Highlight des Genres der letzten zweihundert Jahre

      Highlight des Genres der letzten zweihundert Jahre

      Wir hatten hier die Diskussion, ob Highlights des Genres Horror und Unheimliche Phantastik, zuletzt weniger rauskamen oder ob das nur so wirkt:
      Ein Jubiläum wirft seine Schatten voraus!

      Daher wollten wir mal die herausragenden Werke benennen und das im 50 Jahresrhythmus, um das zu vergleichen.
      Gesucht sind Werke, die nicht nur gut sind sondern das Genre in gewisser Weise revolutioniert haben. Bei Autoren, die das Genre erweitert bzw. erneuert haben, nehmen wir ein Werk stellvertretend :

      1750-1799

      Horace Walpole - Das Schloss von Otranto (1764)

      Mathew Gregory Lewis - Der Mönch (1796)

      1800-1850

      E.T.A. Hoffmann - Der Sandmann (1816)

      Mary Shelley - Frankenstein (1818)

      John William Polidori - The Vampyre (Kurzgeschichte) (1819)

      Edgar A. Poe - Tales of the Grotesque and Arabesque (Storysammlung) (1840)

      Leopold von Sacher-Masoch - Venus im Pelz (1870)

      J. Sheridan Le Fanu - In A Glass Darkly (Storysammlung) (1872)

      R. L. Stevenson - The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde (1886)

      Henry Ryder Haggard - Sie /She 1887

      Oscar Wilde - The Picture of Dorian Gray (1890)

      Ambrose Bierce - Die Brücke über dem Eulenfluss/ An Occurance at Owl Creek Bridge (1891)


      R. A. Chambers: Der König in
      Gelb (1895)


      H. G. Wells - The Island of Dr. Moreau (1896)

      Bram Stoker - Dracula (1897)

      Henry James - Das Durchdrehen der Schraube (The turn of the screw (1898)

      1901-1950

      Saki - Not so Stories (1902)

      M. R. James - Ghost Stories of an Antiquary (Storysammlung) (1904)

      Algernon Blackwood - Die Weiden (1907)

      William Hope Hodgson - Geisterpiraten (1909)

      Alfred Kubin - Die andere Seite (1909)

      Hanns Heinz Ewers: Alraune (1911)

      Franz Kafka - Die Verwandlung (1912)

      Gustav Meyrink: Der Golem (1913)

      Paul Leppin - Severins Gang in die Finsternis (1914)
      August Moritz Frey - Solneman der Unsichtbare (1914)
      Abraham Merritt: Der Mondteich/ The Moon Pool (1918)
      Leo Perutz - Der Meister des Jüngsten Tages (1923)

      Franz Spunda - Baphomet (1927)

      H. P. Lovecraft - Der Ruf des Cthulhu (1928)

      Guy Endore - The Werewolf of Paris (1933)


      C.A. Smith: Saat aus dem
      Grab (1933)



      John W. Campbell: Wer ist da? /Who goes there? (1938)


      Jean Ray - Malpertuis (1943)

      Ray Bradbury - Familientreffen (1947)

      Fritz Leiber - Night's Black Agents (Storysammlung) (1947)



      1951-2000

      Richard Matheson - Ich bin Legende (1954)

      Shirley Jackson - Spuk in Hill Hill House (The Haunting of Hill House) (1959)

      Robert Bloch - Psycho (1959)

      Roald Dahl - Kiss, Kiss (1960)

      Ira Levin - Rosemary’s Baby (dt. Rosemaries Baby) (1967)

      George A. Romero - Die Nacht der lebenden Toten (1968) - Ein Film stellvertretend für das Zombie Genre

      William Peter Blatty - Der Exorzist (1971)


      Norman Spinrad: Der
      stählerne Traum/ The Iron Dream (1972)


      Thomas Tryon: Der Kult (Harvest Home) 1973)

      Stephen King - Carrie (1974)

      James Herbert - Ratten (1974)

      Anne Rice - Chronik der Vampire (1976)

      William Hjortsberg - Angel Heart /Falling Angel (1978)

      Peter Straub - Geisterstunde (Ghost Story) (1979)

      Jonathan Carroll - Das Land des Lachens (1980)

      Clive Barker - Die Bücher des Blutes (1984)

