Zunächst mal war ich überrascht, dass es sich hierbei nicht um einen Smoky-Roman handelt, aber angenehm. Abwechslung kann nie schaden. Und McFadyen sollte sich öfters an Stoffe außerhalb des Universums seiner Lieblingsermittlerin wagen. Er kann es, das merkt man an einigen Stellen des Romans. Was nicht heißt, dass ich mit Der Menschenmacher ein gutes Buch gelesen habe - Nein, insgesamt würde ich den Roman unter schlechtes, unteres Mittelmaß einordnen.
Es fängt sehr gut an. Wir folgen einer Art Privatermittler/Profikiller, der ein Kinderbordell in Thailand auseinandernimmt. Hier wird nichts beschönigt und auch Schwarz-Weiß-Malerei hält sich in Grenzen. Immerhin ist der ‚Geschäftsführer ebenfalls ein ehemaliger Sexsklave gewesen.
Es stellt sich heraus, dass der Killer ausführendes Organ einer Kinderhilfsorganisation ist, gegründet von einem Krimiautoren namens David. Die beiden verbindet ihre Vergangenheit, die sie zusammen mit Allison bei einem Pflegevater verbringen mussten. Bob war ein Psychopath, quälte sie und wollte sie zu Übermenschen erziehen, eienr Gestalt aus dem Nietsche-Kosmos, eine Weiterentwicklung des jetztigen Menschen.
Der Roman verläuft anfangs auf zwei Ebenen: Szenen aus der Kindheit bei Bob und die Ermittlungen der Erwachsenen, die zunächst Drohungen erhalten und dann Videos mit ihren entführten Lieben, auf denen ein Maskierter sie auffordert, eine Ärztin zu ermorden, die Abtreibungen durchführt.
Klasse Ausgangssituation! Spannend und viel Platz für Tragödien und Wendungen.
Leider gibt es viele Unstimmigkeiten und Unglaubwürdiges. Die Kinder unternehmen beispielsweise nicht einen Fluchtversuch (Bevor es ihnen gelingt, Bob umzubringen), obwohl sie regelmäßig fast ganze Tage allein sind, sie sich frei durchs Haus bewegen können, und trotz der Schläge psychisch ziemlich stabil geblieben sind (was auch sehr sehr unglaubwürdig daherkommt!).
Festhalten muss man hier noch, dass sich McFadyen, der ja eher als bluttriefender Autor gilt, mit Grausamkeiten auffallend zurückhält. Schläge und Isolationshaft sind die Foltermethoden von Psycho-Dad, keine Verstümmelungen, sexuelle Gewalt, etc. wie man meinen könnte, wenn man die Smoky-Romane kennt.
Es gibt noch viele weitere Logik-Schnitzer, aber das Aufzählen ist mir zu mühsam.
In der Gegenwartshandlung passiert irgendwie recht wenig. Die Ermittlungen der Drei schreiten voran. Sie finden alte Weggefährten Bob, sogar die Leiche seiner Frau und deren Tagebuch, schaffen es, das Leben der Ärztin zu retten und plötzlich hocken sie dann da im Folterkeller von Bobs anderen Söhnen. Auch Bob selbst taucht auf und sie begreifen, dass Bob einen Zwillingsbruder hatte.
Sie überwältigen die bösen Jungs, befreien ihre Lieben und machen plötzlich Bekanntschaft mit einem weiteren Gegner, der sie entführt.
So landet man in Folterkeller Nr. 2 vor Bobs über 90jährigen Vater, der das pure Böse zu sein scheint, und ab da folgt dann die Aufklärung des Ganzen, die so an den Haaren herbeigezogen und so wirr ist, dass ich das Kopfschütteln nicht mehr lassen konnte.
Bobs Dad ist ein Genie und irgendwie nur an Kohle interessiert und da er als 20jähriger meint, dass Informationen das große Geschäft der Zukunft sein werden, baut er einen riesen Konzern auf, der Bespitzelungen usw. durchführt.
Er trifft auf eine geniale Wissenschaftlerin, die beweisen will, dass Kinder durch ihre Umgebung geprägt werden (Wow, das ist mal eine Erkenntnis!) und ‚errichtet‘ mit der Kohle von Bobs Dad mehrere Familien. Aber das alles scheint zu keinem Ergebnis zu führen und deshalb will Bobs Dad die Drei (Den Killer, David und Allison) dazuzwingen ihre 25 noch lebenden Geschwister zu jagen und zu töten.
Warum lässt er den Job nicht von seinen Leuten errichten, die ja Geld mit dem Aufspüren von Personen verdienen? Wieso dieses ganze Spiel, wenn er nur an den Finanzen interessiert und kein Psychopath mit Spaß am Quälen ist? Wieso will er die 25 überhaupt töten? Auf das alles liefert McFadyen nur dämliche, mehr als unbefriedigende Antworten.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die Tochter des Killer (eines der Entführungsopfer und ehemals von ihrem Ziehvater aus einem Bordell befreit) aufspringt, sich in der Kehle des Alten verbeißt und seinen Sohn dazu bringt, sich endlich gegen ihn zu erheben, so dass dieser die Wachen abknallt. Garniert wird alles mit einem Happy End, bei dem sich zwei Liebende finden und eine Familie gründen, der Killer vom killen Abstand nimmt und sich seine Tochter vornimmt, sich um die magischen 25 zu kümmern.
Als Fazit bleiben eine Menge guter Ansätze, die es Wert gewesen wären, zu einem klasse Roman verarbeitet zu werden, und eine enttäuschende Umsetzung. Verschwendetes Potential ...