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  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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Freitag, 26. August 2011, 10:15

Dan Simmons - Die Hyperion-Gesänge

Dan Simmons Die Hyperion-Gesänge

Ich habe mir über den Sommer „Hyperion“ und „Der Sturz von Hyperion“ vorgenommen und gestern die letzten 100 Seiten mit einem gemischten Gefühl gelesen. Zum einen freue ich mich, nach 1450 Seiten endlich wieder etwas anderes lesen zu können, zum anderen bin ich wegen des Abschieds doch auch etwas traurig.

Zum Buch: Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Meinung finde ich die Gedichte John Keats gut platziert und gerade zum Ende hin entfalten sie die ganze Kraft ihrer Idee. M.E. hat Simmons seine gesamte lebendige, bunte und „glaubwürdige“ Welt, die spannende und intelligent verlaufende Handlung, die liebevoll und mehrdimensional agierenden Protagonisten um Keats Werke drapiert und allein, dass die letzten Gedichte als Auflösung der komplexen Handlung dienen und sie stimmig sind, nötigt mir absoluten Respekt vor dem Handwerk des Autors ab. Sowieso ist es eigentlich eine Frechheit die Simmons hier abliefert. Nicht nur, dass er gut schreiben kann, er pflegt einen angenehmen unaufdringlichen Duktus und beherrscht sowohl die Klaviatur des obszönen und bluttriefenden Schreibens, wie er auch wissenschaftliche Sachzusammenhänge derart vorzutragen weiß, dass sie, trotz aller fehlender Logik, glaubhaft daherkommen, sondern er sondert mit einer hohen Schussrate guteIdeen ab, dass mir als ambitionierter Schreiber schwindlig wurde. Perfekt!

Zur Geschichte: Über die Einzelschicksale 7 Pilger spannt sich im ersten Teil die Geschichte und an sich war jede Einzelgeschichte an sich genommen schon sehr stark. Meine Highlights an dieser Stelle war die Geschichte des Gelehrten Sol Weintraub, die Geschichte der Privatdetektivin Brawne Lamia, die des Oberst Kassad und des Priesters Hoyt. Wobei: Im zweiten Teil entfalten auch die anderen Geschichten ihre Wirkung und die des Dichters Silenius entwirft so unglaublich schön-schaurige Gemälde im Kopf, wie er durchbohrt am… egal, man muss es lesen. Jedenfalls erzählt jeder auf dieser Pilgerfahrt seinen Anteil und warum er oder sie glaubt an der Pilgerfahrt zu den Zeitgräbern und zum legendären Shrike zu reisen. Und während die aktuellen Geschehnisse einen ebenso fesseln, wie die Ausflüge in die verschiedensten Vergangenheiten und exotischsten Orte, nimmt die Handlung Tempo auf und als Leser will man wissen, was es mit dem Shrike auf sich hat, mit der Kruziform, mit dem Core, mit den Ousters, mit dem Erg in der Möbiuskiste und tatsächlich hat Simmons auf jedes Phänomen zum Ende hin eine zufriedenstellende Antwort. Will man es haarklein analysieren und sich auf die Suche nach Logiklöchern machen? Nö! Dafür burnt einen das Werk zu sehr um.

Wie ich schon sagte, ich freue mich, endlich etwas Neues lesen zu können. Ich werde mir jetzt erst mal Endymion bestellen.
10 von 10 Punkten

Hazy

Tod

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2

Freitag, 26. August 2011, 12:13

Heya Vincent,
ich stimme Dir in allen Punkten zu 100% zu. Die Hyperion-Gesänge sind meine absoluten Lieblingsbücher und gehören zu den wenigen dieser Stärke, die ich tatsächlich mehrfach gelesen habe.
Auch ich fühlte mich nach den letzten Seiten etwas alleingelassen, da mir im Laufe des Buches sämtliche Charaktere doch sehr ans Herz gewachsen waren. Bei mir waren es insbesondere Hoyt, Silenius und Weintraub deren Geschichte mich unwahrscheinlich in ihren Bann gezogen haben.
Schön, dass Du "Endymion" gleich bestellt hast. Du wirst nicht enttäuscht werden. Der Plot ist einfach nur genial und tatsächlich werden noch einige Logiklöcher geschlossen.
Mehr möchte ich aber gar nicht dazu sagen, denn zu leicht würde ich hier spoilern.
Ich bin mal auf Deine Meinung gespannt, wenn Du es durch hast.

