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Samstag, 13. August 2011, 14:46

Brom: DER KINDERDIEB

Brom: Der Kinderdieb
Gebundene Ausgabe: 664 Seiten
Verlag: PAN
ISBN-10: 3426283298
ISBN-13: 978-3426283295

Ich möchte hier ein Buch vorstellen, dass mich wirklich vom Hocker gehauen hat (und dazu bedarf es doch so einiges! ;-))

Brom, ein amerikanischer Graphiker und Spiele- Entwickler, hat sich die ungeschönte Originalausgabe von James M. Barries „Peter Pan“ als
Grundlage genommen, um daraus ein atemberaubendes und opulentes Fantasy- Epos zu entwickeln. Broms Peter Pan hat nichts mit der niedlichen, spitzbübischen Disney- Zeichentrickfigur zu tun, die alle sicher kennen. Auch kann der ewige Junge nicht fliegen; dafür versteht er es auf fast schon unheimliche Weise mit Messer und Schwert zu hantieren.
„Der Kinderdieb“ spielt auch nicht in London, sondern beginnt im Brooklyn der Gegenwart. Der seltsame Junge mit den goldenen Augen versammelt dort Jugendliche um sich, die sich alle eher am Rand der Gesellschaft befinden, unter Bandenkriminalität, Drogen und familiärer Gewalt zu leiden haben. Und er führt seine Gefolgschaft auch nicht nach ‚Nimmerland’. Peter Pans phantastische Inselwelt heißt hier ‚Avalon’. Hier wimmelt es zwar auch von Elfen, Pixies, Trollen, Hexen und noch weitaus unheimlicheren Geschöpfen, doch das Leben auf Avalon ist sehr hart und lebensgefährlich. Die Freunde Peters müssen sich nicht nur der Menschen erwehren, die immer größere Teile des magischen Eilands
verwüsten und von religiösem Fanatismus zerfressen werden, sondern auch gegen weitaus gefährlichere Gegner aus den eigenen Reihen kämpfen.
„Der Kinderdieb“ ist ein zutiefst düster-phantastisches Melodram, bei dem die Guten nie wirklich ‚gut’ sind und die ‚Bösen’ im Grunde oft einen guten Kern besitzen.
Brom gelingt auf diese Weise eine fulminante Mischung aus „Herr der Fliegen“, „Herr der Ringe“ und dem „Lied von Eis und Feuer“. Und dieses
Buch ist alles andere als für Kinder geeignet – zuweilen watet der Leser knietief in Blut und Eingeweiden.
Der Roman ist Dark Fantasy vom Feinsten, mischt er doch keltische und christliche Mythen miteinander, stellt die Frage nach der
jeweiligen Existenzberechtigung und wagt selbst der Figur des ‚Gehörnten’ positive Seiten abzugewinnen.
Kritiker behaupten immer, bei Fantasy handele es sich um sog. „Fluchtliteratur“. „Der Kinderdieb“ ist alles andere als eine Flucht vor
der Realität. Brom hält dem Leser eher einen Spiegel vor die Nase. Einen sehr, sehr dunklen Spiegel.
Zusammen mit den umwerfenden Graphiken des Autors ist das Buch für mich ein Fest für Geist und Auge. Ein Meisterwerk!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »arthur gordon« (13. August 2011, 15:38)


HarryW

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2

Samstag, 13. August 2011, 15:30

Soeben gekauft. Wenn das Buch sprachlich auch noch was zu bieten hat, dann klingt das in der Tat nach einem Meisterwerk. Danke für den Tip!

3

Samstag, 13. August 2011, 15:35

Soeben gekauft. Wenn das Buch sprachlich auch noch was zu bieten hat, dann klingt das in der Tat nach einem Meisterwerk. Danke für den Tip!

Nix zu danken! Und was die Sprache betrifft, so ist es durchaus ansprechend. Nicht so wie ein gewisser leider viel zu früh verstorbener Horror- Autor, der mit 'L' anfängt. :)

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4

Samstag, 13. August 2011, 17:32

Wär doch was für den Lesezirkel, oder?

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5

Samstag, 13. August 2011, 17:39

Da ich es seit Erscheinen in meinem SUB habe, wäre ich bei einem Lesezirkel gerne dabei. Sollten mal wieder im entsprechenden Thread sammeln.
Lese gerade: Seth Grahame-Smith - Abraham Lincoln: Vampire Hunter
www.hoerspiellobby.de

Albino

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6

Sonntag, 14. August 2011, 09:54

das buch ist wirklich ein kleinod....ich habe es in einem wochenendtriathlon verschlungen........ :D

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7

Sonntag, 14. August 2011, 11:37

habs gerade bei Amazon gerbraucht bestellt.
weniger ist mehr

HarryW

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8

Samstag, 12. November 2011, 17:54

Ich kann mich Arthurs Empfehlung nur anschliessen. "Der Kinderdieb" ist ein kleines Meisterwerk, das zwar ein altes und oftmals neu verwertetes Thema aufgreift, aber wie BROM das macht und wie viele neue Akzente und Ideen er einbringt ... das ist schon beachtlich. Dabei hat mich die Brutalität (die physische sowie die psychische) richtig mitgenommen - da ist nichts beschönt oder verniedlicht. Das einzige, was ich schade fand war die zwar saubere, aber etwas schnörkellose Sprache. Hätte sich z.B. ein Clive Barker diesem Thema angenommen, dann hätte das Teil richtig epische Grösse bekommen. Aber so sinds trotzdem 9,5 von 10 Punkten, die ich persönlich verleihe. Und damit schafft es das Buch locker in meine Bestenliste von 2011.

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9

Samstag, 24. Dezember 2011, 11:26

Ich kann mich Harald und allen anderen komplett anschließen. Für ein Werk von epischer Größe wie z.B. Hyperion oder Es hat es nicht gereicht, nicht ganz, aber anders als Harald konnte ich die Ursache nicht dafür finden. Das Buch hat eben einfach alles außer dem I-Tüpfelchen. Die Figuren sind mehrdimensional und wachsen einem ans Herz, herausragend waren Peter und der Kapitän. Gut und Böse in einem. Die Handlung trieb mich als Leser immer in die Richtung in die ich wollte. Abgefuckte Großstadt, Avalon und wieder New York, die Handlung wusste zu überraschen (Vater von Peter, die Perspektive des Kapitäns...)

Vorsicht Spoiler:

Spoiler Spoiler

Seit langem habe ich mich mal wieder über ein fehlendes Happy-End geärgert. Ich war schon enttäuscht, dass Nick draufgegangen ist.


Insgesamt gebe ich 9,5 Punkte.

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10

Samstag, 24. Dezember 2011, 13:35

@Vincent: Bezogen auf deinen Spoiler: Genau das sind aber die Details (neben vielen, vielen anderen in diesem Werk), die "Der Kinderdieb" für mich zu einem absoluten Meisterwerk erheben - gerade wegen seiner Kompromisslosigkeit. Für mich fehlt daher nicht nur nicht das I- Tüpfelchen, obenauf ist sogar noch ein Mt. Everest an Schlagsahne!! 12 von 10 Punkten!!! :)

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