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Goonie1981

Fortgeschrittener

  • »Goonie1981« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 461

Registrierungsdatum: 18. Januar 2004

Wohnort: Hamburg

Beruf: Kaufmann im Groß- und Außenhandel

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1

Sonntag, 14. November 2004, 17:40

Das Grauen in deiner Straße

Es war Sommer. Jarod wachte wie jeden Morgen zu spät auf. Er sprang schnell unter die Dusche, sammelte ein paar Klamotten zusammen und machte sich wenig später auf den Weg zur Schule. Jarod hatte zwar Führerschein und Auto, doch seine alte Karre war mal wieder in der Werkstatt, weshalb er eben zu Fuß gehen musste.

Doch obwohl der Weg zur Schule nicht sonderlich lang war, graute ihm jedes Mal davor, an diesem einen bestimmten Haus vorbeizugehen. Er wusste selbst nicht, wie er dieses Gefühl beschreiben sollte. Jedenfalls lief ihm immer wieder ein kalter Schauer über den Rücken, wenn er an diesem besagten Haus vorbeiging. Jarod hatte schon des öfteren obskure Gerüche und Geräusche aus dem Haus wargenommen. Neuerdings jedoch standen hin und wieder merkwürdige Gestalten am Fenster und schienen die Nachbarschaft zu beobachten. Man konnte die Gestalten nur schämenhaft erkennen. Und wenn man einen etwas längeren Blick zu ihnen riskierte, zogen sie sich blitzartig wieder zurück, so als ob es irgendetwas in diesem Haus zu verbergen gäbe. Etwas was niemand ausser den Besitzern wissen dürfte. Aber komisch war es auf jeden Fall.

Natürlich kam Jarod zu spät zum Unterricht, wie sollte es auch anders sein. Zur Strafe musste er seine Hausaufgaben vorne an der Tafel präsentieren. Aber auch die Mathestunde mit Miss Wiggles ging an ihm vorbei.
***MeinForum***

"Da der Ex-VP so ein VIP ist, sollten wir die PK wegen der PR auf dem WC und nicht im TV machen. Und dann sagt die MP zum KGB LMAA."

(Good Morning Vietnam)

rananarmo

Schüler

Beiträge: 68

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2

Dienstag, 30. Januar 2007, 08:38

Auf dem Nachhauseweg kam er wieder an diesem Haus vorbei. Er riskierte einen Blick.
Nein, im Moment war keiner in den Fenstern zu sehen.
"Na, was starrst du so?", rief eine Stimme hinter ihm. Jarod drehte sich um.
Thomas, einer seiner Klassenkameraden stand hinter ihm.
"Och, ich hab nur..."
"... dich vor dem ollen Gemäuer gegruselt?", fragte Thomas mit Spott in der Stimme.
"Nein, natürlich nicht!"
"Nicht? Wetten, daß du dir nicht traust, mir zu folgen?" Mit diesen Worten war Thomas über den niedrigen Zaun geklettert, der das Anwesen umgab und schlich auf das Haus drauf zu.
"Warte!", rief Jarod. "Das ist doch Landfriedensbruch, oder sowas!"
Letzte Nacht und die Nacht davor: Tommyknockers, Tommyknockers klopften an mein Tor! Ich will hinaus, weiß nicht, ob ich's kann, ich habe solche Angst vor dem Tommyknockermann!

Uwe Voehl

Horror-Autor

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3

Montag, 30. Juni 2008, 23:58

Er wachte auf. Alles nur geträumt. Zu lange Fernsehen geguckt, gestern Abend. Irgend so ein Teenagerfilm, in dem nach und nach alle abgemurkst wurden. Irgendwann war er eingeschlafen.

Als er auf die Toilette ging, beschäftigte ihn der Traum noch immer. Vielleicht hatte er ihn anregen wollen, mal wieder einen Fuß vor die Tür zu setzen. Das Grauen in SEINER Straße war nämlich real.

Nach der Morgentoilette begab er sich zur Kühltruhe und holte zwei Brötchen heraus. Es waren die letzten. Das hieß, er würde spätestens bis heute Abend einkaufen müssen. Gut, er konnte es noch eine weitere Nacht hinausschieben. Dann würde er zu einem RICHTIGEN Bäcker gehen, sich frische Brötchen munden lassen anstatt diese wie Kleister schmeckenden Placebos. Während er sie in die Mikrowelle schob, holte er aus dem Kühlschrank Margarine und Schinken hervor. Die Margarine würde noch eine gute Woche reichen, mit dem Schinken sah es schlechter aus. Wenn er ihn rationierte, käme er drei Tage mit ihm hin.

Er konnte natürlich auch HUNGERN. Er hatte es shcon einmal versucht. Damals, als es noch viel gefährlicher war als heute, sich auf die Straße zu begeben. Er hatte einfach in seinem Bett gelegen und darauf gewartet, einzuschlafen.Es war ihm gelungen. Das Dumme war, dass er immer wieder aufgewacht war. Vor Hunger!

Auch mit dem Kaffee ging es zur Neige. Verfluchte Sucht! Warum trank er nicht einfach heißes Wasser! Während er die Kaffemaschine anschmiss, überschlug er noch einmal im Kopf: Bröchten: ein Tag, Margarine: eine Woche, Schinken: drei Tage. Kaffee: zwei Tage. Es sah verdammt alles danach aus, als müsste er tatsächlich mal wieder einkaufen gehen. Dabei hatte er bisher nur das Frühstück gerechnet.

Das pling der Mikrowelle riss ihn aus seinen Gedanken. Er verbrannte sich die Hände, als er die Brötchen herausholte - und noch einmal, als er sie mit einem viel zu stumpfen Messer aufsäbelte. Der Schinken hatte bereits leichten Schimmel angesetzt.

Er führte gerade das erste Brötchen samt Schinken zum Mund, als es klingelte.

Martin Cell

RUNNING WILD PHANTAST

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4

Dienstag, 1. Juli 2008, 10:43

Vor lauter Schreck ließ er sein Brötchen auf den verdreckten Küchenboden fallen, zwischen Unrat von

besseren Tagen und toten Schmeißfliegen, zogen Ameisen auf ihrer Straße nach Beute aus. Noch einmal

ertönte das monotone Summen der Türglocke, erneut zuckte er mit sichtlichem Unbehagen zusammen.

Jetzt war er an der Reihe! Sie kamen wegen ihm, erst seine Eltern und nun er. Aber doch nicht am hellichten

Tage, das würde sich diese Brut nie und nimmer trauen. Es gab Grenzen, selbst für diesen gottlosen Abschaum

aus der Gosse, nur in Stockdunkler Nacht wagten Sie sich aus dem verruchten Haus heraus.
Reality is lost - IKON

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Solitaire

Fortgeschrittener

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5

Dienstag, 1. Juli 2008, 16:56

Es klingelte wieder.

Laut und fordernd.
Jarod duckte sich unwillkürlich auf seinen altersschwachen hölzernen Küchenstuhl. Er spürte wie sich seine Stirn mit klebrigem Schweiß bedeckte. Es konnten doch nicht SIE sein! SIE kamen nur in der tiefsten Schwärze der Nacht, geduckt in den Schlagschatten des Mondlichtes.SIE schienen sogar das Schimmern der Sterne zu fürchten. Und natürlich klingelten SIE nicht, denn nichts und niemand konnte SIE aufhalten, kein Schloss und kein Riegel boten Schutz. Wie flüssiger Schatten schienen SIE durch jeden Spalt und jede Ritze zu sickern und dann...

So hatten SIE in jener Sturmnacht auch Jarods Eltern geholt.

Es klingelte.

Schrill, ausdauernd, nervtötend. Und jetzt kam auch nüch ein verzweifeltes Hämmern dazu.
Nein, das konnten nicht SIE sein.
Selbst durch die vom Staub verklebten Scheiben konnte Jarod sehen, dass draußen ein strahlender Sommertag herrschen musste.
Anderereits - die Zeit für freundschaftliche Nachbarbesuche war schon lange vorbei, jedenfalls in dieser Gegend.
Das anhaltende Dauerklingeln und Hämmern dröhnte in Jarods Ohren. Es gab keine andere Möglichkeit. Er musste nachsehen, was los war.
Jarod griff nach der Axt ohne die er in letzter Zeit das Haus nicht mehr zu verlassen wagte.

