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Ja, das kenne ich.Also wenn ich das Gefühl habe, dass eine Geschichte fertig ist, also wenn ich eine unaussprechliche Übelkeit bei dem Gedanken bekomme, die Geschichte zum x-ten Mal durchzulesen, dann kann ich auch so gut wie nicht kürzen. Geht einfach nicht. Ist halt fertig. Und ich auch. Dann bete ich immer zu Gott, dass es da draußen einen Lektor gibt, der genausowenig Bock hat, sich mit meiner Geschichte eingehend auseinander zu setzen - aber leider ist meistens das Gegenteil der Fall, und die Leute haben es echt drauf, einen nochmal bis zum Hals in die Scheiße reinzustoßen, aus der man sich gerade erst wie das erste Gewürm aus der Urschleimsuppe rausgekämpft hat. Bildlich gesprochen. Aber bis dahin wird immer wieder nach einem besseren Bild gesucht, einer besseren Formulierung, einer anderen Kameraeinstellung, um das beste (mir mögliche) Licht auf eine Szene zu werfen. Eine Geschichte läßt sich eben auch immer anders erzählen, und ich hab mir wirklich schon sehr schöne Geschichten versaut, weil ich einfach nicht genauer nachgefragt habe - bei mir.
WOW!Tja, ich denke, es gibt Momente, in denen man denken muß und Momente, in denen man das Gedachte übersetzen muß, in Sprache. Bei mir jedenfalls ist das ein ewiges Hin und Her, mit herben Rückschlägen. Aber das ist auch gut so, sonst würde ich nämlich ganz den Glauben an das Individuum verlieren, und ein guter Autor wäre nur eine perfekt trainierte Maschine, die einen Roman nach dem anderen raushämmert, einfach weil er gut konditioniert ist. Da scheint mir das Reflektieren und Revidieren doch ein Hinweis auf Fehlbarkeit zu sein.
Zitat
Ach ja, und PS:
Der Vorteil einer Überarbeitung ist natürlich der: Man entdeckt irgendwann in einer relativ durchschnittlichen Geschichte ein Fenster, das angelehnt ist, und hinter dem es hervor schimmert, so hell irgendwie - und dann kommt man näher und drückt den rostigen Fensterladen beiseite und wirft einen verstohlenen Blick in das Dahinter, wo sich eine ganze Welt offenbart. Schon verrückt, wie manche Leute schreiben.
Zitat
Wie meinst du das denn mit verrückt?
Die Autoren, sich sowas anzutun, oder die Entdecker der Welten, die das so schön ausdrücken können?
Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Marcus« (6. Oktober 2011, 14:46)
pfffft ... Genie wird allenthalben überschätzt.Na, da kitzelts doch schon bei mir in der Nase, wenn das nicht nach einem Schlüsselroman ruft: Ein Autor verliert sich in der Überarbeitung eines Textes, er dringt dabei in immer tiefere Schichten und Sphären der Handlung ein, von einer Wirklichkeit in eine noch entlegendere tauchend, hinter jeder Wirklichkeit eine andere ahnend und ihr wie ein Detektiv auf die Schliche kommend - aber das ist etwas für einen anderen, geistreicheren Autor als mich, vielleicht ein Genie...
Ich auch, obwohl King das ja schon in Lang- und Kurzform auf seine Weise abgehandelt hat, mit dem Autor der sich in seiner Welt verliert.Allerdings wäre ich der erste, der den Roman lesen würde.
Klasse DefinitionUnd ja, das Überarbeiten eines Textes ist ähnlich erfrischend wie die Geburt eines Kindes - am Ende ist man froh, wenn alle am Leben sind, man nicht ohnmächtig zusammengebrochen und noch seinen Namen herleiten kann. Aber nichts geht über das Gefühl, wenn das Kleine anderthalb Jahre später zu laufen anfängt und man sagt, wie herrlich, in Achtzehn Jahren ist es aus dem Haus. So wie manche Geschichte aus einem Kopf.
Okidoki, hoffe doch, ich habe dich jetzt nicht entmanntmutigt?Grüsse, und auf ein andermal,
Marcus
Das ist Schreiben sowieso. Aber es gibt unterschiedliche Schreib- und Bearbeitungstypen. Nach meiner Einschätzung sind jene, die mehr Zeitaufwand mit der Überarbeitung haben in der Überzahl. Ich habe nicht die Geduld dafür.
Zitat
Harte, ehrliche Arbeit ist, was wirklich zählt
Zitat
Tja, und was die neuen Ideen angeht: ich habe mit der Zeit erkannt, dass es unendlich viele Ideen gibt, aber oft nur eine oder zwei, die es wirklich wert sind, geschrieben zu werden. Meine Technik ist die, ich habe eine Idee - und wenn sie gut ist, wenn sie wirklich!! gut ist, gehe ich davon aus, dass ich mich in einem Jahr immer noch daran erinnern werde, dann wenn ich sie brauche. Sollte ich mich nicht mehr an sie erinnern, war sie schlecht oder mittelmäßig und damit belanglos.
Zitat
Ich würde auch so arbeiten, wenn ich nicht noch meine Familie unterhalten müßte.
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Haha! Hab ich das geschrieben?
Zitat
Bis zum April nächsten Jahres habe ich mir vorgenommen, pro Tag 10.000 Zeichen zu schaffen.