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Sonntag, 22. Januar 2012, 16:47

Umgang mit Kritik: Autor vs. Leser

Das geistert ja schon einige Zeit durch diverse Internetplattformen, aber hier ist es bislang noch nicht aufgetaucht. Wäre m. E. mal eine Diskussion wert: http://lesekreis.org/2012/01/21/das-wird…blog-mit-klage/

Ich finde das Verhalten dieses "Autoren" unterste Schublade.
Lese gerade: Seth Grahame-Smith - Abraham Lincoln: Vampire Hunter
www.hoerspiellobby.de

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Sonntag, 22. Januar 2012, 17:39

Ja, dieses Verhalten ist wirklich mal eine Diskussion wert. :D

Ich habe in letzter Zeit irgendwie den Eindruck, dass gerade (Kleinverlags-)Autoren sich hin und wieder etwas schwertun mit Kritik. Dies ist mir insofern unverständlich, als dass zwar keiner gerne kritisiert wird, aber man doch zumindest in Grundzügen bereits während der Schulzeit lernen sollte, mit Kritik umzugehen und - solange diese konstruktiv ist - auch zumindest zähneknischend annehmen sollte, um an den persönlichen Fähigkeiten zu arbeiten. Besonders unverständlich wird mir das Problem mit der Kritik in "künstlerischen" Bereichen wie dem Verfassen von Geschichten. Lassen sich in nüchtern-rationalen Bereichen wie beispielsweise den Naturwissenschaften oftmals objektive Gründe finden, ob eine Sache "gut" oder "schlecht" ist, trifft dies ja hier deutlich seltener zu, da unterschiedliche Geschmäcker auch unterschiedlich angesprochen werden. Kurz: Ein Autor dürfte es wohl kaum schaffen, es Allen völlig recht zu machen, selbst wenn sein Werk über formale Zweifel erhaben ist. Daraus müßte ja eigentlich folgen, dass diese Tatsache den Autoren bekannt ist und sie bei einem gewissen Maß an Kritik einfach drüberstehen.

Besonders skurril wird es, wenn munter damit begonnen wird, mit Anwalt, Klagen etc. zu drohen. Auf welcher Grundlage eigentlich? Freie Meinungsäußerung ist ein Grundrecht, selbst wenn diese nicht besonders fundiert artikuliert wird. Wäre letzteres eine Rechtswidrigkeit, könnte man einen Großteil der deutschen Stammtische wohl hinter Gitter bringen. Glücklicherweise sind solche Zeiten allerdings vorbei und gerade Kritiken zu Büchern begründen ja meistens besser, was nicht gefallen hat.

Die Gedankengänge, die zu dem unter dem Link geschilderten Verhalten führen, ist mir völlig rätselhaft. Höchstens ein Handeln nach dem Prinzip "Jede Publicity ist gute Publicity" könnte ich noch annähernd nachvollziehen, ich bin mir allerdings nicht sicher ob das wirklich aufgeht. Bei mir wirkt das zumindest nicht. :D
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3

Sonntag, 22. Januar 2012, 19:20

Ja ja (ihr wisst, was das heißt) lieber John ... genau so habe ich dich eingeschätzt!
Selbstvertrauen ist eine gute Sache. Doch wenn Selbstvertrauen in Arroganz ufert ...

Habe selbst über Facebook so manchen Kommentar dieses Autoren gelesen und bereits einige Male entgeistert den Kopf geschüttelt. Für mich einer dieser üblichen "Pseudo-Intellektuellen", die sich ja massenhaft im Internet herumtreiben. Eigentlich nicht der Rede wert, sich über derartige Anmaßungen Gedanken zu machen? Oder vielleicht doch?
Klar! Solche "Unsachlichkeiten" können eine Menge Schaden anrichten. Und zwar für die gesamte Literaturszene. Sicher ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Schar an Hobby-Autoren mittlerweile eine astronomische Zahl angenommen hat, und in dieser Masse viele, viele "Subjekte" herumgeistern, die glauben, DIE "Hammer Geschichte" geschrieben zu haben, sich "Autor" auf Facebook nennen, und eines gerade nicht sind: weder lern- noch kritikfähig!
So verfängt man sich eben in verbalen Schlammschlachten und überschätzt den eigenen Standpunkt völlig.