Ein staubiger Sonnenstrahl ließ Klinge hell aufblitzen, als Jarod über den von Unrat bedeckten Küchenboden zur Haustür schlich.
"Mama hätte das Haus auch unter den übelsten Umständen nicht so herunterkommen lassen," schoss es ihm flüchtig durch den Kopf. Dann aber unterdrückte er das Brennen hinter seinen Augen, packte den rissigen Griff der Axt fester und starrte durch den Türspion hinaus ins gleißende Sonnenlicht.

Bachi

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6

Donnerstag, 31. Juli 2008, 04:07

Ein Mann war es, der dort draußen wartete. Ein Mensch. Ein ganz gewöhnlicher Erdenbewohner, wenn auch mit einer zwiespältigen Erscheinung. Geschäftsmann vermutlich. Trenchcoat und einen aus der Mode gekommenen Herrenhut. Das schmale Gesicht war glattrasiert, die Lippen aufeinandergepresst, als der Mann sich zur Klingel vorbeugte, und ein weiteres mal schellte.

Jarod schnaufte durch. Mein Gott, dachte er. Was hätte alles passieren können, wenn er einfach die Tür aufgerissen und mit der Axt blindlings zugeschlagen hätte? Vorsichtig lehnte er das Beinahe-Tötungsinstrument gegen die Wand. Dann wischte er seine schwitzenden Hände an der Hose ab und öffnete.

"Einen wunderschönen Guten Tag", sagte der Mann, und grinste übertrieben freundlich. Wie aus dem Nirgendwo zückte er eine Art Ausweis und wedelte damit vor Jarods Augen. "Mein Name ist Eduard Baumann. Ich komme von der Gebühren-Einzugs-Zentrale. Haben Sie schon GEZahlt?" Der Mann lachte künstlich auf. Jarod kam das Lachen diabolisch vor.

"Ich... Ich verstehe nicht", sagte er.

"Na, die GEZ. Die kennen Sie doch. Sie haben doch auch ein Rundfunkgerät, einen Fernseher und", seine Augen funkelten nun, und er rieb sich die Hände wie ein geldgieriger Händler auf dem Schwarzmarkt, "einen Internetfähigen Computer? Das hat ja heutzutage jeder. Ich bin hier, um von Ihnen eben diese Auskünfte einzuholen, da Sie auf unsere entsprechenden Briefe diesbezüglich noch nicht reagiert haben."

"Ich öffne schon lange keine Post mehr." Wieder schwitzte Jarod. Was war nur mit ihm los? Wieso hatte er die Tür überhaupt geöffnet? Das tat er bei fremden Leuten doch sonst auch nicht.

"Ah, dann gehören Sie sicherlich zu denjenigen Mitmenschen, die fleißig Mails schreiben und an Internetchats teilnehmen, habe ich recht?"

Jarod konnte sich nicht helfen. Der Mann bereitete ihm Angst. Er war ihm nicht geheuer, und er war sich mit einem mal sicher, dass er von IHNEN geschickt worden war. SIE infiltrierten manche Menschen sicherlich. SIE hatten die Fähigkeit dazu. Das war ihm jetzt klar. Dieser Mann war einer von IHNEN. Vorsichtig, in der Hoffnung, dass der Mann nichts bemerkte, tastete er mit der rechten Hand hinter der Tür nach der Axt. Er hätte sie nicht aus der Hand legen sollen. Verdammt. Und dann noch dieser Hunger.

"Nun", sagte Baumann, "ich glaube, Sie wissen, was Ihnen blüht, wenn Sie keine korrekte Auskunft geben. Ich komme von der GEZ, guter Mann. Mit höchsten Befugnissen. Darf ich mich kurz bei Ihnen umsehen?"

"Selbstverständlich", sagte Jarod. "Treten Sie ein."

Solitaire

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7

Freitag, 1. August 2008, 12:16

Jarod trat beiseite und stieß einladend die Tür zu seiner Behausung auf, die wie eine dämmrige Höhle hinter ihm lag.

"Sie müssen schon entschuldigen, bin in letzter Zeit nicht zum Aufräumen gekommen," meinte Jarod und kickte eine leere Zigarettenschachtel aus dem Weg. Die Axt stellte er unauffällig beiseite. Sie würde ihm nichts nutzen. Der leicht tranige Geruch nach Fisch, Schweiß und verrotteten Algen, den der Mann ausströmte, als er sich an ihm vorbeidrückte, sagte alles. Er würde zu anderen Mitteln greifen müssen...

"Macht nix" ,knurrte der Besucher, "wird auch so gehen, bin Schlimmeres gewöhnt!" Die Erleichterung war ihm anzumerken.

Jarod konnte sich ein gemeines Grinsen nicht verkneifen. Er hatte sich den verzweifelten Unterton in der Klopferei also doch nicht eingebildet! Geargwöhnt hatte er es ja schon immer: Selbst wenn SIE ein menschliches Wesen übernahmen und Licht der menschlichen Hülle natürlich nicht schaden konnte, war IHRE Präsens doch so stark, dass SIE sich unter Lichteinwirkung äußerst unbehaglich fühlten - wenn nicht sogar mehr.

Mit etwas Glück würde er das herausfinden. Schon bald.

"Ja, also, Herr ähh, sie wollten sich ja umsehen , nun, meine Hütte steht ihnen zur freien Verfügung! Aber damit sie finden, was sie suchen, brauchen wir LICHT, schönes, helles, strahlendes LiCHT, nicht wahr! Ein ganz besonders helles LICHT," sagte Jarod mit einem hämischen Unterton.

Der Besucher fuhr herum. Und in den Augen, die einmal seinem gutem Kumpel dem Fischer Ole Baumann gehört hatten, glaubte Jarod jetzt ein rötliches Glosen zu sehen.

Solitaire

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8

Samstag, 2. August 2008, 11:47

Der Besucher knurrte vor Wut. Das Geräusch schien tief aus seinen Eingeweiden zu kommen. Dann schleuderte er den lächerlichen Hut beiseite.

"Oh Mann Jar, das geht aber jetzt langsam wirklich zu weit! Du verträgst ja gar keinen Spaß mehr. Ich meine, ist ja ok, dass du eine Weile allein sein wolltest um deinen Horrorroman zu Ende zu schreiben, aber zu viel ist zu viel!
Übrigens, wenn deine Eltern in einer Woche nach Hause kommen und deine Mam DAS sieht, dann brauchst du keine weitere Inspiration mehr, glaub mir! Horror pur frei Haus!" Ole grinste

"ach, wo wir grad beim Thema sind, Licht und vorallem frische Luft sind eine ganz hervorragende Idee!"
Ole ging zum nächsten Fenster und drückte mit Schwung beide Flügel auf. Ein Schwall kühler, sauberer Luft strömte hinein. Im einfallenden hellen Sonnenlicht musste Jarod blinzeln. Er sah in die ruhigen hellblauen Augen seines besten Kumpels Ole. Ihm war als würde er aus einem schweren Traum erwachen. Sollte er sich alles nur eingebildet haben? Verwirrt strich er sich ein paar verschwitzte Haarsträhnen aus der Stirn. Aber Ole redete schon wieder weiter:

"Sag mal, sieht das eigentlich im ganzen Haus so aus, oder nur hier?" dabei sah sich Ole angewidert in der ehemals gemütlichen Wohnküche um.
" Äh, nein," stotterte Jarod, " ich hab mich meist hier aufgehalten, wegen der Atmosphäre und so..." Jarod verschwieg lieber, dass er sich in den übrigen Räumen des Hauses - nun ja, gefürchtet hatte.
"Wenn Schweine kotzten könnten", murmelte Ole zweifelnd.

