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  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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61

Mittwoch, 11. Januar 2012, 23:19

Zitat

Schwierige Fragestellung... Sehr schwierig... Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, was ihm wichtiger ist. Die Anerkennung in Form von Kohle, Ruhm und Ehre oder die Anerkennung in Form von einem kleinen Kreis begeisterter Leser, denen man damit eine Freude machen kann.


Hallo Timna,

finde ich interessant, dass du dich beschlossen hast, keine KG zu schreiben, sie aber missen würdest, wenn es keiner mehr täte. Ich würde sie wohl auch vermissen... darum werde ich wohl auch immer welche schreiben.

Aber in reduzierter Anzahl!

frankh

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62

Mittwoch, 11. Januar 2012, 23:19

Zitat

In der Theorie. Praktisch hat das Mommers ja mit seinen vier Visionen Bänden (SF Geschichten bei Shayol) versucht. Er hat sogar Geld gezahlt. Band 5 erschien allerdings nicht. Das Projekt war wohl ein eindeutiges Minusgeschäft.

Ohne was gegen Helmuths vielfältige Versuche, deutschsprachige SF zu fördern, sagen zu wollen (seine Bibliothek hier in Wien ist einfach einzigartig und ich gehe gerne hin! - Und auch seine Anthologien habe ich gerne gelesen), aber war die Zahlung nicht im symbolischen Bereich??? - Also eine zweistellige Summe (10 Euro, oder?) ist meiner Ansicht nach ein Zeichen guten Willens und eine Wertschätzung für die Autoren (man gibt halt, was man kann), aber keine Bezahlung.

Das ist nicht richtig, ohne in die Details gehen zu wollen, lag die Bezahlung durchaus im dreistelligen Bereich.

Frank

Tom

Anfänger

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63

Donnerstag, 12. Januar 2012, 00:03

Vielleich?

hallo zusammen,

vielleicht ist das jetzt zu naiv, aber ich finde, das die Idee, oder die geschichte selbst die länge vorgibt. manche geschichten müssen kurz erzählt

werden damit sie nicht ihre "kraft" verlieren und andere brauchen mehr "fleisch" drumherum, damit der leser dem plot folgen kann. ob man sich die mühe

macht und die kurze geschichte erzählt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. vielleicht hängt es auch ein wenig vom der art ab, in der man seine

geschichten erzählt. bei mir war es so, das die geschichte mit jedem korrekturgang immer kürzer wurde, immer kompremierter bis der inhalt zum schluss

regelrecht heraus destillert war und das hat der story gut getan. am ende stand dann kein epos wie "krieg und frieden" , sondern eine kurze, böse literarische

ohrfeige und ich bin zufrieden, selbst wenn ich damit nie einen cent verdienen werde.

gruß
tom

Ernst Wurdack

Fürst der Finsternis

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64

Donnerstag, 12. Januar 2012, 08:14

@ Nina:
WOW, das war ja mal eine wahnsinnig ausführliche Antwort! Super!
Ich finde schon, dass es sich lohnt, Kurzgeschichten zu schreiben, auch wenn ich selbst keine mehr verlege. Ich finde es aber immer auch wichtig, bei einer Diskussion wie dieser, Anregungen und Denkanstöße zu geben, über die man sprechen kann und sollte. Und sowohl du als auch Felix haben einen recht umfangreichen Einblick in die Szene gewährt, sodass sich die mitdiskutierenden Autoren überlegen könne, ob Poetry-Slam ihre Welt werden könnte oder nicht.

Ich glaube wie Marcus, dass Kurzgeschichten einem eigenen Regularium folgen und bei einem Potry-Slam wird es nicht anders sein. Beides lässt sich schwerlich en detail vergleichen, wobei die dadurch geöffnete Tür, etwas anderes als eine Anthologie zu denken, spannend ist. Bloß was?

Noch ein Vorschlag, den man (vielleicht in kleinem Kreis) ausprobieren könnte: Eine Lesereihe für (Horror)Kurzgeschichten auf Youtube. Lässt sich relativ problemlos bewerkstelligen, wenn man einige grundlegende Dinge zu Licht und Position und Ton beachtet. Dazu einen netten Vor- und Abspann - das könnte eine interessante Alternative zu Anthologien werden. Dauert natürlich, bis so etwas bekannt wird, aber die Zuschauerzahlen dürften die Leserzahlen einer Anthologie auf lange Sicht übersteigen. Und man kann im Gegensatz zu Slams auch ruhigere Texte bringen.

Zitat

Anubis dürfte verstehen, welchen Autor ich meine.

Yep:-) Obwohl..ohne vorzugreifen..Ernst hat den "anspruchsvolleren" Autor erwischt.Und das weiß ich weil ich beide vermittelt habe.

Gut, dass Anubis immer wiede mal solche Vermittlungsversuche startet. :D Gerlach ist nach Boothby nun schon der 2. Australier, den ich verlegen darf. Und wahrscheinlich nicht der letzte.

