Buchpreisbindung

      Finde es komisch, dass eine Monopolkommission, die ja, so wie ich es verstehe, Monopole verhindern soll, sich gegen ein Instrument ausspricht, das ein Monopol im weitesten Sinne verhindert. Denn vom Wegfall der Buchpreisbindung wird in erster Linie Amazon profitieren, die erwartbare Bestseller á la Dan Brown oder die Harry-Potter-Fortsetzungen zu Preisen anbieten werden, die sich kein unabhängiger Buchhändler leisten kann. Im englischsprachigen Segment machen sie da ja schon seit Jahren.

      Meiner Meinung nach würde ein Wegfall der Buchpreisbindung dem Buchmarkt vor allem schaden.

      @ Mammut
      Was hältst du von der Buchpreisbindung?
      Das ist eine echt gute Frage. Ich finde, beide Seiten haben gute Argumente auf ihrer Seite.
      Eigentlich gibt es ja viele Möglichkeiten, günstig Bücher anzubieten. Es gibt/gab oft Sonderausgaben, die waren preislich sehr leserfreundlich. Und die Ramschtische sind ja eigentlich auch so was wie "wir schmeißen Bücher billig auf den Markt".

      Andererseits ist die Argumentationskette, Bücher sind schützenswertes Kulturgut, doch etwas überholt. 2016 sind 85.000 Titel erschienen: boersenverein.de/sixcms/media.php/1117/Tab.39_BuBiZ_2017.pdf

      Das E-Book Angebot von Amazon dagegen hat den Markt geflutet, es erscheinen unzählige Titel, und auf Grund der Masse werden die ja oft zum Mindestpreis verkauft. oder direkt kostenlos.

      Ich bin da echt unschlüssig, tendiere aber gegen die Buchpreisbindung.
      Da erinnere ich mich als Diplom-Volkswirt gerne mal ans zweite oder erste Semester zurück.
      Preis und Markttheorie.

      Zweifellos, ob es einem aus politischer Ideologie passt oder nicht, erfolgt in einem funktionierenden normalen Markt die Verteilung von Gütern optimal, wenn sich der Preis nach Angebot und Nachfrage bestimmt.
      Das ist wie eines der zehn Gebote der Wirtschaftswissenschaften, für die es immerhin einen Nobelpreis gibt, auch wenn der eigentlich kein echter Nobelpreis ist.

      Der Buchmarkt ist definitiv ein funktionierender normaler Markt.
      Es gibt viele Anbieter, die auf viele Nachfrager treffen (also kein Monopol oder Oligopol) - Was spricht dagegen in einen solchen Markt, den Preis durch Angebot und Nachfrage bestimmen zu lassen? - Mögliche Antworten: Kulturdiktat oder die Angst vor Amazon oder das nicht Abfinden mit dem Strukturwandel der Vertriebswege im Buchhandel seit der Erfindung des Internets.

      Ohne die Buchpreisbindung könnte Amazon meines Erachtens sogar viel besser bekämpft werden, sofern man darin ein sinnvolles Marktziel sieht. Die Verlage könnten ihre Bücher auf ihren Shopseiten günstiger anbieten, und damit Amazon Umsatz abgraben.
      Durch das meiden von Amazon-Büchern im eigenen Shop zwingt man dagegen den Käufer bei Amazon zu kaufen: Dort hat er eh einen Account, warum sollte er bei einem anderen Anbieter einen weiteren Account machen, wenn er bei einem alles aus einer Hand erhält. Ein Grund wäre: Wenn es dort preisgünstiger wäre.

