Selten hat mich ein Buch so unentschlossen zurückgelassen, weil es einerseits grossartige Elemente aufweist, andererseits eben auch
ärgerliche Dinge in sich birgt.
Fakt ist, dass es sich um einen im viktorianischen London spielenden Episodenroman in drei Teilen handelt, in dessen letztem Teil der
Leser erste den Schlüssel erhält, um die ganze Geschichte zu begreifen. Das heisst, dass man sehr oft mit gänzlich unerwarteten Wendungen
und Überraschungen konfrontiert wird. Um die Stimmung der Zeit um 1900 darzulegen, hat Felix J. Palma einige übertrieben romantische
Handlungselemente mit eingebaut, die mir persönlich eben viel zu romantisch sind. Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass dies weiblichen
Lesern möglicherweise sehr gut gefällt - mir wars etwas zu hardcore-romantisch

. Sprachlich ist der Roman 1A, in letzter Zeit habe ich
wirklich nicht viel gelesen, das an Palmas Sprachtalent heranreicht. Allerdings neigt er hin und wieder zum endlosen Labern. Das machen z.B.
King oder Zafon auch, aber bei denen ist die Verbindung zur Story doch immer irgendwie spürbar. Bei Palma ist das manchmal etwas zäh.
Fazit: Wer Freude an toller Sprache und der Zeitreisethematik hat und nicht zwingend einen von Action dominierten Reisser sucht, könnte einige
sehr schöne Stunden mit dem Roman verbringen. Wer allerdings eine Pageturner will, dem dürfte das Buch schon nach 50 Seiten verleiden.