Bin jetzt durch und ich bin mehr als angetan von dem Buch! Stefan hat hier einen wirklich klasse Thriller geschrieben, der alles andere als voyeuristisch oder auf plumpe Action hin ausgerichtet ist. Und das obwohl das Szenario schon an Filme wie SAW oder HOSTEL erinnert.
Doch Melneczuk konzentriert sich hauptsächlich auf seinen Ich- Erzähler und eine weitere Person - und er beleuchtet "fast nur" die Gedankenwelt der Opfer - aber die ist eigentlich schon Horror pur. Doch er gehrt noch einen Schritt weiter: Der Roman macht deutlich, dass derartige Fälle auch dann nicht beendet sind, selbst wenn einem der Opfer die Flucht gelingen sollte. Der Schrecken, das Trauma, wirken noch viele Jahre nach und bestimmen und/oder zerstören ein zukünftiges Leben. Hinzu kommt, wie die Gesellschaft (hiier vornehmlich die Presse) auf derartige Überlebende reagiert. Je bizarrer das Verbrechen, umso höher die Quoten - Moral und Gewissen bleiben dabei nur zu gerne auf der Strecke.
"Rabenstadt" ist somit nur auf den ersten Blick ein düster - blutiges Kammerspiel, sondern gleichzeitig auch ein Appell für mehr Menschlichkeit im Umgang mit den Opfern. Mehr noch als in Marterpfahl höre ich hier eine ganz eigene Stimme innerhalb der deutschen Crime- und Phantastik- Szene und ich bin schon jetzt höchst gespannt, mehr davon zu erfahren.
Fazit: Melneczuk hat sich als Autor deutlich weiter entwickelt - und zwar in eine noch professionellere, noch individuellere Richtung. Aber was rede ich so viel: Überzeugt euch doch am besten selbst und lest das Buch!!!