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Kai Grimm

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Dienstag, 6. Dezember 2011, 21:33

Dark Delicacies

Ich staune gerade Bauklötze, dass wir zu dieser Anthologie noch keinen Thread haben.
Okay, dass Ganze ist eine von Del Howison und Jeff Gelb herausgegebene Anthologie, die im US-Original 2005 und in der deutschen Übersetzung bei Festa 2009 erschienen ist.
Im Folgenden ein paar Anmerkungen zu den einzelnen Geschichten:

1. Ray Bradbury - Der Wiedergeborene:
Eher Esoterik als Horror. Für meinen Geschmack viel zu surreale Geschichte um eine - oh Wunder! - Wiedergeburt. Gibt mir leider gar nichts, da ich weder in der 2.ten Person erzählte Geschichten noch Esoterik mag. Aber immerhin sehr mutig, so etwas Experimentelles an den Anfang zu stellen....

2. Lisa Morton - Die Black Hill Bucht:
Das krasse Gegenteil zur Bradbury-Story, eine Serienkillergeschichte ohne jedes Phantastik-Element. Liest sich gut, ist aber weder inhaltlich noch von der Schluss-Pointe her sonderlich originell. Fazit "okay".
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Christoph Marzi - Somnia

Kai Grimm

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Donnerstag, 8. Dezember 2011, 23:50

3. Whitely Strieber - Kaddisch:
Auch diese Geschichte ist kein Horror im engeren Sinne sondern eine Parallelweltgeschichte, die Dystopie eines Amerika, das sich in einen christlich-fundamentalistischen Gottesstaat verwandelt hat. Beklemmend ist diese Albtraumvision allemal, vor allem, wenn man bedenkt, dass es in den Staaten durchaus Leute gibt, die das genau so haben wollen, wie es hier beschrieben ist. :kotz Rein erzähltechnisch fehlt der Geschichte am Ende allerdings ein Handlungshöhepunkt, irgendwie blendet das Geschehen einfach aus.
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Christoph Marzi - Somnia

3

Freitag, 9. Dezember 2011, 15:38

Du machst mich ja durchaus neugierig auf diese Sammlung ...

Kai Grimm

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Samstag, 10. Dezember 2011, 14:43

Du machst mich ja durchaus neugierig auf diese Sammlung ...

Obwohl meine Beiträge bisher nicht vor unkritischer Begeisterung überquellen?

4. Robert Steven Rhine - Der Seher:
Düstere Geschichte um einen Hellseher, der seinem Schicksal mit einer verfrühten Selbsttötung ein Schnippchen schlagen will. Gute Geschichte mit böser Pointe am Ende.

5. D. Lynn Smith - Die Verwandlung:
Ein geläuterter Vampir verwandelt sich in einen Engel, kann aber trotzdem dem Zorn eines Angehörigen seiner Opfer nicht entgehen. Zum Glück keine Romantik-Vampir-Geschichte, sondern richtig harter, monströser Horror! Trotz des überpräsenten Themas sehr stark.
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Christoph Marzi - Somnia

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Kai Grimm

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Sonntag, 11. Dezember 2011, 13:53

6. F. Paul Wilson - Ein Teil des Spiels:
Mit Wilsons Kurzprosa stand ich bekanntlich schon öfters auf Kriegsfuß. Diesmal nicht, denn diese Story, die zum Glück ohne jedes politische Kalkül geschrieben ist, ist spitze. Beginnend als Gangstergeschichte steigert sich das Ganze sehr horrormäßig zu einem bitterbösen Ende, wenn ein korrupter Cop im San Francisco der 30-er Jahre zu spüren bekommt, warum man sich mit dem Boss der Bosse aus Chinatown besser nicht anlegt. Sehr böse, sehr gut!
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Christoph Marzi - Somnia

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Montag, 12. Dezember 2011, 21:13

7. Roberta Lannes - Des Verstandes beraubt:
Ein Psychiater ist besessen vom Geist eines früheren Patienten. Nicht schlecht, allerdings hätte man aus dem Thema was Spektakuläreres rausholen können.

8. Brian Lumley - Mein seltsamer Freitag:
Der Necroscope-Schöpfer überrascht mit einer lupenreinen SF-Story. Ich habe von dem Autor allerdings schon besseres gelesen als diese Robinsonade im Weltraum, in der ein (Raum-)Schiffbrüchiger Bekanntschaft mit den ungewöhnlichen Fortpflanzungsstrategien einer außerirdischen Spezies macht. Irgendwie wirkt die Story naiv, was auch am Tagebuchstil und der ziemlich bemühten Sprache des einfachen Mannes, der als Ich-Erzähler auftritt, liegen mag.

9. Nancy Holder - Das Zwölf-Stufen-Programm - ein Sommer mit den AA:
2 Kannibalen versuchen sich ihre Lust auf Menschenfleisch bei den Anonymen Alkoholikern abzugewöhnen. Eine Horrorkomödie. Wenn man es mag, für mich sitzt die Geschichte aber stilistisch zu sehr zwischen den Stühlen.
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Christoph Marzi - Somnia

7

Montag, 12. Dezember 2011, 22:39

Obwohl meine Beiträge bisher nicht vor unkritischer Begeisterung überquellen?


