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Kai Grimm

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1

Donnerstag, 12. Januar 2012, 22:36

Lesezirkel Januar 2012 2 Tim Curran - Der Leichenkönig Kapitel 1 - 6 (Seite 54)

Und die moderne Novelle, erster Teil
Lese zur Zeit:
Christoph Marzi - Somnia

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2

Sonntag, 15. Januar 2012, 20:08

Dann darf ich eröffnen ...

Zunächst einmal ein Lob an den Übersetzer und den Verlag, die hier wirklich klasse Arbeit geleistet haben. Bislang ist mir kaum ein Dreher in den Sätzen untergekommen - Fande ich schon bei Rabenstadt (Blitz-Verlag) bemerkenswert, habs aber im entsprechenden Thread vergessen zu erwähnen.

Der Einstieg zum Leichenkönig ist ungelenk gewählt. Ich bin der Meinung, Vorworte sollten dem Autor dazu dienen, über seine Inspiration oder irgendwelche Besonderheiten bei Schreibe oder Recherche zu sprechen, oder warum er gerade dieses und jenes Thema angepackt hat. Was ich in einem Vorwort nicht lesen will, ist eine Erklärung (Was ist die Ausgangslage der Geschichte ... Was treibt die Figuren an, so zu handeln, wie sie es tun).
Das ist ein bisschen so wie eine Umkehrung des altbekannten Show don't tell.
Das Umfeld und die Beweggründe der Figuren sollten in der Geschichte erzählt und nicht vorangeschickt werden!

Was von Beginn an auffällt sind die etlichen Adjektive, die Curran in jedem Satz unterbringt. Das macht das Ganze dementsprechend schwer zu lesen und mitunter ermüdent. Der Protagonist lehnt sich nicht gegen eine Wand, nein! Er lehnt sich gegen eine schimmelfleckige, schiefstehende, abbröckelnde, schattenüberwucherte, pilzbedeckte, nach Pisse stinkende, usw. Ich glaube, ihr wisst, was gemeint ist. Hier wäre weniger deutlich mehr gelesen.
Klar, muss eine Geschichte, die im 19.Jahrhundert spielt in einem anderen (gediegeneren) Stil verfasst werden, als ein schnörkelloser High-Tech-Thriller ala Stieg Larsson, aber das hier ist viel zu überfrachtet.
In Vollendung gelingt das für mich Simmons in seinem Drood (Aber der Vergleich ist auch ein bisschen unfair, zugegeben).

Die Protagonisten an sich finde ich toll geschildert. Gerade ihr selbstironischer Umgang mit ihrem 'Geschäft' ist richtig klasse beschrieben. Hervorheben möchte ich hier die direkte Wortwahl: Das wirkt sehr authentisch. Ich kann mir gut vorstellen, dass in solchen Kreisen so gesprochen wurde ... Auch, was den Umgang mit der eigenen Familie anging. Natürlich muss man sich an ein Wort wie Ficken in einem Buch, das im 19.Jahrhundert spielt erst gewöhnen, weil der Begriff modern wirkt, aber ist er gar nicht oder? Ficken (und noch eher Fuck) gehört zumindest laut Wikipedia schon länger zum geläufigen Sprachgebrauch.

Die Dialoge mit der Mutter sind köstlich und auch die Schilderungen von den lebensfeindlichen Umständen zu jener Zeit halte ich für sehr gelungen.

Weniger gelungen dann aber das Hauptthema, auf das die Geschichte zuzusteuern scheint: Unsere Grabräuber im Kampf mit einem leichenfressendem Monstrum. Ne, da erhoffe ich mich mehr. Das wäre mir so zu billig.

Na ja, abwarten. Bislang kommt das Buch jedenfalls nicht über die Bewertung 'Durchschnitt' hinaus.

3

Mittwoch, 18. Januar 2012, 11:27

Den ersten Teil des Buches habe ich mittlerweile fertiggelesen. Auch mir enthält das Vorwort etwas zu viele Details, die das Lesen des Buches schon vor dem eigentlichen Start in eine erwartete Richtung treiben. Dies wäre als Erläuterung vielleicht besser im Nachwort aufgehoben.