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  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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65

Donnerstag, 12. Januar 2012, 09:26


Zitat

[b]Noch ein Vorschlag

Zitat

, den man (vielleicht in kleinem Kreis) ausprobieren könnte: Eine Lesereihe für (Horror)Kurzgeschichten auf Youtube. Lässt sich relativ problemlos bewerkstelligen, wenn man einige grundlegende Dinge zu Licht und Position und Ton beachtet. Dazu einen netten Vor- und Abspann - das könnte eine interessante Alternative zu Anthologien werden. Dauert natürlich, bis so etwas bekannt wird, aber die Zuschauerzahlen dürften die Leserzahlen einer Anthologie auf lange Sicht übersteigen. Und man kann im Gegensatz zu Slams auch ruhigere Texte bringen.
[/b]Großartiger Vorschlag!

Mammut

Der ErnstFall

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66

Donnerstag, 12. Januar 2012, 11:40

Für mich lohnt es sich, weil mich das Schreiben als Mensch verändert hat. Es macht mich zufrieden, glücklich und selbstbewusster.
In einer gefühlt zu 100% durchkommerzialisierten Welt ist das doch mal ein Ansatz, der viel zu wenig Beachtung findet. Das hast du sehr schön ausgedrückt.

Nina

Profi

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67

Freitag, 13. Januar 2012, 20:51

Zitat

Was ich an der Stelle aber ebenso anstrengend finde, ist das Überwachen der eigenen Kurzgeschichten. Mal abgesehen davon, dass es fast nie eine Empfangsbestätigung gibt, erhält man gelegentlich auch keine Absage. Ich habe auch schon mal erst proaktiv im nachhinein erfahren, dass meine Geschichte abgedruckt und veröffentlicht worden ist. Mittlerweile pflege ich eine Tabelle, wo ich aufliste, wo welche Geschichten gelandet sind. Spannend, spannend das Ganze!


Ich habe inzwischen in beide Bereiche hineingeschnuppert. Als Autor habe ich viele frustrierende Erfahrungen gemacht. Da hat der Verlag, bei dem ich eingericht habe, dicht gemacht oder der Herausgeber hat sich mit dem Verlag geklopft - und wie muss ich das erfahren, dass es nichts wird? - Nein, nicht etwa in einem Mail, sondern in einem Forum, das mit der ganzen Sache nichts zu tun hat. Am Anfang wollte ich alles bei Anthologieausschreibungen "von der anderen Seite aus" so machen, wie man es sich als Autor wünscht, bis hin zum Diskutieren der Texte zu jeder Zeit. Ich musste allerdings schnell feststellen, dass kein Autor es sich einfach so sagen lässt, dass sein Text nicht für das Projekt geeignet ist. Gerade bei den ganz und gar eindeutigen Fällen (wenn jemand diskutiert, wo man selbst nicht sicher war, ob man den Text nicht doch unterbringen kann, kann man es ja auf jeden Fall verstehen) war die Diskussion mitunter dann abendfüllend. Da waren Autoren, die nicht einsehen wollten, dass der Beginn eines Romans keine Kurzgeschichte ist oder dass auch ein Lektor aus einem Text, der nicht mal die grundlegenden Gesetze der deutschen Sprache beachtet, auch nichts Tolles schleifen kann. Teilweise darf man sich dann auch noch persönlich beleidigen lassen. (Dabei weiß, wer mich kennt, mit Gewissheit, dass ich durchaus auch mal harte Worte finde, aber nie eine Person an sich in ihrer Gesamtheit in Frage stelle oder gar mit Beschimpfungen ankomme, daher kann das sicher keine angemessene Reaktion sein - zumal per Mail ja auch jeder die Möglichkeit hat, einfach nicht mehr zu schreiben - oder glaubt echt einer, ein Organisator eines Wettbewerbs würde es einem abgelehnten Teilnehmer übel nehmen, wenn er sich nicht mehr meldet? Ganz ehrlich, man gibt halt Bescheid, keiner erwartet eine lebenslange Brieffreundschaft - oder in dem Fall wohl eher "Brieffeindschaft".)
Jetzt habe ich wieder eine Ausschreibung und ich versuche wieder alles richtig zu machen. Empfangsbestätigung und am Ende soll es zumindest eine Info geben, wer in der Antho drin ist. Mehr darf es aber nicht geben, als ich mich einmal erweichen lassen habe, halbfertige Geschichten zu sichten, habe ich schon gesehen, wozu das führt ... (Zu einem "Danke für deine Mühe!" ganz bestimmt nicht ... und nein, ich sehe es auch nicht ein, warum ich jemandem, der in nicht mal einer Stunde halbgares Zeug runtertippt und dafür meine Lesezeit beansprucht, auch noch den Kopf tätscheln soll! - Klar, in einem Forum ist das was anderes, da klicke ich einfach weg, was mir nicht taugt, aber eine offizielle Bewerbung MUSS man ansehen.)
Leider ist es wie immer so, dass einige Leute mit einer Einstellung fern der Realität es verursachen, dass man nicht mehr normal miteinander reden kann. Klar würde mir kein Stein aus der Krone fallen, wenn ich einem Teilnehmer schreibe, dass sein Satzbau verbesserungswürdig wäre, dass wir uns zum Thema was anderes vorgestellt haben, dass ein Romananfang keine Kurzgeschichte ist ... wenn nicht alle diskutieren würden.
Also arbeite ich weiter an dem "perfekten Management" zu der Verfahrensweise bei Ausschreibungen.