Gruß
Hazy
...sind wir nicht alle ein bisschen untot?!

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Kai Grimm

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3

Samstag, 27. August 2011, 13:37

Die Hyperion-Bücher gehören ohne jeden Zweifel zu meinen Allzeit-Favoriten. Was Simmons hier in einem Feuerwerk an grandiosen Ideen, komplex-verschachtelten Handlungsabläufen in einer Story mit Sogwirkung und faszinierenden Charakteren anbietet, sucht seinesgleichen.
Lese zur Zeit:
Christoph Marzi - Somnia

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4

Montag, 29. August 2011, 15:53

Auch ich kann Vincent (fast) nur zustimmen! Mit den Hyperion-Romanen hat Simmons einen ganz großen Wurf gemacht und einen Klassiker der Phantastik geschaffen!

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass Teil I der längste Prolog der Geschichte wäre, und da ist auch etwas dran. Es ist erstaunlich, wie Simmons es schafft, Spannung zu erzeugen und zum Weiterlesen zu animieren, obwohl die eigentliche Handlung nur in Mini-Schritten voranschreitet;) Wobei mir die Geschichte von Hoyt mit einigem Abstand vor der des obszönen, schwermütigen Dichters am meisten zusagt, weil ich allgemein auf Religiöses und auf Kulte stehe. Aber die anderen Erzählungen sind auch großartig: Hier möchte ich die von Weintraub hervorheben und der nach hinten alternden Rachel (was ich sehr originell finde - trotz Benjamin Button;))
Weniger Gefallen habe ich an den Raumschlachten und den Militärsequenzen gefunden, die wichtig für die Story sind - keine Frage - mich aber nicht gepackt haben. Schön aber zu lesen wie differenziert Simmons seine Charaktere darstellt! Ein Beispiel hierfür: Die Präsidentin der Hegemonie.
Das Shrike als göttliches Wesen ist ebenso grausam wie großartig beschrieben. Es kommt nicht als 08/15-Super-Monster daher, sondern ist viel mehr eine mystische Gestalt, deren wahre Identität ja erst zum Schluss enttarnt wird.
Die Auflösung des Ganzen ist fantastisch gemacht und die Keats-Figur beeindruckend.
Gibt‘s echt Leser, denen die zitierten Gedichtsstellen nicht gefallen haben? Die passen doch zum Text/zur Geschichte wie Pennywise nach Derry;)

Auch das Ende des Buchs hat mich völlig zufrieden zurückgelassen. Ein stimmiges Ende, das so gut wie keine Fragen offen lässt.

Allerdings muss ich nach den ersten 200 Seiten Endymion sagen, dass mir der Anfang dort fast noch besser gefällt, als bei Hyperion;)

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Hazy

Tod

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5

Montag, 29. August 2011, 20:18

Allerdings muss ich nach den ersten 200 Seiten Endymion sagen, dass mir der Anfang dort fast noch besser gefällt, als bei Hyperion;)

Das lag wahrscheinlich daran, dass man schon reichlich Hintergrundwissen über Hyperion, die Kruziform und das Shrike besitzt und so problemlos in die Geschichte eintauchen kann. Mal ganz abgesehen davon, ist Raul Endymion auch ein großartiger Charakter.
Mir ging es da ähnlich. Ich hatte zwischen Hyperion und Endymion etwa ein halbes Jahr andere Dinge gelesen, fühlte mich dann aber auch sofort wieder "zuhause". Außerdem hoffte ich von Anfang an etwas von den Pilgern zu lesen und was auch ihnen geworden ist.
...sind wir nicht alle ein bisschen untot?!

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Dan Simmons, Hyperion, Shrike