Gespenster-Krimi von Contendo Media

      Gespenster-Krimi von Contendo Media

      Der Gespenster-Krimi lebt seit Januar als Hörspiel wieder auf. Geplant sind wohl, alte Heftklassiker abwechselnd mit neuen Storys herauszubringen. Ich habe mir am Wochenende mal die 2. Folge "Teufelstochter" gegönnt, die eine dieser neuen extra für die Reihe geschriebern Folgen ist. Heute habe ich mich dann drangesetzt und für Amazon eine "Rezension" dazu verfasst, die keine 2 Stunden später wieder gelöscht war. Ohne Angabe von Gründen und ohne Mitteilung. Selbst bei der Hotline konnte (oder wollte) man mir nix sagen. Ergo habe ich eine neue Rezension verfasst. Hier mal für Euch zur Info meine 1. ursprüngliche Version:


      Professionelle Produktion, welche leider voller rassistischer Klischees ist

      Zuerst einmal zur Umsetzung und Produktion: Die Macher dieses Hörspiels verstehen ihr Handwerk. Die Sprecher agieren professionell und in ihren Rollen glaubwürdig. Die musikalische Untermalung ist ebenfalls sehr gut gewählt. Alleine für diese Bereiche hätte das Hörspiel die volle Punktzahl verdient gehabt.

      Leider kann ich die volle Punktzahl aus folgenden Gründen nicht geben:

      Mir ist es unbegreiflich, wie man zur heutigen Zeit und gerade wo in der Presse immer wieder die Armutszuwanderung aus Südost-Europa thematisiert wird, auf die Begrifflichkeit "Zigeuner" zurückgreifen kann. Dieser Begriff wird von den Betroffenen als diskriminierend empfunden und ist nicht erst seit kurzem negativ im deutschen Sprachgebrauch verankert. Natürlich werden dann auch die gängigen "Zigeunerklischees" in die Geschichte eingebaut. Da wäre zum einen die Tatsache, dass es sich um ein "fahrendes Volk" handelt, was seine Wagen natürlich ohne vorherige Absprache in einer Stadt geparkt hat. Dann "behüten" die "Zigeuner" natürlich das Böse in Form eines Dämons, welcher durch eine Dummheit der Stadtobrigen freigelassen wird, etc. Bei einem Hörspiel aus den 70ern hätte ich mich über diese Darstellung gar nicht geärgert. Das hätte man bestenfalls noch als Zeitzeugen gelten lassen können, als die Menschen es einfach nicht besser wussten. Berücksichtig man aber, dass diese Story hier eine neue Geschichte ist, die erst aktuell extra für diese Reihe geschrieben wurde muss man das schon hinterfragen, was der Autor sich eigentlich dabei gedacht hat. Ist er einfach unwissend? Oder unbedarft? Sorry, aber das kann tatsächlich keine Entschuldigung für solch eine Dummheit sein.

      Während des 2. Weltkrieges wurden schätzungsweise 500.000 Sinti und Roma in sogenannten "Zigeunerlagern", welche Lagerabschnitte in den Konzentrationslagern waren, in Deutschland ermordet. Erst in den 70er Jahren erlangten Sinti und Roma ihre Staatsbürgerschaft zurück. Und noch viel später, nämlich 1995 wurde eine gesetzliche Anerkennung als nationale Minderheit durchgesetzt. Noch heute werden Sinti und Roma als "Zigeuner" abgestempelt und diskriminiert. Gerade vor diesem Hintergrund finde ich es sehr schade, dass sich die Macher des Hörspiels rassistischer "Zigeunerklischees" bedienen.

      Ich möchte noch anmerken, dass ich keinem der an diesem Hörspiel beteiligten Personen vorwerfe, ein Rassist zu sein. Ich glaube einfach nur, dass sich die Macher im Vorfeld nicht mit dem Thema ausreichend beschäftigt haben und sich nicht im klaren darüber waren, was sie da eigentlich fabriziert haben. Und das ist einfach nur sehr sehr traurig und schade.

      Erst durch Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann.
      Nur, damit sich niemand wundert: Da es über diesen Beitrag eine Beschwerde gab, war er eine zeitlang unsichtbar gestellt um das Thema intern zu erörtern. Im Moderatorenteam sind wir dann zu der Meinung gekommen, dass diese Rezi inhaltlich und vom Tonfall in keiner Weise zu beanstanden ist. Es handelt sich um eine sachliche, begründete, kritische Meinungsäußerung, die niemanden beleidigt, persönlich angreift, verleumdet oder sonst wie diffamiert. Sachlich muss man Michaels Meinung natürlich nicht teilen. Aber dann kann man bitte schön auch sachlich argumentieren. Bei amazon sieht man das im Übrigen wohl genau so, denn dort ist die Rezi auch wieder zu lesen.
      Selbstredend stellt der Beitrag ausschließlich die persönliche Meinung des Verfassers und nicht die des Moderatorenteams dieses Forums dar. :Monster6:
      Lese zur Zeit: Markus Heitz - Drachenkaiser
      Ich möchte mich auch nochmal kurz zu Wort melden, da ich glaube, dass hier vieles leider falsch verstanden wurde oder zumindest falsch 'rübergekommen ist. In dieser Rezension oder Bewertung ist an keiner Stelle von Rassismus die Rede. Es liegt ein gewaltiger Unterschied zwischen Rassismus und der Verwendung rassistischer und / oder diskriminierender Klischeebilder und Stereotypen. Ich bezog mich ausschließlich auf letztere und diese sind im Hörspiel tatsächlich vorhanden.