      Preiseingriffe werden im allgemeinen durch die Theorie der Marktversagens legitimiert. Eine Rolle spielen da natürliche Monopole (Bundesbahn/Telekom), externe Effekte (Umweltverschmutzung), öffentlich Güter (Straßenbau/Verteidigung) und einiges mehr.
      Die Sonderstellung eines Kulturgutes spielt da eigentlich weniger eine Rolle.
      Mehr von mir auf meiner Homepage und meiner Facebook-Seite:
      Dinge, die man eigentlich nicht liest, SEX und HORROR ... die bittersüße Erotik des Todes
      pjotr-x.de
      facebook.com/Pjotr-X-219602175…/?ref=aymt_homepage_panel

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      Pogopuschel schrieb:

      Denn vom Wegfall der Buchpreisbindung wird in erster Linie Amazon profitieren, die erwartbare Bestseller á la Dan Brown oder die Harry-Potter-Fortsetzungen zu Preisen anbieten werden, die sich kein unabhängiger Buchhändler leisten kann. Im englischsprachigen Segment machen sie da ja schon seit Jahren.

      Meiner Meinung nach würde ein Wegfall der Buchpreisbindung dem Buchmarkt vor allem schaden.

      Tja, Amazon ist immer groß und böse. *Disturbed Aber wird das Unternehmen denn wirklich durch die Buchpreisbindung in seinen Weltbeherrschungsplänen soo stark behindert? Klar, die Preise für den Endkunden sind mit Buchpreisbindung immer gleich, so dass es auf den ersten Blick keinen Unterschied macht, wo ich mein Buch kaufe. So lange sich die meisten Buchhandlungen sowohl vom Service, von Angebot und von Erreichbarkeit her aber v. a. im ländlichen Raum selbst im Weg stehen, landet so manch naiver Kunde dann letztlich doch in den Fängen des Satans. An einem tatsächlichen Problem des Buchmarkts (die Verlage und damit die Autoren bekommen nicht genug Geld für ihre Bücher) ändert doch auch das Buchpreisbindungsgesetz nichts: Amazon (aber auch anderen Großen wie Hugendubel und Thalia) werden erhebliche Einkaufsrabatte bei den Verlagen gewährt. Was wäre jetzt so schlimm daran, wenn erlaubt wäre, diese Rabatte zum Teil an den Kunden weiterzugeben? Verlage und Autoren haben den Schaden doch ohnehin schon.

      Darüber hinaus schauen Großverlage immer mehr auf den potentiellen Gewinn beim Veröffentlichen, Kleinverlage mit mehr Idealismus und Themen abseits des Mainstreams gibt es auch in Ländern ohne Buchpreisbindung (oder haben auch in Ländern mit Buchpreisbindung Probleme, wie man gerade in letzter Zeit leider wieder sehen musste).

      Was mich in dem Zusammenhang interessieren würde, sind die Buchmärkte in Ländern ohne Buchpreisbindung (z. B. anglo-amerikanischer Raum, Polen, Schweiz, Schweden Finnland): Stehen die jetzt wirklich schlechter da als in Ländern mit Buchpreisbindung? Meinem subjektiven Eindruck nach eher nicht, aber ich habe da auch keinen allzu umfassenden Einblick (außer vielleicht etwas im englischsprachigen Raum, der aufgrund seiner Größe aber evtl. auch einen Sonderfall darstellt). Weiß dazu jemand genaueres?
      ...and the book club consists mainly of people who club me with books.
      Ich hab da auch keine einheitliche Meinung.
      Zum einen ist Amazon auch in Deutschland erfolgreich trotz Buchpreisbindung. Dann vermute ich, dass der Preis eher zu den nachrangigen Kaufkriterien gehört. Außerdem: Ob ein Buch in Koblenz zwei Euro günstiger ist, interessiert mich eher nicht.
      Vielleicht würde das Aufheben der Buchpreisbindung auch dazu führen, dass Verlage ihren Output zurückfahren um dem Markt durch Verknappung höhere Preise zu entlocken. Das könnte Auswirkungen auf die Qualität haben. Denn trotz Buchpreisbindung ist die Anzahl literarischer Größen aus Deutschland seit Jahrzehnten am Schwinden.

