Zwielicht 6

      So, ich bin zwar spät dran, aber da Mammut mich auch nach meiner Meinung zu Zwielicht 6 gefragt hat, wollte ich diese hier mal kundtun. Ich gehe dabei aber nicht immer ganz chronologisch vor, weil ich Kurzgeschichten oft nach Lust und Laune lese. Wer sich übergangen fühlt; keine Sorge, das wird nachgeliefert!

      Angefangen habe ich mit den Storys, die neben dem Text noch mit kleinen Illustrationen geschmückt sind. Da ich selber gerne zeichne (das könnt ihr dann in Zwielicht 7 selber sehen), bleibe ich häufig an den bebilderte Geschichten zuerst hängen.
      Ich hoffe, dass ich nicht zu viel von der jeweiligen Handlung verrate. Falls doch, sagt einfach Bescheid. Dann lösche ich wieder ein paar Sätze.

      „Kleine Vogel, flieg!“ von Christian Weis
      Hammer! Der Höhepunkt kommt hier zuerst!Ein richtig guter Einstieg. Stilistisch sauber geschrieben und bis zum verheerenden Ende immer spannender. Dieses ist zudem halb offen, so dass man nicht weiß, ob die Protagonistin Mara vielleicht doch überlebt, ob der Mann hinter der Maske nicht doch wirklich existiert oder alles nur eine Illusion war. Diese Story musste ich in einem Rutsch durchlesen, weil sie mich wirklich gefesselt hat. Dabei flogen die Seiten geradezu dahin, weil ich unbedingt wissen wollte, wie die Sache ausgeht. Mir hat nur Maras Freund Kai am Ende gefehlt. Der wurde oft erwähnt, spielte aber dann doch keine Rolle mehr. Oder steckte der hinter der Maske? Tja, man weiß es nicht. Ich kann mich nur wiederholen: Super Geschichte! Christian Weis muss ich mir merken!
      Auch die Illustration passt richtig gut, obwohl die Frau im Vogelkäfig in dieser Form eigentlich nicht vorkommt. Das Bild ist eher eine ganz eigene Interpretation, die ich aber als sehr passend empfand.

      „Das letzte Müsli“ von Henrike Curdt
      Eine kurze, gruselige Story um kleine Mädchen, die ihre Barbie-Puppen verstümmeln. Es folgt am Ende auch eine gute Pointe, die jedoch offen lässt, wie es genau dazu gekommen ist. Mir hat die Geschichte gefallen, aber wirklich spektakulär ist sie meiner Meinung nach nicht. Man ahnt schon zu Beginn, dass es kein gutes Ende nehmen wird, wenn abgetrennte Puppenarme im Spiel sind.

      „Ich liebte ein Zombiemädchen“ von Jerk Götterwind
      Tja, der Titel fasst schon den gesamten Plot dieser Zombie-Anekdote zusammen. Mich hat aber auch die nicht in Begeisterungsstürme versetzt. Die Figuren sind platt, handeln unrealistisch und die Idee ist auch nicht wirklich neu. Jedes weitere Wort würde schon zu viel vom Inhalt wiedergeben.

      Michael Tillmann „Mit H. P. Lovecraft auf dem Bahnhofsklo“
      Hierbei handelt es sich entgegen meiner Erwartung nicht um eine Kurzgeschichte sondern eher um ein polemisch angehauchtes Essay. Wie auch immer man ‚Essay‘ definieren will.Einerseits fand ich es mal ganz erheiternd, wie sich Tillman so zum deutschen Buchmarkt, zur internationalen Phantastik-Szene und zum Umgang mit Anthologien rund um H.P. Lovecraft äußert. (Vielleicht könnte man seine Art, all diese Dinge aufs Korn zu nehmen, als sarkastisch überzogene Ehrlichkeit bezeichnen?) Andererseits trifft er nur mit wenigen Sätzen meinen Humor und rutscht mir doch zu häufig in unpassende Geschmacklosigkeiten ab.Um es mal mit Tillmanns Worten zu sagen: Als Klolektüre sicherlich geeignet. Danach ist der Text jedoch in meinem Abfluss der Vergessenheit verschwunden.

      „Penventinue“ von Jörg Kleudgen
      Diese Story konnte mich von Beginn an mit ihrer ‚veralteten‘, eher der schwarzen Romantik zugehörigen Erzählweise überzeugen. Sowohl Sprache als auch Setting passen gut zusammen. Ein Ich-Erzähler, der seinen alten Freund auf seinem Wohnsitz besucht, ein rätselhafter Privatier, der scheinbar unsterblich und weise ist, unheimlich dreinschauende Katzen und eine Reise in eine scheinbare Zwischenwelt. Dies alles sind Elemente, die eine unheimliche Stimmung erzeugen, so dass die Ausgangssituation hohe Erwartungen in mir hervorrief.Plötzlich schlägt die Handlung jedoch um, wobei ich nun nicht den ganzen Inhalt wiedergeben will. Es wird mir aber plötzlich alles viel zu hastig runtererzählt, wobei sich die einzelnen Figuren merkwürdig und meiner Ansicht nach unlogisch verhalten. Das Ende bietet dann nochmal eine Überraschung, jedoch verpufft diese, weil die Stimmung der Story nicht mehr die vom Anfang ist. Ein paar Seiten mehr hätten dem Spannungsaufbau gutgetan. So bleibe ich etwas enttäuscht zurück.

      So, bisher ist es ein auf und ab, wobei Christian Weis das Feld mit großem Abstand anführt. Aber ich bin ja noch lange nicht durch. Mal sehen, was noch so auf mich wartet.