      Die Frage, die ich aufgeworfen habe ist doch folgende: darf man in unserer heutigen Zeit noch mit solchen Klischeebildern arbeiten? Darf man Begriffe verwenden, welche eine negative Aussage habe und von denen sich Menschen diskriminiert fühlen? Wir reden hier ja nicht von Satire oder einem sozialkritischem Roman. Wir reden hier von einem Gruseltrash-Hörspiel, was vor allem unterhalten soll. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, welche Romane und Klassiker in den letzten Jahren umbearbeitet wurden und dieserart Begrifflichkeiten umgeändert wurden sollte man sich doch wirklich vorab Gedanken machen, bevor man dann eine neue Story mit solcher Wortwahl verfasst.

      Kurz und vereinfacht zusammengefasst: manche Wortwahl und die Verwendung mancher Klischees und Stereotypen fand ich unpassend, unangebracht und unzeitgemäß.

      P.S. Da ich jetzt hier keine Werbung für Fachliteratur machen möchte: wer Interesse an Fachliteratur zu diesem Thema hat, kann mir gerne eine PN schicken. Ich habe mich innerhalb des letzten halben Jahres verstärkt mit diesem Thema befasst und kann eine Liste interessanter Literatur dazu empfehlen.
      Erst durch Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann.
      Hm, hier mal ein Plädoyer für den Begriff Zigeuner:
      welt.de/kultur/history/article…und-das-Wort-ist-gut.html

      Etwas politisch korrekt zu bezeichnen, ist ein wenig schwierig. Ob das jetzt um Nigger/Neger/Farbige etc. geht oder um Genderspezifische Sprache oder Gleichberechtigung im Allgemeinen, man hat da immer Fallstricke.
      Ist mir auch mal bei einer Geschichte passiert, da meinte die Mitautorin, das könnte man auch negativ auslegen.

      Gerade Genreliteratur arbeitet ja viel mit Stereotypen, also greift auf bekannte Schematika zurück. In wievielen Horrorfilmen ist es das gutaussehende junge Mädchen, das schreiend darauf wartet, von dem "Held" gerettet zu werden, und die Filme sind nicht aus den 70ern.

      Ich kenne jetzt das von dir besprochene Hörspiel nicht. Aber mir scheint das ein wenig mit Kanonen auf Spatzen geschossen.
      Ich kenne das Hörspiel nicht, aber die Frage, was "Kunst" darf, stellt sich immer wieder. Ich finde, es ist jeweils eine Einzelfallentscheidung, aber ich persönlich finde einige Klischees auch als unangebracht. Meine Tochter hört TKKG (habe ich auch als Kind gelesen und gehört) und mittlerweile finde ich, das geht gar nicht, was die da bringen. Gaby, die immer beschützt werden muss, Kriminelle, die immer wieder aufgrund ihrer Herkunft, Kriminelle sind. Meine Haltung: Eigentlich darf "Kunst", aber sie muss diese Kritik dann auch aushalten.
      Das Thema ist natürlich heikel. Ich sehe es so: Wenn in klassischen Kinder- und Jugendbüchern wie Pippi Langstrumpf im vorauseilenden politischen "Übergehorsam" plötzlich aus einem "Negerkönig" ein "Südseekönig" wird, dann ist das Literaturverfälschung der dümmsten und ärgerlichsten Art.
      Wenn aber in heutiger Zeit Klischees verwendet werden, die eindeutig rassistische, diffamierende etc. Tendenzen besitzen, dann ist das etwas vollkommen anderes. Auch dann, wenn gerade im Pulp-Horror-Genre klischeehafte Archetypen zum Standard-Repertoire gehören. Hier sollte man meiner Meinung nach ein wenig mehr 'Fingerspitzengefühl' besitzen.
      Wobei man bei Pippi & Co. nicht außer acht lassen sollte, dass ja nicht das Original verändert wurde, sondern die Übersetzung. Ich kann allerdings kein Schwedisch und kann jetzt auch nicht sagen, was für ein Begriff im Original steht. Wobei man natürlich auch berücksichtigen muss, wann Buch und Übersetzung entstanden sind.
      Erst durch Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann.