Zitat

vielleicht ist das jetzt zu naiv, aber ich finde, das die Idee, oder die geschichte selbst die länge vorgibt. manche geschichten müssen kurz erzählt

werden damit sie nicht ihre "kraft" verlieren und andere brauchen mehr "fleisch" drumherum, damit der leser dem plot folgen kann. ob man sich die mühe

macht und die kurze geschichte erzählt, das muss jeder für sich selbst entscheiden. vielleicht hängt es auch ein wenig vom der art ab, in der man seine

geschichten erzählt.

Das ist grundsätzlich richtig. Allerdings muss man bedenken: Wer seine Geschichte nicht nur für sich selbst schreibt, muss halt schauen, was andere drucken wollen. Außer man macht einen auf Selbstverlag oder gibt sich mit dem Veröffentlichen im Internet zufrieden. Aber angesichts dessen steht es vielen, die eine Ausschreibung für einen Kurzgeschichtenband starten, bis oben hin, wenn wieder einmal einer alles ignoriert und etwas schickt, dass die vorgegebene Maximalzeichenzahl fünffach oder mehr übersteigt!
Grundsätzlich gibt es aber durchaus auch Autoren, die beim Erzählen von Kurzgeschichten sogar wesentlich besser sind als bei langen Werken. Als Beispiel fallen mir z.B. Cordwainer Smith und H.P. Lovecraft ein, um mal international bekannte Autoren außerhalb der Szene zu nennen. Umgekehrt muss man wohl erst recht nicht lange suchen.

Zitat


Das ist nicht richtig, ohne in die Details gehen zu wollen, lag die Bezahlung durchaus im dreistelligen Bereich.

O.K. Frank, kann sein, dass es ein Irrtum war, und die Teilnahme bei den "Visionen" ernsthaft bezahlt war und dann gebe ich es auch ehrlich zu. Ich habe nur irgendwie im Kopf, dass es mal eine Ausschreibung gab (also keine ganz offene, daher sucht man sie vergeblich großflächig verteilt), wo man als Autor für einen zweistelligen Beitrag einsteigen konnte. 10 oder von mir aus auch 20 Euro. Und ich krieg das einfach nicht aus dem Kopf, bilde es mir fest ein. Wobei es natürlich auch immer noch sein kann, dass die Bedingungen nicht für jeden Band gleich waren.

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Freitag, 13. Januar 2012, 21:05

Zitat

vielleicht ist das jetzt zu naiv, aber ich finde, das die Idee, oder die geschichte selbst die länge vorgibt. manche geschichten müssen kurz erzählt

werden damit sie nicht ihre "kraft" verlieren und andere brauchen mehr "fleisch" drumherum, damit der leser dem plot folgen kann. ob man sich die mühe

macht und die kurze geschichte erzählt, das muss jeder für sich selbst entscheiden.


Hallo Tom,

im Grunde ist das wohl so, wenn man frei schreibt. Schreibt man aber ausschreibungsbezogen oder fest für eine thematische Anthologie gibt es meistens eine Zeichenbegrenzung. Bei 5.000- 30.000 Zeichen liegen da die meisten und mitunter muss man sich da schon abmühen.



@ Nina Ja, Ok, ich habe oder liebäugel auch damit mal eine Anthologie herauszugeben, aber eben solche Erfahrungsberichte geben mir dann doch wieder stark zu denken. Darauf hätte ich sowas von kein Bock!

Alldieweil schreibe ich während es Threadverlaufs an mehreren Kurzgeschichten, tss, tss,tss...

Nina

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69

Freitag, 13. Januar 2012, 22:14

Zitat

@ Nina Ja, Ok, ich habe oder liebäugel auch damit mal eine Anthologie herauszugeben, aber eben solche Erfahrungsberichte geben mir dann doch wieder stark zu denken. Darauf hätte ich sowas von kein Bock!

Ich glaube, nicht von ungefähr bezeichnen Herausgeber ihre Anthologie so oft als ihr "Baby". Der Geburtsvorgang ist schmerzhaft, aber wenn es mal da ist, freut man sich! :]

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frankh

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70

Freitag, 13. Januar 2012, 22:21



Zitat


Das ist nicht richtig, ohne in die Details gehen zu wollen, lag die Bezahlung durchaus im dreistelligen Bereich.

O.K. Frank, kann sein, dass es ein Irrtum war, und die Teilnahme bei den "Visionen" ernsthaft bezahlt war und dann gebe ich es auch ehrlich zu. Ich habe nur irgendwie im Kopf, dass es mal eine Ausschreibung gab (also keine ganz offene, daher sucht man sie vergeblich großflächig verteilt), wo man als Autor für einen zweistelligen Beitrag einsteigen konnte. 10 oder von mir aus auch 20 Euro. Und ich krieg das einfach nicht aus dem Kopf, bilde es mir fest ein. Wobei es natürlich auch immer noch sein kann, dass die Bedingungen nicht für jeden Band gleich waren.