      Andererseits befürchte ich einen großen Preisdruck auf Buchhandlungen durch die Verlage, was den kleineren Buchhandlungen massiv schaden könnte.
      Weiterhin gefällt mir die Idee, dass Literatur in Deutschland ein gefördertes Kulturgut ist. Eine Buchpreisbindung bietet, hier vermute ich wieder, auch den an einem Buch Beteiligten kalkulierbare Einnahmen, auch wenn inzwischen die eigentlichen Schöpferinnen und Schöpfer der Bücher am wenigsten davon leben können.
      Wenn das Mammut nicht wär, gäbs auch keine Fragen.
      Hier in der Schweiz hatte die Abschaffung der Buchpreisbindung verheerende Folgen für kleine private Buchgeschäfte - 20% Einbussen klingt als reine Zahl ja nicht so schlimm, für einen Grossteil der 'Kleinen' war dies aber genau die Spanne, die über Existenz oder Nichtexistenz entschied. Nicht Dutzende, sondern Hunderte privater Geschäfte gingen bankrott, weil vor allem die grossen Buchhandlungen und Kaufhäuser plötzlich durch ihr Volumen so tiefe Preise ansetzen konnten, dass ein Fachgeschäft keine Chance hat. Traditionsbuchhandlung, die es seit 60 Jahren gab, verschwanden von einem auf den anderen Monat. Das ist aber nur die finanzielle Seite. Der kulturelle Schaden, der dadurch entstand, kann gar nicht in Ziffern ausgedrückt werden und wird sich in vollem Umfang wohl erst in ein paar Jahren zeigen.

      HarryW schrieb:

      Hier in der Schweiz hatte die Abschaffung der Buchpreisbindung verheerende Folgen für kleine private Buchgeschäfte - 20% Einbussen klingt als reine Zahl ja nicht so schlimm, für einen Grossteil der 'Kleinen' war dies aber genau die Spanne, die über Existenz oder Nichtexistenz entschied. Nicht Dutzende, sondern Hunderte privater Geschäfte gingen bankrott, weil vor allem die grossen Buchhandlungen und Kaufhäuser plötzlich durch ihr Volumen so tiefe Preise ansetzen konnten, dass ein Fachgeschäft keine Chance hat. Traditionsbuchhandlung, die es seit 60 Jahren gab, verschwanden von einem auf den anderen Monat. Das ist aber nur die finanzielle Seite. Der kulturelle Schaden, der dadurch entstand, kann gar nicht in Ziffern ausgedrückt werden und wird sich in vollem Umfang wohl erst in ein paar Jahren zeigen.


      Wenn das Traditionsbuchhandlungen und Fachgeschäfte im positiven Sinne (mit gutem Service und guter Beratung) erwischt, ist das natürlich sehr unschön. Meiner Erfahrung nach gibt es dieses Idealbild der Buchhandlung nur leider sehr selten, zumindest hier in der Region, in der ich wohne. Da gibt es oft die typische "Wenns-nicht-im-Regal-steht-ist-es-auch-nicht-da"-Mentalität oder ein erschreckend kleines Sortiment (z. B. auch aktuelle Bücher von King sind regelmäßig nicht zu finden), mit dem Vermerk, man könne praktisch alles bis zum nächsten Tag bestellen. Das kann ich beim bösen Amazon dann aber auch selbst machen, ohne ein weiteres mal 20 km hin und 20 km zurück fahren zu müssen. Das solche Läden ein Problem bekommen, wenn ihnen die Sicherheit der Buchpreisbindung genommen wird, ist naheliegend. Aber wäre das für den Buchmarkt insgesamt denn so schlimm?

      Der kulturelle Schaden würde doch dann eintreten, wenn das Buchangebot insgesamt immer knapper oder einseitiger werden würde oder man Probleme hätte, Bücher generell erwerben zu können. Buchläden der geschilderten Art empfinde ich zumindest nicht als große kulturelle Bereicherung... was in solchen Läden verkauft wird, ist letztlich egal, die könnten auch als Metzgerei oder Tabakladen arbeiten, der kulturelle Aspekt wäre ähnlich stark ausgeprägt. Aber vielleicht ist die Einstellung, dass ein guter Buchladen mit guter Beratung, gutem Service und gutem persönlichen Kontakt sich auch gegen Amazon durchsetzen kann zu naiv. Sicherlich gibt es auch Beispiele dafür, dass es solche Läden in Zeiten von Internethandel nicht schaffen. Aber das es durch den Internethandel große wirtschaftliche Umwälzungen gibt und viele stationäre 08/15-Läden auf der Strecke bleiben, ist ja kein spezielles Problem des Buchmarktes. In anderen Branchen ist das auch so, und die müssen auch ohne Preisbindungen auskommen. Wenn man Bücher mehr vom kulturellen Standpunkt aus sieht, wäre die Frage, ob man da nicht anderweitige, sinnvollere Förderungen einrichtet, als die Buchpreisbindung, die ja ohnehin unterlaufen werden kann (siehe meinen letzten Beitrag).
      ...and the book club consists mainly of people who club me with books.