      Royston Vasey schrieb:

      Wobei man bei Pippi & Co. nicht außer acht lassen sollte, dass ja nicht das Original verändert wurde, sondern die Übersetzung. Ich kann allerdings kein Schwedisch und kann jetzt auch nicht sagen, was für ein Begriff im Original steht. Wobei man natürlich auch berücksichtigen muss, wann Buch und Übersetzung entstanden sind.

      Es kann ja in jedem Land immer nur die jeweilige Übersetzung verändert werden, und diese war bei Pippi Langstrumpf seit 1949 in Deutschland für alle weiteren Auflagen stets weiter übernommen worden. Neu-Ausgaben (-Übersetzungen), die veraltete Worte/Formulierungen revidieren, sind in meinen Puristen-Augen schon schlimm genug, doch Begriffe nachträglich wegen 'political correctness' zu ändern, ist einfach Spießbürgertum hoch zehn. :-(
      Um mal zum Ausgangsthema was zu sagen: ich finde jedenfalls, dass man als kritischer Leser und Hörer absolut berechtigt ist, seine Meinung kundzutun, wenn einem beim Konsum etwas sauer aufgestoßen ist. Es handelt sich hier ja nicht um panische Meinungsmache, sondern um eine simple eigene Meinung.

      *Ich lese gerade: Drood von Dan Simmons*


      "A reader lives a thousand lives before he dies," said Jojen. "The man who never reads lives only one."
      ― George R.R. Martin, A Dance With Dragons
      Dass die Rezi gelöscht wurde, halte ich für lächerlich und unprofessionell, zumal Royston ja recht sachlich seinen Standpunkt erklärte und niemanden unter der Gürtellinie angriff.

      Zu den Zigeunern: DieThematik ist heikel, zumal viele Klischees von Seiten besagter Zigeuner/Roma/Sinti auch immer wieder selbst bestätigt werden. Zudem hat sich um das reisende Volk eben eine Art Mythos gebildet, der heutzutage wie etwa Legenden fest in den Köpfen verankert ist. Das einfach zu löschen ist unmöglich. Viel wichtiger ist es, diese Leute zu unterstützen, damit sie z.B. wieder sesshaft werden könnten. So bestünde eine Chance, dass es das reisende Volk in der heutigen Form irgendwann vielleicht nicht mehr geben wird und sie nur noch mysteriöse Figuren aus alten Geschichten sein werden.
      Ich habe inzwischen die ersten beiden Folgen des Gespenster-Krimis gehört und auf Amazon auch recht unterschiedliche Rezensionen dazu abgegeben. Der erste Teil hat mir gut gefallen, der zweite Teil, den Royston Vasey hier kritisiert, war dagegen in meinen Augen tatsächlich eine Anhäufung billiger Klischees und Zeugnis eines sehr uninspirierten Autors, der zudem auch nicht sonderlich heimisch im klassischen Horror-Genre zu sein scheint.

      Ich denke der Vorwurf, dass der Autor des Hörspiels sich im Vorfeld zu wenig Gedanken darüber gemacht hat, welche Begriffe ("Zigeuner") er verwendet und inwieweit er dabei fremdenfeindliche Klischees (eine Wohnwagensiedlung) bedient, ist durchaus gerechtfertigt. Ich vermute dahinter aber keine böswillige Absicht, sondern einfach nur Gedankenlosigkeit. Wenn man mal bedenkt, dass auch ein Schriftsteller wie Stephen King in "Thinner" den Fluch einer alten "Zigeunerin" bedenkenlos thematisiert hat, so wird eigentlich nur deutlich, dass Markus Topf sich hier lediglich sehr unoriginell an vorhandenen Stereotypen bedient hat, wie man sie aus zahlreichen Hollywood-Streifen zur Genüge kennt. Das ist für mich der eigentliche Kritikpunkt - etwas zu übernehmen, ohne es zu hinterfragen.
      Ich habe zwischenzeitlich auch die beiden anderen Folgen der Reihe gehört, da ich sie bereits bestellt und / oder schon auf Halde hatte. Einzeln will ich jetzt gar nicht mehr auf die Folgen eingehen. Warum? Weil es sich nicht wirklich lohnt. Hatte ich anfänglich noch gehofft, hier mal eine moderen Gruselreihe vorgesetzt zu bekommen, wird eigentlich alles genauso gehandhabt wie bei der Reihe "Geister-Schocker" von der Romantruhe. Möglichst bombastisch inszenierter Trash, welcher allerdings nicht charmant, sondern aufgesetzt daherkommt. Hinzu das permanente Overacting der Sprecher.

      Dabei zeigt doch z. B. das Gruselkabinett, wie man stimmungsvoll und professionell mit dem Thema Grusel / Horror umgehen kann. Und die Serie Dorian Hunter beweißt eindeutig, dass man die alten Heftromane auch ohne diesen gewollten Trashfaktor modernisieren und professionell auf den Markt bringen kann.

      Insgesamt also nur eine weitere Horror-Reihe nach dem Schema F. Da waren die alten 6 Folgen von Lübbe-Audio um einiges besser.
      Erst durch Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann.