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  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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1

Mittwoch, 1. Februar 2012, 11:06

Schauplätze

50%

Friedhöfe und Kirchen (3)

50%

Krankenhäuser/Sanatorien (3)

33%

Inseln (2)

50%

Alte, verlassene Gebäude (3)

0%

Militäreinrichtungen

17%

Hotels (1)

50%

Wälder (3)

67%

Schiffe (4)

33%

Paralellwelt (z.B. Entwurf der Hölle) (2)

0%

Sonstiges

Als Autor wählt man einen Schauplatz mit Bedacht aus, kann die Wahl doch maßgeblich die Qualität einer Geschichte beeinflussen. Als Leser geht es mir immer wieder so, dass es mich an einigen Schauplätzen besonders gruselt. Entweder, weil das Wesen der Schauplätze uns nicht geheuer ist, wie zum Beispiel bei Friedhöfen, Krankenhäusern, Kellern, etc. oder aber, weil es uns erschüttert, dass Orte des Alltags bedroht werden, wie z.B. Hotels u.ä. Über welche Schauplätze lest ihr besonders gerne und bei welcher Geschichte habt ihr den Schauplatz besonders eindrucksvoll in Erinnerung behalten und warum?

  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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2

Mittwoch, 1. Februar 2012, 11:21

Mir kam diese Frage in den Sinn, weil Autoren m.E. ein Faible für bestimmte Schauplätze entwickeln können. Zum Beispiel liegt James Herbert die Beschreibung von Friedhöfen und Kirchen. Auf der einen Seite versprechen sie Schutz und sind heimelig, darunter verbirgt sich aber eine überirdische Bedrohung. Wie Herbert dort zwischen den Gräbern mit Wetter-Flora und Fauna-Beschreibungen eine Stimmung erzeugt ist schon sehr, sehr gut. In Erinnerung geblieben ist mir natürlich auch King, der mit Shining einen tollen Schauplatz entwirft (das Overlook-Hotel) und Bentley Little diesen Schauplatz in Unheil ebenfalkls gekonnt und völlig anders Bedrohung einhaucht. King scheint mir eh jemand, der auf Schauplätze nicht sonderlich angewiesen ist, Cujo finde ich zum Beispiel deswegen großartig, weil sich ein großer Teil der Geschichte in einem Fahrzeug abspielt.

Ich finde nach wie vor Friedhöfe und Kirchen interessant, bin aber auch neuen Schauplätze aufgeschlossen.

Daniel

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3

Mittwoch, 1. Februar 2012, 12:51

Jeder Ort kann bedrohlich und seltsam geschildert werden, sogar ein Kindergarten oder eine Eisdiele (wobei ich mir Letzteres etwas schwierig vorstelle :D ). Es liegt am Können des Autors, eine bestimmte Atmosphäre zu vermitteln. Der Schauplatz ist da erstmal zweitrangig, weswegen ich auch nicht abgestimmt habe.

  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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4

Mittwoch, 1. Februar 2012, 13:07

Zitat

Es liegt am Können des Autors, eine bestimmte Atmosphäre zu vermitteln.
Na, auf jeden Fall. Ich glaube, einige Schauplätze bringen schon eine ganze Menge mit und spielen mit (kulturellen) Urängsten in uns. Kindergarten, jepp, habe ich auch mal, was zu geschrieben, das hat m.E. geklappt. Eisdiele? Habe ich noch nirgendwo gelesen...

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5

Mittwoch, 1. Februar 2012, 14:05

Ich sehe es ähnlich wie Daniel. Der Schauplatz ist im Grunde egal (allerdings niemals nebensächlich!) und bei mir wirken Orte, die eigentlich alles andere als unheimlich wirken, wesentlich besser, als die ewigen Friedhöfe, Gruften und Kellergewölbe.

Zitat

Es liegt am Können des Autors, eine bestimmte Atmosphäre zu vermitteln.
Eisdiele? Habe ich noch nirgendwo gelesen...
Eisdiele oder Cafe? Aber natürlich: s. Lunch At The Gotham Café vom ollen King! ;-))

  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 942

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6

Mittwoch, 1. Februar 2012, 14:37

@Arthur Gordon

Hm, ich finde der Kohlenkeller deiner alten Ziegelei in deiner Geschichte "Die Geister der Vergangenheit" als Schauplatz sehr atmosphärisch. Zum einen bringt er sämtliche "Qualitäten" enger Räume mit, so dass ein Gefühl des Lebendig-Begraben-Seins erzeugt wird und zum anderen spielt er mit Kindheitserinnerungen der meisten Menschen. Vielleicht ist das vielen nicht so bewusst, aber wer erinnert sich nicht an spooky Gebäude, die er/sie in Kindheitstagen entdeckt und erforscht hat?

Der Schauplatz ist egal aber niemals nebensächlich, gefällt mir.