      PS: Ich hoffe, ich habe jetzt mit meiner Kritik niemanden beleidigt, aber wenn man mich nach meiner Meinung fragt, dann sage ich die auch!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Karloff“ ()

      Karloff schrieb:



      PS: Ich hoffe, ich habe jetzt mit meiner Kritik niemanden beleidigt, aber wenn man mich nach meiner Meinung fragt, dann sage ich die auch!


      Zum ersten zitierten Halbsatz nur ein Bemerken: Nur dann, wenn man sachliche Kritik grundsätzlich als Beleidigung auffasst.

      Zum zweiten Halbsatz möchte ich doch gerne feststellen, dass genau dazu dieses Board schließlich da ist.

      Also alles im top-grünen Bereich, Karloff! :thumbup:
      Lese zur Zeit: Tobias O. Meißner - Das Paradies der Schwerter
      Und es geht weiter:
      „Absurde Logik“ von Sascha Lützeler
      Gar nicht schlecht. Durch die Perspektivwechsel nicht ganz so leicht zu fassen, weil die Story um Jonas‘ Geist vom Leser immer wieder neu bewertet werden muss. Eine etwas ungewöhnliche Geschichte, aber deshalb nicht weniger gut.Zudem hat mir die Darstellung des Geistes sehr gut gefallen. Die stetige Verwandlung vom springenden Spiegelbild zum immer stärker manifestierten Körper war mal etwas anderes. Lediglich Linda handelt nicht immer wirklich ‚logisch‘, aber das erklärt sich vielleicht schon durch den Titel.

      „Zertifiziert“ von Lothar Nietsch
      Eine kurze, eher erheiternde Story über einen sarkastischen und verärgerten Firmenbesitzer, der nicht viel von seiner Ansicht nach sinnlosen Berufsfeldern hält. Die Geschichte macht Spaß, weil sie anhand der durchaus realistischen Ausgangssituation wie aus dem echten Leben entlehnt erscheint. Wer einmal mit aufdringlichen Vertretern zu tun hatte, wird vielleicht ganz ähnlich denken. Nach dem Motto: Was wäre, wenn ich jetzt wirklich so reagieren würde.

      „Das Huhn auf dem Klavier“ von Tanja Wendorff
      Wieder eine sehr kurze Story, die sich nur über wenige Seiten erstreckt. Sie kommt vom Stil eher märchenhaft, melancholisch daher, so dass (etwas zu) viele Metaphern und Vergleiche genutzt werden, um eine düstere Stimmung zu erzeugen. Dabei fühlte ich mich einerseits an Poes House of Usher und andererseits an Stop-Motion-Filme von Tim Burton erinnert. Es gibt sogar eine traurig komische Pointe, aber um einen wirklich tiefen Eindruck zu hinterlassen, ist die Story zu kurz.

      So jetzt bleiben nur noch drei Geschichten und die Artikel. Ich hoffe, ich komme dazu, sie möglichst bald zu lesen.

      Karloff schrieb:

      Und es geht weiter:
      „Absurde Logik“ von Sascha Lützeler
      Gar nicht schlecht. Durch die Perspektivwechsel nicht ganz so leicht zu fassen, weil die Story um Jonas‘ Geist vom Leser immer wieder neu bewertet werden muss. Eine etwas ungewöhnliche Geschichte, aber deshalb nicht weniger gut.Zudem hat mir die Darstellung des Geistes sehr gut gefallen. Die stetige Verwandlung vom springenden Spiegelbild zum immer stärker manifestierten Körper war mal etwas anderes. Lediglich Linda handelt nicht immer wirklich ‚logisch‘, aber das erklärt sich vielleicht schon durch den Titel.

      „Zertifiziert“ von Lothar Nietsch
      Eine kurze, eher erheiternde Story über einen sarkastischen und verärgerten Firmenbesitzer, der nicht viel von seiner Ansicht nach sinnlosen Berufsfeldern hält. Die Geschichte macht Spaß, weil sie anhand der durchaus realistischen Ausgangssituation wie aus dem echten Leben entlehnt erscheint. Wer einmal mit aufdringlichen Vertretern zu tun hatte, wird vielleicht ganz ähnlich denken. Nach dem Motto: Was wäre, wenn ich jetzt wirklich so reagieren würde.

      „Das Huhn auf dem Klavier“ von Tanja Wendorff
      Wieder eine sehr kurze Story, die sich nur über wenige Seiten erstreckt. Sie kommt vom Stil eher märchenhaft, melancholisch daher, so dass (etwas zu) viele Metaphern und Vergleiche genutzt werden, um eine düstere Stimmung zu erzeugen. Dabei fühlte ich mich einerseits an Poes House of Usher und andererseits an Stop-Motion-Filme von Tim Burton erinnert. Es gibt sogar eine traurig komische Pointe, aber um einen wirklich tiefen Eindruck zu hinterlassen, ist die Story zu kurz.

      So jetzt bleiben nur noch drei Geschichten und die Artikel. Ich hoffe, ich komme dazu, sie möglichst bald zu lesen.


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      Die meisten Zwielicht Bände sind verlagsseitig vergriffen. Einzig Zwielicht 3+8 sind noch verfügbar:
      saphir-im-stahl.de/php/index.p…nt=easyshop.php&cat_id=21

      Von Zwielicht 5+7 gibt es noch eine kleine Restauflage. Zwielicht 6 ist aber so gut wie vergriffen, sollte jemand noch Interesse an einem Band haben, kann er sich schnell mit mir in Verbindung setzen, bevor auch der letzte Rest weg ist.