Es kann nicht nur sein, sondern es ist so, schließlich war ich an den Bänden 2-4 als Autor beteiligt. ;)
Richtig ist allerdings auch, daß sich beim 4. Band die Konditionen verändert hatten (vermutlich, weil inzwischen klar war, daß die erhofften Verkaufszahlen so nicht kommen). Vielleicht stammen Deine Erkenntnisse von daher.

Für jeden, der vorher noch mit dem Gedanken gespielt hatte, daß sich Anthologien mit deutschsprachiger SF auch nur ansatzweise professionell vermarkten lassen (also mit Honoraren für die Autoren und ordentlichen Verkaufszahlen) war das Ende der "Visionen" dann auch das Ende einer Illusion. :(

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71

Freitag, 13. Januar 2012, 23:02

Zitat

Der Geburtsvorgang ist schmerzhaft, aber wenn es mal da ist, freut man sich! :]
Ja, glaube ich auch, aaaber, man läuft auch bestimmt Gefahr betriebsblind zu werden. Angenommen du bist von deinem Anthologiethema begeistert, steckst viel Energie in die Vorplanung, suchst einen verlag, der das Ding mitträgt und dann kommen mehr maue als gute Geschichten. Ich kann mir vorstellen, dass es dann schwer fällt zu entscheiden. Ich hätte Bock so was zu machen, aber ich warte lieber noch und hoffe, dass dann mit jemandem machen zu können. Gemeinsam lässt sich besser leiden. :cool:

Nina

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72

Freitag, 13. Januar 2012, 23:43

Auf jeden Fall danke für die Infos, Frank!
Ein geladener Autor war ich da ja nie und ich kann mich letztendlich auch irren, es mit was anderem verwechseln. Während der verstrichenen Jahre sind natürlich sämtliche Ausschreibungen von Originalquellen wie z.B. der Verlagsseite getilgt worden, sodass man es wohl letztendlich nicht mehr nachvollziehen kann.

Fest steht, dass ich es selbst als Leserin schade finde, dass es die Bände nicht mehr gibt.

Allerdings muss ich auch sagen, dass sich Anthologien (aber mit Romanen ist es in dem Umfeld, wo sich unsereins bewegt, auch nicht so viel anders) eben kaum professionell vermarkten lassen. Das meiste spielt sich nun mal in der Szene ab und vereinzelte Berichte in Medien außerhalb der Szene reißen einen da auch kaum raus. Das lesen zwar viele, aber da es eben keine Leute erreicht, die allesamt ähnliche Interessen haben, muss man dann auch wesentlich mehr davon mit Infos versorgen. Dazu hakt es dann auch meist mit Buchhandelsvertretern beim Verlag, die guten Vertreter wollen (zumindest teilweise, ich kann mich nur auf Berichte anderer stützen, allerdings schon persönliche Gespräche) wieder, dass der Verlag auf die großen Messen geht, bevor er es sich mal "überlegt", was dann aber immer ein enormes Verlustgeschäft. Für ein Massenpublikum muss man wirklich sehr präsent sein, um wahrgenommen zu werden. (Das Annehmen des Angebots ist wieder eine andere Sache ... selbst angebliche Tendenzen wie dieser angebliche "Fantasy-Engel-Trend" dürften trotz der Marketingmaschinerie ein ziemlicher Rohrkrepierer gewesen sein.)
Leider habe ich es meistens erlebt, dass gerade Projekte, die "mehr" wollten, dann einfach den Löffel abgegeben haben ... und mitunter der ganze Verlag gleich mit. Ist leider so. Eine 200er Auflage kriegt man auch nicht "einfach" verkauft (Zurücklehnen ist da sicher nicht!), aber es geht, wenn man sich reinhängt. Und vor allem bricht es keinem das Genick, wenn es mal nicht so gut läuft, vor allem, wenn keinerlei Honorare oder nur das "5% der verkauften Exemplare [Autorenexemplare sind da natürlich ausgenommen] zu entrichten sind.

Aber wie dem auch sei, offenbar denken außerhalb der Autorenschaft viele Leute, dass Kurzgeschichtenschreiben finanziell lohnend sein müsste. Aber ich bezweifle, dass es das ist, selbst wenn jemand ab und an mal eine bezahlte Veröffentlichung unterbringen kann, eben wegen der Ausgaben, die man einfach hat - ob man diese nun als tatsächliche Notwendigkeit sieht (gerade im "Ausbildungsbereich" hat aber das Fass wirklich keinen Boden - ich sehe oft Workshops und frage mich, wie das Geld dafür ein Autor selbst in einer Spanne von fünf Jahren und erfolgreichem Arbeiten das wieder reinkriegen soll), sie unbewusst tätigt (noch ein Synonymewörterbuch, noch ein Buch zum Recherchieren, der alte Computer muss weg, und ach, das Porto für den Schreibwettbewerb, wo in 6-facher Ausfertigung eingereicht werden muss ...) oder einfach als Bestandteil eines "Nerd-Daseins" sieht (Besuch einer Con, wo man womöglich die halbe Zeit an einem Stand sitzt ...) ...