Der bisherige Teil des Buches konzentriert sich erwartungsgemäß einleitend mit der Beschreibung der Atmosphäre, in welcher die Novelle spielt. Dies ist für meinen Geschmack sehr gut gelungen und ließt sich erfreulich flott. Hierzu tragen auch die zum Teil amüsanten Dialoge bei, in welchen deutlich wird, wie Personen mit der entsprechenden Konstitution mit der lebensfeindlichen Umgebung umgehen und diese verarbeiten können. Zusammen mit dem stimmungsvollen Cover (und der guten Verarbeitung des Buchs) wird die Atmosphäre so schön düster und gut greifbar. Wenn im folgenden die Handlung noch gut in Fahrt kommt, dürfte mir das Buch gut gefallen.
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4

Samstag, 21. Januar 2012, 11:46

Das Vorwort hat mich an den Besuch eines nostalgischen Kinos erinnert. Vor dem Film verliert ein Ansager einige Worte, ehe sich der Vorhang öffnet und den Blick auf die Leinwand offenbart. Mich hat das Vorwort abgeholt und ich fand es gelungen.

Auf den ersten Seiten geht es um die Vorstellung der Charaktere, der Schauplätze und die Spannungsschraube wird durch die mysteriösen Vorfälle auf den nördlichen Gräberfeldern seicht nach oben gedreht. Die Charaktere sind mir als Leser präsent, nur sollten keine weiteren Scherze mehr über eine schlechte Kindheit folgen, es nutzt ab und beim nächsten mal würde es sogar nerven. Timos Meinung in Sachen verwendete Adjektive teile ich und vielleicht liegt es nicht nur an der Anzahl der verwendeten Adjektive, sondern ebenso die Menge der so beschriebenen Mauern könnte heruntergefahren werden. Curran schreibt gut, schon nach der Friedhofs- und Kneipenszene konnte ich mir das Setting gut vorstellen. Sehr anschaulich wurde die Arbeit mit und an den Leichen beschrieben, Tod und Verwesung sind auf jeder Seite präsent und, ebenso gelungen, alltäglicher Broterwerb. Ich hoffe, es wird noch ein Blick in die medizinischen Fakultäten gewährt...

Insgesamt sehr unterhaltsame 8 Punkte

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Kai Grimm

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5

Samstag, 21. Januar 2012, 19:02

Ich bin bis jetzt begeistert. Gerade auch wegen der adjektivreichen Sprache, die mich gekonnt 200 Jahre zurück befördert. Wie ich die Novelle sprachlich überhaupt sehr stark finde. Wohlgewählte Formulierungen, starke Beschreibungen, sprachlich erschaffene Stimmung, das macht der Autor sehr gut und schafft dabei eine wunderbar morbide Atmosphäre. Sehr unheimlich und gelungen kommt die erste Begegnung mit dem unterirdischen Leichenfresser rüber.
Auch das Vorwort ist meiner Meinung nach durchaus okay. Es handelt sich hier schließlich um eine Novelle von 150 Seiten, davon können nicht 88 geopfert werden um die Lebensumstände in schottischen Großstädten des Jahres 1820 zu schildern. Ich halte es hier durchaus für sinnvoll, die Lebensumstände der Protagonisten in ein kurzes und erläuterndes Vorwort zu packen. Mich hat es jedenfalls durchaus neugierig auf die eigentliche Handlung gemacht. Genau so wie mich der Schluss des ersten Drittels sehr neugierig auf das, was da unter der Erde lauert, macht.
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Christoph Marzi - Somnia

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Samstag, 21. Januar 2012, 19:19

Liegt die erste Begegnung mit dem "Etwas" nicht in dem zweiten Teil unseres Zirkels? Oder habe ich etwas überlesen?

Kai Grimm

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Sonntag, 22. Januar 2012, 11:51

Liegt die erste Begegnung mit dem "Etwas" nicht in dem zweiten Teil unseres Zirkels? Oder habe ich etwas überlesen?

Nö, Kapitel 6, Seite 43 bis 54. Was genau es ist, wissen wir noch nicht. Es handelt sich jedoch nicht bloß um Ratten, wie Kierney und Clow sich später einreden. Ich finde dieses Kapitel bärenstark. Das ist richtig guter alter Monster-Mystery-Grusel-Horror. Ein Monster, das nur in der Nähe ist, das man hört, aber noch nicht sieht, dessen Spuren man findet, dem man aber so gerade eben noch entkommen kann. Das weckt Erwartungen, das macht Lust auf mehr!
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