Was müsste ein phantastisches Magazin euch bieten?

      Was müsste ein phantastisches Magazin euch bieten?

      Da die Frage an anderer Stelle aufkommt, stelle ich sie einfach mal hier zum Brainstorming.
      Was müsste ein phantastisches Magazin euch bieten damit ihr es lest bzw. kauft?

      Sollte es online sein oder gedruckt und wenn gedruckt, als Heft oder Taschenbuch? Was würdet ihr inhaltlich erwarten? Reiner Horror oder alle Spielarten der Phantastik? Nur über Bücher oder auch Filme, Spiele, Comics usw.? Artikel über Aktuelles oder Klassiker?
      Persönlich finde ich, dass in einem Magazin mehr Artikel als Geschichten enthalten sein sollten, aus dem einfachen Grund, weil solche Kurz- oder Kürzestgeschichten eben meist nicht anderes als eine Pointenstory sind (siehe als Beispiel "Phase X"; tolle Artikel, mässige Stories - aber das ist nur meine persönliche Ansicht). Bei den bisher existierenden Magazinen vermisse ich eine Themenbezogene wissenschaftliche Betrachtung. Ich lese momentan Ausgabe 11 von "Phase X" mit Hauptthema Botanik in der Phantastik. Gute Artikel, aber was mich wirklich interessiert wäre das mit einbezogene Wissen eines Botanikers oder anderen Fachmannes.

      Mir ist klar, dass es nicht einfach ist, solche Personen zu finden, die das nötige Wissen sowie das Interesse an der Phantastik haben. Aber das muss ja kein Hindernis sein :-) .
      Für mich persönlich?

      Ein Printmagazin. Die phantastisch! lese ich gerne. Oft gut recherchierte und ausgearbeitete Sachartikel, die nicht irgendwelchen Trends hinterherhecheln - leider aber auch immer wieder welche, die zu oberflächlich bleiben. Die Aktualität kann man dem Internet überlassen (aber auch nicht zu altbacken), da ist man durch den Herstellungsprozess sowieso zu langsam. Geschichten mag ich in Magazinen nicht, dafür lese ich Kurzgeschichtensammlungen und Anthologien (wenn auch nicht viele). Dazu Interviews. Bitte keine Leseproben/Romanauszüge! Ein breites Themensprektrum, aber nicht zu zusammengewürfelt, schon mit klarer Linie. Schwerpunkt sollte auf Büchern liegen, aber nicht nur.
      Dem "keine Geschichten" von Pogopuschel kann ich mich nur anschließen. Ansonsten hätte ich gern alle Spielarten der Phantastik und alle möglichen Medien behandelt. Thematisch gerne genauso breit, von Autorenbiografien bis Zukunftsvisionen, von aktuell bis klassisch. Vom Format her ein Printmagazin, das nicht zu oft ,vielleicht vierteljährlich, erscheint.

      HarryW schrieb:

      Ich bin auch der Meinung, dass für alle Medien Platz sein muss. Mir hat beispielsweise auch gefallen, dass am Anfang von Phase X (wenn ich mich korrekt erinnere) auch ab und zu mal ein Brettspiel besprochen wurde. Da gibt's ja oft auch phantastische Themen.


      Das war ja der ursprüngliche Gedanke aus dem Fantasyguide, den wir dann auch in SONO und später in Phase X übernommen hatten. Das sich bei Phase X im Laufe der Zeit der Fokus auf die Literatur verschoben hatte, war nicht geplant und hing eher an dem Mitarbeitermix.
      Im Fantasyguide gibt es ja immer noch die Spielerubrik:
      fantasyguide.de/rollenspiele.html
      Ich denke mit Print ist heute kaum ein Blumentopf zu gewinnen. Persönlich gehöre ich inzwischen ja auch zu den älteren Semestern und finde das im Prinzip schade, da ich mit Zeitungen aus Papier aufgewachsen bin.
      Aber ganz ehrlich, schon lange her, dass ich so ein Blättergewulst gekauft oder gar abonniert habe.
      Also: Online. Print wäre zwar im Prinzip schön, wird sich vermutlich aber kaum rechnen.
      Bei Online ist natürlich das Problem, dass dort die Erwartung ist, Inhalte kostenlos zur Verfügung gestellt zu bekommen.

