Lesezirkel Kathe Koja: The Cipher - Kapitel 3 & 4

      An den Kapiteln 3 und 4 hat mir gut gefallen, dass endlich mehr Figuren auftreten und damit neue Entwicklungen möglich sind. Leider leidet die Atmosphäre etwas darunter. Ein gruseliger Moment wie der Kuss oder die Erstsichtung des Videos fehlt leider, dafür sickert ziemlich viel Grütze aus der Hand, was dem Sexleben mal mehr mal weniger zu schaden scheint. Mittlerweile bin ich über diese Kapitel schon leicht hinaus, weil man mich heute im Zug einfach gut lesen ließ, aber richtig einprägsam war leider wenig.
      Die neuen Charaktere lockern das Ganze etwas auf, zur Handlung tragen sie in den Kapiteln 3 und 4 aber leider wenig bei.
      Ansonsten ziemlich klassische Handlung, erinnert an die Heldenreise.

      Insgesamt nach wie vor kurzweilig, aber kein Pageturner.
      Bücher werden von niemandem beachtet. Darum sind Bücher der ideale Ort, um die wirklich ungeheuerlichen Sachen zu veranstalten.
      - Chuck Palahniuk -
      Ich fand gerade den kammerspielartigen Ablauf der zwei ersten Kapitel ganz reizvoll (was evtl. auch daran liegt, dass ich zuvor zwei Romane mit sehr vielen Figuren und komplizierten Handlungssträngen gelesen habe und dieser eine nette Abwechslung darstellt). Die drei hinzukommenden Figuren hätte es für mich nicht gebraucht, am ehesten noch den dezent einfältigen Randy als "Jünger". Dessen Freundin ist eher schmückendes Beiwerk, was sich vielleicht noch ändert, und die Bekannte, in deren Haus Nicholas kurzfristig unterschlüpft, taucht nur auf, um wieder zu verschwinden.

      Der Dreh, dass eine besondere Verbindung zwischen dem Protagonisten und dem Phänomen in der Abstellkammer besteht, gefällt mir gut, auch dass sich durch die beginnende Metamorphose die Machtverhältnisse zwischen ihm und Nakota allmählich ins Gegenteil verkehren. Folgerichtig stellt er sich die Frage "Warum gerade ich?", von der auch ich hoffe, dass sie noch beantwortet wird.
      Ich komm nicht richtig rein, das es mich jetzt wirklich interessieren würde, und die Fehler werden auch nicht weniger. Liest sich wie ein Voodoo Press Buch. Die Haut "getötet" statt "gerötet". Meine Fresse. Es plätschert dahin, zumindest treibt die Handlung mit den drei Neuen etwas voran. Aber das Geisterloch und Nicholas benötigen einander, damit überhaupt was geschieht! Und vor allem Was denn? Ich hoffe es wird besser, aber schätze das zweite Buch der Autorin ebenfalls Apex Verlag(jetzt) werd ich mir nicht zulegen.
      Reality is lost - IKON
      Für mich plätschert das Buch bisher auch nur vor sich hin... gut, es tauchen mittlerweile auch noch andere Personen auf, wirklich Spektakuläres oder Spannendes passiert aber immer noch nicht. Immerhin wird in den beiden Kapiteln weniger gesoffen, auch vom Text an sich her waren die Kapitel weniger auffällig als die ersten beiden Kapitel.
      ...and the book club consists mainly of people who club me with books.
      Ich fand gerade diese beiden Kapitel auffälliger, was die Fehlerquote anging. Da hat es auch mich diesmal arg gestört, wenn Wörter in den Sätzen vorkommen, die im Kontext gar keinen Sinn ergeben, oder Sätze mittendrin abgebrochen werden.
      Die Story hat auch nachgelassen, finde ich. Die ersten beiden Kapitel haben mich sehr gut unterhalten und waren durchaus abwechslungsreich, jetzt ging es nur um die Hand und diverse austretende Flüssigkeiten. Die Szenen am Loch waren mir zu durcheinander und hektisch geschrieben, ich konnte manchmal nicht ganz folgen, was denn nun wirklich wann geschieht. Deswegen hat die Geschichte für mich an Atmosphäre und Spannung eingebüßt.
      Die neuen Charaktere gefallen mir gut, allen voran Randy, der ist ein Sympathieträger.
      Was mich noch nervt, ist die ewige Fragerei des Protas. Ja, Zerissenheit, Selbstzweifel, Mitleid, Selbstmordgedanken - die ganze Sache steckt man nicht weg, ohne Fragen im Kopf zu haben. Aber Koja übertreibt es damit ein wenig.
      Gespannt bin ich tatsächlich auf die Entwicklung des Verhältnisses von Nicholas und Nakota, und was mit der Hand noch so geschieht.
      Grrr. Die Fehlerquote häuft sich und vor allem auch die Qualität der Fehler. Das bremst das Lesen.

      Beide Kapitel widmen sich stark der Verzweiflung Nicholas´, die bis zum angedachten aber nicht vollzogenen Suizid reicht. Zentral dabei, auch in der Innenschau, das Loch. Seines in der Hand, seines in seinem Haus. Insgesamt fand ich beide Kapitel retadierter als die ersten beiden, aber ich hoffe stark und glaube fest, dass sie, ebenso wie die beiden Sidekicks, wichtig für die weitere Handlung sind.

      Stilistisch bin ich manchmal mit der Übersetzung am Zweifeln, daher finde ich die Einwände "unserer Profis" auch so spannend. Gerade in diesen beiden Kapiteln finde ich die Sprache gelegentlich sehr einfach. So einfach, dass ich Nicolas den intellektuellen Dichter beinahe nicht mehr abnehmen kann. Ich vermute im Original ist das eleganter.