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  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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Registrierungsdatum: 28. Februar 2010

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Montag, 28. November 2011, 10:07

Antoine Volodine - Mevlidos Träume

" Mevlido, ein melancholischer Polizist um die 50, lebt inmitten von Kriegsruinen, in einer heruntergekommenen Wohnung voller Spinnen. Riesige Vogelmutanten, Flüchtlinge aus Lagern und Gulags bevölkern die Ghettos der Stadt. Mevlidos über alles geliebte Frau ist vor fünfzehn Jahren, im Krieg aller gegen alle, von Kindersoldaten gefoltert und ermordet worden.

Eines Tages wird Mevlido von den »Organen« seiner Partei mit einer besonderen Mission beauftragt. Dafür muß er in ein »Zwischenreich« eindringen. Die Eintrittskarte in dieses Reich sind sein gewaltsamer Tod und eine qualvolle Wiedergeburt. Jene, die er in seinem früheren Leben gekannt hat, kann er nun zuweilen sehen, ohne aber von ihnen gesehen zu werden; in ihre Träume kann er sich einschleichen, ohne daß größere Nähe möglich wäre. In seinem neuen Leben findet Mevlido seine Frau wieder. Aber auch ihr kann er sich nicht bemerkbar machen.

Mevlidos Träume ist das Buch eines Visionärs. In furiosen Bildern komponiert Antoine Volodine eine schwindelerregende, höchst beunruhigende Anderswelt. Alles uns Bekannte ist ins Alptraumhafte verzerrt. Aber Ironie und kohlrabenschwarzer Humor lassen daran zweifeln, daß diese Anderswelt Volodines letztes Wort ist. "



Quelle: Verlagsseite : http://www.suhrkamp.de/buecher/mevlidos_…dine_42230.html



Antoine Volodine hat laut Buchrücken ein literarisches Universum geschaffen, dass er selbst als Post-Exotismus bezeichnet hat. Wohl wahr! Das Universum liest sich für mich, dessen erstes Buch ich von Vododine in den Händen hielt, deutlich aus diesem Roman heraus. Es spielt unkonkret in der Zukunft, etliche Kriege liegen hinter den Menschen und die Hauptfigur Mevlido lebt in einer surrealen Welt als Kommissar im Stadtteil Hühnerposten Vier in einer Stadt, die an ein globales Patchwork erinnert. Bolschewiken und Organmitglieder, Junkies und Bettler, Kindersoldaten und Vogelmenschen kämpfen in einer heißen, schwülen Welt um das Überleben. Mevlido teilt sich eine Wohnung, die mal Licht und Wasser hat und mal nicht, mit der Geistesgetörten Maleeya Bayarlag und etlichen Spinnen, die sich durch den Roman ziehen. In vielen Passagen steht er am Fenster, es ist schwül und regnet, er beobachetet und träumt. Oder auch nicht. Die Vermischung des Onirischen mit dem Realen gelingt Volodine mit jeder Seite stärker und eine Auflösung der Bilder und Sequenzen wartet mit einer (angekündigten) Überraschung im Mittelteil auf. Das Ende wirkt auf mich so experimental wie der Beginn, leider nur überfrachteter. So werden im Grunde drei Enden angeboten, jedes für sich gelungen und als Idee für sich spannend, aber als Leser hat er mich verloren.

Fazit: Ein nachhaltiges Buch. Viele Episoden und Bilder bleiben haften, durch manche Passagen habe ich mich mit einer masochistischen Geduld gelesen und es hat sich auf alle Fälle gelohnt. Sätze wie

" Sie hatte ein ungewöhnliches Gesicht wie die hübschen Frauen, die in einem früheren Leben Füchsinnen oder Wiesel waren." (S.69)

oder

"Der Regen schraffierte die Nacht." (Seite finde ich gerade nicht) reihen sich wie eine Perle an eine lange, lange Kette. Es ist auf jeden Fall etwas für Leser von Michail Bulgakov (Der Meister und Margarita), für Leser die von Samuell Beckett "Der Verwaiser" begeistert sind und die die Bilder und Stimmung aus Fleix Woitkowskis "Wanderdüne" mochten.

9 von 10 Punkten, weil es nachhallt