Ich glaube, wir alle (Leser, Autoren, Verleger und Kritiker) müssen lernen, damit umzugehen, dass der Ton dauerhaft ungemütlicher wird und an Niveau verliert. Jede Medaille hat eben zwei Seiten.
Da kann man nur eines tun: sich selbst treu bleiben und die Ruhe bewahren ;) Zumeist sind solche Schaumschlägereien doch nur Eintagsfliegen. MICH zumindest tröstet diese Erkenntnis ...

Andererseits kann ich das Verhalten des Autoren ein wenig nachvollziehen.
Sowohl Autor als auch Verleger fiebern Rezensionen entgegen und wappnen sich innerlich gegen Tiefschläge. Das ist ganz normal. Sollten solche Kritiken wirklich "unterirdisch" und vllt. gar boshaft sein (im genannten Fall war's nicht so), darf und muss man natürlich angemessen darauf reagieren. Angemessen - versteht sich!
Ich persönlich nehme jede Kritik sehr ernst und versuche sie zu verstehen und daraus zu lernen (gebe zu, bin mit dem kleinen Verlag ja noch blutjunger Anfänger). Doch nur in diesem Lernprozess kann man besser werden und - hoffentlich - dauerhaft "dabei" bleiben.
lese gerade: »Katzendämmerung« von Arthur Gordon Wolf

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4

Sonntag, 22. Januar 2012, 20:09

Zitat

Ich finde das Verhalten dieses "Autoren" unterste Schublade.


Jepp! Wäre klüger gewesen, einfach mal die Klappe zu halten.



Zitat

Ich habe in letzter Zeit irgendwie den Eindruck, dass gerade (Kleinverlags-)Autoren sich hin und wieder etwas schwertun mit Kritik.


Solange da keine Beispiele (z.B. Links, Foren, etc.) kommen, kann ich dir da nicht folgen. Ist aber für Kleinst- und Kleinverlag-Autoren auch elementarer, wenn da mal ein Verriß kommt, ich schätze mal einen Markus Heitz kratzt das wenig, wenn in einem Forum wie dem Lesekreis sein neuestes Buch zerrissen wird.



Zitat

Kurz: Ein Autor dürfte es wohl kaum schaffen, es Allen völlig recht zu machen, selbst wenn sein Werk über formale Zweifel erhaben ist. Daraus müßte ja eigentlich folgen, dass diese Tatsache den Autoren bekannt ist und sie bei einem gewissen Maß an Kritik einfach drüberstehen.



Ja, so sollte es sein, wenn da die berühmte verletzte Eitelkeit nicht wäre. Und ich glaube, (zumindest bei mir ist es so), dass jeder Autor mit einer veröffentlichten Geschichte einen Teil Achillessehne offenbart, da sie doch einen wie auch immer gearteten Einblick in sein Seelenleben gewährt. Am besten ist es immer, Kritik über Nacht stehen zu lassen, und dann noch mal drüber zu schauen.



Zitat

Sollten solche Kritiken wirklich "unterirdisch" und vllt. gar boshaft sein (im genannten Fall war's nicht so), darf und muss man natürlich angemessen darauf reagieren. Angemessen - versteht sich!


Das sehe ich auch so, und gerade eine dieser Kritiken hatten wir doch erst vor kurzem, oder?

