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  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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1

Dienstag, 10. Januar 2012, 09:26

Lohnt es sich Kurzgeschichten zu schreiben?

79%

Ja, weil... (11)

21%

Nein, weil... (3)

Diese Frage stelle ich mir immer öfter und kann sie für mich nicht eindeutig beantworten, wohl aber eine Tendenz erkennen. Gerne würde ich von euch Foristen (unabhängig davon ob ihr Leser, Schreiber, Herausgeber oder Verleger seid) eure Meinung dazu hören.

Meine Meinung als Schreiber dazu: Ich schreibe gerne Kurzgeschichten (bis max. 30.000 Zeichen), da sie anspruchsvoll zu schreiben sind, aber auch relativ schnell ein Ende finden können. Je nach Themenvorgabe kann diese sehr inspirierend sein und führt zu Ideen, auf die ich ohne Hilfe nicht gekommen wäre. Die Recherchearbeit gefällt mir sehr, da sie meines Erachtens nach sehr abwechslungsreich ist und in zahlreiche Sachgebiete führt, so dass man auf Cocktailstehpartys gut mit einem breitgefächertem Wissen angeben könnte.

Aber... was ist der Lohn an der Sache. In den seltensten Fällen gibt es ein Autorenhonorar und wenn, so wird der ausgeschüttete Autorenanteil auf die beteiligten Autoren verteilt, so dass bei einer verkauften Auflage von zum Beispiel 300 Stück ein läppischer Euronenbetrag das Konto des Schreibers findet. Aber immerhin, mich macht an der Stelle jeder Cent stolz! Es gibt ein Belegexemplar. In einschlägigen Foren wird gelegentlich darüber diskutiert, aber häufig wird nur der Gesamteindruck einer Anthologie besprochen und selten die Geschichte selbst. Fazit: Ich werde wohl generell weniger Kurzgeschichten schreiben, nur noch an Ausschreibungen, wenn mich die dazugehörige Idee verfolgt, oder mich an Projekten beteiligen zu denen ich eingeladen werde und die mir gefallen. Das hängt auch damit zusammen, dass der Findungsprozess (das Entwickeln einer Idee, das Recherchieren) häufig in keinem Verhältnis zum Ertrag (ideel wier monetär) steht.

Schatten

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2

Dienstag, 10. Januar 2012, 10:22

Hier ist es nicht einfach oder unmöglich mit ja oder nein zu antworten.
Wenn man vom Spass am Schreiben ausgeht, eindeutig Ja, wenn man von den Verdienstmöglichkeiten ausgeht, ein Jein.

Schatten

:cool:
Hinfallen ist keine Schande,
nur liegenbleiben.

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3

Dienstag, 10. Januar 2012, 10:44

Sieh es eher als Tendenzabfrage...

Spass macht es auf jeden Fall, aber noch mehr Spass macht es, wenn das Geschriebene durch Geld oder Anerkennung honoriert wird. Oder nicht? ;)