Also ich vermute fast, dass ich so was wie ein magischer Anziehungspunkt für jeden Spinner bin (ich habe zu zählen aufgehört, wie viele mich schon als Mitstreiterein für "die Aliens sind unter uns"-Aufklärungskampagnen gewinnen wollten), aber mir schreiben immer wieder Leute, die wissen wollen, wie viel man verdient, gleich mit konkreten Vorstellungen. Wie z.B., man würde ja demnächst eine Ausbildung anfangen, ob man diese nicht finanzieren könne (nachdem dann der Broterwerb wegfällt), indem man an und ab mal eine Kurzgeschichte abliefert. Wobei da eher die Frage ist, ob man da "sehr zurückstecken" müsse, also weniger die nach der prinzipiellen Möglichkeit ...
Ich frage mich echt, nach was die rechnen!
Wie viel braucht denn ein Mensch pro Monat um halbwegs normal zu leben (festes Dach überm Kopf, was zu essen, ab und an Klamotten von "nur nackt ist billiger")? - Das sind auf jeden Fall ein paar Hundert Euro. (Mindestsicherung für einen Erwachsenen in Österreich dürften etwas mehr als 700 Euro sein.) Und das jeden Monat, vor allem, wenn man schreibt, was einem die innere Stimme vorgibt (denn natürlich denkt keiner dran, einseitige Romantikgeschichten für Frauenmagazine mit zwingendem Happy End zu verfassen oder etwas anderes, das man einem Massenpublikum eventuell schmackhaft machen könnte - wobei gerade die Aufträge logischerweise im Besonderen nicht an Anfänger vergeben werden und man vergeblich nach Bewerbungsmöglichkeiten sucht) und alles unmittelbar publiziert? Wie soll denn das gehen???

Aber ich frage mich das auch bei den Stadtschreibern. Hier ist auch häufig ein Kurztext (Geschichte, Novelle) der Bewerbung beizufügen. Klar klingt es super, wenn einer mal ein halbes Jahr frei wohnen kann und noch ein Taschengeld bekommt. Aber: Wer kann das annehmen? Schließlich dauert das Auswahlverfahren lange, da kann man nicht einfach mal abwarten, wie es ausgeht. Mit einem halbwegs annehmbaren Job wird das wohl nichts (Verantwortung für Kinder wird natürlich grundsätzlich nicht berücksichtigt) und Studenten, die eher noch mal pausieren könnten (wobei auch das die Frage ist, ob es tatsächlich ratsam ist), sind oft grundsätzlich von der Teilnahme ausgeschlossen. Und die tatsächlich "Freischaffenden" sind wohl landesweit an einer Hand abzuzählen ... zumal viele "Freischaffende" das auch nur sein können, weil der Partner sie unterstützt, dessen Begeisterung sich angesichts eines Aufenthaltsstipendiums ein paar hundert Kilometer weiter mit Rückkehroption wohl auch in Grenzen halten dürfte ...

Umgekehrt sind auch einige Betreiber von Online-Magazinen und Bücherforen wohl auch nicht klüger. Allein, wenn man mich da als Anthologieautorin fragt, ob ich nicht Bücher hergeben kann, zeigt da von einem enormen Unverständnis. Was glauben die, dass ich eine Kiste voller Freiexemplare bekomme und mir nichts Schöneres vorstellen kann, dass ich endlich mal wieder Platz bekomme, indem Forum X eine Bücherverlosung macht? Oder dass ich unbedingt Rezensionen brauche und dafür selbst ein Buch kaufe (mit dem einen üblichen Belegexemplar hüpfe ich wohl nicht so weit, dass ich noch jedem, der lieb fragt, eins abtreten kann - und ja, das ist Usus bei Anthologien, ich würde sagen, null bis zwei Belegexemplare sind normal und meist pendelt es sich auf einem ein - könnte jemand mit einem Bücherforum, in dem täglich Ausschreibungen gepostet werden, auch mal wissen ...) und für die Option, in einem Satz namentlich gelobt oder getadelt werde, meine zehn Euro zahle? (Also 12 irgendwas kosten die meisten Anthos, 25% ist der normale Rabatt, kommt aber auch wieder Porto hinzu, wobei ich mal so rechne, als ob ich in Deutschland leben würde!)

Marcus

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73

Freitag, 13. Januar 2012, 23:50

Zitat

Für jeden, der vorher noch mit dem Gedanken gespielt hatte, daß sich Anthologien mit deutschsprachiger SF auch nur ansatzweise professionell vermarkten lassen (also mit Honoraren für die Autoren und ordentlichen Verkaufszahlen) war das Ende der "Visionen" dann auch das Ende einer Illusion.