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Marcus

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5

Sonntag, 22. Januar 2012, 20:26

Naja, ganz offensichtlich haben hier Verlag und Autor gehofft, mit einer Phantastikreihe ordentlich kommerzen zu können. Wer weiß, vielleicht hat das sogar eine Zeitlang ganz gut funktioniert, schließlich sieht das Ganze ziemlich nach gepuschten Amazonrezensionen aus. Tja, bis diese "Werbung" dann tatsächlich Leser angezogen hat und schließlich auch eine junge Rezensentin, die einfach ihre Meinung gesagt hat.

Ganz ehrlich ist es eine Schande, dass solche Egomanen(offensichtlich Autor wie Verleger) so tun als würden sie große Literatur fabrizieren. Irre! Ich hoffe, diese Leute trifft die ganze Wut der Internetgemeinschaft, die nur auf solche selbstherrlichen Fatzken gewartet hat.

Meinen Segen haben sie.
PS: Ich versteh da übrigens gar nichts.

6

Montag, 23. Januar 2012, 09:33


Zitat

Ich habe in letzter Zeit irgendwie den Eindruck, dass gerade (Kleinverlags-)Autoren sich hin und wieder etwas schwertun mit Kritik.


Solange da keine Beispiele (z.B. Links, Foren, etc.) kommen, kann ich dir da nicht folgen. Ist aber für Kleinst- und Kleinverlag-Autoren auch elementarer, wenn da mal ein Verriß kommt, ich schätze mal einen Markus Heitz kratzt das wenig, wenn in einem Forum wie dem Lesekreis sein neuestes Buch zerrissen wird.


Naja, ein Beispiel dafür ist ja der bereits von Royston Vasey angegebene Link. :D

Auch an anderer Stelle wird über Kritik hergezogen (z. B. hier: http://blog.g-arentzen.de/nc/seiten/home…-und-kritik/46/), wo man sich teilweise fragt, ob die Kritik wirklich so vernichtend und unter der Gürtellinie war, oder der Kritisierte nur leicht beleidigt... wenn man beispielsweise wegen jeder Kritik gleich beleidigt ist, könnte man sich ja immer darauf berufen, dass Meinungsfreiheit nicht gleich Beleidigungsfreiheit ist und so eine ehrliche Auseinandersetzung komplett unterbinden. Das Autoren auch mal etwas angefressen reagieren können, wenn man sie auf ein gewisses Prozedere aufmerksam macht, sieht man ja gelegentlich auch hier im Forum, beispielsweise hier: VAMPIR 12: Neue Anthologie des ZAUBERMOND-Verlags! und hier: Deutsche Anthologien - Übersättigung oder gleichbleibendes/gesteigertes Interesse?. Dazu könnte ich jetzt noch weitere Beispiele aus meiner Moderatorentätigkeit anführen, unterlasse das aber mal aus Diskretionsgründen. :D

Die hier geschilderten Fälle haben aber natürlich nicht die Tragweite des Links am Anfang. Aber stellenweise läßt sich da schon ein nicht gerade konstruktiver Umgang mit Kritik herauslesen.
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Jakob

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7

Montag, 23. Januar 2012, 09:51

Das widerwärtigste an dem Fall finde ich ehrlich gesagt die Einschüchterungsversuche gegen die Rezensentin ("das wird teuer"). Das ist mal wirklich ekelhaft autoritär und bösartig, weil es sich um den Versuch handelt, einem Menschen (aus Rache für eine negative Rezension) richtig, richtig Angst zu verursachen. Moralisch bewegt man sich damit etwa auf dem Niveau professioneller Abmahnanwälte. Glücklicherweise gebärdet Asht sich kein bisschen professionell, sondern lediglich großmäulig.

Abgesehen davon ist es meiner Meinung nach als Autor eigentlich immer falsch, öffentlich auf eine negative Rezension zu reagieren - man kann sich ja aus Interesse oder Betroffenheit (höflich) direkt an den Rezensenten wenden. Kein Autor hat ein "Recht" darauf, dass seine Werke seinem Empfinden gemäß "angemessen" gewürdigt werden. Das Lamentieren frustrierter Autoren über die "Kritiker" die keine Ahnung haben, widert mich mehr an als jeder dumme Verriss eines guten Buches es könnte. Asht hat diese Abscheu auf eine neue Stufe gehoben. Thor Kunkels peinliche Ausfälle sind dagegen ja noch geradezu gutartig.