4

Dienstag, 10. Januar 2012, 11:11

Hehe, wie ich sehe, geht's dir fast genau so wie mir, Vincent. Bist du durch mein 'lautes Nachdenken' auf FB auf die Umfrage gekommen?
Ich habe oben keines der Kästchen angekreuzt, da meine Antwort ein ganz klares "JAIN" ist!
Wenn es um die persönliche Entwicklung und die Erfahrungen des Autors geht, so ist die Arbeit zwar sehr mühsam, zumal meine Stories in letzter Zeit doch häufiger die 50.000erSchwelle überschreiten und daher nicht 'eben so von der Hand gehen', das Ergebnis ist (in den meisten Fällen jedenfalls) aber durchaus ansprechend. (Auch wenn der "Lohn" meist nur im Wissen des Autors um seine Mühen besteht; denn Feedback erhält man - wie du schon richtig sagtest nur sehr, sehr wenig.)
Und für die Leser ist eine Anthologie im Grunde auch immer lohnend, gibt sie doch die Möglichkeit, möglichst viele unterschiedliche Autoren kennen zu lernen. Das Riesen- Problem: Die Geschmäcker sind halt SEHR verschieden und niemals gefallen einem Leser alle Geschichten. Wenn dann die Zahl der vermeintlichen 'Gurken' die Überhand bekommt, wird schnell die gesamte Anthologie in Bausch und Bogen verdammt, ja, die Existenzberechtigung phantastischer,deutscher Kurzprosa generell! Und auf die individuell scheinbar sehr überzeugenden Arbeiten achtet "kein Schwein". (Please excuse my French!)
Wenn es darum geht, auch nur halbwegs angemessen für seine Arbeit entlohnt zu werden, so muss mit einem definitiven "NEIN!" geantwortet werden. Die Honorare - so sie denn überhaupt gezahlt werden - sind Beträge unterhalb der Schamgrenze. Die Zeiten, in denen größere Magazine oder Verlage auch Kurzgeschichten deutscher Autoren publizierten und mit vernünftigen dreistelligen, z. T. sogar vierstelligen Honoraren bedachten, scheinen endgültig vorüber zu sein. Heute ist aufgrund der digitalen Drucktechnik das verlegerische Risiko, auf hunderten unverkaufter Exemplare sitzen zu bleiben zwar deutlich verringert worden, die Herausgabe einer deutschen Phantastik- Anthologie ist und bleibt aber dennoch ein Liebhaberprojekt, das nur mit sehr viel Herzblut gestemmt werden kann. Und da sitzen alle im gleichen Boot: Verleger, Herausgeber und die Autoren.
Obwohl 'richtige' Autoren diese Kleinverlagsszene belächeln, möchte ich sie auch weiterhin unterstützen. Denn ohne dieses gemeinsame Engagement wäre es noch wesentlich finsterer um die deutsche Phantastik bestellt.
Allerdings habe ich - wie Vincent - beschlossen, mich von nun an stärker auf längere Texte zu konzentrieren. Der mögliche 'Pay- Off' ist in jederlei Hinsicht größer. 8o

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  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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5

Dienstag, 10. Januar 2012, 11:31

Hallo Arthur,

ja, dein lautes Nachdenken gab den Stein des Anstoßes. Allerdings hatte ich mich zuvor tatsächlich in einer kreativen Sinnkrise befunden, in der ich mir genau über so etwas Gedanken gemacht habe. Ein weiterer Impulsgeber war Ernst Wurdack, dessen Kommentare ich mir mehr und mehr zu Herzen genommen habe. Aber ich sehe es wie du. Von Kurzgeschichten kann ich nicht die Finger lassen und es gibt einige ambitionierte Kleinst- und Kleinverlage, die hier tätig sind. Außerdem ist nicht zu verkennen, was das Schreiben einer Kurzgeschichte dem Handwerk an sich bringt...

Schatten

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6

Dienstag, 10. Januar 2012, 12:09

Bei Kurzgeschichten gibt es noch eine weitere Variante: Die Kurzgeschichtensammlung eines Autors.
Aber liegt hier das Problem nicht bei den Verlagen?
Die Kleinverlage können bei einer Auflage von 300 - 600 Exemplaren keine großen Honorare zahlen.
Die großen Verlage greifen lieber auf schon etablierte Autoren aus dem Ausland zurück. Diese Tendenz wird ja inzwischen auch von einigen Kleinverlagen verfolgt.
Welcher kleine Verlag kann ein Taschenbuch mit 600 Seiten für unter 10 € anbieten und dabei noch fette Honorare zahlen.
Der Leser möchte das Buch am liebsten umsonst haben und dann noch Ansprüche stellen.
Wenn es nicht einige Verrückte geben würde die unter "Jäber und Sammler" eingestuft werden sehe es doch ganz schlimm aus.
Die Vielzahl der Veröffentlichungen tut doch ein weiteres, fast niemand kann sich alle Bücher die im Jahr von einem Genre erscheinen kaufen.

Schatten

:cool:
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nur liegenbleiben.

Schatten

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7

Dienstag, 10. Januar 2012, 12:12

Ich habe jetzt mit "ja" gestimmt. Ganz einfach, weil die Szene nicht untergehen darf.