Dann holte er tief Luft. "Jar, ich mach dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst. Ich helf dir den Saustall hier aufzuräumen, dafür gehst du Duschen und dann gehen wir zusammen was essen. Im Ort hat ein neuer Dönermann aufgemacht. Du musst wieder unter die Leute, siehst nicht gut aus! Schau mich an, ich war die ganze letzte Nacht mit dem Boot draußen, Vollmond, ein Traum sag ich dir, DAS ist Inspiration!"
Die Vorstellung von dem einsamen Boot auf dem nachtdunklen Meer ließ Jarod erschaudern, aber bei dem Gedanken an knuspriges, würziges Fleisch mit leckerer Joghurtsoße lief Jarod das Wasser im Munde zusammen.
Und dann ist da noch etwas," redete Ole weiter. "Du hast davon ja wohl nichts mitgekriegt, aber in letzter Zeit geschehen merkwürdige Dinge. Eigentlich bin ich hier, weil ich deine Hilfe brauche..."

Pimpelhuber

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9

Sonntag, 3. August 2008, 18:32

"Du hast ja ne Axt, ne? Kann ich die mir mal über's Wochenende ausleihen?" murmelte Ole und schaute sich dabei um wie ein unschuldiges Lamm.

Jarod legte die Stirn in falten und stierte seinen Freund Ole mit zu messerscharfen Schlitzen verengten Augen an.
"Wozu um alles in der Welt brauchst du meine..." Jarod verschluckte sich fast, als er diesen Satz abrupt ausbremste. "Nein," schwenkte er um, grinste dabei debil und machte eine abwehrende Handbewegung "Nein, ich habe keine Axt." Verlegen scharte er mit seinem rechten Fuß in der Unratschicht auf dem Fußboden herum.

Mit etwas Verzögerung fing Ole laut an, zu lachen "Aber klar hast du eine..." Oles Gesicht verdüsterte sich "...AXT!" Jarod erschrank. Doch Ole rückte ihm gefährlich nahe, pochte ihm mit seinem Zeigenfinger auf die Brust "Los, gib mir die scheiss Axt, aber sofort!"

Jarod stammelte nun nur noch: "A-a-aber was wi-willstn du mit der A-a-axt?" Mit weit aufgerissenen Augen und herunterbaumelnden Unterkiefer starrte er ihn an.

Oles Gesichtszüge beruhigten sich. Langsam hob er seinen Hut wieder auf, setzte ihn auf den kopf und fuhr mit der Hand über die Krempe, wie Pan Tau.

"Weisst du, Jarod..." fistelte er "Ich habe da so ein Problemchen... So einige Problemchen" Oles Blick wurde nun glasig, fast leer starrte er an Jarod vorbei "Ich habe so viele Problemchen." Seine Pupillen fuhren zurück auf Konfrontationskurs mit Jarods erschrockenem Anblick. Oles Gesichtszüge dagegen schienen immer mehr zu versteinern. "Darf ich nun deine Axt haben?" brummte er, höchst entschlossen und nahezu siegesgewiss ob des immer unruhiger wirkenden Nachwuchs-Autoren vor sich.

Jarod beugte sich nun vor, konspirativ raunte er: "Es ist das Haus, stimmt's?"
Jarod war nervös. Er schwitze immer mehr.

Ole ging nicht auf Jarods Verschwörungsangebot ein. "Du schwitzt, Jarod. Du schwitzt schon wieder. Darf ich nun deine Axt haben?".

Jarod wollte eine Antwort geben, doch mehr als ein Lippenzucken brachte er nicht mehr hervor. Er ging Ole einfach aus dem Weg. Dieser lief wie selbstverständlich auf die Axt zu, erhob sie, steckte sie unter seinen schwarzen Mantel, hatte die Klinke mit der anderen Hand schon ergriffen, als Jarod plötzlich mit herabhängender Unterlippe und aufgerissenen Augen seinen Ärmel packte. "He, und und und was mach ich ohne... Axt?". stammelte er, während es schien, als wollte sein Mund schneller reden, als sein Gehirn Sätze liefern konnte.

Ole hielt inne. Melancholisch fixierte er einen innerlich angeschimmelten Jogurtbecher auf dem Brandlöcher-übersähten Teppich. Jarod bekam vom Dauerperspirieren langsam Austrocknungserscheinungen. Er war ungeduldig und die wenigen Sekunden, die Ole zu Boden starrte, kamen ihm ewig vor. Fast hätte er ihn am Kragen gepackt und ihn durchgeschüttelt. Sein einstmals guter Freund wollte ihn in dieser schrecklichen Strasse unbewaffnet zurücklassen. Je mehr dieser Gedanke und die Bildfetzen der möglichen Gefahren durch sein Denkzentrum blitzen, umso wütender machte es ihn. Wie Verrat kam es ihm bald vor.
Doch Ole blieb ruhig. Mit monotoner Stimme antwortete er: "Wenn du Glück hast, brauchst du sie bald nicht mehr". Jarod sackte innerlich zusammen. Er konnte schon lange nichts mehr antworten. Er schwitze auch nicht mehr. Sein Körper hatte alles an zur Verfügung stehenden Flüssigkeiten schon abgesondert.

Und mit den Worten "Zieh dich um, Jar... Du stinkst und siehst aus, wie eine Mumie, die man gerade aus den Bandagen gepellt hat" öffnete Ole die Tür und lies den schwankenden Jarod der Ohnmacht nahe hinter sich zurück.

:Monster10:
BUH!

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Pimpelhuber

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10

Montag, 4. August 2008, 00:02

Jarod dachte kurz darüber nach, ihm hinterherzurennen. Ihn plagten Zweifel, ob er sich selbst zu schnell abkochen lies. Nun war er unbewaffnet. Er ging zum Fenster, schob die herungezogenen Rollos zur Seite und war einen Blick auf dieses Haus, dass direkt gegenüber von seinem Stand. Ein grauer, schmuckloser Betonblock mit schwarzen Fenstern. Einige Fenster waren mit Holzbrettern vernagelt. Bei oberflächlicher Betrachtung schien es unbewohnt zu sein. Doch Jarod hatte es lange und immer wieder beobachtet. Und immer wieder sah er dort diese schemenhaften Gestalten an den Fenstern. Silhouetten von Menschen, kaum unterscheidbar von der Dunkelheit in ihrem Rücken. Und doch da. Manchmal flackerten Lichter auf.
Jarod holte sein Fernglas und ein Buch. Er konnte nicht davon lassen, diese Fenster zu beobachten.
Eines nach dem anderen ging er durch. Er schlug das Buch auf. Es war eines dieser Bände, in denen er seit Jahren notierte, was er in den Fenstern sah. Mehrmals meinte er, Blutspuren an den Scheiben entdeckt zu haben. Verschmierte Flecken, die Tags darauf wieder verschwunden waren. Selten stand eines der Fenster offen. Obwohl die Türen verrammelt waren, zugemauert, mit Brettern verschlagen. Niemand würde dort schon seit Ewigkeiten wohnen, hatte man ihm immer wieder gesagt. Und immer wieder sah er diesen Leichenwagen, der auf dieses Gelände fuhr und hinter dem Haus verschwand, wahrscheinlich in einer Garage.
Jede Scheibe ging er ab, immer und immer wieder. Nach fast einer Stunde legte Jarod das Fernglas wieder ab. Er kritzelte in sein Buch, was er diesmal in den Fenster gesehen hatte. Nichts. Darüber das Datum, die Uhrzeit, darunter seine Befindlichkeit, die Witterung, dass es ein trüber, regnerischer Nachmittag war, wie in ein Tagebuch.
jarod wollte das Buch weglegen und wieder an seinem Roman weiterschreiben. Doch er konnte nicht davon lassen, einmal noch die Fenster zu beobachten. Und er notierte wieder "6.Reihe: Fenster 4: nichts, Fenster 3: nichts, Fenster 2: Nichts, Fenster 1, nichts. 5.Reihe: Fenster 4: nichts. Fenster 3". Jarod lies den Stift fallen. Er schärfte sein Fernglas. Er sah dort etwas. Er zweifelte, ob ihm seine müden Augen nur einen Streich spielten. Doch bald war er sich sicher. Es war wieder eine dieser menschlichen Silhouetten. Nur die Schulter und eine Kopfhälfte zeichnete sich ab. Es müssen die Umrissen eines Kindes sein. Bewegungslos stand sie da, schien zu ihm zurückzublicken.
Mit kratzendem Stift kritzelte er seine Beobachtung Notizbuch. Nun schien sich die Gestalt zu bewegen. Eine schnelle, aufholende Armbewegung. Ein Wurf. Nur einen Sekundenbruchteil später schrank Jarod zurück, denn irgendein Wurfgeschoß schien mit lautem Knall seine Scheibe getroffen zu haben. Er warf das Rollo zurück. Sein Herz raste, als er versuchte, die Geschehnisse niederzuschreiben.
BUH!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Pimpelhuber« (4. August 2008, 17:39)