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8

Montag, 23. Januar 2012, 09:59

Zu dem hier besprochenen Beispiel (siehe erster Link) kann ich da voll zustimmen. Der Autor vergreift sich dermaßen im Ton, wird beleidigend und anmaßend, das geht gar nicht. Auf seiner Website rechtfertig er seine Kritik mit einer Verschwörungstheorie, bei der man nicht weiß, was man davon halten soll.

Bei den Diskussionen hier im Forum finde ich nicht, dass die zu Wort gekommenden Autoren dünnhäutig oder kritikresistent reagiert haben. Bei der Diskussion darüber, ob der Ausschreibungsbereich auf der Portalseite erscheint oder nicht ist nach meiner Erinnerung von beiden Seiten aus, etwas Schärfe hinzugekommen.

Zu Gunter kann ich nichts sagen. Ich persönlich würde aber keine Kritik an meinen Werken löschen lassen wollen.



Zitat

Dazu könnte ich jetzt noch weitere Beispiele aus meiner Moderatorentätigkeit anführen, unterlasse das aber mal aus Diskretionsgründen. :D


Das Buch würde ich kaufen! ;)

Mammut

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9

Montag, 23. Januar 2012, 10:19

Auch an anderer Stelle wird über Kritik hergezogen (z. B. hier: http://blog.g-arentzen.de/nc/seiten/home…-und-kritik/46/), wo man sich teilweise fragt, ob die Kritik wirklich so vernichtend und unter der Gürtellinie war, oder der Kritisierte nur leicht beleidigt... wenn man beispielsweise wegen jeder Kritik gleich beleidigt ist, könnte man sich ja immer darauf berufen, dass Meinungsfreiheit nicht gleich Beleidigungsfreiheit ist und so eine ehrliche Auseinandersetzung komplett unterbinden.

Na, was der Dark Writer da schreibt, ist ja gerade ein Angriff gegen die Meinungsfreiheit. Wenn ich mir nicht erlauben kann zu schreiben, ob mir was gefällt oder nicht, andererseits die Lobrezensionshymnen kritiklos hingenommen werden, dann ist das doch eindeutig: Sei für mich oder schweige!

Die Tendenz ist aber eine gesellschaftliche. Irgendwann gibt es keine Schulnote 5 und 6 mehr, nur noch 4-.

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Jakob

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10

Montag, 23. Januar 2012, 10:41

Auch an anderer Stelle wird über Kritik hergezogen (z. B. hier: ), wo man sich teilweise fragt, ob die Kritik wirklich so vernichtend und unter der Gürtellinie war, oder der Kritisierte nur leicht beleidigt... wenn man beispielsweise wegen jeder Kritik gleich beleidigt ist, könnte man sich ja immer darauf berufen, dass Meinungsfreiheit nicht gleich Beleidigungsfreiheit ist und so eine ehrliche Auseinandersetzung komplett unterbinden.

Na, was der Dark Writer da schreibt, ist ja gerade ein Angriff gegen die Meinungsfreiheit. Wenn ich mir nicht erlauben kann zu schreiben, ob mir was gefällt oder nicht, andererseits die Lobrezensionshymnen kritiklos hingenommen werden, dann ist das doch eindeutig: Sei für mich oder schweige!

Die Tendenz ist aber eine gesellschaftliche. Irgendwann gibt es keine Schulnote 5 und 6 mehr, nur noch 4-.