Schatten

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Marcus

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8

Dienstag, 10. Januar 2012, 12:39

Hi Vincent, ich glaube, man sollte gar nicht erst auf die dumme Idee kommen, zu fragen, warum für Kurzgeschichten nichts mehr bezahlt wird. Wenn man ehrlich zu sich selbst ist(und wie ich, ein bisschen pessimistisch), dann sollte man zugestehen, dass heute nur das verkauft wird, was entweder überragend gut oder in Mode ist. Und es kann nur dort Honorar bezahlt werden, wo ordentlich Schmott gemacht wird. Wo keine Kohlen sind, gibt es bekanntlich nichts zu holen. Also liegen zwei Gedanken nahe, entweder sind Horrorgeschichten aus der Mode oder sie sind schlecht. Da kann man sich das aussuchen, was man will. ich bin der Meinung, dass Horrorliteratur generell nie in Mode war, aber in den Achzigern und Neunzigern durch herausragende amerikanische Autoren, allen vorneweg Stephen King, einen riesigen Hip erlebte, der eine ganze Menge Geld generierte, von dem so mancher Deutsche Autor profitiert hat. Aber diese Zeiten sind , denke ich, vorbei - das Geld liegt nicht mehr auf der Straße. Deshalb gibt es nur zwei Möglichkeiten, warten bis Horror wieder in Mode ist und Kontakte aufbereiten, damit man dann an der richtigen Stelle ist oder(ganz einfach) so schreiben wie Clive Barker, dann sollte das mit dem Geld verdienen kein Problem sein. Ich denke, entscheidend ist nur die Qualität - Qualität schafft Lesebereitschaft. Und wären die Anthologien voll von herausragenden Leistungen, sprühendem Witz und genialer Ideen, würden sie auch in den Auflagen verkauft, die ein Honorar mit sich bringen. Aber das sind sie ja anscheinend nicht. Oder liege ich da falsch? Manche sind vielleicht ganz gut - aber die großen Wellenbrecher fehlen, die Ozeandampfer die Titanicen auf den Weltmeeren der Horrorliteratur, die welche Massen begeistern. Ohne sie dümpelt die deutsche Horrorliteratur vor sich hin. Oder geht unter.

Also, Vincent, hinsetzen, schreiben und ganz große Literatur auf den Markt werfen, damit wir anderen in deinem Fahrwasser mitgetrieben werden!

Viel Glück, Marcus

Daniel

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9

Dienstag, 10. Januar 2012, 12:45

Hallo Vincent,

deine Frage konnte ich ebenfalls nicht mit "Ja" oder "Nein" beantworten. Generell ist es ja so, dass nur die allerwenigsten Autoren, egal in welcher Sparte, von ihrer Schreiberei leben können. Unheimliche Phantastik ist zudem eine sehr überschaubare Nische, was eigentlich jeder wissen sollte, der sich ein bisschen damit beschäftigt.

Somit bleibt nur der persönliche Gewinn, abseits der monetären Fragen und der ist, für mich zumindest, relativ hoch. Für die Storys, die ich beispielsweise letztes Jahr bei Leselupe veröffentlicht habe (unter dem Pseudonym Krom), bekam ich sogar einige interessante Rückmeldungen und mit einer VG-Wort Vergütung als klitzekleine Anerkennung darf ich möglicherweise auch rechnen.

Insofern auch von mir ein glasklares „Jain“.

Ich denke übrigens nicht, dass Qualität jemals etwas mit Verkäuflichkeit zu tun hatte. Ansonsten wären Poe und Lovecraft wohl als Multimillionäre gestorben :D

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Marcus

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10

Dienstag, 10. Januar 2012, 13:01

"Ich denke übrigens nicht, dass Qualität jemals etwas mit Verkäuflichkeit zu tun hatte. Ansonsten wären Poe und Lovecraft wohl als Multimillionäre gestorben."

Nee, Daniel, es geht ja beim Schreiben auch nicht darum, mit Qualität zum Multimillionär zu werden, sondern eine stetig wachsende Leserschaft zu begeistern, die zufrieden mit der ihr dargebotenen Leistung ist. Was den Autor wiederum interessant für einen Verlag macht, der mit einer sicheren Abnahme seiner Auflage rechnen darf und damit mit sicheren Gewinnen. Und wenn der Autor selbst diese sicheren Gewinne nicht garantieren kann, dann geht es eben nur über ausländische Autoren, die diese Gewinne garantieren - wobei dabei vielleicht soviel abfällt, dass ein oder zwei deutsche Autoren "unterstützt" werden können - aber eben nur die, die der Verlag für unterstützenswert hält. Tja, und wenn der Markt das nicht hergibt - dann sind wir wohl am Arsch.

