Sie sind nicht angemeldet.

Guten Tag lieber Gast, um »Horror Forum - Alles rund um Horror und Phantastik!« vollständig mit allen Funktionen nutzen zu können, sollten Sie sich erst registrieren.
Benutzen Sie bitte dafür das Registrierungsformular, um sich zu registrieren. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

Kai Grimm

Super Moderator

  • »Kai Grimm« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 347

Registrierungsdatum: 1. März 2003

Wohnort: Wuppertal

Beruf: Wäre gerne Lotto-Millionär

  • Nachricht senden

1

Donnerstag, 12. Januar 2012, 22:37

Lesezirkel Januar 2012 2 Tim Curran - Der Leichenkönig Kapitel 7 - 13 (Seite 93)

Die moderne Novelle, der Mittelteil
Lese zur Zeit:
Christoph Marzi - Somnia

2

Donnerstag, 19. Januar 2012, 17:39

Es geht im gleichen, düster-unterhaltsamen Stil weiter. Langsam wird hierbei deutlich, dass auf den nördlichen Leichenfeldern ein noch größeres Grauen lauert. So unterhaltsam das ganze auf seine Weise ist, fehlt mir doch irgendwie ein roter Faden in dem Buch. Bis jetzt ist es eher eine Aneinanderreihung von Anekdoten aus dem Alltag von zwei Leichenräubern.
...and the book club consists mainly of people who club me with books.

Beiträge: 942

Registrierungsdatum: 28. Februar 2010

Wohnort: Nähe Hamburg im Moor

  • Nachricht senden

3

Samstag, 21. Januar 2012, 22:44

Mir hat der zweite Teil noch einen Tick besser als der erste gefallen. Die beiden Leichenräuber funzen, die Dialoge machen Spaß und das Unheimliche kriecht näher und näher und wird bedrohlicher. Ebenso interessant war die öffentliche Hinrichtung (die ja durchaus auch in die Handlung eingebettet ist) und vor allem, durch welchen Umstand sie zu Burkern geworden sind.

9 von 10 Punkten

Kai Grimm

Super Moderator

  • »Kai Grimm« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 347

Registrierungsdatum: 1. März 2003

Wohnort: Wuppertal

Beruf: Wäre gerne Lotto-Millionär

  • Nachricht senden

4

Montag, 23. Januar 2012, 21:36

Die Hinrichtungsszene war ebenso beklemmend und intensiv wie die "Lebendig begraben"-Szene. Ziemlich krass finde ich, dass die Leichenräuber ihren Geschäften im Angesicht der Todesstrafe nachgehen während die Abnehmer der Leichen offenbar völlig unbehelligt und ganz ungeniert diese weiter "verwerten" konnten. Kennt sich da jemand im historischen Kontext aus?
Auch das zweite Drittel gefiel mir sehr gut, nichts desto trotz sollte die Novelle jetzt bald zum Thema, dem unterirdischen Leichenkönig, zurückkommen.
Lese zur Zeit:
Christoph Marzi - Somnia

Werbung

unregistriert

Werbung


Beiträge: 581

Registrierungsdatum: 8. Dezember 2009

Wohnort: Rüdigheim

  • Nachricht senden

5

Dienstag, 24. Januar 2012, 08:15

Stimmt, die Hinrichtung fand ich auch toll geschildert. Mit der Lebendig-Begraben-Szene hatte ich jedoch so meine Schwierigkeiten, da liegt der Fehler aber wohl bei mir ... Konnte mir schon immer schwer vorstellen, wie man verscharrt werden und nach so vielen Tagen plötzlich wieder erwachen kann;) Aber dass es solche Fälle gab ist ja unbestritten.

Weiter Probleme macht mir die Adjektiv-Last. Ich habe das Gefühl, Curran bessert sich in diesem Teil etwas (oder aber ich habe mich besser drangewöhnt), aber es ist immer noch too-much. Wären die auflockernden und ziemlich gelungenen Dialoge nicht, die Novelle wäre unglaublich zäh.

Bemerkenswert finde ich, wie Curran es schafft, Sympathien für die Protagonisten zu wecken (immerhin Leichenschänder, die nicht vor dem Mord an Unschuldigen zurückschrecken).

Habe ein bisschen im Netz gesucht, was das Thema Abnehmer betrifft. Muss wohl so gewesen sein, dass jedem klar war, dass der medizinische Fortschritt nur mit Leichen zum Sezieren zu schaffen ist, und man deshalb beim Treiben der Ärzte beide Augen zudrückte und die Wut der Bevölkerung auf die Leichenräuber lenkte. Bei Wikipedia ist ein Auszug von einem Artikel von damals zu finden:

„Burke and Hare (...) heißt es, sind die wahren Urheber dieser Maßnahme, und was sonst nie von der Weisheit des Parlamentes sanktioniert worden wäre, ist durch seine Befürchtungen erzwungen worden (...) Besser wäre es gewesen, wenn diese Befürchtungen sich manifestiert hätten und umgesetzt worden wären, bevor sechzehn Menschen der Trägheit von Regierung und Legislative zum Opfer gefallen wären. Es erforderte keinen außergewöhnlichen Scharfsinn vorauszusehen, dass sich aus dem Zusammenspiel von Leichendieben und Anatomen, welches die Exekutive solange geduldet hat, unausweichlich die schlimmsten Konsequenzen ergeben mussten. Die Regierung ist zu einem hohen Grade mit verantwortlich für das Verbrechen, das sie durch ihre Nachlässigkeit ermöglicht und zu dem sie durch systematische Duldsamkeit sogar ermutigt hat.[1]“

Knox, der Burke und Hare die Leichen abnahm wurde auch nicht strafrechtlich verfolgt.

Beiträge: 942

Registrierungsdatum: 28. Februar 2010

Wohnort: Nähe Hamburg im Moor

  • Nachricht senden

6

Dienstag, 24. Januar 2012, 08:56

Zitat

Ziemlich krass finde ich, dass die Leichenräuber ihren Geschäften im Angesicht der Todesstrafe nachgehen während die Abnehmer der Leichen offenbar völlig unbehelligt und ganz ungeniert diese weiter "verwerten" konnten.


In Deutschland gab es m.E. solche Fälle selten bis gar nicht. Das lag daran, dass Friedhöfe zu der Zeit (um 1820) in Deutschland wie Kraut und Rüben wuchsen und ein Großteil der Bevölkerung in Massengräbern beigesetzt wurden. Erst langsam entwickelte sich (auf Anraten von Medizinern und Hygienikern) eine Art Bestattungskultur und die Einzelbeisetzung wurde gesetzlich verordnet. Während der Industrialisierung setzte sich die Kremierung neben der Erdbestattung mehr und mehr durch und die sogenannte Leichenschau wurde Pflicht, sodass Ärzte per Gesetz immer näher am Tod und den Leichnamen waren. Fakt aber ist, dass die Leichname verstorbener Krimineller scheinbar frei verfügbar waren. Zahlreiche Kriminalanthropologische Museen (ein bekanntes u.a in Wien) legen heute noch durch Ausstellungen (Fotografien, Wachsabdrücke, etc.) Zeugnis ab.

In Erinnerung ist mir das Phänomen der Grabräuber noch aus Paris, ich meine Philippe Ariés hätte es seinem lesenswerten Werk "Geschichte des Todes" erwähnt.