Was mir in dem verlinkten Blogbeitrag auffällt, ist vor allem die Kritik daran, dass Verrisse nicht "fundiert" seien. Erstens ist es wahnsinnig schwer, zu beurteilen, ob jemand eine fundierte Meinung hat, zweitens kann man nicht jede unfundierte Meinung vom Schutz der Meinungsfreiheit ausnehmen.
Wieder etwas anderes ist es, ob man auf seinem eigenen blog Meinungen, die man als nicht fundiert empfindet, einfach löscht. Das ist m.E. völlig legitim - der Autor der entsprechenden Zeilen kann sie ja auch an anderer Stelle veröffentlichen.

Ernsthaft "Beleidigende" Rezensionen gibt es in meinen Augen eigentlich sehr selten - ich glaube, viele können nicht so recht zwischen "Sich getroffen zu fühlen" und "beleidigt worden zu sein" unterscheiden. Ich war auch schon ziemlich beleidigt über Rezensionen meiner Geschichten, dass heißt aber nicht, dass der Autor der Rezension mich beleidigt hat. Man muss eben damit leben, dass man nicht jedes mal, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, auch gleich jemanden dafür verantwortlich machen kann. Wer mit Texten an die Öffentlichkeit geht, muss prinzipiell so ziemlich alles aushalten, was andere über diese Texte sagen, es sei denn, es handelt sich um bösartige Lügen, die ganz direkt die Person betreffen (etwa, wenn jemand schreibt: "Der Autor dieses Buches ist ein Faschist").

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Sar-Sargoth« (23. Januar 2012, 10:52)


Mammut

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11

Montag, 23. Januar 2012, 11:35


Ernsthaft "Beleidigende" Rezensionen gibt es in meinen Augen eigentlich sehr selten - ich glaube, viele können nicht so recht zwischen "Sich getroffen zu fühlen" und "beleidigt worden zu sein" unterscheiden. Ich war auch schon ziemlich beleidigt über Rezensionen meiner Geschichten, dass heißt aber nicht, dass der Autor der Rezension mich beleidigt hat. Man muss eben damit leben, dass man nicht jedes mal, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt, auch gleich jemanden dafür verantwortlich machen kann. Wer mit Texten an die Öffentlichkeit geht, muss prinzipiell so ziemlich alles aushalten, was andere über diese Texte sagen, es sei denn, es handelt sich um bösartige Lügen, die ganz direkt die Person betreffen (etwa, wenn jemand schreibt: "Der Autor dieses Buches ist ein Faschist").


Da fällt mir gerade eine Begebenheit ein. Auf eine Rezension zu einem meiner Romane schrieb ein Kommentator:

Vorsicht: Das Manuskript verursacht Krebs beim Lesen.

12

Montag, 23. Januar 2012, 11:48

Solche Kritik brauch es natürlich nicht, da habe ich volles Verständnis für einen Autor, der darauf etwas gereizt reagiert. Man sollte wenigstens dazu schreiben, weshalb das Manuskript Krebs verursacht. :)
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13

Montag, 23. Januar 2012, 12:27

Die Tendenz ist aber eine gesellschaftliche. Irgendwann gibt es keine Schulnote 5 und 6 mehr, nur noch 4-.

Das ist das DSDS-Syndrom... klein Lisa heult weil "Der böße onkel Dieter geßagt hat, mit einem ßprachfehler kann man kein ßänger werden. Dabei findet Mama meinen Geßang ßßßßooooo toll".
Ich denke das ist ein Phänomen, das mit der zunehmenden Oberflächlichkeit unserer Ellenbogen-Gesellschaft zu tun hat, in der für viele eben nur derjenige Freund ist, der nicht durch Kritik an dieser Oberfläche kratzt und, Gott bewahre, zur Selbstreflektion anregt. Ob dahinter auch die (unbewusste) Angst vor den eben erwähnten Ellenbogen steht (den Schwächsten fressen die Löwen) kann ich nur vermuten.