      Inhaltlich müsste es möglichst breit gestreut sein, ohne Schwerpunkte. Ich denke Filme sind ganz einfach populärer als Bücher, weshalb im Sinne der Ausrichtung am Leser Filme auf jeden Fall mit hohem Anteil berücksichtigt werden müssten. Ansonsten wäre meine Erwartung, je breiter der Inhalt gestreut ist, umso interessanter.

      Ich betrachte so ein Projekt aber eher skeptisch, da ich denke, dass die Horrorfans heute überwiegend in Communities organisiert sind, wo auch der Informationsaustausch stattfindet.

      Persönlich fände ich so ein Magazin aber durchaus interessant.
      Vielleicht monatlich als 50 Seiten Heft, dass aber online lesbar sein müsste.
      Mehr von mir auf meiner Homepage und meiner Facebook-Seite:
      Dinge, die man eigentlich nicht liest, SEX und HORROR ... die bittersüße Erotik des Todes
      pjotr-x.de
      facebook.com/Pjotr-X-219602175…/?ref=aymt_homepage_panel
      Damit man auch eine Chance hat, dass sich so etwas finanziell rechnet, müssten alle Genres der Phantastik mit einbezogen werden. In den späten 80ern gab es das "Phantastische Zeiten"-Magazin ... ein Heft, das eben all das bot und an jedem grösseren Kiosk erhältlich war. Aber auch das brachte es lediglich auf geschätzte 10 Ausgaben. Heute hätte man bestimmt den Vorteil, mittels Internet mehr Werbung zu machen, andererseits droht da die Gefahr, dass man in all dem Onlinemüll untergeht.

      Ein weiterer wichtiger Aspekt, wie ich finde, betrifft die Seite der Macher. Dieser Kreis müsste deutlich offen sein. Sobald da lediglich Leute aus dem Horrorkreis drinstecken, endet das wieder in einem (zynisch gesprochen) inzestuösen Haufen, der eben wieder nur die gleichen Kunden wie eh und je anspricht. Das ist grundsätzlich ja in Ordnung, hindert aber eben das Wachstum. Um neue Leute anzusprechen, braucht es neue Stimmen mit neuen, frischen Meinungen. Das dürfte mitunter das Wichtigste sein.

      HarryW schrieb:

      Damit man auch eine Chance hat, dass sich so etwas finanziell rechnet, müssten alle Genres der Phantastik mit einbezogen werden.


      Ich gehe mit allen deinen Aussagen konform, aber hier möchte ich dir widersprechen. Breit gestreute Magazine haben wir schon mehr als genug, und alle kämpfen mehr oder weniger mit dem Überleben. Ich würde mich an Mammuts Stelle auf Phantastik beschränken, aber "Übergenres" wie SF und Fantasy ausklammern. Dann könnte es klappen.
      Ich habe erst kürzlich die !Time Machine (Nachfolger von !Xaver und !Alois) unter mein Verlagsdach genommen, und wir haben uns nach vielen und langen Diskussionen darauf geeinigt, ausschließlich SF zu bringen und nur Artikel, aber bewußt keine Erzähltexte. Das Fan-Zine ist nur auf Papier erhältlich, und um überhaupt wahrgenommen zu werden auf A4 und Glanz-Kunstdruckpapier. Da wir gut vernetzt sind, sind bereits 400 Exemplare weg, die 500 wollen wir im Laufe des Jahres knacken. Dann läuft das Projekt kostendeckend. Bei einem Verkaufspreis von 4,90 Euro inklusive Versandkosten.
      Wichtig ist ein verlässliches Team und ein absolut regelmäßiges Erscheinen, auch wenn es nur einmal im Jahr sein sollte. Eine "Verschieberitis", wie bei manchen, nicht auf professioneller Basis produzierten Magazinen führt zu vorzeitigen Tod.