Ja, durchaus. Ich habe Phasen, in denen mich so etwas dann doch wieder interessiert ... :-D

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Dienstag, 13. Dezember 2011, 20:49

"So etwas" hört sich jetzt aber auch zu negativ an. Wirklich runter gemacht habe ich schließlich noch nichts und einiges gefiel mir ja auch richtig gut.
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Christoph Marzi - Somnia

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Mittwoch, 14. Dezember 2011, 21:37

10.: John Farris - Eine Bloody Mary am Morgen:
Eine experimentelle Story, die austestet, wie viele Perspektivwechsel und Storytwister man in einer Geschichte unterbringen kann und wie viele Falschinformationen der typische Leser verkraften kann. Als Ergebnis muss ich leider feststellen: Nicht so viele wie hier. Mir ist das zu verwirrend und konstruiert.
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Christoph Marzi - Somnia

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Freitag, 16. Dezember 2011, 16:34

11.: Chelsea Quinn Yarbro - Ein Gentleman der alten Schule:
Eine Saint Germain Geschichte. Nachdem Festa die Reihe nicht fortführt ist es schön, mal wieder was über den Grafen zu lesen. Dazu auch noch eine Geschichte, die in der Gegenwart spielt. Allerdings kommt die Handlung, der Graf hilft einer Reporterin, einen Serienkiller zu überführen, doch arg unspektakulär daher.

12.: Ramsey Campbell - Die Verkündung:
Ein Autor wird von einem erfolgreicheren Kollegen belästigt. Oder bildet sich das ein. Oder was auch immer. Surrealismus pur, mit dem ich rein gar nichts anfangen kann. 15 Minuten Zeitverschwendung.
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Samstag, 17. Dezember 2011, 14:48

13.: Gahan Wilson - Am Stadtrand:
Wenn ich mich dazu entscheide, für eine Anthologie eine Neuerzählung von HPL´s Pickmans Modell zu schreiben, wieso entscheide ich mich dann für eine weitaus harm- und zahnlosere Variante als das Original? Das erschließt sich mir nicht.

14.: Rick Pickman - Dark Delicacies of the Death:
Diese Story nimmt eine Signierstunde in des Herausgebers Buchladen mit Zombies zum Ausgangspunkt für eine ironisch-witzige Betrachtung der US-Horrorszene. Wer es mag.... Aus meiner Sicht als deutscher Leser ist diese Geschichte einfach nur albern.

15.: William F. Nolan - DePompa
Ein Jugendlicher auf den Spuren seines Idols, eines tödlich verunglückten Filmstars. Und das bis zum bitteren Ende. Mehr Psychodrama als Horror, trotzdem gut lesbar, da gut geschrieben.
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Sonntag, 18. Dezember 2011, 15:01

16.: David J. Schow - Der Scheiterhaufen und andere Geschichten:
Auch dieser Beitrag schwimmt im Lovecraft-Fahrwasser. Hier geht es um eine Geschichtensammlung eines mysteriösen Autors, die extrem realistische Träume auslösen kann. Leider ist die Geschichte extrem kopflastig. Einer seitenlangen mässig interessanten Einführung folgt die eigentliche Handlung, welche dann äußerst knapp und unbefriedigend auf 2 1/2 Seiten abgespult wird. Schwach.

17.: Steve Niles - Blutige Angelegenheiten:
Im flappsig-ironischem Stil erzählte Kannibalen-Splatter-Story, die irgendwie an Jeff Strand erinnert. Der Ich-Erzähler, ein Privatdetektiv, der auf Übersinnliches spezialisiert ist, kommt wie ein abgefuckter Handyman Jack daher. Nach langer Durststrecke endlich mal wieder eine Geschichte, die ich mit Spaß gelesen habe. So viel Spaß, dass ich mir wünsche, dass ein hiesiger Verleger Steve Niles´ Detektiv Cal McDonald mal nach Deutschland bringen würde.
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Montag, 19. Dezember 2011, 21:13

18.: Richard Laymon - Die Turmspringerin:
Eine völlig gewaltfreie (!), sehr gut geschriebene (!!) und hocherotische (!!!) Mystery-Geister-Story, die einerseits tatsächlich erotisch rüberkommt und andererseits alles richtig macht, das Rätsel am Ende so wie es ist der Fantasie des Lesers zu überlassen. Sehr gut! Und ich frage mich dann doch, was geschehen wäre, hätte der Ich-Erzähler auch einen Sprung in den Pool gewagt....

19.: Clive Barker - Haeckels Erzählung:
Diese Geschichte beweist, wieso Clive Barker vor langer Zeit als der Erneuerer der Horrorliteratur galt. Sprachgewaltig, packend, schonungslos und tabulos malt der Autor verstörende und abstoßende Bilder des radikalen sexuellen Horrors. Brillant, die mit Abstand beste Geschichte des Buches!

Gesamtfazit:
"Dark Delicacies" ist mit "Leckerbissen des Bösen" untertitelt. In der Tat sind einige Leckerbissen enthalten. Leider aber auch manch´ trocken Brot und dann und wann auch mal was Ungenießbares. Um beim Bild zu bleiben. So vergebe ich 6 von 10 Punkten, wobei ein Punkt einzig und allein von Clive Barker eingefahren wird. Somit bringt diese Antho nicht den Beweis, dass englischsprachige Kurzprosa der Deutschsprachigen gtrundsätzlich überlegen ist.
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