Dass es noch andere Gründe gibt, ist auch klar - wenn viele verdienen wollen, verdienen eben viele wenig oder am Ende gar nix. Am besten ist es vielleicht, alle Kurzgeschichtenautoren wählen vier oder fünf aus, die weiterschreiben sollen, um davon zu leben und die anderen hören auf. Das ginge schließlich auch.

Naja, aber hier stehen wir schon wieder knietief im Pessimismus - oder in der Scheiße, wie man auf Neudeutsch sagt.

Grüsse, Marcus

Daniel

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11

Dienstag, 10. Januar 2012, 13:06


Dass es noch andere Gründe gibt, ist auch klar - wenn viele verdienen wollen, verdienen eben viele wenig oder am Ende gar nix. Am besten ist es vielleicht, alle Kurzgeschichtenautoren wählen vier oder fünf aus, die weiterschreiben sollen, um davon zu leben und die anderen hören auf. Das ginge schließlich auch.

Naja, aber hier stehen wir schon wieder knietief im Pessimismus - oder in der Scheiße, wie man auf Neudeutsch sagt.

So ziemlich die beste Idee, die ich seit Jahren gehört habe. Bin dafür, das auch bei Schauspielern, Musikern usw. zu praktizieren, das macht den Markt übersichtlicher :devil:

Pessimismus ist für Horrorautoren doch eigentlich Pflicht, oder? :cool:

  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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12

Dienstag, 10. Januar 2012, 13:14

Hallo Marcus,





Zitat

dass heute nur das verkauft wird, was entweder überragend gut oder in Mode ist.


Ja, wahrscheinlich ist das so. Aber man kann an einer Mode mitwirken oder an einen Trend gegenwirken. Bist du dabei? :D





Zitat

Deshalb gibt es nur zwei Möglichkeiten, warten bis Horror wieder in Mode ist und Kontakte aufbereiten, damit man dann an der richtigen Stelle ist


Richtig. Hält leider nur vom Schreiben ab...





Zitat

Ich denke, entscheidend ist nur die Qualität - Qualität schafft Lesebereitschaft. Und wären die Anthologien voll von herausragenden Leistungen, sprühendem Witz und genialer Ideen, würden sie auch in den Auflagen verkauft, die ein Honorar mit sich bringen.


Tja, das ist schon ein Kreuz mit dieser Qualität. Ich muss sagen, dass ich 2011 mehr unterdurchschnittliche Horrorliteratur gelesen habe. Und das sind ja alles veröffentlichte Bücher auch mittlerer Verlage gewesen. Von daher kann ich nur hoffen, dass es sich um "Mode" handelt.



Zitat

Also, Vincent, hinsetzen, schreiben und ganz große Literatur auf den Markt werfen, damit wir anderen in deinem Fahrwasser mitgetrieben werden!



Wer es zuerst schafft, gibt einen aus! :)

Marcus

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13

Dienstag, 10. Januar 2012, 13:18

"Bin dafür, das auch bei Schauspielern, Musikern usw. zu praktizieren, das macht den Markt übersichtlicher."

Naja, so traurig wie das ist - aber in Deutschland ist das doch schon seit einigen Jahren Realität - da wird an einem Haus das Ballett abgeschafft, in einem anderen das Schauspiel, und es bleiben nur die großen, gewinnträchtigen und traditionellen Häuser übrig. Der Vergleich ist also gar nicht so weit hergeholt - die Länder sparen wo sie können, um Leuchttürme zu setzen, wie man so schön sagt. Mhm, naja, vielleicht muß man es auch anders machen - die Verlage setzen sich einfach zusammen, wählen vier oder fünf aus, die weitermachen und die anderen bringen nur noch Weihnachtsgrusskarten oder Rosamunde Pilcher Romane heraus, damit der Pilcher- und Liebesromanemarkt ausblutet und niemand mehr Honorare für Liebesromankurzgeschichten bezahlen kann und die Liebesromankurzgeschichtenschreiber verzweifeln.

