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Mittwoch, 2. März 2011, 11:57

Bentley Little

Ich eröffne mal hier einen weiteren Ordner zu Bentley Little - in erster Linie zu Werken, die bislang noch nicht in deutscher Übersetzung vorliegen.

Ich beginne mit dem soeben beendeten Roman "THE TOWN" von 2000:

Little erzählt hier die typische Heimkehrer- Story eines Mannes, der nach vielen Jahren in sein kleines Heimatstädtchen zurückkehrt, nur um festzustellen, dass etwas ganz und gar nicht mit dem beschaulichen Kleinstadtleben stimmt.
Gregory Tomasov ist ein Glückspilz: er hat in der Kalifornischen Lotterie das große Los gezogen: 80.000 Dollar jährlich für 20 Jahre. Er kündigt kurzerhand seinen Job, verkauft das Haus und zieht mit Frau, drei Kindern und seiner Mutter von L.A. ins beschauliche McGuane in den Bergen Arizonas. Seine Frau Julia aber vor allem die Kinder sind wenig vom Umzug begeistert. Und bei der fast erwachsenen Tochter ändert sich diese Einstellung auch nach einer gewissen Eingewöhnungszeit nicht.
Ganz langsam beginnen die Neuankömmlinge zu spüren, dass etwas nicht stimmt an diesem Ort. Alle gehören einer russischen Glaubensminderheit an: den Molokanern. Diese Gruppe wurde nicht nur im zaristischen Russland unterdrückt und verfolgt, auch in der neuen Welt stießen sie auf Ablehnung. Einer der Gründe dafür ist ihr konsequenter Pazifismus, der von vielen als "Feigheit" oder "fehlender Patriotismus" angesehen wird. Besonders Gregorys Mutter ist noch stark im alten Glauben verwurzelt und sie scheint als erstes die Gegenwart des Bösen zu spüren. Glaubt man anfangs noch, das neue Haus sei verflucht, muss man bald feststellen, dass es verschiedenste Quellen in McGuane gibt, die nicht ganz geheuer sind. Als sich eine Reihe von bizarren Morden ereignet, macht die abergläubische Mehrheit der Stadtbewohner schnell Gregory und seine Familie dafür verantwortlich. Doch das ist nur der Anfang eines weitaus bedrohlicheren Szenarios, das schon bald die gesamte Stadt erfassen wird. Und nicht jeder der Tomasovs wird den Kampf gegen den unbekannten Feind überleben....
Little verwendet in diesem Roman verschiedenste Versatzstücke der unheimlichen Literatur wie "das verfluchte Haus", "die eingeschworene, dunkle Gemeinschaft einer Kleinstadt", "die Geister und Dämonen verschiedenster Kulturen" (hier in erster Linie der Molokaner und Indianer) und der "Besessenheit" und komponiert daraus eine düstere Erzählung, die dadurch vielleicht thematisch ein wenig überfrachtet wird. Es sind einfach zu viele Aspekte, die der Autor unter einen Hut bringen will; die Stringenz und Dichte des Romans wird dabei leider in Mitleidenschaft gezogen. So wirkt auch der klassische Showdown zu überhastet und in seiner 'Lösung' recht simpel. Übrig bleibt ein gut geschriebener Horror- Roman, der seine Möglichkeiten nie voll ausschöpft. Little kann es wesentlich besser!

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Mittwoch, 23. März 2011, 10:59

THE SUMMONING

Little verwendet in seinen Romanen stets wiederkehrende Motive; ähnlich wie King interessiert er sich in erster Linie für das kleinstädtische Leben, für den Mikrokosmos einer kleinen, überschaubaren Gemeinschaft. Diese Gemeinschaften können allerdings auch religiöser, politischer oder ethnischer Natur sein. Es sind meist jene "Außenseiter", die im Fokus von Littles Büchern stehen und der Autor beleuchtet, welche Auswirkungen Vorurteile und Fanatismus (z. T. auf beiden Seiten) auf das soziale Gefüge einer Kleinstadt haben können.
Schauplatz des 1993 erschienenen Romans ist 'Rio Verde', ein kleines Wüstenstädtchen im Süden Arizonas. Rich Carter leitet dort eine kleine Zeitung; zusammen mit seiner Frau und der kleinen Tochter ist er aus Kalifornien hier in seine Heimat zurück gekehrt. Während er sich in der ruhigen, weit abgelegenen Provinz wohl fühlt, kann sich seine Frau Corrie mit dem etwas zu 'unaufgeregten', hinterwäldlerischen Leben nur sehr schwer abfinden. Sie will sich selbst verwirklichen und als ersten Schritt auf diesem Weg nimmt sie den Job als Sekretärin bei Pastor Wheeler an, einem Geistlichen, der von sich behauptet, persönlich mit Jesus zu sprechen.
Die Ruhe im Ort wird jäh gestört, als eine Leiche entdeckt wird. Der Tote wirkt wie eine uralte, vertrocknete Mumie - jegliche Flüssigkeit wurde dem Körper entzogen. Das Problem ist allerdings, dass der Mann noch am Vortag gesund und munter war. Für den Coroner und den Sheriff bleibt die Todesursache ein Rätsel. Und dann verschwinden weitere Personen, weitere ausgetrocknete Leichen tauchen auf; selbst Tiere und Pflanzen werden von der unheimlichen 'Austrocknung' befallen. Obwohl die Vorstellung geradezu lächerlich klingt, beginnen selbst Skeptiker daran zu glauben, es mit einem Vampir zu tun zu haben. Doch das unwirkliche Wesen zeigt sich nicht. Dafür beginnt sich die Atmosphäre im Ort langsam zu verändern; bislang unterdrückter Rassismus, Fremdenhass und religiöser Fanatismus treten plötzlich offen zu Tage. Und das Zentrum scheint ausgerechnet die Kirche von Pastor Wheeler zu sein.
Eine alte Frau chinesischer Herkunft scheint zu ahnen, was hinter den Vorgängen steckt und eine kleine Gruppe von Bürgern macht sich daran, das Böse aus 'Rio Verde' zu vertreiben.

Auch wenn mir die Beeinflussung der Bewohner durch das Böse etwas zu schnell vonstatten ging, konnte der Roman durchaus gefallen - vor allem weil er eine recht untypische Vampir- Story erzählt. Das blutgierige Wesen in THE SUMMONING hat nichts mit einem Dracula oder den romantischen "Biss"- wütigen Schönlingen einer Stephenie Meyer zu tun. Dieser Vampir ist uralt, abgrundtief böse und er befällt nicht nur den Körper sondern auch das Wesen seiner Opfer. Fazit: LESEN!

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Bentley Little, Horror