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Sonntag, 27. Februar 2011, 17:17

Paolo Bacigalupi - Biokrieg

Das Jahr droht bei mir zum Jahr der Leseabbrüche zu werden. Ist ja nicht aller Tage Ende, aber bisher sind es drei Bücher, die ich nicht zu ende lesen konnte. Hier wieder so eines.

Ein paar unmaßgebliche Gedanken zu Prolo Bacigalupi: „Biokrieg“

1. Das Cover. Beim interessierten Publikum fiel das Cover der deutschen (Heyne) Ausgabe durch – weitestgehend. Nun, ehe mich der Ruf des Buches ereilte, hat mich das Cover auf es aufmerksam gemacht. Dafür gebührt ihm Anerkennung. Ja, mir gefällt es, und es hat auch einen Bezug zum Inhalt, auch wenn der sich nicht gleich offenbart, so wie das naturalistische Umschlagbild der Originalausgabe, das ich allerdings kaum als innovativ bezeichnen kann.
2. Ich habe nur gut 170 Seiten geschafft, dann noch etwas quergelesen. Insofern bin ich zu einem abschließenden Urteil nicht fähig. Aber es ging nicht. Was das Buch auch alles sei, auf mich wirkte es einfach langweilig! Sorry an alle, die es mögen.
Auf diesen 170 Seiten passiert im Grunde Zweierlei. Zum einen findet ein Mann auf einem Jahrmarkt eine Frucht, die ihn in höchste Euphorie versetzt. Zum anderen überfällt eine militante, halbstaatliche Eingreiftruppe einen Luftschiffshafen und beschlagnahmen eine komplette Luftschiff-Lieferung.
Der Leser lernt dabei diese Welt der nahen Zukunft kennen (Komisch, in einer Rezension las ich, das würde in einer fernen Zukunft spielen...). Die ökologische Krise schlägt voll durch, Klimaerwärmung, Überschwemmungen, einige küstennahe Städte sind überflutet.
Das Öl ist alle. Das ist das faszinierendste für mich an dem Buch: Es wird eine Welt ohne Öl beschrieben. Auch wenn es vieles nicht mehr gibt, was wir gewohnt sind, so ist zivilisiertes Leben in dieser Welt möglich. Was aber als Folge auf alle Fälle registriert werden muss: Die Globalisierung hat ein Ende. Ohne Öl scheint der Welthandel zusammengebrochen, auch Fernreisen sind nicht mehr so einfach und schnell zu bewerkstelligen. Das Ende der Globalisierung wird hier als die Zeit nach der Expansion beschrieben. Statt Flugzeuge gibt es gemächliche Luftschiffe, statt Motoren Muskelkraft genetisch veränderter Riesenelefanten. Das ist phantastisch! Das hat mir gefallen.
3. In der schon erwähnten Rezension hat der Rezensent das Buch daher übrigens als Steampunk klassifiziert. Nun, andererseits fand man den Titel Biopunk dafür. Das trifft es auf alle Fälle eher, denn die beschriebene Welt ist keine viktorianische. Ob es aber „Punk“ ist, wage ich auch zu bezweifeln. Warum kann es nicht ganz einfach SF sein? - Doch, eine Bezeichnung fällt mir noch ein: Kapitalistischer Produktionsroman. Irgendwie geht es dialoglastig, seitenweise um Lebensmittelprodukte. Ist ja konsequent, denn Kalorien, also Lebens-Energie ist der Dreh- und Angelpunkt der neuen Welt, mehr noch als heute (was er aber vielleicht sein sollte, nicht das Öl...). Neue biologische, genetische Fallstricke hält das Leben bereit und dagegen anzukämpfen ist das Zeil vieler Protagonisten. Ist schon ok, aber ich fand genau das dann langweilig.

Ich kann mir gut vorstellen, dass der Roman seine Fans hat, ich erkenne das Potential, das Buch ist gute Literatur (Intention, Sprache). Ich finde nur, dass es einfach zu viel des Guten hat. Muss man jeden Gedanken so auswalzen? Als Kontrast fällt mir Alfred Bester ein, dessen „Demolition Man“ vor Ideen sprüht, die aber oft nur angerissen werden. Reicht aber. Bacigalupi hat dafür die Handlung geopfert (zumindest bis Seite 170).

OK, kann mich jemand davon überzeugen, das Buch weiterzulesen?
Phantastische Grüße
Thomas

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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Kai Grimm« (28. Februar 2011, 17:03)


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2

Sonntag, 27. Februar 2011, 18:30

Hm, meine Vorfreude ist etwas getrübt. Gerade bei 500+-Seiten kann Langeweile quälend sein. Na ja, ich nehme es jetzt erst mal mit in die Badewanne.

Kai Grimm

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3

Montag, 28. Februar 2011, 17:07

Da zu diesem Titel offenbar Antworten und Diskussionen gewünscht sind, habe ich mit den beiden Beiträgen hierzu einen eigenen Thread begonnen, Thomas und Vincent. Außerdem sollen die Leselisten schließlich von Fremdbeiträgen frei bleiben. :friends:
Lese zur Zeit:
Christoph Marzi - Somnia

4

Montag, 28. Februar 2011, 17:43

Ah ja, ok, na denn mal los. Danke Kai.
Das Buch soll ja eigentlich sehr gut sein, hat Preise bekommen und so... mal sehen, ob jemand von Euch das Buch mit ganz anderen Augen liest als ich...
Phantastische Grüße
Thomas

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5

Dienstag, 22. März 2011, 22:36

Dem Geschriebenen von Thomas kann ich zustimmen. Fand ich den Beginn durch das fremde Setting, durch die Einführung verschiedener Akteure noch faszinierend und fesselnd, erlahmte meine Begeisterung doch im Mittelteil, jedoch nicht so, dass ich abbrechen musste, dafür fand ich das Buch doch zu überdurchschnittlich.

Ab dem 20ten Kapitel ungefähr zieht die Handlung wieder an und die detailreichen, sorgsam ausgelegten Fäden spinnen sich zum Showdown mit der ein oder anderen Überraschung zusammen. Die Akteure polarisieren. Für mich gab es niemanden, den ich bedingungslos mochte, zu facetten- und schattenreich waren ihre Existenzen und Vorgeschichten. Dafür aber waren sie mit einer Tiefe ausgestattet, die das Lesen fesselnd machte. Der Schluss war wie das Buch, ehrlich, glaubhaft und einen Hauch unaufgeregt.

Alles in allem war es für mich ein lesenswertes Buch, aber warum es so viele Preise erhalten hat, verstehe ich nicht.
8,5 von 10 Punkten

Übrigens das Cover fand ich auch ganz erfrischend.