Ach, dieser Spruch tut mir im Herzen gut. Hört sich irgendwie nach Helmut Schmidt an und dem zum Arzt gehen, und ich liebe solche Zitate. Vielleicht sollte man sich prinzipiell von solchen Visionen oder Illusionen lösen und Anthologien als das begreifen, was sie schon immer waren - Anfixer. Und was ist besser, als regelmäßig einen ausgezeichneten Autor in diversen Anthos für sich zu entdecken, bis man sich endlich dazu durchringt, einen Kurzgeschichtenband oder Roman von dem Mann zu kaufen, weil er einen einfach überzeugt hat. Und auch für einen Autor ist ja die Antho schließlich so etwas wie eine Art Schmiede, in der er sein Eisen zum ersten Mal glühend heißen machen darf und sich beweisen. Also ich muss nochmal sagen, dass ich nichts gegen die "kleinen" Anthologien habe, die bei denen nix rumkommt. Sie haben ihre Funktion, und außerdem kann man da noch machen, was man will, ohne dass man auf Verkaufszahlen stieren muss oder darüber nachdenken, was sich besser verkauft. Könnte ich mein Lebtag mein imaginäres Honorar gegen die Sicherheit eintauschen, immer das schreiben zu dürfen, wonach mir der Piephahn steht, dann wüßte ich, dass mir Geld nicht die Bohne wert ist, wenns ums Schreiben geht.

Tja, und was die Poetry-Slams angeht - da muß man sich echt nichts vormachen, wer da nicht richtig Bums in der Hose hat, der braucht da gar nicht erst auftauchen, und wie spaßig das auch ist, sich vor zweihundert Leute hinzustellen und einfach loszulegen - es ist etwas "ganz und gar" anderes als eine Kurzgeschichte zu schreiben. Ich denke, wenn man manchmal den Begriff Quatsch Comedy und Pro Sieben fallen läßt, ist man des Öfteren genau auf dem Niveau, was einem da manchmal angeboten wird. Aber nicht immer, und man sollte die Hoffnung für die Slams nicht ganz aufgeben.

Und ich will mal abschließend noch eines sagen - es mag sich vielleicht nicht immer und für jeden lohnen, Kurzgeschichten zu schreiben, aber es lohnt sich in jedem Fall, gute Kurzgeschichten zu lesen. Es ist eine ganz große Kunst! Das sag ich ganz ehrlich. Und ich liebe Kurzgeschichte, und ich würde mein Geld, wenn ich welches hätte, dafür zum Fenster raus schmeißen. Und ich würde mir wünschen, dass die, die wirklich etwas von diesem Handwerk verstehen, die Anerkennung erhalten, die sie verdienen. Tja, ob das nun mit Geld sein muss, weiß ich nicht, aber diese Liste mit den richtig guten Kurzgeschichtenautoren war doch schonmal was.

Also, Vincent, wenn du schon keine Kohle verdienen kannst, dann versuch doch einfach mal auf diese Liste zu kommen. Ich denke, das lohnt sich auf jeden Fall.

Grüsse, Marcus

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74

Samstag, 14. Januar 2012, 00:04

Arthurs Liste *seufz*.

Ist das aber nicht insgeheim die Hoffnung eines jeden ambitionierten Autors ein solches Niveau zu erreichen? Und ohne Scheiß und vor allem Neid, manch einen bewundere ich darum, permanent so abliefern zu können. Keine Ahnung wie das bei den Anthologien so läuft, aber ich vermute mal, einige Autoren werden als Zugpferde gefragt oder eingekauft und sind die Headliner in so einem Band. Da gab es für mich schon Autoren, denen ich Lustlosigkeit vorwerfen konnte, aber es gibt auch welche, die selbst in diesen, also in allen Anthologien glänzen. Momentan sind das für mich Endres und Gruber.

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Marcus

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75

Samstag, 14. Januar 2012, 00:05

Ach ja, Vincent, und wie du siehst, braucht die deutsche Anthologienwelt ganz bestimmt nicht noch den x-ten Herausgeber, und es ist ein steiniges und blutiges Pflaster, wie du aus Ninas Einblicken erfährst. Also lass bitte die Finger davon! Fehlt bloss noch, dass du einen Verlag eröffnen möchtest!

Übrigens danke, Nina, dass du dich hier für uns auskotzt. Manche Dinge müssen manchmal auf den Tisch und ich mag Leute, die gut zu servieren verstehn.

Grüsse

Marcus

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76

Samstag, 14. Januar 2012, 00:10

Zitat

aber es gibt auch welche, die selbst in diesen, also in allen Anthologien glänzen.




Ja, Vincent, Endres hab ich auch entdeckt. Auch wenn er nicht ganz mein Stil ist. Trotzdem, danke Gott, dass es diese Leute gibt ...

Vielleicht solltest du mal so eine direkte Anfrage an solche "richtig" guten Kurzgeschichtenautoren stellen und fragen, ob es sich lohnt. Wenn die´s nicht wissen, dann weiß es keiner!