      lapismont schrieb:

      Was ist denn eine gute Buchhandlung? Ist dafür die Anzahl der phantastischen Titel oder entsprechendes Fachwissen relevant?

      Wenn ich danach ginge, ob es Phantastik gibt, fielen etliche tolle Läden aus meiner Liste heraus.


      Also ich kann mich bei uns in der Gegend an keine gute Buchhandlung mehr erinnern, solange ist das her.
      Wenn es um Förderung von Kultur geht, stellt sich zwangsläufig die Frage, welche Art von Bücher wären förderungswürdig? Das Buch an sich und die dahinter stehende Industrie ist mit Sicherheit kein pauschal schützungswürdiger Bereich.

      lapismont schrieb:

      Was genau ist der kulturelle Schaden denn? Weniger Bücher? Weniger LeserInnen? Weniger AutorInnen? Weniger Bestseller? Weniger Literaturnobelpreise?


      Fachgeschäfte (egal ob für Literatur, Hüte, Musik, Film, ect.) sind immer auch Zentren des Wissens in einem bestimmten Bereich. Der soziale Austausch mit ausgebildetem Fachpersonal führt zu einer Wissensanreicherung, wenn man denn gewillt dazu ist. Gerade im Bereich der Literatur ist es enorm wichtig, die wirklich wichtigen historischen Werke zu kennen, deren Inhalt auch heute noch Gültigkeit besitzt. In einem Supermarkt oder leider auch in Grossbuchhandlungen mögen sich zwar gute Verkäufer finden, aber mehr als die aktuelle Bestsellerliste bekommt man da nicht zu hören, wenn man sich erkundigt (zumindest mache ich diese Erfahrung fast wöchentliche).

      Da heute mehr denn je das Geld und weniger der Inhalt wichtig ist, richten sich zwar nicht alle, aber immer mehr Autoren und Verlage nach gerade populären Genres. Die Zeit, um Romane zu schreiben, wird immer kürzer, daher werden Inhalte oft trivialisiert, kopiert und wirken selten durchdacht (auch dies ist eine Erfahrung, die ich immer mal wieder mache, wenn ich zu einem gerade aktuellen Roman greife). Ich gebrauche hier gerne die Worte 'literarischer Fastfood' - zwar macht das ganze kurzzeitig Spass, aber mehr als Zeit zu töten erreicht man als Leser damit nicht. Beschäftig man sich hingegen mal mit einem Don Quichote oder einem Roman von Dostojewski, dann bekommt man so viel Inhalt, dass man genügend Stoff hat, um lange Zeit darüber nachzudenken. Zudem lassen diese Werke einen oft erkennen, dass unglaublich viele Autoren bloss wiederkäuen. Das ist gleichzusetzen mit Stillstand.

      Last but not least entsteht ein kultureller Schaden, weil Grossbuchhandlungen und Supermärkte an vorderster Front nur die Massenware haben. Dass Autoren durch diese Sache oft auch ihr Werk einfach dem Markt anpassen und damit in Belanglosigkeit ertrinken, empfinde ich ebenfalls als kulturellen Schaden. Mich interessieren die Gedanken der Leute, die da Sätze aufs Papier bringen, und nicht das, was sie denken, das sich gerade verkauft.

      HarryW schrieb:

      lapismont schrieb:

      Was genau ist der kulturelle Schaden denn? Weniger Bücher? Weniger LeserInnen? Weniger AutorInnen? Weniger Bestseller? Weniger Literaturnobelpreise?