Pimpelhuber

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Montag, 4. August 2008, 00:24

Noch Stunden später wühlte es ihn auf. Inzwischen wurde es draußen dunkel. Jarod kannte die Nächste in Angst. Doch diesmal würde es anders sein, denn sie hatten ihn entdeckt. Seine Gedanken kreisten immer wieder um die selben Szenarien und die gleichen Fragen. Hatte er wirklich gesehen, was er zu sehen glaubte? Kam das Wurfgeschoß vielleicht gar nicht von drüben? Wann würden seine Eltern aus ihrem Urlaub zurückkommen? Wie lange waren sie überhaupt schon weg? Wann hatte er das letzte Mal das Haus verlassen? Und immer wieder dachte er darüber nach, wegzurennen. Doch nun war es zu spät, denn die Nacht brach herein. Alles da draußen war nun ihr Jagdrevier.
Jarod lief in aufgewühlter Betriebsamkeit in seiner Wohnung umher. Er blickte in jeden Spalt, hinter jeden Vorhang, jeder Schatten wurde von ihm abgesucht. Dann began er, sich neue Waffen zu basteln. Er baute sich aus einem der Messer in der Küche und einem Lampenständer eine Lanze, er brach die hölzernen Stuhlbeine ab und schnitzte sie an, legte Sprays und Feuerzeuge zurecht. Er riss Seiten aus seinem Buch und erstellte Pläne für Fallen, mit denen er Türen, Fenster, jeden Schatten versehen konnte. Doch das Material, dass er besaß, reichte nicht.

Jarod beschloß, an seinem Buch weiterzuschreiben. Dies tat er jede Nacht. Er schrieb und schrieb, nur um die Angst zu verdrängen. Er schrieb von sich selbst, wie er sie bekämpfte. Er schrieb über sie, wer sie sein könnten, wie sie ihn angreifen könnten. Die rasanten Anschläge auf der Tastatur übertönten den Regen, der an sein Fenster prasselte. Das erste Donnern eines Gewitters riss ihn aus seiner Konzentration.
BUH!

Pimpelhuber

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Dienstag, 5. August 2008, 17:59

Schreibt mal einer weiter, oder... ;)
BUH!

Pimpelhuber

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Dienstag, 5. August 2008, 22:28

Na, dann unterhalte ich mich mal einfach selbst:

Jarod überlegte, ob es nicht besser wäre, einfach einzuschlafen. Wie lange war er schon wach? Wie lange ging das schon so? Das Licht flackerte. Das Gewitter steigerte seine Unruhe. Wie Geier um ein sterbendes Tier kreisten seine Gedanken darum, was passiere, wenn nun endlich der Strom ausfallen würde. Er war sich sicher, ohne Licht wäre er ihnen ausgeliefert. Aber er wusste nichtmals, warum er sich dessen sicher war. Denn von dem Grauen, dass er um sich empfand, konnte er keine klare Vorstellung fassen.
Um sich zu beruhigen, sagte er sich immer wieder, dass nichts wäre, dass es sie nicht gäbe, dass er sich alles nur einbilden würde. In Gedanken fuhr er mit sich selbst ins Gericht. Es war sein Roman, klagte er, dieser Schund, der sich nur zu sehr in seinem Kopf festgesetzt hatte. Dazu die Müdigkeit. Er sollte soetwas einfach nicht mehr schreiben, viel mehr über die schönen Seiten des Lebens. Die ständige Beschäftigung mit dem Tod, mit Schattenwelten, Mythen, Dämonen und Göttern war es, die ihn in den Wahnsinn getrieben haben musste. Mit höchster Vehemenz hatte er sich selbst in Gedanken ermahnt, als könne er so die immer flüsternden Ängste übertönen. Es verschaffte ihm Erleichterung. Und so redete er immer weiter mit sich, denn je länger er das tat, erschein es ihm, umso mehr würde er die Furcht aus seinem Bewusstsein rücken. Und so beschloß er, mit aller Authorität seines klar denkenden, menschlichen Ichs gegenüber seines Tierischen, nun einfach einzuschlafen und am nächsten Morgen die Wohnung aufzuräumen, den Gruselschinken in den Müll zu schmeissen, oder besser, zu verbrennen und etwas anderes zu schreiben. Eine Satire. Ein Liebesroman. Science Fiction. Er nahm sich vor, gleich am nächsten Morgen einen Psychotherapeuten zu
suchen. Am besten sollte er nun aufstehen, das Licht löschen und
endlich schlafen. Es gab ja nichts, wovor man Angst haben müsste, also,
wieso die Lampen brennen lassen?

Jarod knipste das Licht aus. Obgleich seine Körperhaltung um demonstrative Lässigkeit bemüht war, widersprach ihm sein Inneres, in dem es auf dem Weg zum Bett jeden Sinn, jedes Signal
jedes Körperteils abscannte. Er bemühte sich, nicht nach rechts und links zu
schauen, lies sich aufgesetzt unberührt auf die Bettkante sacken - den Blick
jedoch gen Boden gerichtet, um blos nicht zu viel zu sehen - schwang
sich um und warf hecktisch das schwere Duvet über. Schlafenszeit. Das war's...

Aber lange konnte er die Augen nicht geschlossen halten. Immer wieder fuhr sein suchender Blick in die gleichen Ecken seines verwinkelten Zimmers. Das Pochen seines Herzens fühlte sich an, wie kleine Erschütterungen, wie das Stampfen einer übermächtigen Gefahr, das den Boden seiner inneren Welt erzittern lies. Er konnte bei keinem Gedanken bleiben, immer wieder spähte er in die Schatten seines Zimmers. Rechts die Ecke neben dem Fenster, die Zahlreichen im Flur direkt vor ihm, die Schatten links in der Ecke, die Schatten, die das Regal am Kopfende warfen. Er fühlte sich mehr ausgebrannt und schwindelig, als müde.

Irgendwann donnerte es zum letzten Mal. Jarod war immer noch wach und suchte eine Uhr. Sein Radiowecker hatte unbemerkt das Zeitliche gesegnet. Die Wanduhr war anscheinend stehengeblieben. Oder war es wirklich schon fünf Uhr? Er war immer noch hell wach.

Trotzig lies er die Augenlider herunterfahren. Nach einem tiefen Seufzer versuchte er sich noch einmal davon zu überzeugen, dass er sich vorhin alles nur eingebildet hatte. Wieder betete er alle seine Vorsätze runter. In seinem Zimmer herrschte nun eine Totenstille. Nun könne er endlich einschlafen.

Aber Moment, dachte er, war die Uhr nicht kaputt? Er hörte ein Ticken, ganz leise, unverortbar. Er öffnete die Lider einen Spalt weit. Die Zeiger der Wanduhr hatten sich nicht bewegt. Er kniff die Augen wieder zu und lauschte dem Ticken. Es war ein sachtes, gleichmässiges Ticken, irgendwo im Hintergrund. Jarod versuchte, wie die Schäfchen, so die Tickgeräusche zu zählen. Tick, Tick, Tick, Tick. Dann war ihm, als würde das Ticken schneller werden. Bald war kein Zweifel mehr offen, es wurde immer schneller, immer lauter, und verwandelte sich bald in ein ohrenbetäubenden Knarren, dass sein Trommelfell bis an den Rand des Berstens zu stossen schien und als Jarod die Augen aufwarf und an die Decke über ihm blickte, sah er, wie unwiderstehlich und bedrohlich schnell ein amorpher Schatten das hell-leuchtende Weiss der Zimmerdecke in ein undurchdringliches Schwarz tauchte, wie ein Greifvogel, der sich über seine Maus warf.

...
BUH!