frankh

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77

Samstag, 14. Januar 2012, 10:56


Also ich vermute fast, dass ich so was wie ein magischer Anziehungspunkt für jeden Spinner bin (ich habe zu zählen aufgehört, wie viele mich schon als Mitstreiterein für "die Aliens sind unter uns"-Aufklärungskampagnen gewinnen wollten), aber mir schreiben immer wieder Leute, die wissen wollen, wie viel man verdient, gleich mit konkreten Vorstellungen. Wie z.B., man würde ja demnächst eine Ausbildung anfangen, ob man diese nicht finanzieren könne (nachdem dann der Broterwerb wegfällt), indem man an und ab mal eine Kurzgeschichte abliefert. Wobei da eher die Frage ist, ob man da "sehr zurückstecken" müsse, also weniger die nach der prinzipiellen Möglichkeit ...
Ich frage mich echt, nach was die rechnen!
Wie viel braucht denn ein Mensch pro Monat um halbwegs normal zu leben (festes Dach überm Kopf, was zu essen, ab und an Klamotten von "nur nackt ist billiger")? - Das sind auf jeden Fall ein paar Hundert Euro. (Mindestsicherung für einen Erwachsenen in Österreich dürften etwas mehr als 700 Euro sein.) Und das jeden Monat, vor allem, wenn man schreibt, was einem die innere Stimme vorgibt (denn natürlich denkt keiner dran, einseitige Romantikgeschichten für Frauenmagazine mit zwingendem Happy End zu verfassen oder etwas anderes, das man einem Massenpublikum eventuell schmackhaft machen könnte - wobei gerade die Aufträge logischerweise im Besonderen nicht an Anfänger vergeben werden und man vergeblich nach Bewerbungsmöglichkeiten sucht) und alles unmittelbar publiziert? Wie soll denn das gehen???

Das überrascht mich nun aber doch. ich hätte nicht gedacht, daß irgendein erwachsener Mensch auf die Idee kommen könnte, er könne als Autor von Kurzgeschichten leben. Vielleicht könnte man auf diese Weise eine nicht allzu anspruchsvolle Katze übers Jahr bringen, mehr aber auf keinen Fall.;) Das Problem sind dabei gar nicht die tätigkeitsbezogenen Unkosten (die dürften mit 50 EUR pro Monat für Papier Toner, Porto und DSL-Anschluß schon hoch angesetzt sein), als vielmehr die Lebenshaltungskosten, die ich schon bei 1000 EUR im Monat sehe. Ich bezweifle, daß im gesamten Genrebereich (c't mal ausgenommen) überhaupt relevante Summen für Kurzgeschichten ausgeschüttet werden. Der Entschluß, freischaffender Kurzgeschichten-Autor zu werden, sollte dann unbedingt mit der Abgabe eines ALG II-Formulars kombiniert werden ...

Ich glaube nicht einmal, daß man im Genrebereich von Romanpublikationen leben kann (eine Handvoll Prominenter natürlich ausgenommen). Nach meiner (Milchmädchen)-Rechnung müßte ich mehrere Tausend Bücher im Monat verkaufen (lassen), um den Einkommenstandard zu halten. Das erscheint mir nicht eben realistisch. ;)

Gruß
Frank

fictionmaster

liest und schreibt

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Samstag, 14. Januar 2012, 23:05

Diesen weisen Worten kann ich leider nur zustimmen, Frank. Die Chance, allein von seiner Schreiberei leben zu können, ist verflucht gering. Wenn man sich ausschließlich auf Kurzgeschichten verlässt, dürfte es mit neunundneunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit unmöglich sein. Aber wir alle schreiben ja auch nicht, weil wir reich werden wollen, oder? :D
In Superior ging es um Popmusik und Liebeskummer,
jetzt um eine brutale Mordserie
Mein neuer Roman
Der Fall Nemesis
Ab sofort im Buchhandel erhältlich

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Samstag, 14. Januar 2012, 23:13

Lohnt sich das Schreiben von Kurzgeschichten?

Finanziell definitiv nicht! Nina hat dazu ja schon einiges, durchaus Zutreffendes, gesagt.

Hat es sich für mich aus anderen Gründen gelohnt? Definitiv ja!
Durch das Schreiben von Kurzgeschichten, der Teilnahme an KG-Ausschreibungen, an Schreibforen und an (Buch)messen/cons habe ich in den letzten Jahren jede Menge interessanter Menschen (egal ob Autoren, Verleger oder Leser) kennengelernt, die ich sonst - als eher introvertierterer Mensch - nicht getroffen hätte.
Erst recht nicht, wenn ich mich in dieser Zeit in mein stilles Kämmerchen zurückgezogen hätte, um den ****-Roman des 21. Jahrhunderts zu schreiben. :devil:


Ich habe durch die Lektorate und die Arbeit beim Herausgeben eigener Anthologien vieles gelernt, was mir kein Schreibratgeber hätte beibringen können.
Außerdem bekommt man bei Kurzgeschichten im Vergleich zu einem Roman relativ schnell ein Feedback, das einen weiterbringen kann.

Und nicht zuletzt: Mir macht das Schreiben von Kurzgeschichten Spaß! Und darum sollte es doch beim Schreiben in erster Linie gehen, oder? :D


Grüsse, Wolfgang

Edit: Und deswegen habe ich bei der Abstimmung auch mit "Ja" gestimmt.

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Katla

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Sonntag, 15. Januar 2012, 19:11

Bei der Abstimmung habe ich uneingeschränkt & leidenschaftlich mit 'ja' geantwortet, und nicht aus Naivität heraus. Ich schreibe seit 25 Jahren kulturjournalistisch, und habe durch Bezahlung als Freelancer keine utopischen Vorstellungen, z.B. von Fiktion leben zu können. Kurzgeschichten zu schreiben bedeutet für mich etwas, das sich mit Bezahlung leider eh oft beißt, nämlich uneingeschränkte Freiheit. Nicht die, unsanktioniert Müll zu produzieren. :e Sondern aus Recherche eben keine halbwegs objektive Abhandlung/Rezension zu machen, sondern eine Welt neu zu erfinden, und diese in einer 'autonomen', nicht auftragsbestimmten Sicht und Sprache zu erzählen. Etwas zu schaffen, was es vorher nicht gab. Und das ist ein Luxus, den ich nicht mit Geld aufwiegen könnte.