Was den Herrn Asht angeht so muss man nur bei Amazon einen Blick in sein Buch werfen um zu wissen, dass jeder Gedanke an ihn verschwendet ist. Nur so viel: Jemand, der sein Leben lang keine Kritik angenommen hat tritt logischerweise auch sein Leben lang auf der Stelle. So ließt sich die Probe für mich wie die ersten Schreibversuche eines vielleicht dreizehnjährigen minderbegabtem, pubertierendem Jungen, der vergeblich bemüht ist, Literatur zu schaffen. Ich weiß es, ich hab das auch (hoffentlich) hinter mir *g*. Wenn man sich als Rezensent die Mühe machen würde, wäre es durchaus möglich alleine auf den erste drei Seiten so viele formale Fehler zu finden (die eben nicht Subjektiv sind) um alleine damit eine rein objektive, vernichtende Kritik zu verfassen. Mir ist meine Zeit dafür zu schade.

Nachtrag: Ich finde nicht, dass man als Autor auf beleidigende Kritik gereizt reagieren sollte (selbst wenn man gereizt ist, was sicher vorkommen kann und darf). Sich trotzdem für die Kritik zu bedanken und darum zu bitten, sie etwas genauer zu untermauern und zu begründen, damit man aus ihr etwas/mehr lernen kann, das halte ich jedoch für eine gute Alternative (ob das öffentlich geschieht oder privat per Email hängt vom Einzelfall ab).
»Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.«
Franz Kafka

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Miasmamann« (23. Januar 2012, 12:56)


14

Montag, 23. Januar 2012, 12:36

Interessant finde ich in dem Kontext vor allem den Hinweis darauf, das die "23-jährige Fantasy-Leserin" ohnehin nichts mit gehobener Literatur anfangen könne. Als ob es hier um gehobene Literatur gehen würde. :) Solange der Status "ansprechende Unterhaltungsliteratur" erreicht würde, wäre das in dem Fall ja wohl schon ein Fortschritt. Wieviel Arroganz und Ignoranz muss man eigentlich ansammeln, um sowas von sich zu geben?
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Solitaire

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Montag, 23. Januar 2012, 12:48

da gab es doch diese tolle Kurzgeschichte - ich glaube sie ist von M.R.James - von dem Autor, der versuchte sich übel zu rächen, als sein Manuskript nicht angenommen wurde...

Aber mal Spaß beiseite, sicherlich tut es weh, wenn ein künstlerisches Werk, das man mit Mühe und Herzblut geschaffen hat hämisch verrissen wird. Andererseits muss man das aushalten können, sonst darf man nicht an die Öffentlichkeit. Es wäre zu wünschen, dass negative Kritik, wenn sie geäußert wird, wenigstens konstruktiv und nicht destruktiv wäre, aber das ist eben auch nicht immer der Fall. Grundsätzlich gibt es ja immer jemanden dem das, was man tut und was man ist nicht passt und je weniger angepasst man ist und das, was man schreibt oder produziert, desto mehr Kritiker hat man. Selbst Altmeister Goethe musste einige seiner Werke mangels Interesse im Selbstverlag herausgeben!

Grundsätzlich sollte man jede ernsthafte Kritik als Anlass sehen sich zu verbessern, üble Häme ignorieren. Wenn man beleidigt reagiert, zeigt man imho nur, dass man noch nicht reif genug dafür ist sich einem Publikum vorzustellen.

Was den obigen link betrifft, habe ich allerdings das deutliche Gefühl, dass sich da jemand auf seine kommerziellen Zehchen getreten fühlt. :D

Rarius

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16

Montag, 23. Januar 2012, 13:42

Früher gab es Fanzines. Da hat man als hoffnungsvoller Neuautor seine Werke hinschicken können, die wurden dann vom motivierten Fanzine-Herausgeber hin und wieder vorab schon kritisiert oder gleich leicht bis mittelschwer überarbeitet. Wenn sie dann veröffentlicht wurden, erhielt man Rückmeldungen von den Lesern. Wer das ein paar Jahre lang durchgehalten hatte, wusste, ob seine Geschichten beim Leser ankamen oder nicht. Ausflüchte gab es nicht.