Pimpelhuber

Fortgeschrittener

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14

Mittwoch, 13. August 2008, 00:44

Jarod schrie auf. Eine impulsive Bewegung lies ihn aus dem Bett stürzen. Er wollte sofort aufspringen und davoneilen, doch im selben Moment riss ihn etwas an seiner linken Fußfessel zurück. Fünf Finger klammerten sich schraubstockartig um sein Fußgelenk, mit einer Kraft, die keinen Tropfen Blut mehr durch die Gefäße passieren lies. Jarod warf sich herum, erblickte an seinem linken Bein die Hand, die an einem nackten Unterarm aus dem Dunkeln unter seinem Bett hervorragte, die Haut von matter Vielfarbigkeit. Das Grau ausgekochten Fleisches, stellenweise übergehend in ein fauliges blau, einem nekrotischen Schwarz, den Farben ranzigen Fettes und vertrockneten Schorfes. Ein weiterer Ruck machte seine Aufsetzbewegung zunichte, lies ihn flach auf den Boden zurückfallen.

Mit weit geöffneten Augen starrte Jarod hinauf zur Decke. Sie schien nicht mehr zu existieren. Stattdessen ein undurchdringliches Schwarz, wie ein Blick in ein sternloses Universum. Und sehr bald bemerkte Jarod, dass es sich in der Mitte auftat. Erst kam es ihm vor, wie ein Wirbel, dann ein Schlund. Er spürte es viel mehr, als das er es sah, denn auch das Innere dieses Schlunds war nichts weiter als ein Schwarz, das nun bald eine Sogwirkung entfachte. Doch es schien nicht die Gegenstände im Raum aufzusaugen, sondern viel mehr alles an Licht, was noch im Raum verblieben war. Jarod wandte seinen Blick ab , denn seine Augen begangen zu Schmerzen, als hätte er in die Sonne geblickt. Nun durchbrach sein Überlebensinstinkt wieder die Passivität. Er ruderte mit den Armen, klammerte sich an allem fest, was er packen konnte, während alles, was er ergriff, immer mehr sein Licht zu verlieren schien und von der Düsternis eingenommen wurde. Er versuchte mit seinem rechten Fuß, die Hand von seinem Gelenk abzustreifen, was mit einem noch festeren Griff beantwortet wurde. Er schrie abermals laut auf, denn er spürte, wie die Fingernägel seine Haut durchstachen und sich in seine Achillessehne gruben. Doch Jarod gab nicht auf. Er strampelte mit aller Kraft, schlug brüllend auf den Boden, warf jedes ergreifbare Ding in Richtung der Hand, riss mit aller Kraft seiner Beinmuskulatur, dem dadurch vermehrten Schmerz trotzend. Das Blut floss immer stärker. Es machte seine Haut glitschig. Mit einer Salve an Stößen und Rissen gelang es ihm, aus der Umklammerung zu schlüpfen. Er versuchte, so weit wie möglich zur Zimmertür zu springen, doch noch in der Bewegung spürte er abermals den Griff an seiner Fessel. Als Jarod diesmal herumfuhr, schoss der Klaue der Rest des Körpers hinterher. Eine menschliche Gestalt, oder mehr menschenähnlich. Mit wütendem Schrei riss es seinen von schwarzen Lippen umrandeten Mund auf. Das Gesicht verrottet, tote Haut hin fetzenweise herab und entblösste blutleere Wunden, die Augen runzelig und eiterfarbend. Nur das Weiss des keifenden Gesichtes schien dem sich ausbreitenden Dunkel darüber zu trotzen. Das Jarods Arme prellten hervor, fingen es ab. Das Fleisch des Monsters schien unter Jarods Handflächen nachzugehen. Er spürte Hartes brechen und eine schleimige Feuchtigkeit, die sich darunter ausbreitete. Während die kalten Hände des Angreifers in sein Gesicht griffen und seine Augen angangen, konnte Jarod in den brüllenden Schlud seines Gegners sehen, in einen von sich windenden und kräuselnden Würmern übersähten Rachen.

Nicht der Klammergriff seines Feindes, sondern der faulige Atem schien Jarod zu ersticken. Beide lagen nun in einem sich immer weiter zusammenziehenden, letzten Lichtkegel, den die offene Zimmertür warf, auf dem Boden. Er spürte das heranfliessende Dunkel an seinen Füssen. Die ätzende Kälte lies ihn die Beine ruckartig zusammenziehen. Jarod schwang sich mit letzten Kraftreserven um, holte mit dem Arm weit aus und hämmerte seinem Feind die Faust ungezielt gegen den Kopf. Er sah nicht mehr, wo er getroffen hatte. Er spürte die Spritzer des kalten, zähen Blutes in seinem Gesicht und das von ihm herangleitende Gewicht seines Gegners. Jarods Arm flog hinter seinen Kopf. Seine Hand ergriff etwas Kaltes. Eine Metallstange. Sein Körper machte sich immer schmaler, da der Lichtkegel um ihn herum es auch wurde, seine Grenzen ihn immer mehr bedrohten. Er schwang den ergriffenen Gegenstand herum. Es war die vor wenigen Stunden von ihm selbstgebaute Lanze. Er hoffte nun, dass er sorgfältig gearbeitet hatte, denn in der nachfolgenden Bewegung stieß er sie nach vorne, dem menschenähnlichen Ungetüm entgegen, wobei sie in seinem Gesicht steckenblieb und ihn zur Seite purzeln lies, wo er in der Dunkelheit verschwand. Der Lichtkegel war nur noch ein schmaler Spalt. Jarod spürte das Brennen vernichtender Kälte an den Aussenseiten seiner Arme und zusammengezogenen Schenkeln. Er schlug seinen Fuß auf den Boden, hechtete noch einmal herum und sprang in der gleichen Bewegung in Richtung Tür.
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Pimpelhuber

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15

Mittwoch, 13. August 2008, 01:02

Mit einem lauten Rumpeln kam Jarod auf. Hinter ihm Schloß sich der
enge Lichtspalt. Er blickte hastig umher. Tatsächlich hatte er es mit
einem letztmöglichen Kraftakt geschafft, im Flur zu landen. Hinter dem
Türrahmen befand sich das Nichts. Eisige Winde stiess es in seine
Richtung, doch es schien sich auf dieses eine Zimmer zu beschränken.
Auch von dieser Karikatur eines verwesenden Menschen schien nichts
übergeblieben zu sein. Nichts war übrig, außer einer Kälte, die
ungehindert von der spärlichen Kleidung, die er trug, seinen Körper
erzittern lies und eine Gänsehaut erzwang.
Wie ein angeschossenes
Tier kroch er zur nächstliegenden Tür; die in sein Badezimmer. Er warf
sie hinter sich zu und schloß ab. Ohne zu glauben, dass diese
lächerliche Schloß es vermochte, diese Gewalten aufzuhalten. Jarod
knipste das Licht an und richtete sich an der Wand hinaufgleitend auf.

Er blickte sich in seinem weiss bekachelten Badezimmer um, dass von
surrenden Leuchten in ein flackerndes, ihm schmerzlich grell
erscheinendes Licht getaucht wurde. Der Boden verschmiert und klebrig,
die offene Toilette vor ihm wie mit Adern des Drecks überzogen. Unter
ihm bildete sich aus der Wunde an seinem Fußgelenk eine Pfütze des
Blutes. Auch beim Aufrichten hatte er hinter ihm eine Bahn des Blutes
auf der Wand hinterlassen. Doch es war ruhig. Nichts drang von Außen
herein. Nichts durchbrach das Summen der Lampe. Jarod lies sich wieder
zusammensacken. Er war erschöpft und müde. "Das ist alles nur ein
Traum" versuchte er sich vorzumachen. Doch seine Sinne waren zu
benebelt, um den Wahrscheinlichkeitsgehalt zu überprüfen. Während sein
Blick am unter dem zittrigen Licht flackernden Waschbecken haften
blieb, fielen nach wenigen Minuten seine Augenlider zu.