      Fachgeschäfte (egal ob für Literatur, Hüte, Musik, Film, ect.) sind immer auch Zentren des Wissens in einem bestimmten Bereich. Der soziale Austausch mit ausgebildetem Fachpersonal führt zu einer Wissensanreicherung, wenn man denn gewillt dazu ist. Gerade im Bereich der Literatur ist es enorm wichtig, die wirklich wichtigen historischen Werke zu kennen, deren Inhalt auch heute noch Gültigkeit besitzt. In einem Supermarkt oder leider auch in Grossbuchhandlungen mögen sich zwar gute Verkäufer finden, aber mehr als die aktuelle Bestsellerliste bekommt man da nicht zu hören, wenn man sich erkundigt (zumindest mache ich diese Erfahrung fast wöchentliche).

      Da heute mehr denn je das Geld und weniger der Inhalt wichtig ist, richten sich zwar nicht alle, aber immer mehr Autoren und Verlage nach gerade populären Genres. Die Zeit, um Romane zu schreiben, wird immer kürzer, daher werden Inhalte oft trivialisiert, kopiert und wirken selten durchdacht (auch dies ist eine Erfahrung, die ich immer mal wieder mache, wenn ich zu einem gerade aktuellen Roman greife). Ich gebrauche hier gerne die Worte 'literarischer Fastfood' - zwar macht das ganze kurzzeitig Spass, aber mehr als Zeit zu töten erreicht man als Leser damit nicht. Beschäftig man sich hingegen mal mit einem Don Quichote oder einem Roman von Dostojewski, dann bekommt man so viel Inhalt, dass man genügend Stoff hat, um lange Zeit darüber nachzudenken. Zudem lassen diese Werke einen oft erkennen, dass unglaublich viele Autoren bloss wiederkäuen. Das ist gleichzusetzen mit Stillstand.

      Last but not least entsteht ein kultureller Schaden, weil Grossbuchhandlungen und Supermärkte an vorderster Front nur die Massenware haben. Dass Autoren durch diese Sache oft auch ihr Werk einfach dem Markt anpassen und damit in Belanglosigkeit ertrinken, empfinde ich ebenfalls als kulturellen Schaden. Mich interessieren die Gedanken der Leute, die da Sätze aufs Papier bringen, und nicht das, was sie denken, das sich gerade verkauft.


      Aber Du beschreibst eigentlich den Zustand jetzt in Deutschland mit Buchpreisbindung.
      Wenn das Mammut nicht wär, gäbs auch keine Fragen.

      HarryW schrieb:

      Das ganze ist ja ein Prozess in Richtung von immer mehr 'literarischem Fastfood', der 2007 sicher zwar nicht seinen Anfang nahm, aber wegen dem Fall der Buchpreisbindung (in der Schweiz) eine deutliche Beschleunigung erlebte.


      Ich glaube auch das hängt nicht miteinander zusammen. Das "literarische Fastfood" hat doch in der Masse eher seinen Ursprung in Übersee bzw. gibt es hier ja als Heftroman schon sehr lange.
      Die Produktionsbedingungen für Schriftsteller und Verlage haben sich halt geändert.

      E-Book haben ja nur bedingt eine Buchpreisbindung, zumindest stellt sich mir das so da. Bei den E-Books ist der Trend zu mehr Büchern für einen geringeren Preis in D zu erkennen:
      boersenverein.de/de/182716
      Vielleicht differenziert sich das auch nur weiter aus wie in der Musik.

      Aber einen Kulturschaden sehe ich da nicht wirklich. Aus meiner Sicht ist der größte Schaden in der Literatur weiterhin, dass Autorinnen und Autoren vom Schreiben in der Regel nicht leben können.
      Wenn das Mammut nicht wär, gäbs auch keine Fragen.