Es gibt praktisch keine Fanzines mehr. Dafür schießen Kleinverlage wie Pilze aus dem Boden. Alle auf der Suche nach dem neuen Stephen King, nach einem neuen Harry Potter. Und es wird veröffentlicht, was das Zeugs hält. Alles. Jeder. Egal, was für ein Mist das sein mag.
Ein gefundenes Fressen für allerlei Egomanen, die keinen Bezug zur Realität haben, die sich für unerkannte Genies, für die Nachfolger Hemingways oder Bölls halten. Kritik? Nie gehört, weil "ich bin doch ein Genie" oder "meiner Freundin gefällt doch was ich schreibe". Und der Verlag, bzw der Herausgeber? Schulterzucken. Deutschkenntnisse? Nö. Stilkunde? Nö. Schriftstellerische Erfahrung oder Erfahrung als Literaturverleger? Nö.

Es ist ein Elend.

Dabei kommt dann so etwas wie hier im Diskussionsfaden beschrieben wird, heraus.

Was tun? Auf bessere Zeiten hoffen und selber aktiv werden. Vernünftige Storys schreiben, keinen Mist kaufen, Mist als solchen kenntlich machen. Vielleicht auch einfach mal wieder hier und da ein Fanzine herausgeben.

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17

Montag, 23. Januar 2012, 14:17

Zitat

Es gibt praktisch keine Fanzines mehr. Dafür schießen Kleinverlage wie Pilze aus dem Boden. Alle auf der Suche nach dem neuen Stephen King, nach einem neuen Harry Potter. Und es wird veröffentlicht, was das Zeugs hält. Alles. Jeder. Egal, was für ein Mist das sein mag.
Ich bin erst seit zwei Jahren in dem Nischengenre Horror mit all seinen Spielarten, sowohl als Hobbyschreiber, wie auch als Leser unterwegs und ich kann diesen Eindruck, dass Kleinverlage wie Pilze aus dem Boden schießen, nicht teilen. Es würde mich aber sehr freuen, dieses "Gerücht" einmal durch Nennungen belegt zu finden. Plus die dazu gehörigen Werke, die Mist waren. Dann lässt sich endlich mal auf einer Grundlage diskutieren.

Mammut

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18

Montag, 23. Januar 2012, 15:01

Hier auf jeden Fall mal eine Verlagsliste, die zeigt, wie groß doch die schiere Anzahl an Verlagen ist (man muss aber Mitglied im SFN sein um sie runterladen zu können):

http://www.scifinet.org/scifinetboard/in…&attach_id=1098

Den Satz: Vielleicht auch einfach mal wieder hier und da ein Fanzine herausgeben.

verstehe ich allerdings nicht. Manche behaupten, Kleinverlage sind nichts anderes als semiprofessionelle Fanzines (die es auch durchaus in Auflagen über 100 Stück gab, ich denke da an die UPA).

Ich finde generell jede Veröffentlichung gut. Man muss halt, wenn es auch mühsam ist, aus dem Wust an Veröffentlichungen sich das passende raussuchen. Das gibt zwar Enttäuschungen. Die gibt es aber auch, wenn diese Ausgabe (das Filtern) jemand übernimmt und mir dann im Endeffekt seinen Geschmack vorsetzt und das ohne Wenn und Aber.

Kleinverlagsszene oder auch eBooks sind doch gerade die Möglichkeit für Leser und Autoren, abseits der ausgetretenen Pfade sich auf die Suche nach interessanter Literatur zu machen.

Ich brauch keinen Literatur-Bohlen der mir sagt, was ich gutfinden soll und was nicht. Aber offene Meinungsäußerung von Leuten, die ohne Vorbehalte ihre Meinung zu einem Werk abgeben.