7

Mittwoch, 1. Februar 2012, 15:52

Hm, ich finde der Kohlenkeller deiner alten Ziegelei in deiner Geschichte "Die Geister der Vergangenheit" als Schauplatz sehr atmosphärisch.

Hehe, hier war das Setting ja auch beinahe schon vorgegeben, da ich ja neben dem Poe-typischen Motiv des Lebendig- Begraben- Seins eine Hommage auf eine Szene in "Arthur Gordon Pym" versucht habe (die im Rumpf des Schiffes).
Als Leser faszinieren mich dagegen Lokalitäten, die auf den ersten Blick vollkommen harmlos erscheinen und plötzlich zu Schauplätzen grausigster Szenen werden. Ähnlich verhält es sich auch mit der Tageszeit: Die Nacht als klassische Zeit des Unheimlichen und Bösen, des in der Finsternis lauernden Verderbens, ist hinlänglich bekannt und im Grunde ausgereizt. Was ist aber, wenn das Böse, das Unbekannte, am hellichten Tag zuschlägt? Unter den gleißenden Strahlen der Sonne? - Ein Motiv, das allerdings schon seit der Romantik Verwendung findet und m. E. ruhig wieder häufiger zum Einsatz kommen könnte.

Ernst Wurdack

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8

Mittwoch, 1. Februar 2012, 16:40

Was ist aber, wenn das Böse, das Unbekannte, am hellichten Tag zuschlägt? Unter den gleißenden Strahlen der Sonne? - Ein Motiv, das allerdings schon seit der Romantik Verwendung findet und m. E. ruhig wieder häufiger zum Einsatz kommen könnte.

Kannst du da mal ein paar Beispiele/Autoren nennen?

9

Mittwoch, 1. Februar 2012, 17:08

Was ist aber, wenn das Böse, das Unbekannte, am hellichten Tag zuschlägt? Unter den gleißenden Strahlen der Sonne? - Ein Motiv, das allerdings schon seit der Romantik Verwendung findet und m. E. ruhig wieder häufiger zum Einsatz kommen könnte.

Kannst du da mal ein paar Beispiele/Autoren nennen?

Was die Tageszeit betrifft? - Angefangen beim alten Eichendorff, wo zuweilen gerade zur Mittagszeit ein seltsames Zwielicht herrscht, das ein Tor für das Böse/das Unbekannte öffnet - über Stories von Robert Aickman bis hin zum modernen Meister - Mr. King persönlich. "Es" wäre da ein Paradebeispiel für wenig bedrohliche Örtlichkeiten (ein Badezimmer) und Tageszeiten (z. B. bei den sechs Spaziergängen) - aber King hat dies ja des öfteren eingesetzt - sei es bei "Cujo", "Christine" oder bei Erzählungen wie "Das Floß". Immer wieder schlägt das Böse am hellichten Tag zu und an Orten, die wir bislang als eher angenehm empfunden haben. Selbst Benchleys Schocker "Der weisse Hai" spielt mit diesem Motiv.

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Solitaire

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10

Mittwoch, 1. Februar 2012, 17:18

unvergesslich für mich die "Barrens" aus King's "ES". Der Schauplatz passt perfekt zur story und zum "Club der Verlierer".

Interessant finde ich auch immer wieder, wenn das eigene zuhause zum Ort des Geschehens wird, also der <Ort, der eigentlich Sicherheit und Geborgenheit bieten sollte. Damit wären wir zwar beim Standard-Klassiker Spukhaus, aber man muss das ja nicht banal umsetzten. Das "Haus" kann ja auch ein Sinnbild für das eigene Innere sein und dann bieten sich viele Möglichkeiten. Denn ... wohin will man schon fliehen, wenn das Böse sich im eigenen Ich breitgemacht hat? :D

Es gibt nat. unendlich viele tolle Spukhausgeschichten, aber mir fallen gerade diese beiden Filme ein:

"Baby's room"
"Spuk in Hill House", bzw." bis das Blut gefriert." (NICHT das remake!)

Auch die schon erwähnten auf den ersten Blick harmlosen Schauplätze können sehr reizvoll sein, weil sie den Leser mit dem Unerwarteten konfrontieren. Ich mag es gern, wenn sich die grässlichsten Ereignisse aus ganz banalen Alltagssituationen entwickeln. (Ich hab mal eine Waschmaschine spuken lassen. Hat sogar funktioniert! :) )

  • »vincentvoss« ist der Autor dieses Themas

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11

Mittwoch, 1. Februar 2012, 17:27

Seit "ES" hat es für mich nie wieder eindringlicher eine Bedrohung aus der Kanalisation gegeben. Ich muss gestehen, es hat in unserer Clique dadurch die Mutprobe gegeben, Gully-Deckel samt Sieb auszuhebeln und hinunter zu klettern. Simon Clark hat sich in meinen Augen in Vampyrrhic eindrucksvoll der Kingschen Stimmung eines Hotels sowie der Kanalisation bedient. Übrigens in meinen Augen ein Beispiel, wo die Stärken des Buches die Schauplätze sind.



