Lesezirkel Kathe Koja: The Cipher - Kapitel 7 & 8

      Nach den ersten Kapiteln ist das Buch einfach recht ereignis- und eindruckslos bis Ende des achten Kapitels an mir vorbeigerauscht. Ich lese es im Zug und dort vermutlich nicht mit derselben Genauigkeit und Aufmerksamkeit, wie ich sie zu Hause aufbringen würde. Vielleicht ist mir dabei etwas entgangen, ich glaube aber, dass das nicht der Fall ist.

      Koja gelingt es meines Erachtens ordentlich bis gut, die reduzierten, immer wiederkehrenden Tagesabläufe und Probleme eines Alkoholikers, der ziemlich tief im Mist sitzt und mit der Situation komplett überfordert ist, darzustellen. Das ist ebenso zehrend wie zwischenzeitlich ermüdend, soll es aber vermutlich auch sein.

      Aus dieser Routine hat mich dann aber die letzte Szene des 8. Kapitels vollkommen rausgerissen. Diese Szene, in der alles brennt und alles eskaliert, bahnt sich kurz an und entwickelt dann eine überraschende Kraft, die vor allem vor dem Hintergrund der zuvor eher plätschernden Handlung ihre Wirkung entfalten kann. Erst danach ist mir klar geworden, dass Koja vorher einiges in Stellung gebracht hat (mehr Figuren, Gruppenbildung, die Maske), um genau eine solche Szene schreiben zu können. Ich hoffe, auf diese Weise geht es jetzt erstmal weiter. Das könnte dem Roman noch einigen Schwung verleihen.

      Felix W schrieb:

      Koja gelingt es meines Erachtens ordentlich bis gut, die reduzierten, immer wiederkehrenden Tagesabläufe und Probleme eines Alkoholikers, der ziemlich tief im Mist sitzt und mit der Situation komplett überfordert ist, darzustellen. Das ist ebenso zehrend wie zwischenzeitlich ermüdend, soll es aber vermutlich auch sein.


      Aus dem Blickwinkel, dass es so gewollt sein könnte, habe ich es noch gar nicht betrachtet. Der Gedanke hat was.

      Tatsächlich geht mir Nicholas zunehmend auf die Nerven. Zwischendurch hatte ich den Eindruck, er würde sich unter dem Einfluss des Geisterlochs verändern, aber das bewahrheitet sich nicht. Es wechseln höchstens die Absonderungen aus dem händigen GL-Pendant, der Protagonist aber bleibt seinem bierseligen Phlegma treu und schafft es weder, Nakota in die Schranken zu weisen, noch Malcolm, seinen "Fanclub" oder Nakotas Anhänger vor die Tür zu setzen, noch ein Schloss an der Kammer anzubringen, noch sich im Restaurant selbstständig ein Essen zu bestellen. Puh ...

      Das Ende des Abschnitts ist dagegen sehr gelungen, die Szene hätte gern mehr Raum einnehmen dürfen, ebenso das Eigenleben, das die Maske entwickelt.
      Durch die Einbindung der weiteren Figuren, ist der Teil zwar etwas lebendiger als der Anfang des Buches, wirklich viel passiert aber immer noch nicht. Soll es wohl auch nicht mehr, offensichtlich ist das Buch eher als Schilderung sehr seltsamer Charaktere gesacht. Deren Handlungen sind größtenteils nicht wirklich nachvollziehbar, z. B. bei Nicholas: Seine Hand fault und nässt munter vor sich hin, so dass er ähnlich einer Schnecke eine riechende Schleimspur hinterlässt, dennoch kommt er nicht auf die Idee, mal zu einem Arzt zu gehen. Alles in allem also eher eine Schilderung von Seltsamem als wirkliche Handlung.
      ...and the book club consists mainly of people who club me with books.

      Sar-Sargoth schrieb:

      ... z. B. bei Nicholas: Seine Hand fault und nässt munter vor sich hin, so dass er ähnlich einer Schnecke eine riechende Schleimspur hinterlässt, dennoch kommt er nicht auf die Idee, mal zu einem Arzt zu gehen. Alles in allem also eher eine Schilderung von Seltsamem als wirkliche Handlung.


      Er sucht schon einen Arzt auf, ziemlich zu Beginn der Entstehung des Lochs in der Hand.
      Bücher werden von niemandem beachtet. Darum sind Bücher der ideale Ort, um die wirklich ungeheuerlichen Sachen zu veranstalten.
      - Chuck Palahniuk -