      T.E.D. Klein - MorgenGrauen / The Ceremonies (1984)

      Thomas Ligotti - Die Sekte des Idioten (1986)

      Ramsey Campbell - Hungriger Mond (Hungry

      moon) (1986)

      Dean Koontz - Brandzeichen (Watchers) (1987)

      Thomas Harris - Das Schweigen der Lämmer (1988)

      S.P. Somtow - Wolfsruf (1989)

      Dan Simmons - Kraft des Bösen (1989)

      Bret Easten Ellis - American Psycho (1991)

      Richard Laymon - Die Insel (1991)

      Robert McCammon - Unschuld und Unheil (Boy’s Life) 1991

      Kim Newmann - Anno Dracula (1992)

      Bentley Little - Verderben (The Store)

      (1996)

      Jeffrey Thomas - Punktown (2000)

      Mark Z. Danielweski - Das Haus (2000)

      Jack Ketchum - Evil (The Girl next door) (2007)


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      Über Kafka hatte ich auch schon nachgedacht. In meiner Erinnerung wollte er aber letzlich nicht so recht in Richtung Horror passen, deshalb habe ich ihn nicht genannt, andererseits sehe ich unbedingt seinen Einfluss auf Teile der Horror-Literatur. Deshalb unterstütze ich den Vorschlag.

      Gerade wollte ich noch "Das Schloss von Otranto" von Horace Walpole vorschlagen. Fiese erste Gothic Novel erschien aber beriets 1764.

      "Malpertius" habe ich auch in bester Erinnerung, aber hat der Roman dem Genre neue Impulse gegeben? Ich frage das ganz offen, denn vielleicht habe ich das Werke einfach bisher unterschätzt und sollte es mal wieder lesen.
      Als aufsehenerregende Inspirationsquelle des gerade populären Gewalt-Ekel-Horrors?
      Bret Easten Ellis - American Psycho (1991)

      Obwohl ein Film, als populärer Startpunkt der noch immer anhaltenden Zombiewelle?
      George A. Romero - Die Nacht der lebenden Toten (1968)


      Als ein Startpunkt der ungezählten Mythoswerke und des kosmischen Horrors?
      H. P. Lovecraft - Der Ruf des Cthulhu (1928)
      Man sollte auch
      "Carmilla" von Le Fanu aus dem Sammelband
      "In a glas Darkley" 1872 erwähnen, eigentlich alle
      Stories,da "Grüner Tee" als eine ersten spychologischen Erzählungen des Spuk Generes
      zählt. Und Carmilla ist für mich eine der besten
      Vampir Erzählung überhaupt mit leicht lesbischer
      Note.
      Reality is lost - IKON

      Martin Cell schrieb:

      Man sollte auch
      "Carmilla" von Le Fanu aus dem Sammelband
      "In a glas Darkley" 1872 erwähnen, eigentlich alle
      Stories,da "Grüner Tee" als eine ersten spychologischen Erzählungen des Spuk Generes
      zählt. Und Carmilla ist für mich eine der besten
      Vampir Erzählung überhaupt mit leicht lesbischer
      Note.


      ​Ist "In a glas Darkley" als Sammlung auf Deutsch erschienen?
      Die Frage stellt sich mir gerade, ob man Stephen King eher zu den Literaten oder den Unterhaltungs-Autoren zählen soll. Im Grunde genommen war er ja zu Beginn seiner Karriere auch auf seine Art ein Erneuerer des Horror-Genres, der das Grauen weg vom religiös motivierten Gut gegen Böse-Horror führte. Wenn ja, welches Werk wäre da stellvertretend? 'ES' ist sicher der Überklassiker, arbeitet aber mit den Motiven der typischen 'Coming of age'-Story. 'Cujo' ist Tierhorror. 'Feuerkind' behandelt die Gefahren, die von der Wissenschaft ausgeht. 'Shining' ist eine Hommage an die Ghoststory ... Eigentlich sind seine Roman bezüglich der Subgenres ja nicht wirklich originell, dafür seine Betrachtungsweise und wie er die Charaktere führt. Was wäre mit 'Christine'? Das ist irgendwie schon was ganz eigenes, obwohl man auch wieder Vergleiche zu Geistergeschichten ziehen könnte. Schwierige Sache ...
      Auf die Liste würden m.E. auf jeden Fall Clive Barkers "Bücher des Blutes" gehören.
      Dr. Nikola