Zu Honoraren/Geld: Ich bin altmodisch, und möchte in klassischen Printmedien veröffentlichen - ein 'Verdienst' über selbstveröffentlichte eBooks oder sogar print on demand wäre für mich nix. Ebenso wie einige Essays sind KGs für mich aber gute Türöffner gewesen - heisst, ich werde vllt nicht für eine bestimmte Geschichte bezahlt, aber sie ermöglicht mir, etwas anderes gegen Honorar zu veröffentlichen.

Ich bin - mit langer Pause - seit 1996 bei einem bekannten, sehr guten Kleinverlag. Meine Lektorin und Verlegerin teilen meine Ansicht zu Literatur, sind radikal und kompromißlos (leider anti-horror), und ich fühle mich dort sehr wohl. Drei Tage, nachdem ich zum ersten Mal eine KG eingereicht hatte, kam die Anfrage, ob ich einen Roman schreiben könnte. Und obwohl es Phantastik mit Horrortouch ist und meine Verlegerin außer einem Exposé nichts gesehen hat, steht das Buch jetzt schon auf amazon. Die KG hat mir zwar kein Honorar gebracht, aber selbstverständlich wird der Langtext bezahlt; ein nahezu direkter Gewinn. (Ausser, dass ich alle beneide, die einen fertigen Roman in der Schublade haben! ;( )

Eine andere KG hab ich radikal gekürzt bei einer dotierten (online) Ausschreibung eingereicht, weil ich Anfang letzten Jahres knapp bei Kasse war. Ohne jede Erwartung. Gewonnen, und wenn man von € 450,- in einem extrem teuren Land lebt, machen € 200,- einen massiven Unterschied. Und eine tolle Bestätigung war es obendrein - es war meine erste Einreichung bei einem Aufruf.

Diese beiden Veröffentlichungen allein haben mir Gelegenheit eröffnet, hier in einem Buchladen Lesungen zu halten, und obwohl ich dafür die Texte ins Englische übersetzen muss, hab ich ein paar deutsche Bücher verkaufen können - nicht ein irrwitziger Verdienst, aber ein faires Angebot meiner Verlegerin, und für mich ein gutes Zeichen, wenn jemand wegen eines Textes eine ganze Anthologie kauft. Die Lesungen führten wieder zum Abdruck in einem lokalen Literaturmagazin. Und Abdrucke führten bislang in fast allen Fällen zur Nachfrage nach weiteren Texten.

Kurzgeschichten zeigen also mit weniger Zeitaufwand als Romane (auch wenn ich 3-4 Monate an einer KG recherchiere & schreibe), ob und wo ein Markt für eigene Fiktion ist. Und zwar einer, an den man sich nicht anpassen mußte, sondern der entstand, oder den man sich selbst schaffen konnte. Ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass man sich mit KGs einen (sicher erstmal sehr winzigen) Interessentenkreis schaffen kann, bevor ein Roman rauskommt (der sich ja halbwegs ok verkaufen sollte). Das alles ist schon so viel mehr, als ich mit meinem "will experiementieren"-Ansatz je erwartet hatte.

Ich gebe euch allen - und vor allem Nina - aber recht: ein Vollzeitjob macht die Sache sehr schwierig.

Von Leserseite: jemand sagte hier, in eine miese KG liest man sich nicht ein, in einen Roman schon. Das geht mir nicht so. Eine KG hab ich schnell gelesen und schnell vergessen, wenn sie schlecht war. Selbst wenn ich einen Roman irgendwann nur noch querlese, ist ein mieses Werk sauärgerliche Zeitverschwendung. Einen schlechten Roman behalte ich lange in Erinnerung, und kann mich da echt ewig drüber aufregen.

Ab davon sind KGs und Romane eben andere Formen, und machen auf unterschiedliche Weise Spass, zu lesen. Andere Spannungsbögen, Entwicklungen. Vieles, was ich als KG liebe, möchte ich nicht über 300 Seiten ausgewalzt lesen. KGs können wilder, radikaler sein, fallen einem mit einem experiementellen Stil nicht so schnell auf den Wecker, wie vllt ein ganzes Buch davon. (Kommt natürlich drauf an).

Und ich muß mich Kai anschließen: wenn man mal in ein beliebiges Mammoth Book of Horror Jahr soundso schaut, in dem auch große Namen vertreten sind, findet man da genauso stilistisch miese, langweilige und unbeholfene Geschichten wie in einem beliebigen Onlineforum für Hobbyautoren. Allerdings unter 50 auch mal ein echtes Juwel, und damit bin ich schon zufrieden.
Texte & Projekte: http://silkebrandt.weebly.com/

Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von »Katla« (15. Januar 2012, 20:03)


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