19

Montag, 23. Januar 2012, 15:30


Manche behaupten, Kleinverlage sind nichts anderes als semiprofessionelle Fanzines (die es auch durchaus in Auflagen über 100 Stück gab, ich denke da an die UPA).

Ich finde generell jede Veröffentlichung gut.


Für einen Autor mag das durchaus stimmen, dass er sich über so ziemlich jede Veröffentlichung freut, egal wo. Nur ist die Erwartungshaltung bei Büchern (wir hatten die Diskussion ja schon mal an anderer Stelle) deutlich höher als bei Fanzines. In der Regel ist der Preis von Büchern ebenfalls deutlich höher. Und hierüber ärgert sich wiederum der Leser, da er ein oft semiprofessionelles Produkt zum Profipreis bekommt. In dem Artikel des Links am Beginn ist ja auch schön nachzulesen, dass mancher Autor der Schlussfolgerung veröffentlichtes Buch = Hochliteratur gerne mal aufsitzt. :D Insofern sind die Rezensionen, auch gerade wenn sie negativ ausfallen, wahrscheinlich für viele Leser eine wichtige Orientierung.

Würde ein angehender Autor zunächst mal Erfahrungen im Fanzine-Sektor sammeln, wäre die Kritik wahrscheinlich oftmals wohlwollender und konstruktiver, da hier zu erwarten ist, dass keine Profis am Werk sind, sondern solche, die es evtl. werden wollen.
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Mammut

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20

Montag, 23. Januar 2012, 16:46

Für einen Autor mag das durchaus stimmen, dass er sich über so ziemlich jede Veröffentlichung freut, egal wo. Nur ist die Erwartungshaltung bei Büchern (wir hatten die Diskussion ja schon mal an anderer Stelle) deutlich höher als bei Fanzines. In der Regel ist der Preis von Büchern ebenfalls deutlich höher. Und hierüber ärgert sich wiederum der Leser, da er ein oft semiprofessionelles Produkt zum Profipreis bekommt. In dem Artikel des Links am Beginn ist ja auch schön nachzulesen, dass mancher Autor der Schlussfolgerung veröffentlichtes Buch = Hochliteratur gerne mal aufsitzt. :D Insofern sind die Rezensionen, auch gerade wenn sie negativ ausfallen, wahrscheinlich für viele Leser eine wichtige Orientierung.


Den letzten Satz unterstreiche ich vollkommen. Ansonsten bin ich vollkommen anderer Meinung. Ich habe in meinem Leben schon so viel Mist gelesen, und die entsprechenden Bücher wurden als professionelles Produkt zum Profipreis angeboten. Da hilft immer nur die persönliche Auslese (über Verlag, Autor, etc.). Wo liegt der Unterschied, ob ein schlechtes Buch bei Heyne oder bei Eloy Edictions erscheint?

Die Auswahl durch die Kleinverlage ist doch größer geworden. Dadurch gibt es natürlich auch mehr Mist (subjektiv gesehen), aber auch mehr versteckte Perlen.

Man sollte also nicht "semiprofessionelle" Bücher verurteilen. Eher die Sortierkriterien wie Literaturpreise, Rezensionen und Lesermeinungen, so sie nicht auf einer ehrlichen Basis sondern auf Grund von "professionellen" Seilschaften entstehen.

Aber natürlich, wenn man gerade mehrere schlechte Bücher aus Kleinverlagen gelesen hat, kann man da auch mal anderer Meinung sein.

Mein Statement oben bezog sich auf jeden Fall nicht aus Autorensicht sondern natürlich aus Lesersicht.

Als Autor ist mir nicht jede Veröffentlichung recht. Ganz im Gegenteil, der Filter ist ja oft genug hilfreich und Absagen helfen bei der persönlichen Entwicklung. Und es ist weniger hart wenn das der Leser statt des Verlages übernimmt, siehe Anfangspost.

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