      For often-times, both waking and in nightmare, I did not know on which planet I was, nor in which Age, but felt myself adrift in the great gulf of time and space and circumstance, without bottom for my consciousness to stand upon; and the world was all mirage and a new show to me; and the boundaries of dream and waking lost.
      M. P. Shiel: The Purple Cloud

      Soeren Prescher schrieb:

      Wenn man Stephen King auf einen seiner Klassiker beschränken möchte, kommen neben den von Harald erwähnten eigentlich zusätzlich nur noch "Brennen muss Salem" und "Carrie" infrage.


      Stimmt, an 'Carrie' habe ich gar nicht gedacht. Aber der Roman bekommt und bekam ja auch aus eher horrorabgenigten Kreisen Zustimmung. Das würde wohl passen.

      @hardt
      Du hast recht, ich denke, dass Clive Barker ebenfalls als Erneuerer sein Plätzchen in der Liste verdient hat.
      Ich würde bei King The Stand / Das letzte Gefecht als besonders herausragend nennen, zumindest hat es mich damals ganz besonders beeindruckt ;) An zweiter Stelle Es ...

      @ hard: kann ich nur zustimmen, Bücher des Blutes waren eine Offenbarung, für mich persönlich noch wichtiger als King.

      Reden wir eigentlich hier "nur" von Büchern oder auch Filmen, siehe die Nacht der lebenden Toten? Im Filmbereich gibt es, wie ich finde, sehr viele wichtige Werke, von Nosferatu, Caligari bis hin zu TCM, Halloween, Alien, etc. ...

      Als Buch vielleicht noch I am Legend ...

      Painpainting schrieb:


      Reden wir eigentlich hier "nur" von Büchern oder auch Filmen, siehe die Nacht der lebenden Toten? Im Filmbereich gibt es, wie ich finde, sehr viele wichtige Werke, von Nosferatu, Caligari bis hin zu TCM, Halloween, Alien, etc. ...

      Ich nahm intuitiv an, dass Michael nur Bücher meinte. "Nacht der lebenden Toten" habe ich trotzdem genannt, weil ich glaube, dass damit auch die literariche Zombiewelle ihren Anfang oder zumindest einen kräftigen Schub nahm. Gleiches würde ich bei Nosferatu, Caligari etc. nicht vermuten, auch wenn das ohne Frage große Filme sind.
      Spontan kam mir 'Das Schweigen der Lämmer' in den Sinn, das die Blaupause für unzählige weitere Psychokiller-Romane darstellt und dessen Verfilmung Oscars in den Hauptkategorien abräumen konnte, was für einen Streifen dieser Machart damals ein Novum war. Stellt sich nur die alte Frage nach der Genre-Grenze: Horror, Thriller oder was dazwischen?
      Ich würde für das letzte Jahrhundert ergänzend folgende Werke vorschlagen:

      1901-1950:
      Algernon Blackwood, "Die Weiden" (1907), wegen der einzigartigen Kombination von Reisebericht und unheimlicher Phantastik; die Verlorenheit des Menschen inmitten einer beseelten und bedrohlichen Natur.
      William Hope Hodgson, "Geisterpiraten“ (1909), als Meisterwerk maritimen Horrors

      1951-2000:
      Roald Dahl, "Kiss, Kiss" (1960): einzigartige skurrile bis surreale Kurzgeschichten mit phantastischen sowie Horrorelementen, gewürzt mit reichlich schwarzem Humor

      In die Liste gehört m. E. auch die "Chronik der Vampire“ von Anne Rice; als Beispiel der erste Band "Interview mit dem Vampir“ (1976), der ja sehr erfolgreich verfilmt wurde. Die Darstellung der Vampire als denkende, ihre Natur reflektierende Wesen hat das Genre nachhaltig geprägt und bildet ein Bindeglied zwischen dem ursprünglichen Vampir als blutrünstiges Monster, Bram Stokers ansatzweise zivilisiertem, aber noch immer instinktgesteuerten Dracula und den modernen zahnlosen Kitsch-Vampiren.
      Ich lese gerade: Fred Ink, Der Untergang von Godly Gulch