      HarryW schrieb:


      Fachgeschäfte (egal ob für Literatur, Hüte, Musik, Film, ect.) sind immer auch Zentren des Wissens in einem bestimmten Bereich. Der soziale Austausch mit ausgebildetem Fachpersonal führt zu einer Wissensanreicherung, wenn man denn gewillt dazu ist. Gerade im Bereich der Literatur ist es enorm wichtig, die wirklich wichtigen historischen Werke zu kennen, deren Inhalt auch heute noch Gültigkeit besitzt. In einem Supermarkt oder leider auch in Grossbuchhandlungen mögen sich zwar gute Verkäufer finden, aber mehr als die aktuelle Bestsellerliste bekommt man da nicht zu hören, wenn man sich erkundigt (zumindest mache ich diese Erfahrung fast wöchentliche).

      Da heute mehr denn je das Geld und weniger der Inhalt wichtig ist, richten sich zwar nicht alle, aber immer mehr Autoren und Verlage nach gerade populären Genres. Die Zeit, um Romane zu schreiben, wird immer kürzer, daher werden Inhalte oft trivialisiert, kopiert und wirken selten durchdacht (auch dies ist eine Erfahrung, die ich immer mal wieder mache, wenn ich zu einem gerade aktuellen Roman greife). Ich gebrauche hier gerne die Worte 'literarischer Fastfood' - zwar macht das ganze kurzzeitig Spass, aber mehr als Zeit zu töten erreicht man als Leser damit nicht. Beschäftig man sich hingegen mal mit einem Don Quichote oder einem Roman von Dostojewski, dann bekommt man so viel Inhalt, dass man genügend Stoff hat, um lange Zeit darüber nachzudenken. Zudem lassen diese Werke einen oft erkennen, dass unglaublich viele Autoren bloss wiederkäuen. Das ist gleichzusetzen mit Stillstand.

      Last but not least entsteht ein kultureller Schaden, weil Grossbuchhandlungen und Supermärkte an vorderster Front nur die Massenware haben. Dass Autoren durch diese Sache oft auch ihr Werk einfach dem Markt anpassen und damit in Belanglosigkeit ertrinken, empfinde ich ebenfalls als kulturellen Schaden. Mich interessieren die Gedanken der Leute, die da Sätze aufs Papier bringen, und nicht das, was sie denken, das sich gerade verkauft.


      Da gebe ich dir völlig recht. Es ist auch wirklich schade, wenn es in der Schweiz noch Buchhandlungen mit dem geschilderten Fachpersonal gab, die durch Abschaffung des Buchpreisbindungsgesetzes abgeschossen wurden. Die letzte Erinnerung an eine Buchhandlung hier bei mir in der Gegend, bei der ich den Eindruck hatte, von kompetentem Fachpersonal beraten zu werden, geht aber zurück bis irgendwann Ende der 80er... also eindeutig vor der Zeit des bösen Internethandels. Die kleinen Buchhandlungen, die es hier gibt/gab, sind meist vom grundsätzlichen Auftreten her ähnlich wie die Buch-Supermärkte, nur mit weniger Auswahl. Den kulturellen Schaden, dass über die Bücher nur noch wenig beim Kauf ausgetauscht wird und es viele Fastfood-Bücher gibt, sehe ich zwar auch, aber das ist doch nicht unbedingt Ursache der vorhandenen oder nichtvorhandenen Buchpreisbindung. Die Situation ist in der Schweiz und in Deutschland ja wohl annähernd gleich, wenn ich das richtig mitbekommen habe.

      Andererseits gibt es ja noch den Austausch über Bücher im Internet, der relativ neu dazu gekommen ist, welcher das Fachpersonal zumindest teilweise ersetzt. Und seichte Literatur ist auch nicht zwangsläufig ein modernes Problem... wie ja schon geschrieben wurde, gibt es den Heftroman ja schon länger, bei dem es nur um die schnelle Unterhaltung geht. Aber auch ältere Werke (selbst wenn sie heute noch bekannt sind) waren nicht immer voller Tiefgang. Kennt jemand "Iphigenie auf Tauris" von Goethe? Das liest sich ungefähr wie eine lange Episode einer Seifenoper, die im antiken Griechenland angesetz wurde. Auch das ist nicht unbedingt schlecht für den Buchmarkt, wenn es parallel auch noch anspruchsvolleres gibt.
      ...and the book club consists mainly of people who club me with books.