Ich bin dafür!
Grüsse nochmal, Marcus

Marcus

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14

Dienstag, 10. Januar 2012, 13:29

Ach Vincent,

ich segle hier nur mit meiner kleinen Jolle über den Adolf-Mittag-See - so ein Ozeandampfer ist doch verdammt groß, und da muss man immer aufpassen, dass man nicht auf einen Eisberg aufläuft. Ich weiß nicht, ob das was für mich ist. Ich schau mir das dann doch lieber vom Ufer an, wie die großen Schiffe vom Kai auslaufen und auf große Fahrt gehen - vielleicht sing ich mir auch eins, so wie Rio Reiser - Segelschiffe fahr´n vorbei, zieh´n in die Ferne mit dem Wind, ach wär ich doch jetzt auch dabei, weit, weit, hinterm Horizont, wo unbekannte Länder zu entdecken sind."

Tja, vielleicht sitz ich da doch lieber an Land und hab nichts zu tun und keine Arbeit und kein Zuhaus...

Beste Grüsse und neue, tolle Ideen

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Mammut

Der ErnstFall

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15

Dienstag, 10. Januar 2012, 13:45

Lohnt es sich Kurzgeschichten zu schreiben?

Man könnte auch fragen, lohnt es sich überhaupt zu schreiben?

Meine Meinung dazu:

Die Novitäten steigen:

http://www.boersenblatt.net/449580/



Vor Jahren sprach man von über 70.000 Neuerscheinungen, weniger sind es seitdem nicht geworden. Es erscheinen immer mehr Bücher, die Leserzahlen steigen aber schätze ich eher nicht und die Konzentration auf große Namen gibt es ja schon seit Jahrzehnten.

Warum also Schreiben?

Wer Geld verdienen will übt besser einen „ordentlichen“ Beruf aus. Festes Gehalt mit Lohnsteigerungen und Karrieremöglichkeiten.

Wer trotzdem schreiben will muss sich entscheiden zwischen „Selbstverwirklichung“ und „Lohnschreiberei“, das war mal Teil einer meiner Kolumnen:

http://defms.blogspot.com/2010/10/der-moderne-kunstler.html



Wenn du der geborene Horrorautor bist und gerade eine Horrorwelle aufpeppt und du dann den großen Durchbruch schaffst, hast du alles richtig gemacht.

Bist du der geborene Horrorautor und die Wellen wechseln von Zauberlehrlingen zu Romantikvampriren oder Prinzessinnenabenteuer, wird dich nie der Erfolg küssen.



Aber auch wenn du das richtige Genre hast, triffst du auf hunderte Konkurrenten und selbst die bekannteren Namen können vielleicht nicht davon leben.



Also sind die Möglichkeiten, mit einem Roman Geld zu verdienen, auch nicht viel größer als mit Kurzgeschichten. Überleg mal, wie viel Arbeit es ist, einen 600 Seiten Wälzer zu schreiben und wie hoch soll dann der Verdienst sein?



Schreiben ist für den Großteil der Schreiber wohl eher ein Ehrenamt. Manche bekommen eine Art Aufwandsentschädigung, die fleißigsten können vielleicht mehr schlecht als recht davon leben. Und ein kleiner Teil strebt nach Ruhm und Reichtum.



Warum also die Mühe machen, Jahre an einem Roman zu sitzen, ohne die Garantie zu haben, erfolgreich zu sein?

Der Unterschied zwischen Roman und Kurzgeschichte ist damit nicht so groß, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Kurzgeschichten sind eine gute Möglichkeiten, mit beschränkter Zeit eine interessante Idee in eine Geschichte zu packen. Die Gefahr, dadurch reich zu werden ist allerdings recht gering.

Also schreibt man die Geschichte um ihrer selbst willen- bzw. um einen selbst willen. Je nach Zeit, Lust und Interesse in längerer oder kürzerer Form.

Aus einer sehr guten Kurzgeschichte kann später immer noch einen Roman machen. Und außerdem macht das fabulieren ja auch Spaß!

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16

Dienstag, 10. Januar 2012, 14:34

Hallo Michael,



Zitat

Lohnt es sich Kurzgeschichten zu schreiben?

Man könnte auch fragen, lohnt es sich überhaupt zu schreiben?

Ich glaube schon, dass da doch einige Unterschiede vorherrschen, die diese Frage berechtigen. Zumindest Kohlemäßig kann es für den Autoren von Vorteil sein, Romane zu schreiben. Außerdem sehe ich bei einem Verriß eine größere Gefahr bei Romanen. Bei Kurzgeschichten kann man eine "Gurke" eher verzeihen.