      Mal eine provokante Frage: Warum muss es denn schon wieder ein neues Magazin sein? Wäre es nicht besser, die Kräfte zu bündeln und die Macher anderer Publikationen zu unterstützen?
      Rahmen: Nur Horror, düstere Phantastik mit einer liberalen Auslegung aber einer klaren transparenten Abgrenzung

      - Buch- und Comicvorstellungen
      - Filme, Serien und Spiele - Hintergründe
      - Literatur-Essays
      - Themenverwandte Essays (wie Harald es ausführt)
      - mindestens ein Interview
      - KEINE Geschichten

      Und gaaanz wichtig wie Ernst schreibt: Verlässlichkeit!
      Obwohl es einige fantastische Magazine im deutschsprachigen Raum schon gibt, finde ich die Lage nicht zufriedenstellend.
      Was erwarte ich von so einem fantastischen Magazin:
      1) Nur Horror oder besser gesagt "unheimliche Literatur": rein oder horrorbetont
      2) keine Gedichte und erzählerische Prosa
      3) Sachartikel (mit Minimum an Zitaten in ausländischen Sprachen ohne Übersetzung ins Deutsch)
      4) Bibliografien und Biografien von Autoren ( und nach der Möglichkeit nicht nur karge Kompilationen aus Internet-Quellen): sowohl moderne als auch alte
      5) Artikel über Filme (?). Fraglich, weil dieses Thema ganz schnell Oberhand gewinnen kann. Obwohl die Nähe zur Literatur irgendwo ganz deutlich zu spüren ist.
      6) Nachrichten aus der Szene
      7) Es kann eine Beilage mit nur Prosa veröffentlicht werden
      Eigentlich ist die Idee einfach. Die Anatomie so einer Zeitschrift ist auch sehr klar. Auf diesem Forum kommunizieren so viele Menschen mit enormem Wissen und Erfahrung im betroffenen Gebiet. Jeder könnte irgendwelchen Beitrag gerne leisten.
      [list][/list]

      Ernst Wurdack schrieb:


      Ich gehe mit allen deinen Aussagen konform, aber hier möchte ich dir widersprechen. Breit gestreute Magazine haben wir schon mehr als genug, und alle kämpfen mehr oder weniger mit dem Überleben.


      Sehe ich grundsätzlich auch so... bei den Multifunktions-Magazinen ist es beim Leser doch im Extremfall so, dass ihn nur ein Bruchteil der Beiträge interessiert (z. B. nur Horror oder nur SF). In diesem Fall wird er den Kauf nicht als lohnend betrachten und die Gefahr, dass solch ein Magazin zwischen allen Stühlen sitzt, wäre durchaus gegeben.

      Auf der anderen Seite darf das Magazin auch nicht zu speziell sein, da sonst die potentielle Zielgruppe zu klein ist und sich das Magazin schon deswegen nicht rechnen kann. Gerade zur Einführung dürfte das eine schwierige Gratwanderung für ein neues Magazin sein. Es gibt zwar einige Special-Interest-Magazine, die sich länger halten, aber die wurden entweder zu günstigeren Printzeiten etabliert und/oder haben größere Zielgruppen.
      ...and the book club consists mainly of people who club me with books.

      strach schrieb:


      Eigentlich ist die Idee einfach. Die Anatomie so einer Zeitschrift ist auch sehr klar. Auf diesem Forum kommunizieren so viele Menschen mit enormem Wissen und Erfahrung im betroffenen Gebiet. Jeder könnte irgendwelchen Beitrag gerne leisten.
      [list][/list]


      ​Also ich habe für Zwielicht immer Probleme Artikel zusammen zu bekommen, das gebe ich ehrlich zu.
      ​Und bei Phase X war das auch nicht immer leicht. Die Leute, die so was verfassen, stehen nicht unbedingt Schlange vor einer Veröffentlichungsmöglichkeit.

      vincentvoss schrieb:

      Rahmen: Nur
      - Filme, Serien und Spiele - Hintergründe


      Spiele würde ich außen vorlassen. Die Gamer bilden eine eigene Szene, die sich hochaktuell übers Internet informiert. Da kann man als Magazin kaum gegen anstinken.

      vincentvoss schrieb:

      Es müsste so ähnlich wie die VIRUS sein, nur mit einem erheblich größeren Literaturanteil.


      So wie CL?
      Ein Magazin wie Virus mit allen Seiten komplett vollfarbig rechnet sich erst ab 2000er (verkaufter)Auflage.
      Wir sind bei !Time Machine einen Kompromiss eingegangen: Die 4 Umschlagseiten vierfarbig, Inhalt S/W auf schönem Magazinpapier. Da kann man selbst kleinste Auflagen produzieren.

      Mammut schrieb:


      Die Leute, die so was verfassen, stehen nicht unbedingt Schlange vor einer Veröffentlichungsmöglichkeit.

