr sein Netz aus Lug und Trug, aus Bestechung und Betrug. „Die Expedition des Doctor Nikola“ entwickelt sich zu einer Verkleidungsfarce, die tief im tibetanischen Gebirgsmassiv endet. Als Chinesen verkleidet gibt es nur zwei Schicksale für sie: Erfolg oder Misserfolg – Leben oder Tod. Und so wählen Wilfred Bruce und Doctor Nikola ihre Schritte mit Bedacht und aller Eile, die möglich ist. Doch so manches Vorhaben braucht seine Zeit ... Zeit, in der die Feinde näher heranrücken.
Mit unermüdlicher Ruhe, unerschöpflicher Gelassenheit und Doctor Nikolas übernatürlichen Fähigkeiten zeichnet sich ein stringentes Abenteuer voller Gefahren ab. Ein Abenteuer voller Gefahren, aber auch ein Abenteuer der Liebe. Denn Wilfred Bruce hat sich in ein Mädchen verliebt, das nun sein Ansporn zur glücklichen Rückkehr ist.
Kommt dies bekannt vor? Nun, es ist kein Wunder, hat sich Guy Newell Boothby doch des gleichen Plots wie im ersten Band um Doctor Nikola bedient: Ein gefahrvolles Abenteuer und eine beginnende Liebe. Doch Boothby weiß wie er begeistern kann. Ein wenig Exotik, ein wenig Gefahr und Herzschmerz betört einfach immer. Doch lassen wir uns nicht täuschen. Die Befriedigung der grundsätzlichen Erwartungshaltung mag abgegolten sein, die Befriedigung auf Abwechslung und Variation gegenüber dem ersten Band bleibt als schaler Nachgeschmack zurück. Hoffen wir auf den dritten Band, denn spätestens dort tut Abwechslung dringend Not!
„Die Expedition des Doctor Nikola“ ist schnörkellose Abenteuerliteratur wie sie heutzutage leider kaum mehr geschrieben wird. Fast als besinnlich ist die Handlung zu bezeichnen, ruht ihr doch eine Ruhe inne, die dem gemächlichen Fluss des Geschehens entspringt. Die Ideenlosigkeit des Handlungsverlauf schiebt die Vorhersagbarkeit weit nach vorne und die intensive Spannung zu weit nach hinten. Ein empfehlenswerter Roman für jene, die keine Innovation erwarten.