Betrifft der Anstieg der Novitäten ausschließlich das Printmedium? Sind in den Zahlen auch Schulbücher inkludiert?

Zitat

Also schreibt man die Geschichte um ihrer selbst willen- bzw. um einen selbst willen. Je nach Zeit, Lust und Interesse in längerer oder kürzerer Form.

Tja, das muss ich mich wirklich fragen. Ich glaube, dass ich zwingend von einer Leserschaft, einem Publikum abhängig bin. Liegt wohl an dem jeweiligen Persönlichkeitsprofil eines Schreibers. Vom Hörensagen kenne ich jemanden der 6! Romane geschrieben hat, von denen noch keiner veröffentlicht wurde. Diese Geduld und diesen Glauben in mich (oder diese Kritikunfähigkeit) hätte ich nicht.

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17

Dienstag, 10. Januar 2012, 14:44

Geht es hier noch um Kurzgeschichten, oder schon um die Horror-Literatur oder das Schreiben an sich?

Wenn Vincent fragt, ob es sich lohnt, KGs zu verfassen, ist die Antwort doch eindeutig: Vom Gehalt oder Ruhm her nein!

Selbst ein Stephen King verkauft von einem KG-Band deutlich weniger, als von einem Roman. In den Bestsellerlisten tummeln sich zu 99% Wälzer, keine Anthologien oder sonstiges. Und ob Clive Barker sich mit den Büchern des Blutes Reichtum erschrieben hat, wage ich zu bezweifeln, auch wenn ich darüber natürlich keine Angaben besitze (aber ich denke, dass sich seine Romane deutlich besser verkauft haben, und schließlich war er ja auch als Produzent, etc. tätig).

Wenn es einem aber gelingt, gute KGs zu erschaffen und man dabei Freude hat, lautet die Antwort: Natürlich lohnt es sich!

Die KG war nie mein Metier als Leser, Romane haben mich schon immer deutlich mehr angesprochen (und das dürfte den weitaus meisten Menschen so gehen. Ich würde sogar wetten, dass sie die großartigste Storysammlung eines Simmons nicht annähernd so gut verkaufen würde, wie ein unterdurchschnittlicher, oder gar mieser Roman aus seiner Feder), aber nichts destotrotz kann mich auch eine Kurzgeschichte umhauen (wohl aber nicht so, wie ein wirklich gelungener Roman).
Den Hauptgrund dafür, dass viele längere Werke der Kurzgeschichte vorziehen, sehe ich übrigens darin, dass es eben einigen Raum brauch, um Charaktere zu schaffen, mit denen man sich identifizieren kann. Ich vergleichs gerne mit einer Fernsehserie: Folge 1 kann noch so gespickt mit spannenden Situationen sein, sie wird nie so begeistern wie vielleicht Folge 10, wo einem die Figuren im Idealfall ans Herz gewachsen sind.
Auch schätzen viele Leser Überraschungen und Rätsel. Zehn oder zwanzig Seiten bieten von Natur aus nicht viel mehr Platz, als für eine Pointe (Ausnahmen bestätigen die Regel). Faszinierende Rätsel, die glaubhaft aufgeklärt werden, können besser in längeren Geschichten untergebracht werden - Und gerade das Rätseln fasziniert doch viele der Leser.

Nachtrag: Vincent, auch ich komme auf sechs beendete Romane, ohne dass einer von ihnen veröffentlicht worden ist;) Aber es ist doch so, dass die ersten Werke eines Autors selten etwas werden. Und es ist doch eigentlich egal, um man diese 'Lernphase' mit sechs gescheiterten Romanen zupflastert, oder mit 100 mittelmäßiger Kurzgeschichten, oder?