Zitat

Interessant finde ich auch immer wieder, wenn das eigene zuhause zum Ort des Geschehens wird, also der <Ort, der eigentlich Sicherheit und Geborgenheit bieten sollte.


Oh, ja, das stimmt und taucht gar nicht in der Umfrage auf. Klar, jeder Leser fühlt mit, wenn das eigene Zuhause (der Protagonisten) bedroht wird. Diese Thema scheint mir gerade in Horror-Filmen beliebt zu sein.

12

Mittwoch, 1. Februar 2012, 17:35

Das "Haus" kann ja auch ein Sinnbild für das eigene Innere sein und dann bieten sich viele Möglichkeiten.
Der beunruhigendste "Schauplatz" dürfte m. E. der eigene Verstand sein. Niemand anderes als Poe hat dies schon vor langer Zeit erkannt und mit "The Tell- Tale- Heart" die Vorlage für Myriaden von Psycho- Thrillern geliefert.

Ernst Wurdack

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13

Mittwoch, 1. Februar 2012, 18:05

Was die Tageszeit betrifft? -

Nein, mich hätten historische Beispiele interessiert.

Daniel

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14

Mittwoch, 1. Februar 2012, 20:10

Der beunruhigendste "Schauplatz" dürfte m. E. der eigene Verstand sein. Niemand anderes als Poe hat dies schon vor langer Zeit erkannt und mit "The Tell- Tale- Heart" die Vorlage für Myriaden von Psycho- Thrillern geliefert.


Und damit liegt und lag er auch völlig richtig. Es sind niemals alte Häuser oder Friedhöfe an sich, die etwas Unheimliches beherbergen, sondern der Betrachter erschafft den Schrecken erst in seiner Fantasie, weil er mit bestimmten Orten unangenehme Dinge assoziiert, oftmals sogar unbewusst. Deshalb bekommen manche Menschen an Orten Panikattacken, die anderen absolut harmlos erscheinen.

Soll heißen: Wenn ich viele Schauergeschichten gelesen habe und irgendwann tatsächlich in einem alten, englischen Schloß übernachte, ist die Chance für mich groß, tatsächlich einen Spuk zu erleben, wobei nicht das Gespenst im Schloss spukt, sondern mein Hirn :D

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15

Mittwoch, 1. Februar 2012, 21:55

Was die Tageszeit betrifft? -

Nein, mich hätten historische Beispiele interessiert.
Puh, ich habe leider kein fotografisches Gedächtnis. Generell kann ich nur sagen, dass in den Texten die Mittagszeit meist als eine besondere Zeit der Stille beschrieben wird, als eine zuweilen recht bedrückende Stille, in der die Natur regelrecht den Atem anhält - und somit dem Unnatürlichen die Bühne überlässt. In Sagen wird der "Mittagsspuk" zudem als Pendant zur mitternächtlichen Geisterstunde beschrieben.
Hier ein Zitat aus Eichendorffs "DAS MARMORBILD":
"Die Vögel schwiegen schon, der Kreis der Hügel
wurde nach und nach immer stiller, die Strahlen der Mittagssonne schillerten
sengend über der ganzen Gegend draußen, die wie unter einem Schleier von
Schwüle zu schlummern und zu träumen schien.."

Der Sandmann bei E. T. A. Hofmann erscheint auch nicht zufällig sehr oft zur Mittagszeit.

Solitaire

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16

Mittwoch, 1. Februar 2012, 22:37

Ich glaube dies geht auf die "Stunde des Pan" zurück. Nach Vorstellung der alten Griechen sollte der Gott Pan auf dem Höhepunkt der Mittagshitze erscheinen und Angst und Schrecken verbreiten.( Daher das Wort Pan -ik) Die antiken Gottheiten waren ja bekanntermassen nicht in jeden Fall sehr wohlmeinend.

Man kann das auch sehr gut nachvollziehen. Die brennende Sonne, das gleissende Licht, die Hitze, die benommen macht und das klare Denken erschwert...
In südlichen Ländern ist die Mittagshitze etwas was man meidet, die Mitternacht dagegen, unsere Geisterstunde, ist die Zeit in der ja im Sommer die Party erst richtig anfängt!

Anders sieht es in diesen Ländern im Winter aus: Venedig im Novembernebel oder Istanbul im Dezember, mit Schnee auf den Kuppeln der Moscheen.
Sehr viel Atmosphäre!

Ernst Wurdack

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17

Donnerstag, 2. Februar 2012, 09:09

Danke Arthur und Solitaire für die Hinweise! Wenn ich mich recht erinnere, war da auch mal ein ähnliches Motiv in einer der Erzählungen, die in der DAEDALOS-Reihe erschienen sind.