Mit einem Zucken wachte Jarod wieder auf. Der Schlaf hatte ihn nicht
erholt. Er versuchte, die Müdigkeit abzuschütteln und stand mit einigem
Gelenkknacken auf. Er ergriff ein Handtuch und lies es durch sein
Gesicht fahren. Es hinterlies einen deutlichen Fleck. Er trotzte dem
Gedanken, sich seiner Konstitution im Spiegel zu vergewissern und warf
das besudelte Tuch ungezielt von sich. Er wusste nicht, ob sein
traumloser Schlaf Minuten, oder Stunden dauerte. Aber immer noch war
das Brummen der Leuchtröhren das Einzige, was zu hören war. Langsam
legte er sein rechtes Ohr auf die Holztür und lauschte. Kein Ton war
von draußen zu hören. War die Luft wieder rein? Vielleicht hatte er das
alles auch nur geträumt. Hier, im Badezimmer. An seinem Verstand
zweifelte Jarod schon lange. Vorsichtig lies er den Schlüssel im Schloß
herumfahren und öffnete die Tür einen Spalt weit. Er lukte hindurch.
Die vergilbten Tapeten, der von Unrat übersähte Boden. Was jeden
Normalbürger beunruhigt hätte, wirkte auf Jarod harmonisierend. So war
es immer. Da draußen schien sonst nichts zu sein, als das alltägliche
Chaos, das Labyrinth seiner Existenz, in dem er sich verloren hatte.
Aber sonst nichts weiter, was Angst machen müsste. Jarod spürte den
krampfartigen Hunger. Er entschloß, hinauszugehen.

Den Flur betreten, fiel sein erster Blick zurück in sein Schlafzimmer. Nein, er
hatte nicht geträumt. Hinter den Türrahmen lag immer noch diese dunkle
Masse an alles verschlingendem Nichts. Er trat langsam an die Schwelle
heran. Es schien, ein schwarzes Licht hinauszustrahlen. Je näher er
heranschritt, umso mehr spürte er wieder diese Kälte. Jarods stierten
tief in die Dunkelheit. Seine Augen verengten sich. Er schäfte seinen
Blick, denn tief im inneren sah er nun leuchtenden Punkte, zahlreiche
von ihnen, überall. "Sterne" dachte Jarod. Die Angespanntheit wich der
Faszination. Die Augen wurden nun groß, während er von einem Fixpunkt
zu anderen blickte. Er fühlte sich, wie an der Schwelle des Universums.
Die Begeisterung erreichte ihr Klimax jedoch sehr schnell und fiel dann
drastisch ab. Denn die kleinen Lichtpunkte schienen sich zu bewegen.
Erst spalteten sie sich in Paare. Dann bewegten sie sich auf ihn zu.
Erst langsam, dann jedoch abrupt. Sofort erkannte Jarod die wahre
Gestalt dieser vermeintlichen Himmelsphänomene. Das waren keine Sterne.
Das waren Augen. Ein Getöse brach los.

Jarod stürzte zurück in Richtung Badezimmertür. Hinter ihm vernahm er deutlich, wie, unter
lautem Gerumpel, Gemurmel und Geschnatter, zentnerschwere Körper, von
messerscharfen Krallen getragen, auf ihn zu rannten, sich an den Wänden
und der Decke entlang in seine Richtung hangelten. Jarod stolperte
förmlich ins Badezimmer und warf, ehe sich diese ungesehene Armada vor
ihm aufbauen konnte, mit ohrenbetäubendem "Rumps" die Tür zu und drehte
den Schlüssel um, kurz gefolgt von einem Donnern, das die Belastbarkeit
des Türholzes auf eine Probe stellte, dem lauten Gemurmel des sich
versammelnden Mobs und Gehämmer, Gekratze und Gerüttel.

Nach nur kurzer Überlegung hastete er zum Badezimmerfenster. Starker Regen
prasselte an das trübe Glas. Draußen war noch finsterste Nacht. Die Tür
schien dem Ansturm nicht mehr lange zu halten. Nun wurde das dauernde
Gemurmel und Geschrei vor seiner Tür von einem kräftigen Donnern, dem
ein Erbeben des gesamten Zimmer erfolgte, unterbrochen. Es waren die
Schritte eines noch viel gewaltigeren Unheils, das mit gleichmässigem
Gang auf sein Badezimmer zustampfte.

Durch das Fenster müsse er entkommen. Unter ihm lag ein Sims. Darüber würde er sich, trotz des
Glitsches, trotz der Höhe, in das benachbarte Treppenhaus retten.

Jarod öffnete das Fenster. Sofort empfing ihn ein Schwall an kühlem Wasser.
Als er sein Gesicht abwandte, erblickte er vor sich den mannsgroßen
Wandspiegel. Sein Anblick schien ihn zu lähmen. Ungeachtet des immer
noch den Boden erzitternden Stampfens näherte sich Jarod langsam, wie
unter Bann, seinem Abbild. Es erfüllte ihn mit Trauer. Was war nur aus
ihm geworden? Was für eine ärmliche Gestalt gab er nur ab? Das hagere
Gesicht mit seinen eingefallenen Wangen. Bluterschmiert mit leblosen
Augen. Seine ausgemergelte, gebückte Gestalt. Die matten Haare, die
strähnenweise von seinem Kopf abstanden. Die fauligen Zähne, die
kränkliche Haut. Er war zum Jammerbild verkommen. Zu einer Witzfigur.
Verachtenswert und schlecht. Das Donnern nahm ein Ende. Wie erstarrt
stand Jarod vor dem Spiegel.

--- so jetzt bin ich müd.
BUH!

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16

Mittwoch, 20. August 2008, 02:12

(Ja, wenn sonst keiner Lust hat, ne, dann mach ich eben wieder weiter. Ohne Hoffnung, im Übrigen. Bildet euch das ja nicht ein. ;) )

Es war nicht, dass er sich bildhaft daran erinnern konnte, wer er mal gewesen war und wie er mal ausgesehen hatte. Es waren Gefühle, die einem Feuerwerk gleich in ihm aufblitzten und wieder erloschen, bevor er ihrer habhaft werden konnte. Er war mal anders gewesen. Er war einmal ein blühender Mensch, ein Geschöpf einer lebhaften, farbenprächtigen Natur. Nun schien er, ein Produkt seiner verkommenen Behausung zu sein. In einem sonnenbeschienenen Feld würde er nun wie ein Fremdkörper wirken. Keine Pracht war mehr da. Die Bewegungen waren grob und starksig. Seine Haare schienen eine starre, schwarze Masse zu sein. Seine Gesichtszüge ähnelten denen, eines Toten.

Ein lautes Geräusch riss ihn aus seiner Andacht. Eine Mischung aus einem Brüllen und einem Beben, dass auf ihn zuzurollen schien. Jarod riss seinen Kopf um in Richtung Tür, die ihn nun zu bedrohen schien wie das Rohr einer geladenen Kanone. Er wich um einen Schritt zurück. Es war wieder still. Die Luft schien sich vom Grollen zu erholen, in ängstlicher Erwartung eines weiteren Hiebes. Er machte noch einen Schritt zurück. Und noch einen.

Die Tür platzte aus dem Rahmen und zersprang am gegenüberliegenden Waschbecken. Jarod riss die Wucht zu Boden, Holzsplitter prasselten auf ihn herab. Er blickte nicht um zu dem, was sie gerade eben aufgeschlagen hatte, stattdessen sprang er auf und warf sich bauchlinks auf den Fensterrahmen. Sein Blick fuhr den herabstürzenden Regentropfen folgend die, nach guten 30 Metern in pfützenübersähtem Rasen verankterte, Steilwand entlang. Das Gesimse unter seinem Fenster trifte vor Feuchtigkeit, in den Fugen sammelte sich das Regenwasser zu kleinen Sturzbächen und es war schmaler, als er es in Erinnerung hatte. Doch ein weiteres Aufdonnern lies die Wände brummend erzittern und als er in seinem Rücken die Präsenz seines Urhebers spürte, stockte ihm der Atem. Es gab keine Alternative. Er musste hinaus auf diesen schmalen Steg. Er kletterte hastig, aber behände, brachte beide Füße auf den Stockwerksgesimse, das gerade einmal groß genug war, dass er seine nackten Fernsen in ihn hineindrücken konnte, und zog sich eilig von der Fensteröffnung weg.