      Das ist der springende Punkt. Und manche, die hoch und heilig versprochen haben, einen Artikel zu schreiben, liefern dann doch nichts ab.
      Ein Magazin wie Virus mit allen Seiten komplett vollfarbig rechnet sich erst ab 2000er (verkaufter)Auflage.
      Wir sind bei !Time Machine einen Kompromiss eingegangen: Die 4 Umschlagseiten vierfarbig, Inhalt S/W auf schönem Magazinpapier. Da kann man selbst kleinste Auflagen produzieren.


      Ich meinte nur vom Inhalt. Aber stimmt, alle Seiten farbig und auf Hochglanz muss bestimmt nicht sein ...



      Das ist der springende Punkt. Und manche, die hoch und heilig versprochen haben, einen Artikel zu schreiben, liefern dann doch nichts ab.


      Sollte jemand so etwas planen, ist meine Empfehlung bei einer vierteljährlichen Herausgabe, das erste Jahr mit allen Beteiligten einmal sicher durchzuplanen, um den Rahmen zu stecken. Ich glaube aktuelle Buchbesprechungen lassen sich noch vö-nah einbringen, aber die Sachtexte und z.T. die Interviews müssten im Vorfeld vorliegen.

      vincentvoss schrieb:


      Sollte jemand so etwas planen, ist meine Empfehlung bei einer vierteljährlichen Herausgabe ...

      Das bekommst du nicht gebacken, siehe Michaels Antwort weiter oben. Die 4 Herausgeber von der !Time Machine planen bewußt nur eine Ausgabe pro Jahr, das ist für Leute, die das als Hobby oder nebenberuflich machen, gerade gut zu schaffen. Bei 2 Ausgaben kommt schon erheblicher Termindruck auf.
      Aber interessehalber mal eine Frage in die Runde: Gäbe es tatsächlich Leute hier, die verlässlich Beiträge liefern würden und jemanden, der die Sache in die Hand nehmen und koordinieren würde?

      Ernst Wurdack schrieb:

      vincentvoss schrieb:


      Sollte jemand so etwas planen, ist meine Empfehlung bei einer vierteljährlichen Herausgabe ...

      Das bekommst du nicht gebacken, siehe Michaels Antwort weiter oben. Die 4 Herausgeber von der !Time Machine planen bewußt nur eine Ausgabe pro Jahr, das ist für Leute, die das als Hobby oder nebenberuflich machen, gerade gut zu schaffen. Bei 2 Ausgaben kommt schon erheblicher Termindruck auf.


      Da ist natürlich die Frage, worum es bei der Diskussion hier überhaupt genau geht... soll es grundsätzlich um ein professionelles Magazin gehen oder um ein Hobby-Projekt? Also bei Hobby-Projekten dürfte es im Internet genug Angebot für lau geben, ob da ein neues Fanzine genug Kunden anlockt, um eine größere Verbreitung zu erreichen, ist aus meiner Sicht doch fraglich... um ganz ehrlich zu sein, würde ich mir sowas eher nicht kaufen. Das Angebot an professionellem Lesestoff ist ohnehin so groß, dass ich meine Lesezeit nicht noch zusätzlich für Hobbies Anderer verwenden würde.
      ...and the book club consists mainly of people who club me with books.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Sar-Sargoth“ ()

      Ernst Wurdack schrieb:


      Aber interessehalber mal eine Frage in die Runde: Gäbe es tatsächlich Leute hier, die verlässlich Beiträge liefern würden und jemanden, der die Sache in die Hand nehmen und koordinieren würde?


      Ich wäre da sicher die falsche Person :-) . Schon bei Kurzgeschichten habe ich die Eigenart, alles mögliche zu recherchieren, was manchmal dazu führt, dass ich mich monatelang durch alle möglichen Sachartikel und -bücher kämpfe, weil ich ständig das Gefühl habe, etwas Elementares verpasst zu haben. Schlussendlich ist die ganze Arbeit dann für einen kurzen Abschnitt. Und ich behaupte mal, dass es die meisten Leser gar nicht interessiert, wie realistisch und korrekt die Dinge eben dargestellt werden.

      Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ich einen Sachartikel schreiben würde, müsste ich wohl meinen Brotjob künden, um genügend Zeit für die notwendige Recherche zu haben.