Überhaupt finde ich, dass sich Anfänger zu sehr auf Kurzgeschichten konzentrieren. Als ob man nur an ihnen das Schreiben lernen könnte. Ich behaupte mal, dass die wenigsten Autoren überhaupt Kurzgeschichten verfasst haben.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Timo Mengel« (10. Januar 2012, 15:05)


Mammut

Der ErnstFall

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18

Dienstag, 10. Januar 2012, 15:04

Überhaupt finde ich, dass sich Anfänger zu sehr auf Kurzgeschichten konzentrieren. Als ob man nur an ihnen das Schreiben lernen könnte. Ich behaupte mal, dass die wenigsten Autoren überhaupt Kurzgeschichten verfasst haben.
Ich glaube der Eindruck täuscht. Die meisten fangen mit epischen Romanen an und schwenken erst auf Kurzgeschichten um, wenn sich überhaupt keine Veröffentlichungsmöglichkeit bzw. Feedback bietet.

  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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19

Dienstag, 10. Januar 2012, 15:10

Zitat

Aber es ist doch so, dass die ersten Werke eines Autors selten etwas werden. Und es ist doch eigentlich egal, um man diese 'Lernphase' mit sechs gescheiterten Romanen zupflastert, oder mit 100 mittelmäßiger Kurzgeschichten, oder?



Hältst du denn deine Romane für gescheitert? Ich schreibe gerade am dritten Roman und ja, später sieht man, was man hier und da hätte besser machen können (müssen), aber ich halte sie immer noch für gut.

Der Vorteil mit den Kurzgeschichten ist, dass man neben dem eigentlichen Handwerk hoffentlich einen Leserkreis (vielleicht nicht unbedingt mit ausschließlich mittelmäßigen KG) und ein Netzwerk aufbaut und Erfahrungen im Umgang mit dem Procedere bis zu einer Veröffentlichungen sammelt.



Zitat

Überhaupt finde ich, dass sich Anfänger zu sehr auf Kurzgeschichten konzentrieren. Als ob man nur an ihnen das Schreiben lernen könnte. Ich behaupte mal, dass die wenigsten Autoren überhaupt Kurzgeschichten verfasst haben.


Sagen wir mal so, die ersten Reaktionen auf meine Kurzgeschichten außerhalb des eigenen Freundeskreises haben den Impuls gegeben weiter zu schreiben. Vielen Dank nochmal an Earth Rocks und den capcom. :)

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Timna

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20

Dienstag, 10. Januar 2012, 15:28

Hallo Vincent,

ich hab jetzt auch nicht abgestimmt. Als Leser mag ich Kurzgeschichten total gerne, und von der Seite betrachtet, finde ich, dass es sich lohnt. Auch wenn es nur wenige Menschen sind, die man damit erreichen oder begeistern kann... Aber ich les das gerne und deswegen fänd ichs schade, wenn das niemand mehr schreiben würde.

Wenn man den Elefanten umdreht, sieht die Sache anders aus. Ich schreib z.B. keine Kurzgeschichten, weil der Aufwand (wie du ja schon sagst) in keinem Verhältnis zu dem steht, was man real bekommt. An einer KG sitzt man trotzdem ein paar Wochen - bis man sich eingefunden hat, ist sie auch schon wieder vorbei. Romane schleppen sich nur am Anfang, wenn man reingefunden hat, gehts dahin. Der Aufwand für einen Roman entspricht also dem von x Kurzgeschichten (je nach Autor halt unterschiedlich), aber das, was man am Ende für den Roman bekommt, ist um ein Vielfaches höher als das, was man für x Kurzgeschichten bekommt. Nicht nur Geld, es ist besser für den eigenen Bekanntheitsgrad und prestigeträchtiger. Die Überlegung wär soweit schon richtig, aber es wär trotzdem schade, wenn sie jeder anstellen würde und jeder danach handeln würde, weil eine Großartige Prosaform verschwinden würde...

Es muss immer Leute geben, die idealistisch genug sind, das für den Spaß an der Freude zu machen. Mir würd es leid tun, wenn es das nicht gäbe. So betrachtet ist es wieder lohnenswert, weil man Anderen mit seinen VÖs eine Freude macht, und darum sollte es beim Schreiben doch auch gehen: Dass man einfach Leute finden möchte, die die eigenen Sachen lesen, weil sie sie gerne lesen, und denen das gefällt. Auch, wenn man nicht viel dafür bekommt...

Schwierige Fragestellung... Sehr schwierig... Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist. Die Anerkennung in Form von Kohle, Ruhm und Ehre oder die Anerkennung in Form von einem kleinen Kreis begeisterter Leser, denen man damit eine Freude machen kann.
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