Der Regen kam ihm vor, wie Salven aus kleinen Glassplittern. Die heulenden Windboen wirkten, als wollten sie ihm die Auswegslosigkeit seiner Mission ins Ohr schreien. Ein kurzer Blick nach unten lies ihn den Magnetismus der Tiefe spüren. Der vorausgerichtete Blick konfrontierte den Betonklotz vor ihm. Das verfluchte Haus. Schmucklos und grob, in lehmigem braun mit schwarzen Fenstern. Einem Monolit des Verfalls gleich stand es dort vor ihm, wie ein Begrenzungsstein in den Boden gepflanzt. Auch dort führte ein schmaler Sims unter den Fenster die Stockwerke entlang. Während die Nacht ihm ihre wässrigen Ohrfeigen ins Gesicht schleuderte und die erschwerten Haare sich mehr und mehr über seine Augen senkten, kam ihn das gegenüberliegende Haus vor, wie ein Zwilling seines Eigenen.

Rücken und Innenhandflächen an die raue Steilwand gepresst, trippelte Jarod weiter voran. Bald müsste er am Fenster des Treppenhauses sein. Das Röhren aus seinem Badezimmer war immer noch da, doch wovon es auch immer ausging, es schien auf seine Wohnung beschränkt zu sein.

Mit jedem weiteren Schritt überprüfte Jarod die Glaubwürdigkeit seiner visuellen Wahnehmung, denn wann immer er seinen Blick gegen den Regen wendete, konnte er das Treppenhausfenster nicht finden. Er sah eindeutig den überliegenden Fenstersturz. Aber keine Öffnung. Sehr bald erkannte er, dass unterhalb des Fensterüberbaus ein Rechteck aus hellerem Gestein war und schon nach weniger als einer Minute konnte sich Jarod mit einem Auflegen seiner Hand selbst davon überzeugen, dass das Fenster zugemauert war. Jarod warf einen klagenden Blick in Richtung Himmel. Der pfeiffende Wind erschien ihm nun, wie ein höhnisches Lachen.

In diesem Moment wurde ihm die Bedrohlichkeit seiner Lage wieder bewusst. Ein kurzer Blick nach unten entfachte auf ihn wieder diese Anziehungskraft der Tiefe und die Wand an seiner Rückseite schien ihn abstoßen zu wollen. Jarod warf seinen Körper zurück und schlug dabei mit dem Hinterkopf auf. Der Erschütterung folgte ein kurzes Einsacken seiner Knie, das er alsbald wieder korrigierte. Noch einmal richtete er seine Augen, von deren Wimpern unablässig und scheinbar immer stärker Tropfen hinabfielen gegen den Regen. Eine lange Wand, nichts weiter. Immer wieder in ihrer Eintönigkeit von Fensterstürzen unterbrochen. Soweit er klaren Blick hatte, unter ihnen nur gleichmässige Anordnungen helleren Materials. Aus seiner Wohnung ertönte dagegen der Lärm einer wütenden Meute, die die Einrichtung auseinandernahm, sie voller Wut über sein Entkommen zerbrach und umherwarf.

Jarod drückte sich weiter an der Wand entlang. Das Passieren jedes Sturzes war dabei ein Gleichgewichtsakt, denn er schaffte dies nur, wenn er mit hohlen Kreuz am Überlager vorbeiglitt. Die Kanten des Gesimses erschienen ihm mehr mehr wie abgestumpfte Klingen. Für einen Moment wirkte ihn Erschöpfung, mehr geistiger, als körperlicher Art, an die Mauer zu nageln. Er stoppte. Vielleicht könnte er in eine Baumkrone springen, dachte er. Vielleicht war irgendetwas da unten, was ihm einen Ausweg gab. Irgendwas.
Ein kurzer Blick. Tatsächlich sah er etwas. Ein Vorbau ragte, zwei oder drei Stockwerke unter ihm, aus der Wand heraus. Nur ganz knapp. Ein Balkon. Noch wenige Meter weiter und er könnte auf diesen hinabspringen. Eine Boe erschütterte ihn, gefolgt von einem Schwarm aus nadelartigem Regen. Jarod schritt vorsichtig voran, umso bedachter, da er bis auf die schmerzenden Abschürfungen an seinen Fersen seine Füsse kaum mehr spürte. Mit jedem Schritt näherte er sich nur um nur Zentimeter an sein Ziel an, doch dann stand er direkt unter dem Balkon.

Er war nur schmal. Von seiner Position aus betrachtet schien die Brüstung ihn dort zu umschliessen, wo seine Zehen aus ihren Wurzen wuchsen. 5-6 Meter vielleicht. Jarod war klar, dass ein Versuch, sich auf diesen Balkon hinabsacken zu lassen, weh tun könnte, sogar müsste. Kerzengerade müsste er hinabfallen. Den Körper stocksteif halten und gerade so hinabgleiten, dachte er sich. Jarod atmete noch einmal tief durch. Dem Auspusten folgte die Müdigkeit. Seine verengten Augen mit seinen zu tröpfelnden Markisen verkommenen Wimpern nahmen den gegenüberliegende Bau nur noch verschwommen wahrr. Das rechte Bein hob sich zitternd vom Sims ab. Das Linke gab nun zögerlich Schwung. Jarod stürzte hinab.
BUH!

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Pimpelhuber« (20. August 2008, 02:22)


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Mittwoch, 20. August 2008, 02:41

Jarods Satz war nicht weit genug. Er fuhr am Gesimse vorbei, doch dann sties er mit dem Steißbein an, was seinen Oberkörper nach vorne beugen lies. Die Brüstung des Balkons schoss ihm entgegen. Jarod bemühte sich im Fall um eine aufrechte Haltung; vergebens. Zuerst schlug er mit seinem rechten Knie an die Brüstungskante, als nächstes traf sie sein Gesicht. Jarods Körper wurde zurückgerissen und sofort klatschte er auf dem Boden auf. Es folgte das Ticken, dass seine ausgeschlagenen Zähne beim Aufhüpfen auf dem Beton erzeugten. Er verlor das Bewusstsein und lag seitlich auf dem Boden, während der Regen wie ein Heuschreckenschwarm auf ihn hinabfuhr und während sein Bewusstsein in einem Meer aus Schmerz versank.

Als Jarod das Bewusstsein zurückgewann, hatte das Unwetter von ihm abgelassen. Er tastete kraftlos kriechend umher, ergriff mit ertaubten Händen die Brüstung und zog sich hinauf, in aufrechte Stellung. Sein verschwommener Blick nahm die Nacht wahr. Seine Kleidung wirkte wie durchnässtes Papier auf seiner Haut, sein unterkühlter Körper erschien ihm wie eine Gebirgslandschaft, mit Bergen aus schmerzenden Stellen und Tälern aus betäubtem Fleisch. Ein Auge war zugeschwollen. Zwar hatte der Regen aufgehört, doch von seiner leblos herabbaumelnden Unterlippe ergoß sich ein Bach aus zähem Blut. Er fuhr mit seinen Fingern durch die Lippen und erkannte, dass seine Vorderzähne entweder vollkommen fehlten oder einer wirren Anordnung aus Stalagmiten und Stalagtiten zersplittert waren. Auch die Nase war angeschwollen und das Knie trotzte jedem Versuch, Schritte zu gehen, mit einer Antwort aus Schmerz und sofortigem Entzug der Kraft. Jarod lies sich über die Brüstung hängen und sah den hinunterfallenden Blutfäden nach. Immer wieder rieb er sein unverletztes Auge, bis der Blick einigermaßen klar wurde. Dann entdeckte er einen Haufen Unrat auf dem Boden. Langsam senkte er seinen Körper auf das noch funktionstüchtige Knie hinab und schliff sich einseitig zu ihm rüber.

Er durchwühlte das Haufwerk, nahm immer wieder einen Gegenstand in die Hand und warf ihn fort, da er ihm unnütz erschien. Aber eine Holzlatte behielt er. Sie schien stabil und lang genug, um ihn zu stützen. Er richtete die Latte auf, kletterte an ihr hinauf, bis er wieder stand, drückte sie in seine rechte Achselhöhle und machte einige erprobende Schritte. Zwar war seine Haltung so stark gebückt, doch es ging. Er ging.

Der Balkon war auf der Innenseite begrenzt durch ein großflächiges Fenster und eine mannshohe Glastür. Oder besser gesagt, den Überresten, denn in der Mitte klaffte ein grob hineingeschlagenes Loch, inmitten eines Gewebes aus Rissen. Dahinter ein dunkles Zimmer, verwüstet. Jarod riss das Glas ungeduldig hinaus. Die Schnitte, die er sich dabei zuzog, verblassten in dem Gewirr aus Schmerz, das er von unzähligen Stellen seiner Körpers vernahm.

So, keine Luscht mehr... :Monster10:
BUH!

Pimpelhuber

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18

Samstag, 23. August 2008, 01:18

Eigentlich könnte ich hier auch Nacktbilder von mir Posten, oder meine Kontodaten oder so. Aber ich hab jetzt irgendwie Spässchen daran, hier den käse unter Ausschluß der Öffentlichkeit weiterzuschreiben. Na denn, uninspiriertes Impro-Training Teil jutz:

---

Mit vor Schwellung starrer Mimik riss Jarod das Glas heraus und je mehr Scherben er herausbrach, umso größer wurden die Blutflecke, die er hinterlies. Es hielt ihn nicht ab. Das Glas auf der Unterseite zerschlug er mit kurzen Bewegungen der Holzlatte, wobei er Mühe hatte, sein Gleichgewicht zu halten. Schon bald war die Öffnung groß genug, um hindurchzuschlüpfen.

Nachdem er einige Schritte in den Raum gehumpelt war, blickte er sich mit seinem zu einer unförmigen Grimasse verzogenen Gesicht um. Nur das Mondlicht erhellte das Zimmer, was einmal ein Wohnzimmer gewesen sein musste. Ein antiker Schrank mit zerbrochenen Scheiben stand zu seiner linken Seite. Der Boden bedeckt mit einem Teppich aus Unrat. Risse waren in die Wand geschlagen, an einigen Stellen hingen Kabel aus dem Inneren heraus. Ein umgekippter Tisch in der Mitte, zur Rechten ein hoher Drehsessel in schwarzem Leder, mit der Lehne zu ihm gewandt, neben dem ein alter Fernseher mit eingehauener Bildröhre lag. Das Mondlicht tauchte die an vielen Stellen abgeblätterte und eingerissene Tapete mit kitschigen Blümchen-Mustern in matte Blautöne. Die Wand war an manchen Stellen bedeckt mit Schmierereien, über die Jarod sich nicht schlüssig wurde, ob sie ihn beunruhigen sollten. "Satan" war zu lesen, "666", Pentagramme und Teufelsfratzen zu sehen, aber auch alberne Cartoons und Herzen mit Initialen. Auch standen hier und da Namen; reale und welche, die der Fantasie von Teenagern entsprungen zu sein schienen. Keine Lampe hing von der Decke. Aber schon bald fand Jarod ihre Überreste, zerschmettert in einer weiteren Ecke des Zimmers. Jeder Schritt Jarods wurde begleitet von einem Knistern, dass die kaum noch identifizierbaren Müllschichten auf dem Boden von sich gaben, sowie dem stumpfen Hämmern seiner Krücke.

Lahmen Schrittes verlies Jarod das Zimmer in Richtung des Flurs, dem ein wohlwollenderes Los beschienen war, denn die auch hier spür- und hörbare Verwüstung wurde verdeckt durch jegliches Fehlen an Licht. Nur kurz blickte er sich um. Links entlang des Flurs schimmerte ein dünner, staubiger Nebel des Lichtes durch die Ritzen einer Haustür. Er hinkte weiter voran, denn sein Ziel war eine andere Tür. Er suchte das Badezimmer. Vielleicht war es der Wunsch, sich das Blut vom Körper zu waschen und sich seiner Verletzungen gewahr zu werden. Vielleicht war es auch nur der Drang, sich vom eben Gesehenen zu reinigen.

Die Tür war nur angelehnt. Ein kurzer Stoß lies sie knarrend auffahren und tatsächlich ein Bad entblößen. Beinahe sauber, dachte er sich, von wenigen Graffitis abgesehen. Er betätigte den Lichtschalter, doch nach dem Knacken des Knipsers erstrahlte nichts, nur der Schein der Mondsichel durch das Fenster erhellte den Raum in bläulicher Eintönigkeit.

Jarod stützte sich auf das Waschbecken und lehnte die Holzlatte an die bekachelten Wand. Ein rares Erfolgserlebnis bescherte ihm der Wasserstrahl, der Jarods Betätigung des Hahn-Ventils folgte. Er wusch sein Gesicht und das vom Kinn herabprasselnde Wasser hatte eine schwarze Farbe angenommen. Blut, geschwärzt durch das Mondlicht. Von Armen und Händen kratzte er den Schorf, woraufhin sich seine tiefen Schnittwunden öffneten; ohne, dass Blut aus ihnen herausfloß. Der Spiegel über dem Keramikbecken fehlte. Jarod drehte sich schwerfällig, auf seinem heilen Bein hüpfend, um seine eigene Achse auf der Suche nach einem Anderen und er fand einen. An der Wand war ein hoher, schmaler Wandspiegel, in dem er seinen gesamten Körper betrachten konnte. Er erschrak zuerst, denn er erkannte sich nicht auf erstem Blick. Ein verstümmelter Menschenkadaver schien dort im fahlen Licht zu stehen. Doch seine Körperhaltung erstarrte, als er sich erkannte. Jarod kehrte, seiner Spiegelung gegenüber, in sich.

Er verschaffte ihm einen Moment der Abgeschiedenheit, als er sich musterte. Seine rechte Gesichtshälfte schien aus seinem Kopf herauszutreten. Sie war angeschwollen. Sein rechtes Auge war nur noch eine Beule von der Größe eines Tennisballes, ein herber Cut prankte auf dem Wangenbein, die darunterliegende Teil der Unterlippe wuchs nach Außen hin an. Wulstig und unförmig. Die Nase offensichtlich zerschmettert. Doch Jarod führte die Bestandsaufnahme in aller Sachlichkeit fort. Sich selbst zu sehen schien ihn zu besänftigen. Der Ruhe folgte das Gefühl der Leere. In die Leere ergoß sich ein Gefühl der Trauer. Ein Empfinden, wie aus einem Traum zu erwachen und festzustellen, dass die Menschen, von denen man geträumt hatte, tot sind. Desillusion, Ernüchterung und Einsamkeit. Gleichzeitig jedoch der Drang, weiter hineinzuschauen, denn je länger er das tat, umso mehr schien er sich daran zu erinnern, wer er wirklich war.

Er hörte Echos von Stimmen, die er nicht verstand, die ihm aber vertraut schienen. Er vernahm sein Tippen und vor seinem geistigen Augen formte sich das Bild, wie er am Fenster im Sonnenlicht saß, an einem gepflegten Tisch mit einer nostalgischen Schreibmaschine und schrieb. Es bedeutete ihm so viel, zu schreiben. Es bedeutete ihm alles. Er erinnerte sich an das Gesicht seiner Mutter, das runde Gesicht umrahmt von Haaren, wie Butterlocken und gutmütigem Blick, seinen Vater mit ruhenden Zügen und streng zurückgekämmten Haaren. Jarod überkam ein Gewirr aus Emotionen, dass wie ein Puzzle kein klares Bild zu ergeben schien, jedoch einen Zusammenhang erkennen lies und dazu aufrief, es zusammenzustecken.

Aber auch ein Drängen verspürte er, ein Gefühl der Unruhe, des Fluchtinstinktes. Es loderte, erst als unscheinbare Flamme, dann wie ein Hausbrand, der sich immer weiter auszubreitete. Die Emotionen wurden betrübt und bald hatte er das Gefühl, weinen zu müssen, oder schreien. Oder diesen verdammten Spiegel, der Tricks mit seinem Geist zu spielen schien, zu zerschlagen. Alles zu zerschlagen. Dieses ganze, verdammte Haus zu zerstören, für alles, was er zu erleiden hatte. Das Tippen auf der Schreibmaschine wurde kraftvoller, bald zu einem Schlagen. Ein Wüten und Brüllen brach in ihm aus. Jarods Körper zitterte. Er tastete, ohne seinen Blick von seiner Reflektion abzuwenden, nach der Holzkrücke. Sobald er sie in Händen hielt, richtete er sie seinem Gegenüber drohend entgegen.

mnaja... Übung macht den Meischter.
BUH!